E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Thon / Volk Bau kan Mist!
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-4415-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit 48 Schritten zu Zero Waste und vielen Tipps für jeden Einzelnen
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-7597-4415-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Josef Thon ist seit 2004 Abteilungsleiter der 48er. Er ist der Initiator für dieses Buch und das Mastermind hinter dem Projekt "Bau kan Mist! Mit 48 Schritten zu Zero Waste".
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Zurück zum Start – Wozu Kreislaufwirtschaft?
Klimawandel
Die Lebensbedingungen auf der Erde verändern sich seit Jahrmillionen. Auf Wärmeperioden folgten Eiszeiten und umgekehrt. Ohne diesen Wandel gäbe es die Menschheit bzw. die Fauna nicht in der heutigen Form.
Während in der Vergangenheit große Veränderungen der Lebensbedingungen auf natürliche Ursachen, wie Vulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge, zurückzuführen waren, so ist ein Großteil der heutigen, rasant ansteigenden Belastung des fragilen Ökosystems „Erde“ hausgemacht, also vom Menschen selbst verursacht. Hitze- und Kälteperioden, Überschwemmungen, Dürren, der brennende Regenwald, der Anstieg des Meeresspiegels – die Häufigkeit und Intensität dieser Phänomene nehmen aufgrund des Klimawandels rasant zu.
Dies findet nicht „irgendwo“ statt, sondern ist längst in Europa und Österreich angekommen: der Rückgang der Gletscher, Tornados in Europa, furchtbare Überschwemmungen, Waldbrände und damit einhergehende Zerstörungen. Diese Extremereignisse führen in der Folge zu neuen Problemen wie Migration aber auch zu massiven wirtschaftlichen Schäden.
Das Pariser Klimaabkommen 2015
Die globalen Auswirkungen des Klimawandels und die Notwendigkeit für Gegenmaßnahmen wurden bereits vor Jahrzehnten erkannt. Geschehen ist allerdings zu wenig.
So fand 1979 die erste Weltklimakonferenz unter dem Dach der Vereinten Nationen statt.
Weitere Weltklimakonferenzen gab es 1988 in Toronto und 1990 in Genf.
1992 folgte die UN-Klimakonvention in Rio de Janeiro. Der ausgearbeitete Maßnahmenkatalog war allerdings nicht verbindlich und wurde daher 1997 durch das verpflichtende Kyoto-Protokoll abgelöst. Das Übereinkommen galt nur für Industrieländer, wobei die USA dieses nie ratifizierte.
Da die Treibhausgase gerade in Entwicklungsländern stark zunehmen, wurde das Kyoto-Protokoll nach langen Verhandlungen 2015 durch das Übereinkommen von Paris ersetzt.
- Begrenzung der globalen Erderwärmung auf maximal 2° Celsius gegenüber vorindustriellen Werten.
- Dennoch Anstrengungen zu unternehmen, den Anstieg auf 1,5° Celsius zu begrenzen.
- Senkung der globalen Treibhausgasemissionen bis Mitte des 21. Jahrhunderts auf null.
- Unterstützung von Maßnahmen der Entwicklungsländer (z.B. durch Technologietransfer und Finanzierung).
Emission Gap Report: Derzeitiger Pfad
Laut dem Emission Gap Report 2023 steuert die Welt noch in diesem Jahrhundert einer Temperaturzunahme von 2,5 ° bis 2,9 ° Celsius entgegen, sofern nur die bestehenden Zusagen des Pariser Klimaabkommens aus 2015 eingehalten werden. [8]
Es braucht daher weltweit deutlich ambitioniertere Anstrengungen, um die angestrebten Ziele zu erreichen.
Rolle der Kreislaufwirtschaft
Laut dem Circularity Gap Report 2023 ist die weltweite Wirtschaft derzeit nur zu 7,2 % zirkulär. Dies bedeutet, dass Rohstoffe nur zu einem sehr geringen Anteil im Kreislauf geführt werden. Der entsprechende Report aus 2022 wies eine Zirkularitätsrate von 8,6 % aus.
Der verbauten Umwelt und der Landwirtschaft kommt hier eine besondere Bedeutung zu, werden doch hier die meisten Ressourcen verbraucht bzw. entstehen dort die meisten klimarelevanten Emissionen.
Die verbaute Umwelt sorgt beispielsweise für knapp 40 % der weltweiten Treibhausgase.
Die Hälfte der bewohnbaren Erdoberfläche wird von der Landwirtschaft in Anspruch genommen. Auch 70 % der weltweiten Wasserentnahmen sowie ein Drittel der Treibhausgasemissionen sind Folgen der Landwirtschaft. [9]
Welterschöpfungstag
Der Raubbau an der Natur und deren Auswirkungen auf das Klima sind eng mit dem Ressourcenverbrauch verbunden. So wird das fragile Amazonasgebiet durch die Abholzung des Regenwalds für hochpreisige Holzarten, wie Teak-Holz, oder den Abbau von Bauxit zur Gewinnung von Aluminium massiv gestört. Die Brandrodung erfolgt auch zur Produktion von Lebensmitteln, wie Fleisch oder Soja. Bei der Produktion werden Unmengen an Energie benötigt und es wird CO2 freigesetzt. Viele dieser weltweit ressourcenintensiv hergestellten Lebensmittel landen dann in Europa im Müll.
2022 konsumierte die Weltbevölkerung die jährlich zur Verfügung stehenden Ressourcen von 1,75 Erden. Das bedeutet, dass die Menschheit um diesen Faktor mehr verbraucht hat, als sich die Erde im ganzen Jahr erneuern kann. 2023 wurde der Welterschöpfungstag [10] („Earth Overshoot Day“) am 02.08. erreicht. Er markiert den Zeitpunkt des Verbrauchs des ganzjährig zur Verfügung stehende Ressourcenbudgets (die Fähigkeit der Natur, Rohstoffe jeder Art zu produzieren) für das Jahr 2023. 1970 befanden sich der Abbau und die Regeneration unserer Ressourcen noch im Gleichgewicht.
Der Ressourcenverbrauch geht mit dem Wirtschaftswachstum einher, wie auch die Corona-Pandemie gezeigt hat: 2020 war das Ressourcen-Budget mit dem 22.08.2020 pandemiebedingt etwas später als in den Jahren davor aufgebraucht.
50 % der weltweiten Klimaemissionen sind auf Ressourcenabbau zurückzuführen.
Der Abbau und die Verarbeitung der mineralischen Ressourcen – etwa durch den Gebäudesektor oder die Infrastruktur, wie Straßen – machen den Hauptteil der Klimaemissionen aus. Dies zeigt der Bericht „Global Resources Outlook 2019“ [11] auf.
Seit 1970 verbrauchen wir weltweit mehr Ressourcen, als jährlich nachwachsen können. (© MA 48)
In Österreich ist dieser Faktor noch um einiges dramatischer: Würde die gesamte Weltbevölkerung den gleichen Fußabdruck hinterlassen wie wir, dann bräuchte Österreich jährlich erneuerbare Ressourcen von beinahe 4 Erden, da der Welterschöpfungstag hierzulande 2023 bereits am 06.04. erreicht wurde. Dies bedeutet: Bei einem Vergleich mit einem zu Beginn des Monats gut gefüllten Kühlschrank, dann hätte die österreichische Bevölkerung bereits ab dem 8. Tag jedes Monats nichts mehr zu essen. Wir müssten auf unsere gelagerten Konserven zurückgreifen – aber wie lange würde dies gut gehen, wenn auch diese Reserven aufgebraucht wären? Eine Alternative wäre, sich die Ressource „Geld“ über den Monat hinweg besser einzuteilen und generell sorgsamer mit Lebensmitteln umzugehen – weniger wegzuwerfen.
Das ist Kreislaufwirtschaft: Indem wir sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen, werden wir weiterhin mit Materialien – in Form von Sekundärrohstoffen – versorgt. Dies ist eine der Grundlagen für nachhaltige Wirtschaft und Wohlstand.
Ohne rasches Handeln werden wir – so befürchten Forscher*innen – einer düsteren Zukunft entgegenblicken: weltweite Zerstörung der Natur, Wasserknappheit, Überschwemmungen, Unbewohnbarkeit vieler Teile der Erde, drastische Abnahme der Bevölkerung aufgrund des Mangels an medizinischer Versorgung (Rohstoffmangel), Hungersnöte aufgrund von Ernteausfällen, massive Flüchtlingsbewegungen oder Kriege.
Ressourcenverbrauch in Österreich:
2017 wurden durch den österreichischen Konsum pro Kopf rund 33 Tonnen an natürlichen Ressourcen (Material-Fußabdruck) im Inund Ausland verbraucht, der EU-Schnitt liegt bei 23 Tonnen. Der Material-Fußabdruck bezeichnet den gesamten Materialverbrauch entlang der Produktion. Beispielsweise ist hier auch der Abbau von fossilen Energieträgern, wie Kohle oder Erze, für die Produktion von Metallen bzw. Kalkstein zur Zementherstellung enthalten. Gemäß der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie soll der Material-Fußabdruck bis 2050 von 33 Tonnen auf 7 Tonnen pro Kopf sinken!
Im Jahr 2020 wurden in Österreich lediglich 12 % der in der Wirtschaft eingesetzten Materialien aus recycelten Materialien gewonnen. Bis 2030 soll diese Zirkularitätsrate auf 18 % gesteigert werden. [4]
© Pixabay
Abhängigkeit von Rohstoffen
Zur Deckung des Bedarfs an Rohstoffen ist die Europäische Union massiv vom Ausland anhängig. Ein Großteil der Rohstoffimporte stammt aus China, Zentralafrika, Südamerika und den Ländern des Indo-Pazifiks, aber auch aus Russland. Gerade während der Pandemie oder des Kriegs zwischen der Ukraine und Russland, aber auch der Sperre des Suez-Kanals infolge eines auf Grund gelaufenen Schiffes, hat sich gezeigt, in welchem Ausmaß die europäische Wirtschaft Lieferengpässen ausgeliefert ist.
2020 veröffentlichte die Europäische Kommission eine Liste jener Materialien, welche mit hoher Versorgungsunsicherheit behaftet sind. Diese beinhaltete zu diesem Zeitpunkt 30 kritische Rohstoffe gegenüber 14 im Jahr 2011. Dazu gehören Seltene Erden, Phosphor, Lithium, Wolfram u.v.m. Auch Bauxit – das Ausgangsmaterial für...




