E-Book, Deutsch, Band 1, 672 Seiten
Reihe: Die Scot-Harvath-Serie
Thor Die Löwen von Luzern
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86552-477-5
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thriller
E-Book, Deutsch, Band 1, 672 Seiten
Reihe: Die Scot-Harvath-Serie
ISBN: 978-3-86552-477-5
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Brad Thor (1969 in Chicago geboren) ist einer der erfolgreichsten Autoren der USA. Dort erreichen seine Thriller regelmäßig Platz 1 der Bestsellerlisten. Nach Abschluss der Universität, wo er unter T. C. Boyle einen Kurs in ?creative writing? belegte, arbeitete Brad als Produzent und Autor fürs Fernsehen, später auch als Moderator der erfolgreichen Reisesendung Traveling Lite. Seine Karriere als Schriftsteller begann mit The Lions of Lucerne, der erste Roman über den ehemaligen Navy-SEAL und Geheimagenten Scot Harvath. Inzwischen ist er der Held in 15 Bänden.
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Prolog
»Senatoren«, begrüßte Fawcett die Besucher, während er in seinen weichen, teuren Stubbs-&-Wootton-Slippern mit Monogramm über den glänzend polierten Fußboden schritt. »Es freut mich sehr, dass Sie die Zeit gefunden haben.«
Kostbare, in Leder gebundene Bücher schmückten das Arbeitszimmer vom Boden bis zur Decke; die meisten davon Erstausgaben. Schwere Samtvorhänge versperrten den Blick hinaus auf das eiskalte Wasser des berühmten Lake Geneva, Namensvetter des Schweizer Genfer Sees, im Süden von Wisconsin. Die mit Ungeduld erwarteten Gäste des Industriellen saßen in zwei ledernen Clubsesseln beim offenen Kamin.
Senator Russell Rolander stand als Erster auf. »Donald, schön, dich zu sehen.« Der Senator streckte die fleischige Pranke aus und schüttelte Fawcett die Hand. Rolander und Fawcett waren an der University of Illinois Zimmergenossen gewesen. Der Senator ein Football-Ass schon am College, der sich danach viele Jahre bei den Chicago Bears hervorgetan hatte, bevor er in die Politik ging. Rolander war langjähriges Mitglied des Senats, seit Langem einer der einflussreichsten Lobbyisten in Washington, hatte einen der begehrten Posten im Ausgabenausschuss inne und besaß ein Wochenendhaus gleich die Straße hinab von Fawcetts.
Der New Yorker Senator David Snyder stand weitaus langsamer auf und schüttelte Fawcetts Hand auch erst, als der ihm diese entgegenstreckte. Seine Gegner bezeichneten Snyder als hinterhältiges kleines Arschloch, denn er hatte die felsigen Höhen der politischen Landschaft erklommen, indem er einem einzigen, aber wirkungsvollen Mantra gefolgt war: Was du nicht willst, das man dir tu, das füge schneller anderen zu. Er beherrschte jeden schmutzigen Trick, und es gab nur wenige Menschen auf dem Washingtoner Parkett, die es gewagt hatten, sich ihm in den Weg zu stellen. Wer das versuchte, überlebte politisch nicht lange. Snyder war ein schmächtiger Mann mit weichen Zügen und damit das komplette Gegenteil des hünenhaften, grobschlächtigen blonden Rolander. Was Senator David Snyder an körperlicher Größe vermissen ließ, machte er allerdings mit seiner Intelligenz mehr als wett. Sein Intellekt und sein unfehlbares Gespür für Strategie hatten ihm einen Dauersitz im Senatsausschuss zur Aufsicht über die Nachrichtendienste verschafft. In den vergangenen sieben Jahren hatte es keine verdeckte Operation gegeben, die nicht in irgendeiner Form Snyders Handschrift trug.
Fawcett hatte ein Faible für das Theatralische. Nach der Begrüßung nahm er eine Fernbedienung aus einem ägyptischen Intarsienkästchen auf seinem Schreibtisch und richtete sie auf eins der prächtigen Bücherregale rechts vom Kamin. Die falsche Wand glitt zurück und gab den Durchgang zu einem kleineren Raum frei. Dieser maß etwa fünf mal fünf Meter und die weißen Wände waren mit Rokoko-Zierleisten geschmückt und mit weiteren ledergebundenen Büchern bestückt. Der Duft von Honig durchzog den Raum. Auf dem Parkett lag ein großer orientalischer Teppich und in der Südwestecke befand sich ein kleiner offener Kamin mit einem Sims aus Marmor. Den Rauchabzug teilte er sich mit dem Kamin im großen Arbeitszimmer, was dabei half, dieses kleine Zimmer vor Fremden geheim zu halten. An den Wänden hingen mehrere Spiegel in vergoldeten Rahmen, in denen sich der raumgreifende antike Sekretär, der in der Mitte des Raumes stand, spiegelte. Gegenüber dem Sekretär befand sich eine vornehme Couch mit hübsch gedrechselten Beinen. Fawcett lud seine Gäste mit einer Handbewegung ein, ihm in den kleineren Raum zu folgen. Sobald sie sich alle in dem Zimmer befanden, drückte er einen Knopf auf seiner Fernbedienung. Die Wand glitt hinter ihnen zurück an ihren ursprünglichen Platz. Dann drückte Fawcett ganz leicht mit den Fingerspitzen gegen mehrere nebeneinanderstehende falsche Buchrücken in einem der Bücherregale. Sie sprangen heraus und dahinter verbargen sich Kristallkaraffen.
»Wie wäre es mit einem Brandy?«, fragte Fawcett, während er ein großes Cognacglas und die Karaffe mit der bernsteinfarbenen Flüssigkeit herausnahm.
»Ich nehme einen«, erwiderte Rolander.
»Scotch auf Eis, wenn Sie den haben«, sagte Snyder.
Während Fawcett die Drinks einschenkte, bat er die beiden mit einer Geste, auf der Couch Platz zu nehmen. Rolander, der sich in seiner Haut offensichtlich ganz wohlfühlte, ließ sich sofort auf das antike Sofa sinken. Snyder dagegen ließ sich Zeit und drehte zuerst eine Runde durch den kleinen Raum, augenscheinlich, um dessen opulente Ausstattung zu bewundern. Das kleine Hightech-Gerät an seinem Gürtel, das wie ein Piepser aussah, diente zum Aufspüren von Überwachungstechnik wie Wanzen und Mikrofone. Es hatte wie verrückt vibriert, als man ihn und Rolander durch die langen Flure von Fawcetts palastartigem Zuhause zum Arbeitszimmer geführt hatte. Als geübter Kenner von Sicherheits- und Überwachungssystemen waren Snyder viele der sichtbaren Sicherheitsvorkehrungen Fawcetts direkt ins Auge gefallen, und er hatte erraten, wo sich noch weitere, mit dem bloßen Auge nicht erkennbare befanden. Zweifellos besaß Fawcett nur das Beste, was für Geld zu bekommen war. Als extrem vorsichtiger Mensch überließ er niemals etwas dem Zufall, so viel wusste Snyder über ihn, und das war auch einer der Gründe, wieso er sich überhaupt auf diese Sache eingelassen hatte.
Das Gerät hatte nicht einmal vibriert, seit sie den geheimen Raum betreten hatten, daher war sich Snyder für den Moment sicher, dass ihr Gespräch nicht überwacht wurde. Er nahm sein Glas mit drei Finger hoch Scotch von Fawcett entgegen und setzte sich neben Rolander auf das Sofa.
»Donald, ich finde, wir sollten all unsere Besprechungen in diesem Zimmer abhalten«, meldete sich der breitschultrige Senator zu Wort. »Es gefällt mir hier. Ich würde sogar sagen, dass es eins meiner Lieblingszimmer im gesamten Haus ist.«
»Was ist das für ein Geruch?«, fragte Snyder nach. Er kannte diesen Duft, konnte ihn aber nicht zuordnen. Und noch viel weniger hätte er sagen können, warum er ihn so erregend fand. »Kommt mir seltsam bekannt vor. Das riecht wie eine Art Puder.«
»Es ist Honig«, erklärte Fawcett. »Genauer gesagt ist es Bienenwachs. Die Holzfußböden werden damit poliert.«
Als Fawcett das Wort ›Honig‹ aussprach, wusste Snyder sofort, warum ihm der Geruch so vertraut war, und auch warum er ihn erregte.
Mitchell Conti – oder Mitch, wie ihn alle genannt hatten – war vor zwei Sommern Teil von Senator Snyders Stab geworden. Mit seinen 23 Jahren ein auffallend gut aussehender junger Mann, genoss er rasch große Beliebtheit im Umfeld des Capitol Hill. Und er wusste seine Beliebtheit zu nutzen; ging mit einer ganzen Reihe weiblicher Berater und Angestellter aus. Während es für Außenstehende aussehen musste, als ob Conti heterosexuell sei, wusste David Snyder es besser. Die elektrisch aufgeladene Spannung zwischen David und Mitch hatte vom Tag ihres Kennenlernens an bestanden, und dann kam das Wochenende, an dem Mitch dem Senator wichtige Unterlagen ins Stadthaus brachte. Die langen Blicke, die sie über einem Drink wechselten, führten sie an diesem Tag direkt ins Schlafzimmer.
Mitch fuhr total auf ein Produkt ab, dass er in einem Sexshop aufgestöbert hatte: Kama Sutra Honey Dust, ein sehr fein gemahlenes Puder, das nach Honig duftete und schmeckte. Mit einem kleinen Federwisch pinselte er Snyders gesamten Körper damit ein und leckte den Honigstaub dann wieder ab. Das hatte nicht nur David gefallen, sondern auch den vielen Frauen, die bisweilen sein Bett teilten, zwischen Mitchs Besuchen.
Die halb leere Dose Honigstaub im Schränkchen unter dem Waschbecken in seinem Bad war die einzige Erinnerung, die Snyder von seinem jungen Liebhaber geblieben war. Die Affäre ging schon mehrere Monate lang, als Snyder herausfand, dass Mitch nicht nur etwas mit einem weiteren Mann laufen hatte, sondern dass er auch noch plante, ihn zu erpressen. Ihn, David Snyder, einen der mächtigsten New Yorker Senatoren der Geschichte. Snyder hatte zu viel erreicht, um es wegen so etwas aufs Spiel zu setzen.
Zwei Wochen später wurden Mitch und sein anderer Liebhaber Opfer einer Schießerei; einfach so, aus einem vorbeifahrenden Wagen. Unter den Politikern herrschte große Entrüstung, dass so etwas immer wieder vorkommen konnte, und dieses Mal hatte es auch noch einen aus ihrem engen Umfeld erwischt. Aber der Zorn verrauchte schnell und die Toten gingen ebenso rasch in die Polizeistatistik der Hauptstadt ein wie alle anderen.
»Das gesamte Zimmer und alles, was sich hier drin befindet, einschließlich des Bienenwachses zum Bohnern, ist eine exakte Kopie des geheimen Arbeitszimmers von Ludwig XV. in Versailles«, prahlte Fawcett. »Und dieser Sekretär«, fuhr er fort, während er mit der Hand über das glatte Holz strich, »ist tatsächlich der echte Schreibtisch Ludwigs XV. Das erste Zylinderbureau, das je hergestellt wurde. Das Ding, das heute in Versailles steht, ist eine Kopie, aber diese Trottel versuchen allen Ernstes, es den Leuten als den echten zu verkaufen.
Ich habe dir erzählt, wie wir den bekommen haben, nicht wahr?«, wollte Fawcett von Senator Rolander wissen.
»Ja, du hattest ihn früher in deinem Haus in Chicago.«
»Nun, Senator Snyder hat die Geschichte noch nicht gehört.« Fawcett sah Snyder an und hob eine Augenbraue, als ob er sagen wollte: Das werden Sie niemals glauben. »Als das französische Volk den Palast von Versailles gestürmt hat, haben sie die Gemälde behalten und das Mobiliar verkauft. Diese spießigen Akademiker, die das...




