E-Book, Deutsch, Band 1, 768 Seiten
Reihe: PERRY RHODAN-Kartanin
Thurner / Herren / Pannor Kartanin Paket
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-5213-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Miniserie
E-Book, Deutsch, Band 1, 768 Seiten
Reihe: PERRY RHODAN-Kartanin
ISBN: 978-3-8453-5213-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Die Bewohner der Erde leben in Frieden, es herrschen keine größeren Konflikte zwischen den Sternenreichen der Milchstraße. Da erreicht eine alte Freundin die Erde und sucht Hilfe - es ist Dao-Lin-H'ay aus dem Volk der Kartanin, von der man seit Jahrhunderten nichts mehr gehört hat. Wie sich zeigt, hat sie zusammen mit anderen Kartanin das Reich der Ruhe gegründet. Doch dieses Reich wird von einer Macht bedroht, die Lebewesen beeinflusst. Es besteht die Gefahr, dass diese Macht bald nach der Milchstraße und damit nach der Erde greift. Perry Rhodan muss handeln. Zusammen mit Dao-Lin-H'ay begibt er sich auf eine gefahrvolle Reise. Was er nicht weiß: Die gefährliche Macht ist bereits auf der Erde aktiv ... Zwölf packende Science-Fiction-Romane mit einer Prise »Sense of Wonder«!
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Perry Rhodan: Was für ein Spaß!
Ducken. Gebückt weiterhetzen, hin zum nächsten Hindernis. Über den Stein hechten, in vermeintliche Sicherheit, abrollen und so rasch wie möglich wieder auf die Beine kommen. Die Atmung beruhigen, sich umsehen, dann die Situation kontrollieren.
Perry Rhodan hörte ein Grollen, schmerzhaft tief und angsterregend. Die dünne Atmosphäre trug den dumpfen Ton und verzerrte ihn leicht. Ein Haluter! Schlimmer noch: dem Klang nach hielt sich sein Verfolger in unmittelbarer Nähe auf.
So ein dreieinhalb Meter großer Koloss verfügte über furchterregende Kräfte. Wenn der Haluter es wollte, könnte er ihn problemlos in der Luft zerreißen.
Rhodan versuchte zum wiederholten Mal, den Antigrav zuzuschalten. Vergebens. Er konnte nicht fliegen. Sein Schutzanzug ließ ihn im Stich, zumindest teilweise.
Die Basisfunktionen griffen, Rhodan hatte ausreichend Sauerstoff in dieser unwirtlichen Umgebung zur Verfügung. Auch die Polymergel-Spiralfasern des Anzugstoffs, die die Muskelfasern reizten und verstärkten, halfen weiter.
Rhodan betrachtete seinen Kombistrahler. Ein Energie-Pack war bereits geleert, das zweite noch zu 35 Prozent gefüllt. Er hatte eine winzige Chance, den Haluter aufzuhalten. Zumindest für wenige Sekunden.
»Wo bist du, mein Kleines? Lass dich sehen? Lass mich dir helfen, dich von den Schmerzen des Lebens befreien. Komm schon, komm! Wie lange möchtest du es denn hinauszögern?«
Rhodan ging leise zu Boden, legte sich auf den Bauch und kroch vorwärts. Mit unendlich langsamen Bewegungen. Das Gehör eines Haluters war deutlich besser als das eines Menschen. Selbst in einer dünnen Atmosphäre würde er Rhodan über eine Entfernung von gut hundert Metern wahrnehmen.
Die Erde bebte. Der Haluter musste einen Sprung gemacht haben. Unter den hiesigen Schwerkraftbedingungen konnte er gewiss vierzig Meter weit kommen, ohne sich anzustrengen.
Wo war sein Gegner? Was hatte er vor?
Rhodan kroch ein Stückchen weiter und erreichte zu seiner Überraschung eine Wasserstelle, eingeklemmt zwischen großen Felsen. Über die Außenlautsprecher vernahm er leises Rauschen. Gelbe Blätter trieben auf der Oberfläche des Wassers. Sie folgten einer Richtung und verschwanden zwischen den Felsen.
War das sein Fluchtweg? Ein kleiner, unterirdischer Fluss, der für einige wenige Meter zutage trat? Sollte er sich abwärts tragen lassen, hinein in die Dunkelheit, und darauf hoffen, dass das Gewässer an einer anderen und vor allem sicheren Stelle an die Oberfläche zurückkehrte?
Du musst möglichst weit weg von hier. Du hast keine Chance gegen den Giganten. Alles, was du hast, ist deine Erfahrung. Dein Wissen um kritische Situationen. Deine Improvisationskünste.
Rhodan ließ sich ins Wasser gleiten, langsam und vorsichtig. Der Schutzanzug blähte sich leicht auf. Rhodan trieb über die Oberfläche, bewegte dabei keinen Finger. Die Strömung war äußerst schwach, und Rhodan war versucht, Paddelbewegungen zu machen. Aber er behielt die Nerven, während er erneut wütendes Gebrüll hörte. Mal drang die Stimme des Haluters von weiter weg an sein Ohr, dann wieder klang sie erschreckend nahe.
Seine Beine tauchten in die Dunkelheit. Das Wasser gurgelte lauter. Offenbar ging es über mehrere Stufen hinab in die Tiefe. Hinein in die Schwärze des Unbekannten. Gleich hatte er es geschafft, gleich ...
Rhodan fühlte sich hochgerissen. Sein Helm ratterte über den Fels, dann war er wieder im hellen Licht, kopfüber, von einem riesenhaften Monstrum gepackt.
Er starrte auf stämmige Beine und auf zwei Brustarme, die in Händen mit mörderisch scharfen Krallen endeten.
Rhodan feuerte. Er badete den Haluter in Flammen. Dabei konzentrierte er sich auf eine Stelle in Hüfthöhe, behielt den Finger ständig am Abzug. Irgendwann mal ließ ihn sein Gegner fallen, Rhodan prallte auf den Boden, Staub wirbelte um ihn auf. Er kam wieder auf die Beine, ignorierte das Schwindelgefühl und blickte den Riesen an. Das Magazin seines Strahlers war leer, die Waffe hing nur noch lose in seiner Hand.
Der Haluter hatte die Struktur seines Körpers verhärtet. Bestenfalls der Thermostrahl eines mittelgroßen Schlachtschiffs konnte ihm etwas anhaben. Die Energien von Rhodans Strahler hatten ihn wahrscheinlich bloß gekitzelt.
Er brauchte eine Lösung. Einen Ausweg aus der Situation. Der Haluter starrte ihn mit seinen drei düsterroten Augen an, bewegte sich aber nicht. Er lauerte, wartete anscheinend auf Rhodans nächsten Zug.
Der Riese spielte mit ihm. Ein Mensch war für ihn bloß eine Fliege. Kein Gegner, den man ernst nehmen musste.
Der Sand ...
Rhodan schleuderte den Strahler in Richtung seines Gegners. Der Haluter wehrte sie lässig mit einem Arm ab, war aber für Sekundenbruchteile irritiert.
Rhodan bückte sich, hob zwei Hände voll Sand auf und warf auch diese mit aller Kraft in die Richtung des Gegners. So hoch wie möglich, auf die Augen gezielt.
Die Lamellenlider fingen den Großteil des feinkörnigen Zeugs ab, doch nicht alles. Der Haluter brüllte erneut, so laut, dass Rhodans Ohren schmerzten, obwohl er durch den Helm einigermaßen geschützt war.
Das dunkelrote zentrale Stirnauge und das linke Auge waren irritiert. Also bewegte sich Rhodan nach rechts, wobei er hoffte, dass ihn der Haluter auf dieser Seite schlechter wahrnehmen würde. Ein paar schnelle Laufschritte, rein in das Felsenlabyrinth hinter der Wasserstelle und dann ...
Erneut fühlte er sich gepackt und hochgehoben. Diesmal an den Schultern. Der Riese ging mit Rhodan um wie mit einer Zinnfigur, schüttelte ihn kräftig durch und drückte ein klein wenig zu ...
... und lachte.
»Das war sehr inspirierend, Perry Rhodan!«, sagte der Haluter und stellte ihn auf dem Boden ab. »Ich bewundere deine Hartnäckigkeit und deinen Einfallsreichtum. Du hast fast drei Minuten lang durchgehalten. Das ist eine bemerkenswerte Leistung.«
»Simulation aus!«, rief Rhodan, atmete kräftig durch und schüttelte die Benommenheit aus seinen Gliedern. »Inspirierend, richtig. Ich könnte mir keinen schöneren Einstieg in den Arbeitstag vorstellen.«
Seine Umgebung machte der Wirklichkeit Platz. Eine raffiniert gestaltete Scheinwelt verwandelte sich in eine Halle von gewaltigen Ausmaßen, die von Hindernissen gegliedert wurde. Der Fluss wurde zu einer mannsbreiten Rinne, die Felslandschaft zu einer Anordnung aus Kunststoffbrocken. Rhodan öffnete den Schutzhelm und atmete erleichtert frische Luft ein.
Roboter aller Größen und Formen strömten herbei. Sie würden Schäden, die der Haluter bei seinen wilden Sprüngen verursacht hatte, binnen weniger Minuten reparieren.
»Ich hoffe, ich habe dich nicht allzu grob behandelt. Resident.« Die Stimme des Haluters klang gedämpft, als ob er sich große Mühe gäbe, nicht zu laut zu sprechen.
Rhodan dachte sehnsüchtig an große Mengen schmerz- und krampflösender Salben, die ein Medoroboter in seinen geschundenen Körper einwalken würde. »Ich bin kein Resident mehr, Teik, trage schon lange keinen Titel dieser Art mehr. Ich habe mich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Ich beschäftige mich mehr oder weniger hobbymäßig mit einem kleinen Projekt.«
Rhodan ging in Richtung Dusche, begleitet von dem halutischen Riesen. Für jeden Schritt, den Teik ging, musste er vier tun.
»Das Projekt von San, nicht wahr?«, fragte der Haluter.
»Ich kann leider nicht darüber reden.« Rhodan schlüpfte in den Duschraum.
Der Haluter blieb davor stehen, als wisse er nicht, was er tun sollte.
»Entschuldige mich bitte für einige Minuten. Ich muss mir den Schweiß vom Körper waschen«, sagte Rhodan laut und fügte in Gedanken hinzu: ... und ein klein wenig vor Schmerz schreien.
*
Miro Teik begleitete ihn in sein Büro am Canopus Boulevard. Sie spazierten durch die Straßen. Rhodan genoss es, zu Fuß zu gehen und das Gras, die frische Luft und den Duft von blühenden Blumen wahrnehmen zu können.
Der Haluter und der Terraner zogen die Blicke anderer Passanten auf sich. Schließlich überragte der Haluter sie alle und wirkte wegen seines martialischen Aussehens erschreckend.
Die rot leuchtenden Augen, das breite Gebiss, der mächtige Körper mit den vier Armen, die Säulenbeine ... Haluter waren Kampfmaschinen auf zwei Beinen. Unverkennbar in der Gestalt, bedrohlich wirkend – und dennoch mit einem sanften Gemüt ausgestattet.
Wenn sie nicht gerade ... Spaß in einer Simulationsarena haben.
Rhodan ließ die üblichen Sicherheitsüberprüfungen im Sansa-Gebäude über sich ergehen und verbürgte sich bei den Wachrobotern für Teik. Gemeinsam glitten sie durch den Antigravschacht in die Höhe. Gemeinsam – aber nicht nebeneinander. Das wäre angesichts des mächtigen Körpers des Haluters kaum möglich gewesen.
Gertrud Morningdale begrüßte Teik völlig ungerührt, als wäre er ein Gast wie jeder andere. »Es gibt viel zu tun, Perry«, sagte sie und deutete auf einen schwebenden Roboter, dessen Ablagefläche mit Akten, Datenkristallen und sortierten Schriftstücken überladen war.
»Es gibt immer viel zu tun.« Er griff nach der Kaffeetasse, die Morningdale bereitgestellt hatte. Sie schien über einen sechsten Sinn zu verfügen und hatte stets dann ein Heißgetränk für ihn parat, wenn er es benötigte. Mit mundgerechter Temperatur, immer frisch zubereitet.
Rhodan winkte Miro Teik mit sich und betrat sein Büro. Den nebenher schwebenden Roboter ignorierte er, und er blieb auch stur, als dieser all seine Unterlagen auf dem Schreibtisch...




