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E-Book, Deutsch, Band 3016, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Thurner Perry Rhodan 3016: In den Augen des Riesen
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8453-6016-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Mythos"
E-Book, Deutsch, Band 3016, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6016-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner, die ihre Erde und das Sonnensystem hinter sich gelassen haben. In der Unendlichkeit des Alls treffen sie auf Außerirdische aller Art. Ihre Nachkommen haben Tausende von Welten besiedelt, zahlreiche Raumschiffe fliegen bis zu den entlegensten Sternen. Perry Rhodan ist der Mensch, der von Anfang an mit den Erdbewohnern ins All vorgestoßen ist. Nun steht er vor seiner vielleicht größten Herausforderung: Die Rückkehr von seiner letzten Mission hat ihn rund 500 Jahre weiter in der Zeit katapultiert. Eine Datensintflut hat fast alle historischen Dokumente entwertet, sodass nur noch die Speicher der RAS TSCHUBAI gesichertes Wissen enthalten. Was sich seitdem ereignet hat, ist Perry Rhodan bisher nahezu unbekannt, da es zu fast allem mehrere unterschiedliche Aussagen und Quellen gibt. Nach einigen Abenteuern hat er nun das gegenwärtige Zentrum der Liga Freier Galaktiker erreicht: das Ephelegonsystem. Dort begegnet er alten Freunden IN DEN AUGEN DES RIESEN ...
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1.
Schöne Aussichten
Das war also die Stadt: Neu-Terrania.
Perry Rhodan blickte durch das Frontfenster in Richtung der aufgehenden Sonne Ephelegon. Dunstiger Nebel lag über manchen Teilen des städtischen Konglomerats. Höhere Gebäude glänzten und glitzerten bereits im Sonnenglast. Ein neuer Tag begann, der ein weiteres Kapitel seiner persönlichen Geschichte aufschlug.
Rhodan kostete vorsichtig vom brühwarmen Kaffee, den ihm ein leise sirrender Roboter mit langen Tentakelhänden überreicht hatte. Der Roboter, auf dessen Körper eine Art Logo oder Namensschild mit der Aufschrift Olio prangte, und der sich auch so anreden ließ, war menschenähnlich, mit bauchigem Leib und etwa so groß wie ein Sechsjähriger. Er verschränkte nun seine vier Hände und blieb abwartend neben Rhodan stehen.
Der Kaffee schmeckte anders als der, den er seit Jahrhunderten gewöhnt war. Er war bitter und fruchtig zugleich, und er hatte eine hölzerne Beinote.
»Machen wir bitte noch eine Runde«, verlangte Rhodan.
»Dein Gedächtnis ist nicht sonderlich gut«, sagte Olio respektlos. Die metallenen Kiefer klapperten mit jedem Wort leise aufeinander. »Ich habe dir die wichtigsten Strukturen und Stadtteile von Neu-Terrania bereits zweimal beschrieben.«
»Ich bin ein alter Mann«, erwiderte Rhodan und lächelte.
»Du bist ein Unsterblicher!«
»Aber ich habe kein eidetisches Gedächtnis. Du hast mir während der letzten Minuten geschätzte dreihundert Begriffe an den Kopf geworfen.«
Olio seufzte theatralisch. »Warum tue ich ausgerechnet in der Solaren Residenz Dienst? Ich hätte mich für die Augen des Riesen melden sollen ...«
»Du kennst Icho Tolots Festung?«, hakte Rhodan ein und betrachtete die Maschine überrascht.
»Ja«, antwortete Olio. »Lass uns aber jetzt den Rundgang machen.«
Rhodan drang nicht weiter in die Maschine. Der Roboter hatte wohl Anweisung, nicht mehr über die Augen des Riesen zu verraten als unbedingt notwendig.
Wer hat ihm den Auftrag gegeben, mich mit Informationen kurzzuhalten? Etwa Reginald?
Misstrauen, das Rhodan längst überwunden geglaubt hatte, erwachte neu. Durfte er sich denn sicher sein, dass Reginald Bull das Richtige tat? Dass sein ältester Freund auf Rudyn tatsächlich einen Kontrapunkt zu dem Regime der Cairaner aufgebaut hatte? Oder spielte er ein eigenes Spiel, gesteuert vom chaotarchischen Zellaktivator, den er in sich trug?
Rhodan verwarf diesen Gedanken gleich wieder. Bully hatte sich seit ihrem Wiedersehen herzlich gezeigt. Manchmal aufbrausend, einige Male höchst direkt, aber letztlich immer ehrlich und offen. Es gab nichts, das Anlass zu Argwohn gab.
Die Sonne schob sich als Halbkugel über den Horizont, zum Teil von einem Gebäude verborgen, das aus der Masse hervorstach. Es handelte sich um ein hufeisenförmiges Ding, das mehrere Hundert Meter hoch war und vom aufgehenden Gestirn in gelbe, weiche Farben getunkt wurde.
»Das Homer-G.-Adams-Zentrum«, sagte Rhodan leise. »Ein Gebäude, das einem Transmitterbogen ähnelt. Ein Handelsmarkt. Es hätte Homer gefallen.«
»Richtig«, sagte Olio. »Etwas südlich davon erkennst du die Pyramide des Barnitischen Handelszentrums, nördlich davon Atlans Place.«
»Drei große Kelche, die das arkonidische Viertel kennzeichnen«, sinnierte Rhodan
Er bedauerte, dass Atlan nicht zugegen war. Seinem Freund hätte Neu-Terrania Freude bereitet. Diese bunte Mischung aus unterschiedlichsten Baustilen, gestaltet von Architekten und Stadtplanern mehrerer Hundert Völker, hätte dem Arkoniden das Herz aufgehen lassen.
»Was ist das?«, fragte Rhodan und deutete auf unzählige schwarze Pünktchen, die sich, aus dem Süden kommend, über der Stadt verteilten.
»Die Morgenlieferungen«, antwortete Olio.
»Das heißt?«
»Es handelt sich um mehrere zehntausend selbststeuernde Container, die Frischwaren aus einer riesigen Depotanlage in der Nähe des Hekéner-Sharoun-Raumhafens verteilen. Manche von ihnen docken an Nahversorgungsanlagen an, andere liefern individuell an Kunden aus oder laden die Güter an Transmitter-Verteilungszentren ab. Obst, Gemüse, Fleisch und Fleischersatz ...«
»Gibt es Speierlinge auf Rudyn?«, unterbrach Rhodan den kleinen Roboter. »Ich habe seit Ewigkeiten keinen Speierling mehr gegessen.«
Olio schwieg eine Weile. »Ich finde keine Informationen darüber in meinen Speichern.«
»Der Speierling gehört zu den Rosengewächsen. Er ähnelt äußerlich einem Apfel und ist geschmacklich sehr herb. Aber nur im reifen Zustand. Erntet man ihn zu früh, schmeckt er so, wie er heißt.«
»Warum willst du ausgerechnet einen Speierling? Ich kann dir terranische Äpfel anbieten, Birnen, Maulbeeren, Stachelbeeren, Kiwanen und Erdzwetschgen ...«
»Ich bin mir sicher, dass Neu-Terrania dies alles und viel mehr zu bieten hat.« Rhodan nickte. »Aber Rudyn ist nun mal nicht Terra. Es ist nicht die Heimat.«
Er schloss die Augen und versuchte, diesen plötzlichen Anfall von Wehmut zu unterdrücken. Er hatte viel Zeit weit weg von der Erde verbracht und unzählige Welten sowie Kulturen zu schätzen gelernt. Letztlich war es die Heimat, die ihn geformt und geprägt hatte. Auf Terra war er verwurzelt, dorthin kehrte er immer wieder zurück.
»Ich werde sehen, was ich tun kann«, sagte Olio kleinlaut. »Nicht alle Waren sind in meinen Datenspeichern erfasst. Mag sein, dass es irgendwo Züchter gibt, die für den Selbstbedarf seltene Früchte heranziehen.«
»Dann würde ich an deiner Stelle bei Schnapsbrennereien zu suchen beginnen«, sagte Rhodan. »Speierlinge wurden zur geschmacklichen Verfeinerung von edlen Bränden hinzugefügt.«
»Ich kümmere mich darum. – Sollen wir den Rundgang fortsetzen?«
»Ich bitte darum.« Rhodan drehte sich einmal um die eigene Achse. Er hatte beinahe nach allen Richtungen freie Sicht. Der Gästetrakt, der ihm von Bull zur Verfügung gestellt worden war, war in die Solare Residenz integriert. Der kreisrunde Schlafraum maß etwa acht Meter im Durchmesser.
Westlich der Residenz lag Genzez, lange Zeit die Hauptstadt von Rudyn. Mittlerweile hatte ihr aber Neu-Terrania den Rang abgelaufen. Weiter im Süden wusste Rhodan irgendwo den Finsteren Ozean, unmittelbar im Norden faltete sich das Charistargebirge auf über fünftausend Meter auf.
Wohin Rhodan auch blickte – er bekam neue und oftmals ungewöhnliche Eindrücke vermittelt. Sensationelle städtische Strukturen und bizarre Naturschönheiten. Weitläufige Parkanlagen und Seen wie den Lake Tethys, über dem die Solare Residenz schwebte. Ungezähmte Natur.
Reizvoll erschienen Rhodan vor allem die Steppen im Norden, in denen sich heimische Tierarten tummelten.
Neu-Terrania wies filigrane Bauten auf, die die Architektur des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung offenkundig prägten. Die Häuser und Anlagen von Genzez wirkten wuchtiger. Die alteingesessenen Rudyner bauten erdiger.
Rhodan war oft genug in der deutlich älteren Stadt Genzez gewesen. Neu-Terrania hingegen war ihm völlig fremd.
»Gibt es Animositäten zwischen den Bewohnern der beiden Teilstädte?«, fragte er Olio.
»Wie man's nimmt. Es kommt immer wieder mal zu Reibereien«, antwortete der Roboter. »Aber die Urban-Psychologen haben alles unter Kontrolle. Man hat akzeptiert, dass mehr als vierzig Millionen Terranischstämmige nach dem Verlust ihrer Heimat hier ihr neues Zuhause gefunden haben. Dazu kommen noch einmal so viele Zuwanderer von anderen Welten der Milchstraße. Letztlich ist man auf Rudyn stolz auf seine Unabhängigkeit und auf seine Ausnahmestellung in einer Galaxis, die von den Cairanern beherrscht wird.«
Sie bewegten sich mit langsamen Schritten im Kreis, immer an der Glasfront des Raumes entlang. Olio deutete auf die weithin leuchtende Kugel des Terraneums im nördlichen Teil des Residenzparks. In Richtung des noch weiter nördlich gelegenen Anuupi-Turms, der von Tausenden der Leuchttierchen umwabert wurde und der für einen besonderen Lichtpunkt im Stadtgefüge sorgte.
Olio erzählte vom hinter dem Turm versteckten Raumhafen, der nach einer alten Admiralin benannt worden war, die Rhodan noch in guter – und in frischer – Erinnerung war: der Patoman Spaceport. Es war nicht lange her, dass Rhodan Anna Patoman zuletzt getroffen hatte – und doch schon fünfhundert Jahre.
Die Conchal-Akadamie war in der diesigen, salzhaltigen Küstenluft kaum auszumachen, ebenso wenig wie das OPRAL im Westen. Das sechsteilige Set muschelförmiger Gebäude gruppierte sich um einen eintausend Meter hohen Spitzkegel. Dort hatten bereits vor Jahrtausenden die Kalfaktoren der Zentralgalaktischen Union Politik betrieben, dort war bis in die Gegenwart die planetare Regierung angesiedelt.
Rhodan rieb sich über das rechte Handgelenk. Bis vor wenigen Stunden hatte er einen Vitalenergie-Tarner getragen. Ein Gerät, das Bully ihm zur Verfügung gestellt hatte und das ihn vor den Nachforschungen der Cairaner schützte, indem es die Impulse seines Zellaktivators neutralisierte.
Bully war als Resident und damit im höchsten politischen Amt des Weltenbundes tätig. Als Freund und Beschützer des terranischen Erbes. Als derjenige, der gemeinsam mit Icho Tolot die Erinnerung an Erde und Mond frisch hielt, und das in einer Zeit, da viele Informationen verschwunden, ja, ausgelöscht worden waren.
Ein leises Zischen verriet ihm, dass sich der Antigravlift im Zentrum seiner Wohnung aktivierte. Nur wenige Sekunden später trat Bully aus der Öffnung.
»Du wirkst übernächtigt«, sagte...




