E-Book, Deutsch, Band 3174, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Thurner Perry Rhodan 3174: Die Telepathische Allianz
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8453-6174-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Chaotarchen"
E-Book, Deutsch, Band 3174, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6174-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2072 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5659 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Doch entwickelt sich in der kleinen Galaxis Cassiopeia offensichtlich eine neue Gefahr. Dort ist FENERIK gestrandet, ein sogenannter Chaoporter. Nachdem Perry Rhodan und seine Gefährten versucht haben, gegen die Machtmittel dieses Raumgefährts vorzugehen, bahnt sich eine unerwartete Entwicklung an: FENERIK stürzt auf die Milchstraße zu. Während Rhodan dem Chaoporter nacheilt, versucht er, mehr über dieses Gebilde herauszufinden, und hat über den Quintarchen Farbaud bereits tiefe Einblicke erhalten, die aber noch zusammenhanglos wirken. Nun erfährt er Neues durch DIE TELEPATHISCHE ALLIANZ ...
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2.
Adomeit Schott
Die Sonne Benwetter ging wie gemalt unter. Rotes Licht ergoss sich über die Wipfel der ausgedehnten Wälder.
Schott hörte das bedächtige Klopfen eines Wickwack-Kuckucks. Er hieb mit seinem Hammerschädel mehrmals gegen Holz, bevor er seine Flügel ausbreitete und hochstieg, um mit mächtigen Flügelschlägen der Sonne zu folgen. Er würde seine Jagd nach dem Dämmerlicht mindestens zwölf weitere Stunden fortsetzen. Immer in diesem kleinen Bereich zwischen Tag und Nacht dahinschwebend.
Kein Bewohner Frenshauns wusste viel über die Wickwack-Kuckucke, die in Erdhöhlen bis zum nächsten Sonnenuntergang ruhten.
»Ich ahne zumindest, was sie antreibt«, sagte Schott leise zu sich selbst.
Wie von selbst ging seine Rechte zu den Pflastern in der Hosentasche. Er war unendlich müde und erschöpft. Er benötigte Hilfe. Umgehend.
Doch er durfte sich nicht auf die medikamentöse Wirkung der Pflaster einlassen, nicht an diesem Tag.
Er befahl der Antigravplattform, zwischen den östlichsten Ausläufern des Frenshaun-Waldes abzusinken. Das rötliche Licht wurde weniger, die dichtwüchsigen Nadelbäume nahmen allmählich Schotts gesamtes Blickfeld ein. Es dauerte wie immer eine Weile, bis er sich an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnt hatte.
Er stieg von der Plattform und sank zentimetertief in der dicken Schicht abgefallener Nadeln ein. Darunter fühlte er dünne, aber starke Wurzelstränge. Sie schienen einander zu umklammern.
Er schaltete alle Hilfen weg. Er benötigte keinen Kompass, keinen Funk, keine Plattform. Inmitten der Wälder Frenshauns kam es ausschließlich auf seine sechs Sinne an.
Schott schöpfte Wasser aus einem leise gluckernden Bach und spritzte es sich ins Gesicht. Es war eiskalt.
Er ging weiter. Tat einige vorsichtige Schritte in diese Richtung und kehrte wieder um, um es zur anderen Seite hin zu versuchen.
Noch hatte Schott nicht den richtigen Platz gefunden. Wie immer dauerte es eine Weile, bis er sich eingependelt hatte, und er wusste, was ihm der Wald mitteilen wollte. Er musste Geduld haben und die schlechter werdende Sicht ignorieren.
Trotz des unwegsamen Gebietes mit den vielen Bodenspalten, einigen Arten heimtückischer Bodenranken und den wechselnden Wetterbedingungen war Schott sicher. Frenshaun beschützte ihn. Er war ein Freund des Waldes. Gefahr drohte lediglich von den hiesigen Raubtieren.
Illustration: Swen Papenbrock
Er erreichte eine Anhöhe. Zwischen roten, kerzengerade wachsenden Stämmen auf dem kleinen Hügel waren die letzten Strahlen der Sonne zu erahnen. Unter ihm, Richtung Westen, erstreckte sich ein kleines, dicht bewachsenes Plateau.
Dies war der geeignete Ort. Er hatte seinen Warteplatz für diesen Tag gefunden.
Also machte er sich an den Abstieg, durch Kletthecken und Ringelmausern, vorbei an blühenden Watterichen und den dornigen Tiefbutten. Er erreichte sein Ziel, ein kleines Stück kaum bewachsenen Landes. Tierlosung und Bissspuren an Jungbäumen wiesen darauf hin, dass dieser Fleck auch von den friedlichen Bewohnern des Waldes zum Rasten genutzt wurde.
Schott setzte sich auf einen Findling und atmete tief durch. Erneut dachte er an die Pflaster. An die Erschöpfung, die auf ihm lastete und die jeden Schritt zur Mühsal werden ließ.
Er atmete tief durch. Die Luft war würzig und ungewöhnlich trocken. Bald würde die Temperatur auf unter zehn Grad Celsius fallen, doch er hatte sich vorsorglich die Chem-Wärmwäsche angezogen. Ein wenig Bewegung würde reichen, um die Reibeenergie in Wärme umzuwandeln und sie lange Zeit aufrechtzuerhalten.
Der Wald erwachte. Er lüsterte, wie er es oft tat. Adomeit Schott hörte so gut zu, wie es ihm möglich war. Noch verstand er nicht, was ihm die Bäume mitteilen wollten. Wie immer musste er sich in Geduld üben.
Also blieb er sitzen, aß einen fruchtigen Wopfel und trank ein wenig Wasser. Ein Traumsieder ließ sich nur wenige Meter entfernt von seinem Lebensbaum fallen, pickte einige Würmer aus dem Untergrund und kroch dann auf allen sechsen wieder den Stamm hoch. Der harte Hornhautbauch scharrte dabei laut über die Rinde des Baums.
Schott bekam eine Ahnung dessen vermittelt, worüber der Wald mit ihm reden wollte. Wie so oft während der letzten Monate und Jahre wirkte er beunruhigt.
Eine Herde Schaftiger zog laut brüllend umher. Das Leittier war dampfig und besonders unruhig. Was der Wald tat, hatte unmittelbaren Einfluss auf die Tiere, die in ihm lebten.
Schott packte die Schalen des Wopfels sorgfältig weg. Sie hatten hier nichts zu suchen. Jegliche Verunreinigung sorgte für Irritationen beim Kollektiv des Frenshaun-Waldes. Er war womöglich der einzige Bewohner des Planeten, der ganz genau wusste, wie sensibel die Baumriesen auf Veränderungen reagierten.
Er lehnte sich zurück, kreuzte die Hände über dem Kopf und starrte auf das Stück Himmel, das zwischen den Baumwipfeln zu erkennen war. Die Sterne blinkten schwach, der Mond Perness war halb voll. Irgendwo in diesem gesprenkelten Teppich der Milchstraße verbarg sich Sol. Das Licht der Heimat seiner Vorfahren benötigte 4601 Jahre, um bis nach Frenshaun zu gelangen. Zu einer der ältesten Kolonien Terras, gegründet im Jahr 2121 alter Zeitrechnung.
Die Wälder hummten und summten. Sie waren bald bereit für den Kontakt. Noch aber konnte er seine Gedanken schweifen lassen.
Falsch: Der Wald forderte, dass er sich für eine Weile mit sich selbst beschäftigte. Der Verbund wollte, dass er zu sich selbst fand und alle Probleme abschüttelte, die sich während eines Tages anhäuften. Dass er die Symptome seiner Depressionen bestmöglich beiseitedrängte und sich auf seine Aufgabe konzentrierte.
Er hatte einen Streit mit Luva gehabt, seiner ehemaligen Lebensabschnittspartnerin. Sie waren ein Herz und eine Seele gewesen, bis sie kein Herz und keine Seele mehr gewesen waren. Seit dem Ende dieser anstrengenden und unendlich fordernden Beziehung machte sie sich einen Spaß daraus, ihm in sein Leben zu pfuschen. Und, wie Schott sich selbst gegenüber zugeben musste, tat er es ihr gegenüber genauso.
Klimbo, sein ältester Sohn, wollte wieder mal nichts von ihm wissen, und Livea, seine jüngste Tochter, hatte ihn in einer Trivid-Unterhaltung einen alten, aufgeblasenen Sturschädel genannt, bevor sie die Verbindung unterbrochen hatte.
Jedes einzelne Problem belastete ihn. Jedes Hindernis, das sich ihm in den Weg stellte, wurde zum schier unüberwindbaren Bergmassiv. Müdigkeit, Erschöpfung, Resignation, Trauer, gefolgt von gelegentlichen und hysterischen Phasen höchster Euphorie ... Dies war der Rhythmus seines Lebens, wenn er die Medikamentenpflaster nicht regelmäßig auflegte.
Er nahm alle Kraft zusammen, die ihm geblieben war, und konzentrierte sich auf die bevorstehende Aufgabe. Er musste die Last, die er mit sich schleppte, beiseiteschieben und für kurze Zeit vergessen. Nur dann konnte er mit dem Wald kommunizieren.
Schott fühlte mit einem Mal Unruhe. Er richtete sich auf. Die Augen hatten sich längst an die Dunkelheit gewöhnt. Er sah eine Bewegung zu seiner Rechten. Ein Schemen, etwa schulterhoch, die Vorderläufe gespreizt und die Sprungbeine ins Unterholz gestemmt.
Ein Schaftiger. Ein Einzelgänger, dessen massiver Schädel hin und her pendelte.
Schott kam auf die Beine und blieb wackelig stehen. Ihn schwindelte. Seine mentalen Probleme wirkten sich meist auch körperlich aus.
Er hatte gehofft, eine friedliche Unterhaltung mit dem Wald führen zu können. Doch der Jungbulle durchkreuzte seine Absichten. Das Erwachen der Bäume hatte nun mal Auswirkungen auf alles Leben in seinem Inneren.
Schott ging in die Hocke und tastete um sich, ohne die Blicke von dem angriffsbereiten Tier zu lassen. Es scharrte mit einem Bein und schnaubte kräftig durch die Nasenlöcher. Der Schaftiger wusste, dass er entdeckt worden war.
Schott griff sich einen Ast. Einen Knüppel, so dick wie ein Unterarm, und gut eineinhalb Meter lang. Fast zu schwer, um ihn schwingen und als Waffe einsetzen zu können.
Diese Viecher waren klug, kräftig und bösartig. Eine Kombination, die sie zu den erfolgreichsten Jägern in den kaum besiedelten Teilen Frenshauns machte. Normalerweise bewegten sie sich in friedlichen Herden, die sich von Aas ernährten. Doch Einzelgänger wie dieser waren immens gefährlich.
Schott spürte die Anspannung. Das Adrenalin.
Es tat gut. Es ließ ihn vergessen, wie mies er sich eigentlich fühlte.
»Lass es bleiben!«, sagte er und durchbrach damit die Stille des Waldes. »Du kannst mir nichts tun. Ich werde vom Wald geduldet und geschätzt. Richtest du dich gegen mich, richtest du dich gegen ihn.«
Der Schaftiger gab ein aggressives Knurren von sich, die Hinterläufe scharrten heftiger.
Für einen Augenblick fühlte Schott Bedauern, dass er seine Ausrüstung hinter sich gelassen hatte. Doch er wollte mit dem Wald in Kontakt treten, also war es erforderlich gewesen.
Er holte tief Luft und brüllte, so laut er konnte: »Verschwinde von hier! Verschwinde!«
Der Schaftiger zuckte zusammen, die Vorderläufe gingen hoch. Er erschrak und wollte seinen Körper wenden – und überlegte es sich dann doch. Die Gier überkam ihn. Die Aussicht auf einen Kampf und auf Fleisch.
Also ließ er die Vorderbeine wieder hinab, spannte seine Muskeln an und stürmte los. Auf Schott zu. Das Tempo überraschte, obwohl er auf den Angriff vorbereitet gewesen war.
Schott wich zurück. Er wusste einen der größeren Bäume in seinem Rücken. Mit aller Kraft trieb er eine Seite des Knüppels in den Erdboden, sodass er in einem 45-Grad-Winkel...




