Thurner | Perry Rhodan 3183: Im Primordialen Korridor | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 3183, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

Thurner Perry Rhodan 3183: Im Primordialen Korridor

Perry Rhodan-Zyklus "Chaotarchen"
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8453-6183-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Perry Rhodan-Zyklus "Chaotarchen"

E-Book, Deutsch, Band 3183, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

ISBN: 978-3-8453-6183-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2072 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5659 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Doch entwickelt sich in der kleinen Galaxis Cassiopeia offensichtlich eine neue Gefahr. Dort ist FENERIK gestrandet, ein sogenannter Chaoporter. Nachdem Perry Rhodan und seine Gefährten versucht haben, gegen die Machtmittel dieses Raumgefährts vorzugehen, bahnt sich eine unerwartete Entwicklung an: FENERIK stürzt auf die Milchstraße zu. Während Rhodan dem Chaoporter nacheilt, versucht er, mehr über dieses Gebilde herauszufinden, und hat über den Quintarchen Farbaud bereits tiefe Einblicke erhalten. Farbaud indessen ist längst wieder an Bord von FENERIK. Hier halten sich auch einige Terraner auf: Anzu Gotjian, Alaska Saedelaere und Gry O'Shannon. Während Gotjian ein neues Leben als Sextadim-Kanonierin beginnt, suchen Saedelaere und O'Shannon einen Weg hinaus. Diesen finden sie womöglich IM PRIMORDIALEN KORRIDOR ...

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1.

Im Primordialen Korridor

Der Anzug der Verheißung versprach in der Tat viel. Allerdings war Alaska Saedelaere noch nicht dazu gekommen, all seine Funktionen auszuprobieren.

Ja, er fühlte dank der Handschuhe mehr als mit seinen Fingern. Ja, er hatte das Gefühl, dank der Oberflächenbeschaffenheit geschickter zu sein. Auch war sich Saedelaere sicher, damit Wehwehchen, Verletzungen und Erkrankungen ertasten zu können. Und der kleine, nun ja, Zeitvorteil, den ihm der Anzug der Verheißung gewährte, hatte ihm in der Auseinandersetzung mit Farbaud einen gehörigen Vorteil verschafft.

Welche Geheimnisse verbirgt der Anzug noch vor mir? Er offenbart sich mir nicht so recht. Es scheint, als müsste ich erst die richtigen Worte oder Gedanken finden, um ihn endgültig zu aktivieren.

Der Anzug der Verheißung bescherte ihm in vielerlei Hinsicht eine gesteigerte Sensibilität, nur in einer Angelegenheit nicht: Saedelaere hatte nach wie vor keine Ahnung, wie er mit seinen Gefühlen für Gry O'Shannon umgehen sollte. Sie riss seinen mühsam errichteten Wall der Unnahbarkeit Stück für Stück ein. Wie es schien mühelos.

»Hast du noch etwas zum Essen bei dir?«, fragte er Gry.

»Ja«, antwortete sie. »Ich habe mich in Neu Khellende versorgt.« Sie klatschte mit den Händen gegen die ausgebeulten Hosentaschen ihres reichlich ramponierten SERUNS. »Viel mehr Sorgen als unsere Nahrungssituation macht mir die Eintönigkeit des Primordialen Korridors.«

»Ich finde die Bilder und Sequenzen, die wir zu sehen bekommen, durchaus spannend.« Saedelaere deutete auf die kristalline Wandung des Ganges, dem sie seit Stunden folgten.

Er blieb stehen und konzentrierte sich auf eine Darstellung. Auf eine Szene, die in einem vermeintlichen Dahinter geschah. Sie wussten nicht, ob es sich dabei um Fiktionen handelte, um Wunschvorstellungen des Erbauers des Primordialen Korridors, um Aufzeichnungen, um vergangene oder gar zukünftige Geschehnisse ...

Saedelaere erblickte mehrere einander ähnelnde Gestalten. Sie erinnerten ihn an die Androiden der UFOnauten, die als Hilfsvolk der Kosmokraten den einen oder anderen Berührungspunkt mit den Terranern gehabt hatten. Die geschlechtslosen Kunstwesen hatten blaue Haut und zarte Gesichter gehabt. Die Gebilde hinter dem Spiegel waren den UFOnauten ähnlich, wirkten aber wie ... Fehlkonstruktionen. Ihre Gesichter waren meist wie zersplittert, die Körper verschlissen, die Bewegungen oft unkontrolliert.

Die mutmaßlichen UFOnauten feierten hinter der Glaswand des Korridors, lachten und feixten. Sie hatten Spaß miteinander, auch wenn ihre körperlichen Beeinträchtigungen schwerwiegend schienen. Aber sie zeigten eine unbändige Lust am Leben. Ganz anders, als die Roboter kosmokratischer Hilfskräfte sonst wirkten.

Mir scheint, als handelte es sich um Ausschussware. Was, wenn die Chaotarchen beschädigte Exemplare der Kosmokraten in Sicherheit gebracht haben, bevor sie eingestampft werden konnten? Wir dürfen niemals vergessen, dass die Chaotarchen die Individualität in den Vordergrund stellen und das Leben an sich womöglich mehr schützen als die Kosmokraten. Die Chaotarchen stehen für unendliche Vielfalt, für ein kunterbuntes Durcheinander – und die Konsequenzen daraus. Wandel durch Zerstörung, Rücksichtslosigkeit.

»Kennst du diese Gestalten?«, fragte Gry.

Saedelaere spürte, wie sie ihn von der Seite her musterte. Er drehte sich weg von ihr. Er mochte es nicht, wenn ihm jemand auf die Maske starrte. Schon gar nicht Gry.

»Mag sein, dass ich ihnen in einem früheren Leben bereits einmal begegnet bin«, sagte er ausweichend.

Er hörte, wie seine Begleiterin gegen das vermeintliche Glas klopfte, und wandte sich ihr wieder zu. Sie wollte Kontakt aufnehmen, unvorsichtig, wie sie war. Seiner Meinung nach war es gut, dass es keinerlei Verbindung zur anderen Seite gab. Die Bilder spiegelten trotz aller Ausgelassenheit eine Aggression, die Alaska nicht behagte.

Die UFOnauten reagierten nicht auf das Klopfen. Sie lachten und redeten und sangen weiter, ohne auf Gry zu achten.

»Die Wände sind nicht dazu gedacht, Kontakt herzustellen«, behauptete er. »Sie dienen der Betrachtung, nicht der Interaktion.«

»Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du manchmal redest, als hättest du einen Stock verschluckt?«

»Ja.«

»Und? Willst du nichts daran ändern?«

»Ich bin, was ich bin.« Nein, war er nicht. Gry tat etwas mit ihm. Sie veränderte ihn auf eine Weise, die er sich nicht erklären konnte.

Er ging weiter, zum nächsten Schaubild. Diesmal war Saedelaere mit einer Szene konfrontiert, die keinerlei Assoziationen in ihm heraufbeschwor. Die Darstellung war einzig und allein einem chaotischen Kreislauf des Lebens gewidmet, der wie in Zeitraffer vor seinen Augen ablief.

Die Bilder waren nicht ganz so klar wie jene mit den UFOnauten. Der Großteil der Geschehnisse erschien wie gewaschen, wie hinter einem Regenvorhang verborgen. Fette Schlieren durchbrachen die Szenen. Nur wenige Details wurden deutlich erkennbar. Vor allem zum Rand der Darstellung hin wurden die Bilder schlechter.

Eine Gruppe von Kaulquappen wuchs rasant heran, während Saedelaere über die technischen Hintergründe dieser Lebenswelt grübelte. Sie wurden zu Amphibien und entwickelten eine Art Stammesintelligenz. Die Wesen, einstmals aus einem einzigen Laich stammend, strebten auseinander, bildeten Clans, grenzten sich voneinander ab, verbündeten sich, verzettelten sich in Streitigkeiten. Auseinandersetzungen wurden zu Kriegen. Reiche fielen, neue Zweckbündnisse wurden geschlossen.

Die Amphibischen wirkten wie Kleinstlebewesen in einer Petrischale, die ihre Existenz in völliger Hektik vor Alaska offenbarten. Mal stießen sie einander ab, mal wurden sie voneinander angezogen.

Ihm war klar, dass diese Wesen ganz nach dem Geschmack der Chaotarchen waren. Sie waren wild und urtümlich, nichts hatte in ihrem Lebenskreislauf für längere Zeit Bestand.

Nach wenigen Minuten erschöpften sich alle Bemühungen. Die Amphibien veränderten sich körperlich, wurden träge und desinteressiert am Schicksal ihrer Clans. Jeglicher Zusammenhalt ging verloren – und in rasanter Weise verringerte sich ihre Zahl.

»Wir müssen etwas tun!«, sagte Gry, die völlig in den Bildern gefangen war. »Siehst du denn nicht, dass sie sich selbst zerstören? Wir müssen sie retten, zumindest einige von ihnen ...«

»Wir haben keinen Zugriff auf sie.«

Gry achtete nicht auf seine Worte. Sie trat mehrere Schritte zurück, hin zur anderen Seite des Primordialen Korridors, nahm Anlauf und warf sich gegen die vermeintlich gläserne Wand, erreichte aber nichts. Die Barriere zwischen ihnen bestand aus mehr als aus Glas oder Kristall. Selbst mit einem Handstrahler hätten sie diese Grenze nicht zerstören können, davon war Saedelaere überzeugt. Hier wirkten andere Kräfte als jene, die Gry und er kannten.

Und ich habe schon mehr wundersame Dinge gesehen als die meisten Lebewesen des Kosmos.

So schnell, wie Grys Nerven durchgegangen waren, so schnell beruhigte sie sich. Sie stellte sich erneut neben Saedelaere. Gemeinsam sahen sie dabei zu, wie die Zivilisation der Amphibienwesen endgültig zusammenbrach.

Für einige Sekunden blieb alles ruhig in dem winzigen Weltenbereich jenseits des Primordialen Korridors. Bis sich da und dort neue Gestalten sich zu regen begannen.

Sie ähnelten ihren Vorgängern, wiesen aber einige andere körperliche Merkmale auf: Körperpanzer umhüllten sie, ihre Glieder waren schwächer als jene ihrer Vorfahren ausgeprägt. Das Temperament und ihr Lebenstempo allerdings waren gleich geblieben.

»Als ob jemand Gott spielen würde und von einer Versuchsreihe zu nächsten springt«, sagte Gry.

»Oder wir sehen bloß eine virtuelle Simulation, die von einem leistungsfähigen Roboter durchgespielt wird. Um bei wechselnden körperlichen Gegebenheiten die idealen Wesen für die Besiedlung einer bestimmten Welt zu finden.«

»Ich finde beide Möglichkeiten widerlich.«

»Die Bewertung widerlich spielt für Kosmokraten und Chaotarchen höchstwahrscheinlich keinerlei Rolle.«

»Manchmal bist du so schrecklich nüchtern, Alaska.«

Illustration: Swen Papenbrock

»Ich bin, was ich bin.« Er überlegte und fasste seine Gedanken zu ihrer Reise knapp zusammen. »Wir folgen einem Gerücht. Wir glauben, dass die beiden Chaotekten Perneter und Haretemir Horizont den Primordialen Korridor geschaffen haben. Um aus dem Chaotender zu entkommen, nachdem sie ihn fertiggestellt hatten. Aber warum wollten sie weg? Was steckt hinter ihrer Flucht? Was ist dieser Korridor eigentlich?«

»Das sind Fragen, die mich seit unserem Abschied aus Neu Khellende quälen. Ich hasse diese Unsicherheit.«

»Ach ja? Du bist doch der chaotarchischen Seite des Lebens zugeneigt, wie wir beide wissen.«

»Nicht, dass ich es so gewollt hätte.« Sie lächelte. »Hast du tatsächlich versucht, witzig zu sein?«

»Sarkasmus kann ich. Das solltest du mittlerweile wissen, Chaotarchenmagd.«

Gry lächelte erneut, wurde aber rasch wieder ernst. Sie wandte sich von der verspiegelten Wand des Korridors ab und setzte ihren Weg fort, ohne auf Saedelaere zu warten. Das Volk der Chitinkrieger hatte sich mittlerweile gegenseitig ausgerottet, eine weitere Ruhephase begann.

Als Saedelaere seiner Begleiterin folgte, entdeckte er aber bereits neue Zeichen von Leben in den schlierigen Bildern jenseits der gläsernen Wand. Wesen ohne Chitinschalen, aber mit breiten und schillernden Flügeln. Sie stürzten sich wie wild aufeinander und...



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