E-Book, Deutsch, Band 14, 319 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
Thurston / Weiß BattleTech Legenden 14 - Blutrecht
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95752-614-4
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jadephönix-Trilogie 2
E-Book, Deutsch, Band 14, 319 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
ISBN: 978-3-95752-614-4
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aidan hat bei seinem Positionstest versagt, ist bei der Rangprüfung durchgefallen, der sich alle wahrgeborenen Kriegern des Clans Jadefalke unterziehen müssen. Er ist ausgestoßen. Entehrt. Sein rechtmäßiger Blutname ist ihm verwehrt. Aber mit einem Blutnamen sind alle Fehler vergeben. Ein Blutname bringt Respekt. Ein Blutname bringt Ehre. Aidan ist bereit, alles für diesen Namen zu tun. Er ist selbst bereit, sich als das auszugeben, was er zu verachten gelernt hat: als Freigeburt.
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PROLOG
Jahre zuvor, als sie noch ein Kind war, erfuhr Diana viel über ihren Vater.
»Er ist Teil des Clans, und andererseits auch wieder nicht«, sagte ihre Mutter Peri.
»Clan verstehe ich nicht«, unterbrach Diana. Obwohl sie erst vier war, sprach sie klar verständlich und präzise. Sie hörte andere Kinder und Erwachsene niederer Kasten oft Worte zusammenziehen oder Buchstaben verschlucken, aber selbst tat sie das nie.
»Der Clan steht für das, was wir sind, wo wir hingehören. Ihm gilt unsere Loyalität. Der Clan sorgt für uns, für alle Kasten, die in ihm vereinigt sind. Es ist der Clan, der uns allen eine sinnvolle Arbeit zuteilt, eine Arbeit, die den gemeinsamen Zielen dient. Eines Tages werden wir aber zurückkehren, um den uns zustehenden Platz in der Inneren Sphäre einzunehmen, und wir werden den Sternenbund wiederherstellen, der einst alle Welten in diesem gewaltigen Raumsektor beherrschte.«
»Was ist die Innere Sphäre? Was ist der Sternenbund?«
»Das wirst du noch früh genug erfahren, Diana, aber am richtigen Ort.«
»Was ist an diesem Ort falsch?«
Sie saßen in der Ecke eines großen Labors, des größten in der Forschungsstation auf Tokasha, wo Peri seit über fünf Jahren als Labortech arbeitete. Die Unterkünfte umfassten eine Tagesstätte, aber Diana betrachtete das Labor als ihr Kinderzimmer, einen Raum, in den sie gelegentlich zum Spielen kam, aber eigentlich nur, um bei Peri zu sein. Sie war in einem Alter, in dem sie die ständige Nähe der Mutter suchte.
Typisch für Freigeborene, wie ein dicklicher Mann namens Watson, der Projektleiter auf Tokasha, feststellte. In einer Geschko waren die Kinder auf sich selbst angewiesen; ihre Bindungen waren kogeschwisterlich. Da Freigeborene meist zumindest einen Elternteil kannten, der für sie sorgte, neigten sie dazu, immer in dessen Nähe zu bleiben — aus Angst, er könnte ihnen genommen werden, vom Tod oder vom Clan. Kinder lernten früh, dass der Clan freigeborene Elternschaft nicht respektierte und nicht zögerte, Eltern und Kinder zu trennen. Schon mit vier Jahren fürchtete Diana sich davor mehr als vor Monstern oder Schatten in der Nacht.
Wie sich herausstellen sollte, war ihre Furcht begründet. Als Diana neun Jahre alt war, wurde Peri dem Wissenschaftszentrum auf Circe zugeteilt, und ihr neuer Posten als anerkannte Wissenschaftlerin gestattete es nicht, ihre Tochter mitzunehmen. Peris Briefe an ihre Tochter wurden immer seltener. Ihre Spezialität war die Untersuchung des Weges von Geschko-Mitgliedern von der Kindheit über die Kriegerausbildung zum Entscheidungstest, der ihre einzige Chance darstellte, Mitglied der Kriegerkaste zu werden. Für jedes Stadium dieses Weges sammelte Peri Daten darüber, wie viele Geschkinder bei den Tests versagten und welche neuen Rollen im Clanleben ihnen zugewiesen wurden. Sie war besonders interessiert daran, wie viele Kadetten es bis zum abschließenden Test schafften (wie sich herausstellte, waren es immer verdammt wenige) und welche von diesen letztendlich den Sprung zum Krieger schafften.
Dianas Vater war ein Kadett gewesen, der beim letzten, alles entscheidenden Test versagt hatte, und eines von Peris Zielen bestand darin herauszufinden, was genau geschehen war. Außerdem wollte sie wissen, warum sie selbst in einer der letzten Phasen der Kriegerausbildung ausgesiebt worden war. (Während dieser Untersuchungen erinnerte sie sich häufig an den Abend, an dem sie die Geschko-Kaserne nach ihrem Ausscheiden zum letzten Mal hatte verlassen müssen, und an das Gespräch, das sie mit dem Jungen geführt hatte, der eines Tages Dianas Vater werden sollte. Diese damalige Unterhaltung hatte in Peri den Drang nach genau den Untersuchungen ausgelöst, die jetzt ihr Alltag waren.) Mit wachsender Intensität ihrer Arbeit verdrängte das Schreiben von Berichten immer mehr den Briefkontakt mit ihrer Tochter. Ihre Ergebnisse, so wurde Peri mitgeteilt, waren ein wichtiger Beitrag zu einem größeren Projekt mit dem Ziel, Methoden zu finden, die es mehr Mitgliedern einer Geschko-/Kadettengruppe ermöglichen sollten, in die Kriegerkaste aufzusteigen.
Dann erhielt Diana ihre eigene Aufgabe, und der Kontakt zwischen Mutter und Tochter brach vollends ab. Aber als Diana vier war, waren sie sich noch sehr nahe.
»Mit dem Labor ist alles in Ordnung«, stellte Peri fest und sah ihre Tochter lächelnd an. »Es ist nur der falsche Ort, um etwas über den Clan zu lernen. Dafür gibt es Klassenzimmer, Unterrichtsstunden und Gedächtnisübungen. Du wirst es noch früh genug mitmachen müssen. Noch hast du Zeit, ein Kind zu sein.«
»Sag mir nochmal, wie unser Clan heißt.«
»Wir sind die Jadefalken.«
»Und was ist ein Jadefalke?«
»Ein möglicherweise mythischer Vogel, auch wenn es Menschen gibt, die behaupten, schon Exemplare gesehen und sogar abgerichtet zu haben. Man sagt, dass sie sehr hoch fliegen und Schwierigkeiten haben, wieder auf den Boden zu finden.«
»Wie mein Vater.«
Peri lachte. »Genau wie dein Vater. Er wollte ein großer Krieger werden, dein Vater, aber er versuchte während eines sogenannten Tests — einer Prüfung, durch die Krieger ausgewählt werden — einen Trick.
Der schlug fehl, und er hatte seine Chance vertan. Nicht viel später kamen andere Krieger hierher nach Tokasha und nahmen ihn mit. Ich weiß nicht, was danach aus ihm geworden ist.«
»Und wie heißt er?«
Peri zögerte einen Augenblick, aber das Kind konnte nicht ahnen, dass seine Mutter Zweifel hatte, ob es gut war, ihm den Namen seines Vaters mitzuteilen. In diesem Sekundenbruchteil musste sie beschlossen haben, dass es angesichts der Größe des Clansektors und der Vielzahl der Welten, auf denen Aidan sich niedergelassen haben konnte, kein großes Risiko darstellte.
»Aidan. Er heißt Aidan.«
»Ich wünschte, er könnte zu uns zurückkommen.«
»Nein, das wäre unclanmäßig. Welche Aufgabe er jetzt auch erfüllen mag, im Innersten ist er ein Krieger. Er stammt aus einer Geschko, und das bedeutet, dass er weder Vater noch Mutter hatte, sondern aus etwas entstanden ist, das wir Gene nennen — verlang bitte nicht, dass ich dir das alles erkläre. Krieger ziehen ihre Kinder nicht selbst auf, auch nicht, wenn sie einer aderen Kaste zugeteilt worden sind, und freigeborene Kinder schon gar nicht.«
Peri hatte Diana nie gesagt, dass sie einmal zur selben Geschko wie Aidan gehört hatte, eine Tatsache, die normalerweise ausgeschlossen hätte, dass sie jemals auf natürliche Weise ein Kind zur Welt brachte. Aber als Wissenschaftlerin war Peri in der Lage gewesen, ihren Körper so zu beeinflussen, dass sie das Privileg der Freigeborenen, schwanger zu werden, auskosten konnte. (Sie betrachtete es als Privileg, auch wenn sie damit unter den Wahrgeborenen eine recht isolierte Position einnahm.) Warum das so wichtig für sie geworden war, hatte sie nie richtig verstanden. Nach ihrem Versagen als Kriegerin hatte sie beinahe sofort erkannt, dass sie nicht in der Lage sein würde, ein Leben ohne den Blick auf den Sichtschirm eines BattleMech-Cockpits allein durchzustehen. Diana war die Lösung für ihre Einsamkeit gewesen.
Später, nachdem sie Diana mehr oder weniger aufgegeben hatte, wurde sie von ähnlichen Gedanken geleitet. Sie sah Dianas Potential und beschloss, die Elternbindung zu lösen und Diana ihren eigenen Weg suchen zu lassen. Sonst hätten Peris Bedürfnisse sie eines Tages zurückhalten können. Es war keine leichte Entscheidung, aber sie traf sie mit der Entschlossenheit einer für die Rolle der Kriegerin geborenen und erzogenen Frau.
»Mutter?«, fragte Diana nach einer langen Pause, während sich ihre kleine Stirn aufgrund schwieriger Überlegungen in Falten legte. Diana war eine Spezialistin für schwierige Überlegungen, für ihr Alter sogar höchst schwierige.
»Ja?«
»Ich glaube nicht, dass ich Wissenschaftlerin werden will, wenn ich groß bin.« Das ganze verstrichene Jahr über hatte Diana Peri jeden Tag mitgeteilt, dass sie Wissenschaftlerin werden wollte.
»Oh? Du möchtest dir deine Kaste aussuchen? Das passt nicht zu einer Freigeborenen, das weißt du.«
»Ja, das weiß ich. Aber ich weiß, was ich werden will. Ich will Kriegerin werden.«
Peri hatte den Eindruck, ihr Herz sei stehengeblieben. Das waren nicht die Worte, die sie zu hören gehofft hatte. Nicht, dass sie ihrer Tochter eine solche Laufbahn nicht gewünscht hätte, aber sie dachte an die Behandlung, die den wenigen Freigeborenen bevorstand, die sich für die Kriegerausbildung qualifizierten. Manchmal wurden sie als Kanonenfutter für Geschko-Kadetten verheizt, und die wenigen, die es bis zum Entscheidungstest schafften, hatten noch schlechtere Chancen als wahrgeborene Kadetten. Peri gefiel der Gedanke nicht, dass Diana ein solches Leben erwartete. Krieger waren die am höchsten geehrten Mitglieder des Clans, und selbst die Hilfsarbeiter der niedersten Kasten träumten davon, Krieger zu werden, aber wenn sie auf ihr Mutterherz hörte, erhoffte sie sich für ihre Tochter ein leichteres Leben. In der Kriegerkaste war das Leben niemals leicht, weder für Frei- noch für Wahrgeborene.
»Du hast noch viel Zeit, dein Leben zu planen,...




