Tielcke | Kaltes Verlangen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 290 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Tielcke Kaltes Verlangen

Sie ist von dir besessen. Sie will dir nah sein. Immer und überall.
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-3936-9
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sie ist von dir besessen. Sie will dir nah sein. Immer und überall.

E-Book, Deutsch, 290 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7325-3936-9
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ich beobachte dich und jeden deiner Schritte. Ich bin absolut von dir besessen. Ich will dir nah sein. Immer und überall.

Am Tag schleich ich mich als Patientin in deine Praxis. Nachts sitze ich vor deinem Fenster und blicke in deine Wohnung. Ich warte dort, bis du schlafen gehst. Das ist mein Geheimnis.

Aber was, wenn dein eigenes Geheimnis noch viel schlimmer ist?

Ein außergewöhnlich vielschichtiger Thriller zum Thema Stalking, bei dem wenig so ist, wie es scheint und der in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele führt.

»Es gehört einfach zu der Natur des Menschen, sich und die Welt zu zerstören. Ein Zwang, ein Drang, ein Trieb, der vorhanden ist, noch bevor man geboren wird.«
Das sagen die Leserinnen und Leser in der Lesejury:

»Ich habe noch nie etwas Derartiges gelesen und bin begeistert!« (Blubb0butterfly)

»Natalie Tielcke hat hier einen Psychothriller geschaffen, bei denen niemand ahnen kann, worauf das Ganze letztlich hinausläuft. Sie hat mich mit ihrem Buch gleichzeitig schockiert und begeistert. Mit psychologischer Raffinesse steigert sie die Spannung von Kapitel zu Kapitel.« (Xanaka)

»Es ist sehr verstörend, wie sich Kim in fremde Leben schleicht. Man fühlt eigentlich keinerlei Sympathien mit ihr. Eher schon mit ihren Opfern Anna und Max.« (tkmla)

»Ich [habe] noch nie ein Buch mit so vielen Wendungen und psychisch kranken Personen gelesen und bin fasziniert, wie man eine solche Story erschaffen kann.« (Cora)
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.



Natalie Tielcke wurde 1986 in Aachen geboren. Nach dem Abitur zog es die kreative Frohnatur zum Fernsehen und dort findet man sie noch heute. Sie schreibt Drehbücher und entwickelt TV-Serien. Die Kölnerin ist schon seit ihrer Kindheit davon begeistert, wenn nicht sogar besessen, sich Geschichten auszudenken. Ohne Stift und Papier geht sie nicht aus dem Haus.

Tielcke Kaltes Verlangen jetzt bestellen!

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1.


Sie versuchte, sich auf das Poltern des Zuges und die tickende Armbanduhr des Mannes zu konzentrieren, der für ihren Geschmack viel zu eng neben ihr saß und zu allem Übel auch noch grunzend und schnarchend vor sich hin döste. Doch trotzdem war sie ihm dankbar. Die letzten Stunden hatte es nicht viel zu beobachten gegeben, und Kim war kurz davor abzudriften.

Es war der vierte Januar 2016. Kim hatte die Feiertage sogar über Silvester hinaus bei ihren Eltern verbracht. Sie fühlte sich völlig ausgelaugt. Doch zu wissen, dass sie auf dem Weg nach Hause war, auch wenn sie jetzt bereute, den Zug statt des Autos genommen zu haben, war befreiend. Ungefähr so, wie wenn sie nach einem echt harten Arbeitstag nach Hause kam und ihren BH aufmachte. Sie liebte diesen BH für seine Unterstützung und sie würde ihn immer lieben, er würde ihr immer Halt geben, aber sie ertrug ihn nicht vierundzwanzig Stunden am Tag. Genau so ging es Kim mit ihren Eltern.

»Und bitte such dir endlich einen neuen Therapeuten. Es kann ja auch eine Therapeutin sein.« Mit diesen Worten hatte ihre Mutter sie am Bahnsteig verabschiedet und dabei unwissend gleich zwei Wunden aufgerissen. Auch wenn sie nicht ahnen konnte, was sie mit ihrer Bemerkung angerichtet hatte.

Kim durfte nicht abdriften. Sie musste sich konzentrieren, doch all die Geräusche und Gerüche, all die Menschen und Gesprächsfetzen, das Lachen, Räuspern, Schniefen und nicht zu vergessen die piepende Dauerbeschallung dank Smartphones und WhatsApp lenkten sie ab. Der Mann auf dem Nachbarsitz gähnte und wurde langsam wach. Kim wurde mitgerissen. Das Ticken der Uhr entfernte sich immer weiter. Fokussier dich, Kim.

Ihre Augen suchten das Abteil ab. Sie musste etwas Neues finden. Jemand Neuen.

Schon immer hatte sie Menschen beobachtet und analysiert. Bis ins kleinste Detail. Und was war schon dabei? Sie tat den Menschen ja nichts. Sie schaute ihnen bloß bei ihrem Leben zu. Mal nur einen kurzen Moment, zum Beispiel an der Ampel oder im Supermarkt. Und dann eben manchmal auch so lange, bis sie die Lust verlor oder ihr ein interessanteres Beobachtungsprojekt begegnete.

Der Zug wurde langsamer, die Bremsen quietschten, ein kurzes Ruckeln und er blieb stehen. Noch zwei Haltestellen und auch Kim könnte aussteigen.

Eine Frau stieg ein und ging an Kim vorbei. Sie war wunderschön. Nicht wunderschön nach einem Maßstab. Diese Frau war nicht mit irgendeinem gängigen Hollywood-Sternchen zu vergleichen. Sie war groß und schlank, fast wie eine riesige Elfe. Sie hatte helles, langes kupferblondes Haar, einen großen Mund und gelbbraune, freundliche Augen, um die herum schon einige Lachfältchen zu sehen waren. Es mussten einfach Lachfältchen sein. Es war, als wäre ein Regenbogen in den Zug eingestiegen und seine positive Energie sprang auf alle in dem Abteil über. Sie roch nach Mandarinen und Vanille. Alles roch plötzlich nach Mandarinen und Vanille.

Danke. Kim inhalierte ihren Duft. Diese Frau war wie eine Droge, Kim war in Trance, obwohl sie sie gerade nicht einmal sehen konnte.

Zwei Haltestellen später. Kim hätte aussteigen sollen. Aber sie konnte spüren, dass die Frau noch da war, und ganz abgesehen davon konnte sie es riechen. Sie konnte jetzt nicht aussteigen. Aber sie durfte auch nicht verpassen, wenn die Frau es tat. Kim musste sich unauffällig einen neuen Platz suchen. Einen, von dem aus sie die Mandarinen-Vanille-Frau beobachten konnte. Praktischerweise stand die Mandarinen-Vanille-Frau genau in dem Moment auf, als Kim sich aufrichtete. Sie musste also schon an der nächsten Haltestelle raus. Kim schnallte sich ihren Rucksack auf den Rücken und folgte der Frau mit dem nötigen Abstand. Leute zu verfolgen war nicht schwer, wenn man den Dreh einmal raus hatte.

Kim hielt immer ein paar Meter Abstand und war beruhigt, dass die Frau sich nicht nach ihr umdrehte. Die Frau folgte der Straße, die vom Bahnhof stadteinwärts führte, und bog links in eine Seitenstraße ab. Sie hatte einen fast schon edlen Gang, federleicht, als läge keinerlei Last auf ihren Schultern.

Nach einem Fußweg von weniger als zehn Minuten verschwand die Frau in einer Arztpraxis, die neben einer Apotheke in einer überschaubaren, kleinen Einkaufsstraße lag. Und Kim folgte ihr. Da am Empfang niemand besonders aufmerksam war, setzte Kim sich einfach in das überfüllte Wartezimmer. Und da war sie, die Mandarinen-Vanille-Frau. Ihr direkt gegenüber. Sie blätterte mit ihren gepflegten Händen in einer Zeitschrift, ahnungslos, dass Kim sie bis hierher verfolgt hatte.

Was für eine Arztpraxis war das eigentlich? Kim sah sich um. Nur Frauen. Fuck. Sie wusste, wo sie war. Eine hochschwangere Frau nahm neben ihr Platz. Unbehagen stieg in Kim auf. Was, wenn diese Frau jetzt einfach so neben ihr platzte? Sie sah aus, als sei sie kurz davor.

»Frau Specht?«

Kim hielt die Luft an. Aber die Mandarinen-Vanille-Frau war nicht Frau Specht. Die Frau neben Kim hievte sich wieder aus ihrem Stuhl und Kim war sich nicht sicher, ob es angemessen gewesen wäre, sie von hinten anzuschieben. Aber die Schwangere schaffte es alleine und ging ins Behandlungszimmer. Kims Aufmerksamkeit galt wieder ganz ihrem neuen Ziel. Diese Frau würde ihr nächstes Beobachtungsprojekt werden. Wer war sie? Warum war sie hier? War sie auch schwanger?

»Frau Rose?«

Gebannt beobachtete Kim die Reaktionen der Patientinnen im Wartezimmer. Niemand regte sich, doch dann legte die Mandarinen-Vanille-Frau behutsam die Zeitschrift zurück auf den Stapel, stand in aller Seelenruhe auf und schenkte der Arzthelferin, die sie aufgerufen hatte, ein so herzliches, warmes Lächeln, dass diese augenblicklich zu strahlen begann und jeder ihre hyper-gebleechten Zähne zu sehen bekam.

Kim beschloss, draußen zu warten, bevor sie noch gefragt wurde, was sie hier wollte. Es dauerte eine halbe Stunde, bis die Frau, von der sie jetzt unbedingt auch den Vornamen erfahren wollte, die Praxis wieder verließ. Kim folgte Frau Rose, die ihr Handy aus ihrer Handtasche kramte und abrupt stehen blieb. Kim konnte gerade noch unauffällig kurz hinter ihr in einem Häusereingang verschwinden. Und das Gespräch mithören.

»Hi Schatz, alles gut. Fehlalarm. Wie lange musst du noch? Ich bin in der Nähe von deiner Praxis und könnte dich abholen.«

Kims Gedanken überschlugen sich, ihr Herz raste. Wer mochte dieser Mann sein? Er faszinierte sie jetzt schon, allein wegen der Tatsache, dass er mit dieser Frau zusammen war. Und was für eine Praxis war das jetzt wieder? War Frau Roses Freund Arzt? Oder waren sie vielleicht sogar verheiratet? Nein. Kim hatte ihre Hände genau studiert und keinen Ehering entdeckt.

»Essen gehen? Ja, find ich super. Bis gleich.«

Sie legte auf und ging erst dann weiter, was Kim innerlich zum Schmunzeln brachte. Süße Angewohnheit irgendwie, dass sie beim Telefonieren stehen blieb. Für sie hätte es nach der Telefonzelle wohl keinen Fortschritt mehr gebraucht. Kim erinnerte sich an einen Jungen aus ihrer Schulzeit, der im Gehen nicht trinken konnte, essen konnte er dabei erstaunlicherweise schon, aber für jeden Schluck musste er stehen bleiben. Mit so jemandem eine Sauftour zu machen, musste verdammt schwierig sein.

Sieben Straßen, drei Ampeln, achtundzwanzig Menschen, zwei Hunde und drei Kiosks weiter bog die Frau in einen Häusereingang ab und verschwand hinter der Tür. Kim sah sich das Haus an. Mehrere Praxen unter einem Dach. Mehrere Optionen. Ihr Freund war entweder Hannes Wiebkind – Zahnarzt, Max Roth – Psychotherapeut oder Helge Fischer – Allgemeinmediziner und Heilpraktiker.

Knapp zehn Minuten später wurde die Tür des Hauses, das Kim nicht aus den Augen gelassen und Stein für Stein betrachtet hatte, von innen aufgehalten. Frau Rose (die Sache mit dem Vornamen wurmte Kim wirklich) verließ das Haus. Gefolgt von dem Mann, der ihr die Tür aufgehalten hatte. Das musste er sein. Sie gingen einige Schritte und hielten dann inne.

Kim studierte den Mann. Alles in allem sah er ziemlich attraktiv aus. Er war hübsch, aber kein Schönling. Er hatte eine drahtige, athletische Figur wie ein Stabhochspringer. Seine Haare waren kurz, dunkelblond und verteilten sich in wilden Wellen über seinen Kopf. Er trug eine schlichte halbrunde Brille, die bei seinen einnehmend großen, hellblauen Augen kaum auffiel. Seine Nase schaffte es durch einen leichten Haken, sein Gesicht zu dominieren. Dieser Mann hatte etwas Spezielles an sich. Kims Mutter würde das jetzt Charisma nennen. Und es falsch aussprechen.

Die Mandarinen-Vanille-Frau nahm die Hand des Stabhochspringers.

»Wo sollen wir hingehen? Zu Napo?«

»Wie du magst.« Er lächelte sie an. Warm, freundlich, ehrlich. Als könnte man ihm alles anvertrauen.

»Ich hätte Lust auf Pizza. Und Wein. Ganz viel Wein.«

»Wer kann da schon Nein sagen.« Er legte sanft seinen Arm um ihre Hüften und zog sie zu sich. Sie lehnte ihren Kopf an seinen und schloss kurz die Augen.

Kim hätte alles getan, um jetzt mit dieser Frau zu tauschen. Die Innigkeit zwischen den beiden war faszinierend. Sie wollte ein Teil davon sein. Sie folgte dem Paar zum Restaurant und überlegte, ob sie den Laden ebenfalls betreten sollte. Was, wenn die Frau sie doch bemerkt hatte? Aber Kim konnte nicht anders. Es war wie eine Sucht. Ein Verlangen so stark, dass sie es nicht aufhalten konnte. Es überwältigte sie einfach.

Sie entschied sich für einen Platz an der Bar. Ihr gegenüber hing ein Spiegel. Die Flaschen davor versperrten zwar etwas die Sicht, doch sie konnte Frau Rose und ihren Freund beobachten, ohne sich umdrehen zu müssen. Aber es war zu laut in dem Lokal, zu viele Geräusche lenkten Kim ab. Sie schaffte es nicht mal, ein paar Gesprächsfetzen der beiden aufzuschnappen....


Tielcke, Natalie
Natalie Tielcke wurde 1986 in Aachen geboren. Nach dem Abitur zog es die kreative Frohnatur zum Fernsehen und dort findet man sie noch heute. Sie schreibt Drehbücher und entwickelt TV-Serien. Die Kölnerin ist schon seit ihrer Kindheit davon begeistert, wenn nicht sogar besessen, sich Geschichten auszudenken. Ohne Stift und Papier geht sie nicht aus dem Haus.

Natalie Tielcke wurde 1986 in Aachen geboren. Nach dem Abitur zog es die kreative Frohnatur zum Fernsehen und dort findet man sie noch heute. Sie schreibt Drehbücher und entwickelt TV-Serien. Die Kölnerin ist schon seit ihrer Kindheit davon begeistert, wenn nicht sogar besessen, sich Geschichten auszudenken. Ohne Stift und Papier geht sie nicht aus dem Haus.



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