Tillmanns | Der kleine Troll kehrt heim | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 134 Seiten

Tillmanns Der kleine Troll kehrt heim


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-1234-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 134 Seiten

ISBN: 978-3-6951-1234-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eigentlich wollten Nele und ihr Bruder Nils das süße Einhorn aus seinem Zirkuskäfig befreien. Dass sie stattdessen einen frechen kleinen Troll retten, war nicht geplant - und beschert ihnen ein großes Abenteuer, das ganz anders endet als gedacht ... Ein phantastisches Abenteuer für Kinder ab 8 Jahren.

Andrea Tillmanns, geboren in Grevenbroich, lebt in Ostwestfalen-Lippe und arbeitet hauptberuflich als Hochschullehrerin. Sie schreibt seit vielen Jahren Gedichte, Kurzgeschichten und Romane in den verschiedensten Genres. Weitere Informationen sind auf ihrer Website www.andreatillmanns.de zu finden.
Tillmanns Der kleine Troll kehrt heim jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Befreiungsaktion mit Hindernissen


„Dort vorne, der silberne Wagen!“, flüsterte Nele.

Nils hob vorsichtig den Kopf und blickte über den Busch hinweg, hinter dem sie sich versteckten. „Bist du dir sicher? Wenn wir zum falschen Wagen laufen und statt deines Lieblings diese riesige Spinne mit den zwölf Beinen befreien …“

„Ach was, die hatte schwarze Vorhänge an ihrem Käfig“, beruhigte ihn Nele. „Keine Angst, Brüderchen, ich weiß schon, was ich tue.“

Nils seufzte leise. „Na gut. Wer geht voran?“

„Ich natürlich, ich bin schließlich älter als du“, entgegnete seine Schwester, richtete sich auf und huschte rasch über den offenen Platz, um den herum die Wagen des Wanderzirkus gruppiert waren.

„Aber nur ein paar Minuten!“, zischte Nils und folgte ihr. Er blickte sich immer wieder hastig um, obwohl weit und breit kein Mensch zu sehen war. Bestimmt hatte Nele recht, und die Leute, die hier arbeiteten, lagen längst in den Wohnwagen in ihren Betten. Dennoch hatte er ein ungutes Gefühl dabei, als er seine Schwester nun zielstrebig auf den Käfig mit den silbern im Mondlicht glänzenden Vorhängen zulaufen sah.

Vorsichtig griff Nele nach dem Rand des Vorhangs, zog ihn langsam zur Seite – und stieß plötzlich einen unterdrückten Schrei aus. Mit ein paar langen Schritten war Nils bei ihr.

„Es hat mich getreten!“, sagte sie fassungslos und starrte auf ihre Hand, auf der sich ein halbrunder silberner Abdruck abzeichnete.

„Wenn ich dich getreten hätte, hättest du nun eine Hand weniger“, hörten sie eine zarte, glockenhelle Stimme aus dem Käfig. Entsetzt sprangen die Geschwister zurück, als die Gittertür langsam nach außen aufschwang. Weshalb war die Tür nicht verschlossen? Und wer sprach da mit ihnen?

Nachdem sich die Tür ganz geöffnet hatte, fiel das Licht des Mondes auf einen hellen Umriss, der vor dem dunklen Wageninneren zu leuchten schien. Die Gestalt trat einen Schritt nach vorne, einen weiteren – „Das Einhorn!“, rief Nele begeistert, ohne daran zu denken, dass die Zirkusbesitzer sie hören konnten. „Sieh nur, Nils, es ist frei! Schnell, Einhorn, wir fliehen in die Wälder, dort wird dich niemand wieder einfangen …“

„Wovon sprichst du?“, erkundigte sich das Einhorn mit glockenheller Stimme. „Im Übrigen: Mein Name ist Melissa, nicht ‚das Einhorn‘.“ Langsam schritt das Einhorn namens Melissa über die Rampe vor dem Gitterwagen, bis es vor den Geschwistern stand. Im Mondlicht schimmerte sein Horn wie poliertes Eis.

Mit offenem Mund starrte Nele das Einhorn an. „Du … du kannst sprechen?“, erkundigte sie sich schließlich.

„Selbstverständlich“, nickte Melissa. „Du kannst schließlich auch sprechen, weshalb sollte ich das nicht können? Und was meinst du mit ‚befreien‘?“

„Nele meinte, ein Einhorn gehöre nicht in einen Käfig, sondern in die Wälder“, mischte Nils sich ein. Er trat einen halben Schritt vor und sah Melissa direkt an. „Und deshalb wollten wir dich aus diesem Wagen befreien.“

Das Einhorn musterte die beiden belustigt. „Menschenkinder sind einfach drollig“, lachte es. „Ihr seht nie richtig hin und bringt alles durcheinander. Ich bin doch nicht gefangen – die Gitter sollen uns eigentlich vor wilden Tieren schützen, die es in manchen Gegenden gibt. In einem geschlossenen Wohnwagen fühle ich mich nicht wohl – das ist nur etwas für Menschen. Wir ursprünglichen Bewohner der Länder diesseits des Großen Meeres ziehen es vor, den Wind und die Sonne und die Kühle der Nacht stets zu spüren.“

Die Geschwister warfen sich einen verunsicherten Blick zu. „Aber in den Wäldern geht es dir bestimmt besser“, begann Nele. „Dort gibt es viel Auslauf, frisches Wasser, leckeres Gras …“

„Ich bin kein Pferd“, unterbrach Melissa sie und wirkte nun nicht mehr ganz so belustigt. „Als Einhorn habe ich ganz andere Ansprüche an das Leben. Quellwasser und Gras – das ist etwas für ordinäre Pferde. Ich bevorzuge frische Säfte, Salate und natürlich Vanillepudding. Woher soll ich denn in der Wildnis Vanillepudding bekommen?“

Nele sah das Einhorn mit großen Augen an. „Vanillepudding? Seit wann essen Einhörner denn Vanillepudding? In den Geschichten, die Opa uns früher immer vorgelesen hat, wollten Einhörner immer frei durch die Wälder streifen …“

„Ja ja, Geschichten“, warf Melissa ein. „Meine Mutter hat mir auch früher erzählt, die Menschen seien alle Ritter und Prinzessinnen und würden sich immer mit den Drachen um die besten Höhlen streiten. – Hey, Ugur!“, rief sie zu einem der anderen vergitterten Wagen hinüber. „Bist du noch wach?“

„Wie sollte ich denn schlafen, wenn ihr da draußen quatscht?“, ertönte eine tiefe Stimme. Mit einem Knall flog die Tür des glitzernd grün bespannten Wagens auf, und ein großer brauner Drache stapfte hinaus.

Nele quiekte leise und sah das Wesen entsetzt an. „Der ist auch nicht eingesperrt?“, hauchte sie.

Nach kurzem Zögern trat Nils langsam noch einen halben Schritt vor. „Meine Schwester wirst du nicht fressen!“, erklärte er mit zitternder Stimme, obwohl er sich nicht sicher war, wie er das verhindern wollte. Der Drache war mindestens doppelt so groß und dreimal so breit wie der Junge. In der Nachmittagsvorstellung hatte er nicht so bedrohlich gewirkt, aber da hatte er auch ein Halsband getragen und war vom Zirkusbesitzer an einer Leine über den Platz geführt worden.

Das Untier riss sein Maul auf, wobei es eine Reihe großer spitzer Zähne enthüllte – und gähnte dann ausgiebig. „Melissa, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du nicht mit Menschen von außerhalb sprechen sollst“, knurrte er schließlich. „Du weißt doch, wie komisch diese Leute manchmal sind.“

„Allerdings“, lachte Melissa. „Die beiden wollten mich retten – stell dir das mal vor, Ugur, ich sollte in der Wildnis leben …“

Der Drache schüttelte den Kopf. „So was aber auch“, brummte er. „Was sollen wir denn in der Wildnis? Da muss man sich immer mit Schäfern und Kuhhirten anlegen, wenn man Hunger hat. Hier gibt es jeden Tag das beste Fleisch, das unsere Chefs auftreiben können – und hatte Melissa eigentlich schon die Altersvorsorge erwähnt? Ihr könnt mir glauben, es geht uns gut hier. Wenn ihr jemanden retten wollt“, er ließ kurz seinen Blick an den halbkreisförmig aufgestellten Wagen entlangwandern, „dann rettet doch den Troll. Auf den können wir verzichten.“

„Aber … es gibt doch überhaupt keine Trolle mehr“, wandte Nele zaghaft ein. „Zumindest hat Opa das gesagt …“

„Dann ist er wohl der letzte Troll“, entgegnete Melissa und schnaubte herablassend. „Um diese Barbaren wäre es nicht schade, wenn sie tatsächlich ausgestorben wären.“

Nils runzelte die Stirn. Er mochte das Einhorn von Minute zu Minute weniger. „Dann befreien wir eben den Troll“, sagte er entschlossen. „Wo finden wir ihn denn?“ Dann erst fiel ihm auf, dass sie in der Vorstellung am Nachmittag überhaupt keinen Troll gesehen hatten. Ob dieser ebenso groß und furchterregend war wie der Drache Ugur?

„Bist du verrückt?“, zischte Nele ihm zu. „Du weißt doch, wie die Trolle in Opas Geschichten immer waren – bösartig, hässlich …“

„Aber wenn er wirklich der letzte Troll ist, können wir ihn doch nicht in diesem Käfig lassen!“, widersprach Nils leise und sah dann Melissa und Ugur fragend an.

„Der Troll wohnt in dem kleinen Käfig dort hinten, gleich hinter Pamiras Wagen mit den schwarzen Vorhängen. Um Pamiras Käfig würde ich allerdings einen großen Bogen machen, wenn ich ein Mensch wäre“, antwortete der Drache und wirkte nun beinahe fröhlich.

„Die zwölfbeinige Spinne“, antwortete Nils tonlos.

„Ist ihr Käfig etwa auch offen?“, erkundigte sich Nele entsetzt.

Melissa nickte lächelnd. „Selbstverständlich. Nun geht aber, und macht nicht so viel Lärm, wenn ihr den Troll rettet. Wir brauchen unseren Schönheitsschlaf.“ Damit drehte sie sich um und schritt hoheitsvoll zurück in ihren Wagen.

„Und dann seht zu, dass ihr nach Hause kommt“, knurrte Ugur. „Menschenkinder sollten zu dieser Zeit nicht mehr alleine herumlaufen. Es gibt wilde Tiere hier draußen!“ Rasch sah er sich um, nickte dann beruhigt und stapfte wieder zurück in seinen Käfig. Mit einem Knall flog die Tür hinter ihm zu.

Die Geschwister sahen sich ratlos an. „Am besten gehen wir ganz schnell wieder nach Hause und vergessen alles“, sagte Nele leise. „Wenn dieses alberne Einhorn sich nicht retten lassen...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.