E-Book, Deutsch, Band 347, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Tinnefeld / Wickenhäuser Perry Rhodan Neo 347: Die Waffe der Labori
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-5547-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Staffel: Paragon
E-Book, Deutsch, Band 347, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-5547-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Irgendwann in ferner Zukunft: Einst hat der Astronaut Perry Rhodan die Menschen zu den Sternen geführt. Als er jedoch aus einer langen Stasis erwacht, ist nichts mehr so, wie es einmal war. Mehr als drei Jahrhunderte sind vergangen. Das Sternenreich der Terraner ist zerschlagen, die Erde entvölkert. Immerhin haben mehrere von Rhodans engsten Weggefährten überlebt. Nach vielen Hindernissen erreichen sie Gäa - die Welt, auf der die Menschen der Erde eine Zuflucht gefunden haben. Aber im Zentrum der Milchstraße lauert eine feindliche Macht, die meist als Paragon bezeichnet wird. Dahinter verbirgt sich der Garbeschianer Amtranik, getrieben von einem unversöhnlichen Hass auf die Menschheit. Deshalb besteht auch auf Gäa stets die Gefahr einer Invasion durch Amtraniks Soldaten - den Weg hierfür bereiten soll DIE WAFFE DER LABORI ...
Autoren/Hrsg.
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1.
Powlor Ortokur
Chaos in Sol-Town
Gäa stirbt, dachte Powlor Ortokur.
Die Augen des Oxtorners brannten, während er im Holo seines Multifunktionsarmbands das Ausmaß der Zerstörung sah. Er konnte – er wollte es einfach nicht glauben! Gypsplantagen von der Größe eines halben Kontinents welkten dahin.
Eine Hunderte Kilometer durchmessende Pyrocumuluswolke türmte sich über dem betroffenen Areal auf, eine meteorologische Seltenheit, die nur über stark erhitzten Gebieten auftrat, wie bei Vulkanausbrüchen oder nuklearen Explosionen. Was für eine furchtbare Waffe hatte das verursacht? War es dieselbe, die schon in den vergangenen beiden Tagen für das erste Absterben der 5-Vegetation gesorgt hatte?
Angefangen hatte es mit dem brennenden Weltraumwald, dessen Bild sämtliche Nachrichtenmedien von Gäa beherrscht hatte. Der Brand hatte zwar gelöscht werden können, aber der Anblick der in Flammen stehenden Pflanzen hatte Ortokur physische Schmerzen verursacht. Am Ende hatte es sich jedoch nur als Ablenkungsmanöver herausgestellt. Das eigentliche Ziel des Anschlags war die Narahula-Plantage auf Pront gewesen, dem größten Kontinent des Planeten, der sich vom Äquator bis weit ins südliche Polarmeer erstreckte. Sogenannte Dürrebrüter hatten das Katarakt-Gyps befallen und ein explosionsartiges Wachstum ausgelöst. Die Pflanzen waren abgestorben und zu Staub zerfallen.
Vor wenigen Minuten hatte es abermals einen Anschlag auf Pront gegeben. Diesmal schienen jedoch sämtliche Anbaugebiete des Katarakt-Gyps geschädigt zu sein. Welche Stufen der Zerstörung waren von dieser Waffe noch zu befürchten?
Tränen lösten sich aus seinem Augenwinkel. Ortokur hätte es gern verhindert. Er wusste, dass ihn viele wegen seines kantigen, breiten Gesichts mit den dicht behaarten, knöchernen Brauenwülsten für einen harten Kerl hielten.
Aber eigentlich sahen Oxtorner aus wie normale Terraner mit lediglich etwas kräftigerer Statur. Ihre olivbraune Haut schimmerte zwar manchmal ölig. Denn sie waren genetisch veränderte Menschen, angepasst an die harschen Bedingungen der Kolonialwelt Oxtorne. Körperliche Robustheit war dort in vielen Situationen überlebensnotwendig. Sie schützte aber nicht vor Gefühlen.
Ortokur gehörte zu Reginald Bulls Wissenschaftlichem Beraterstab und war Gäas führender Experte für die 5-Vegetation. Auf seinem Heimatplaneten hatte die Entwicklung dieses besonderen Zweigs der Flora seinen Ausgang genommen. Hinter seinem Rücken hatten manche seine Funktion als »5-Ökologen« verballhornt. Anfangs hatte ihn das noch gestört. Inzwischen bezeichnete er sich selbst so.
Auf einmal stand Gucky an seiner Seite. Der Mausbiber reichte Ortokur, der knapp zwei Meter maß, gerade bis zur Hüfte. Ortokur ließ den Arm sinken. Hatte der parabegabte Ilt die Gedanken des Wissenschaftlers belauscht? War er dazu überhaupt wieder in der Lage? Zuletzt war der Mausbiber derart erschöpft gewesen, dass er keine seiner Psi-Kräfte mehr einzusetzen vermochte. Immerhin schien er nun wieder teleportieren zu können. Allerdings machte er weiterhin einen bemitleidenswerten Eindruck. Sein Fell war verschwitzt und strähnig.
Ihre Blicke trafen sich, und für einen Moment erschien das Chaos in den Straßen von Sol-Town wie eingefroren. Dann legte der Ilt den Kopf schief, als erhielte er eine nur für ihn hörbare Botschaft, und verschwand wortlos wieder.
Dabei hatte es zuletzt eine gute Nachricht gegeben. Eine Agentin von Paragon war gefasst worden, bevor sie mehr Unheil anrichten konnte: die Labori Imara Tugh. Ortokur hatte Berichte über die ungewöhnliche Kraft und Aggressivität dieser Spezies gelesen. So ein Wesen gefangen zu nehmen, war keine Kleinigkeit.
Aber – bevor sie mehr Unheil anrichten konnte? Ortokur lachte bitter auf. Wie sollte das möglich sein: noch mehr Unheil?
Die riesigen Gypsfelder auf Gäa hielten den Hyperkatarakt in Gang. Zu Recht hieß es Katarakt – nicht Bächlein! Es handelte sich um kaum vorstellbare fünfdimensionale Energiesturzfluten.
Ortokur wusste, dass die Tesserakte der Posbis ihre Energie aus einer sogenannten Hyperkaskade bezogen. Für das Gyps galt das Gleiche. Das natürliche Energiegefälle zwischen Hyper- und Normalraum setzte die Kaskade in Gang. Das exotische Schleierkraut Gypsophila emollira, zumeist nur Gyps genannt, wirkte in den Hyperraum hinein, ohne Teil von ihm zu sein, und verstärkte diese Energieströme, die wiederum den Margor-Schwall speisten. Wie ein Schutzwall umschloss dieses hyperenergetische Wirbelfeld weiträumig das System der Sonne Mokosch und ihren einzigen Planeten Gäa, die erdähnliche Welt, auf dem die Bevölkerung von Terra und seiner Kolonien vor fast dreieinhalb Jahrhunderten Schutz gesucht und gefunden hatte.
In diesem eigentlich unüberwindlichen Abwehrschirm klaffte nun ein Riss. Exakt das war das Ziel des Anschlags von Imara Tugh gewesen. Vermutlich hatte sie den Margor-Schwall sogar komplett kollabieren lassen wollen und war während ihrer Sabotage gefasst worden, ohne ihr Werk vollenden zu können. Vielleicht wäre dies das noch größere Unheil gewesen.
Aber die bisherigen Schwächen des Schutzwalls reichten bereits aus. Paragon, der unheimliche Gegner aus dem Milchstraßenzentrum, machte sich zweifellos schon zum Schlag bereit, um die ihm verhasste Menschheit endgültig zu vernichten.
Gucky materialisierte erneut neben ihm. »Wir brauchen dich!« Der Ilt ließ Ortokur hatte keine Zeit, zu antworten, sondern berührte ihn, und begleitet von einem leichten Schwindelgefühl veränderte sich Ortokurs Umgebung.
Er duckte sich reflexartig, als ein Blitz über ihn hinwegzuckte.
»Ja, diese Dinger haben es in sich«, piepste der Ilt. »Sie erinnern an die Bezierblitze von Naat, und sie werden häufiger.«
Ortokur konnte Gucky über den Lärm hinweg kaum verstehen. Überall schrien Menschen durcheinander, ein Sturm heulte, und zu allem Überfluss versperrte ein nahezu waagerechtes Schneegestöber die Sicht und verwirbelte die Geräusche zu einer dumpfen Kakofonie. Omar Hawk rannte ihn beinahe über den Haufen, dicht gefolgt von seinem Okrill.
Der wie mit Puderzucker bestreute Arm des Ilts wies auf ein graues Gebilde. Der Wind verebbte unvermittelt, als habe ihn jemand abgeschaltet. Der Schnee fiel zu Boden, und die Sicht klarte auf.
Etwas war auf einen parkenden Großraumgleiter gefallen. Dieses Etwas war groß, möglicherweise ein Trümmerstück. Ortokur nahm an, dass es vom nahen Wolkenkratzer stammte.
Ein Blick nach oben bestätigte seine Vermutung. Schwarze Wolken quollen aus dem Hochhaus. Dort war wohl einer dieser Blitze eingeschlagen und hatte ein Feuer entfacht. Teile der Fassade hatten sich gelöst und waren heruntergefallen.
Von dem Gleiter drang ein Knirschen herüber. Aus dem Innern erklangen Schreie. Weitere Bruchstücke lagen um das Fahrzeug verstreut.
Ortokur setzte sich in Bewegung. »Was ist mit deiner Telekinese?«, fragte er und warf einen Blick über die Schulter.
Gucky war zurückgeblieben, schüttelte den Schnee ab und fasste sich an die Stirn. Litt er Schmerzen? Von ihm war offenbar keine Hilfe zu erwarten.
Ortokur bezog neben Hawk Stellung, der prüfend das Trümmerstück betaste. Hawks Okrill Watson, der einer terranischen Riesenkröte ähnelte, allerdings mit acht Beinen, sprang aufgeregt hinter seinem »Herrchen« hin und her und schnalzte. Seine Zungenspitze sprühte Funken. Das Wesen machte den Eindruck, als sei es zwar aufgewühlt, genieße die Aufregung aber geradezu. Ortokur bewunderte diese Tiere, die wie er selbst und Hawk von Oxtorne stammten. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte er wehmütig an seine Heimat, die Terraner gern als eine Extremwelt bezeichneten, und das nicht nur wegen der dort herrschenden 4,8 Gravos.
»Los!«, rief Hawk.
Beide Oxtorner stemmten das Fassadenbruchstück in die Höhe, um den rückwärtigen Teil des eingedellten Fahrzeugdachs zu entlasten. Ortokur blickte in die bangen Gesichter der Insassen. Die Glassitscheiben des Gefährts waren zerbrochen. Splitter knirschten unter Ortokurs Stiefeln. Aber sie konnten die Personen nicht einfach durch die Öffnungen herausziehen, diese waren viel zu eng.
Da erst bemerkte Ortokur die Anwesenheit von Perry Rhodan und Thora Rhodan da Zoltral. Wahrscheinlich hatte der Ilt auch sie, Hawk und Watson herteleportiert, so wie Ortokur selbst.
Der hochgewachsene Terraner und seine Frau hatten, woher auch immer, unterarmgroße Prallfeldprojektoren organisiert. Sie setzten die Geräte wie Hebel am vorderen Teil des Bruchstücks an. Das Verhalten der beiden rang Ortokur Respekt ab. Sie hatten, ohne zu zögern, die Besprechung nach dem Anschlag auf die Gypsplantagen unterbrochen und sich mit den anderen in die Krisengebiete von Sol-Town begeben, als die Wetterextreme zunahmen. Sie scheuten sich nicht, sich die Hände schmutzig zu machen.
Ortokur ächzte, während er das nach oben gestemmte Bruchstück mit aller Kraft nach vorn schob. Er war deutlich älter Hawk, aber trotzdem um ein Vielfaches kräftiger als jeder terrastämmige Mensch.
Das Fassadenbruchstück bewegte sich. Zentimeter für Zentimeter schoben die beiden Oxtorner es seitlich über das Gleiterdach, während Rhodan und seine Frau am anderen Ende unterstützend die Prallfeldhebel ansetzten. Dann geschah das Unglück: Das Trümmerstück brach in der Mitte durch und schmetterte erneut auf das Fahrzeug. Ein ängstlich klingender Aufschrei tonte aus dem Gleiter.
Ortokur bemerkte den Ilt, der offenbar herangewatschelt war. Gucky zuckte, als habe er einen Schlag erhalten, dann fiel er reglos zu Boden.
Hawk kletterte auf das...




