Tippner | Sherlock Holmes - Neue Fälle 32: Der Fall des Dr. Watson | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 32, 162 Seiten

Reihe: Sherlock Holmes - Neue Fälle (Historische Kriminalromane)

Tippner Sherlock Holmes - Neue Fälle 32: Der Fall des Dr. Watson


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-231-8
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 32, 162 Seiten

Reihe: Sherlock Holmes - Neue Fälle (Historische Kriminalromane)

ISBN: 978-3-95719-231-8
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Doktor Watson erhält von Mrs Hudson eine erschütternde Nachricht: Sherlock Holmes ist spurlos verschwunden. Watson nimmt die Spur seines Freundes auf. In England geschehen bestialische Morde. Was steckt hinter diesen grausamen Taten? Zwei neue Fälle mit dem größten Meisterdetektivs aller Zeiten.

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Das Landgut der Teufel

Es gibt nur wenige Fälle, an die ich mich so klar und deutlich erinnere, wie an den der Stadt der Teufel. Aus einem Zufall heraus hatten Holmes und ich uns im Hyde Park getroffen. Im ersten Moment, als ich schlendernd meines Weges ging, die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut genoss und den frischen, angenehmen Duft frisch geschnittenen Rasens einatmete, war mir mein Freund gar nicht aufgefallen. Er schien mir einer von vielen, die ihre Ruhe auf einer der unzähligen, an den Wegesrändern stehenden Bänken gefunden hatte. Erst, als ich stehen blieb und meine Blicke über den angelegten, nur seicht in Bewegung geratenen See schweifen ließ, auf dem Enten quakend und schnatternd ihre Runden drehten, fiel er mir auf.

Das hart geschnittene, von einer krummen, adlerartigen Nase dominierte Gesicht.

Ich schüttelte verwundert den Kopf, schaute noch einmal und fragte dann vorsichtig: „Holmes?“, weil mein Freund die Augen geschlossen hielt. „Was machen Sie denn hier draußen?“

Als er die Augen öffnete, ein kurzes, aber freundliches Lächeln auf seinen Lippen, fragte er mich: „Ist das so ungewöhnlich, Watson?“

„Ich will meinen, ja“, gab ich ehrlich zu. „Zu dieser Tageszeit hätte ich Sie eher Pfeife schmauchend in der Baker Street in Ihrem Sessel sitzend erwartet als hier, im Sonnenschein.“

Holmes lachte: „So sehen Sie mich also? Als rauchenden Stubenhocker, der ungern das Haus verlässt?“

„Lassen Sie mich ehrlich sein“, bat ich ihn und wartete seinerseits keine Antwort ab. „Ja, so sehe ich Sie. Sie lieben es, sich zu Hause aufzuhalten und darauf zu warten, dass ein Klient mit einer Aufgabe zu Ihnen kommt, deren Lösung anfangs als unlösbar gilt. Und da Sie sich jetzt hier aufhalten, im Freien, bin ich der festen Überzeugung, dass Sie das nicht ohne Grund tun.“

Holmes lachte: „Watson, das ist genial.“

Ich überhörte den seichten Spott, mit dem mein Freund sprach, und ließ mich neben ihn auf der Bank nieder, um dann zu sagen: „Sie werden hier sein, weil Sie eine Recherche begonnen oder beendet haben. Aber nein“, sagte ich, während ich den Enten bei ihrem sanften Dahintreiben beobachtete, „wären Sie mit Ihrer Arbeit fertig, würden Sie sich ein Gurkensandwich von Mrs. Hudson machen lassen und genüsslich schmausend und schmatzend darauf warten, dass Ihr Klient zu Ihnen kommt und Sie ihm sagen können, dass Sie den Fall schon gelöst haben. Da Sie aber noch hier draußen sind, recherchieren Sie noch und sind kurz davor, den Fall zu lösen. Schauen Sie mich nicht so an, ich sage Ihnen gleich, warum ich dieser Meinung bin.“

„Worüber ich mich sehr freue und es mich neugierig macht, zu hören, wie Sie zu dieser Schlussfolgerung kommen mögen.“

„Ganz einfach“, nickte ich, beugte mich vor, stellte meine Ellenbogen auf den Oberschenkeln ab und schaute seitlich zu meinem amüsiert lächelnden Freund. „Es ist Ihr zufriedenes Lächeln auf den Lippen, Holmes. Sie scheinen mir sehr zufrieden mit sich selbst zu sein. Deshalb meine Annahme.“

Holmes machte, nachdem ich ins Schweigen verfallen war, ein anerkennendes Gesicht und ließ ein zufriedenes Lachen erklingen, nachdem ich ihn aufforderte, mir zu sagen, was er zu meinen Schlussfolgerungen meinte.

„Bravo, sage ich, bravo.“

„Und warum so spöttisch?“

„Bin ich das?“

„Nun, tun Sie nicht so unschuldig, Holmes! Ich kenne Sie schon lange genug, um genau zu wissen, dass Sie versuchen, mich auf den Arm zu nehmen. Auch wenn es sich mir nicht erschließt, warum Sie das gerade tun. Ich meine, ich habe Ihnen bewiesen, dass ich sehr wohl dazu in der Lage bin, Ihre Deduktion anzuwenden.“

„Nur haben Sie leider die falschen Schlussfolgerungen gezogen“, meinte Holmes mit einem freundschaftlichen Lächeln und einem kumpelhaften Klopfer auf meine Schulter, als er gesehen hatte, wie mein Gesicht sich vor Enttäuschung verdüsterte.

„Ach, habe ich das?“, fragte ich zweifelnd. Allein der Gedanke daran, mich jetzt eines Besseren belehren lassen zu müssen, ärgerte mich zutiefst. Am liebsten wäre ich aufgestanden, um meinem Freund einen guten Tag zu wünschen; nur um nicht zu hören zu bekommen, wie leichtfertig ich einfachste Beobachtungen ignoriert und hanebüchene Erklärungen für logische Erklärungen gesucht hatte.

„Haben Sie, ja. Und lassen Sie mich erklären, woran es gelegen hat.“

„Ich bin ganz Ohr.“

„Watson, kommen Sie. Seien Sie ein guter Verlierer und lassen Sie sich erklären, wo Ihre Fehler lagen. Ich bitte Sie darum.“

„Ich bin ehrlich, Holmes. Ich bin es leid, dass ich immer und immer wieder falsch mit meinen Theorien liege. Einmal, nur ein einziges Mal, möchte ich auch mit dem recht haben, was ich gesagt habe.“

Holmes lachte freundlich.

„Jetzt machen Sie sich auch noch lustig über mich.“

„Mitnichten, mein Freund, mitnichten. So etwas würde mir nie im Leben einfallen und das wissen Sie. Ich bin nur daran interessiert, dass Sie aus deinen Fehlern lernen.“

„Also gut“, seufzte ich, während ich mich auf der Bank zurücklehnte, die Beine ausstreckte und die Füße kreuzte. „Ich bin ganz Ohr und freue mich auf Ihre Erläuterungen.“

„Sie haben ganz recht gehabt mit Ihrer Annahme, dass ich meine Wohnung deshalb verlassen habe, weil es um einen Fall geht. Doch bin ich weder wegen Recherchezwecken hier, noch, weil ich kurz davor bin, einen Fall zu lösen. Ich sitze hier, weil ich hier warte.“

„Sie warten auf einen Klienten?“

„So ist es. Und das hätten Sie mit Leichtigkeit sehen können.“

„Wie das?“

„An dem Brief, zum Beispiel, den ich hier bei mir trage und in den Händen halte.“

„Holmes“, verteidigte ich mich, „das kann auch ein Notizzettel sein.“

„Aus gebleichtem Papier, mit den eingewobenen Initialen meines zukünftigen Gesprächspartners? Watson, ich bitte Sie. Warum sollte ich solch ein kostbares Stück Papier für Notizen verschwenden?“

Ich zuckte mit den Schultern, sagte aber nichts zu dem Einwand.

„Und Ihre Beobachtung wegen meines Lächelns.“

„Was ist damit?“

„Auch das war falsch. Es war ein zufriedenes Lächeln, ja, aber nicht, weil ich einen Fall gelöst habe oder kurz davorstehe, ihn zu meiner Befriedigung zu beenden. Nein, ich habe gelächelt, weil ich Sie hier getroffen habe. Eine Hoffnung, wie ich zugeben muss, die ich als sehr klein eingeschätzt habe.“

„Sie hatten gehofft, mich hier zu treffen?“

„Gewiss.“

„Wie komme ich zu der Ehre?“, wollte ich wissen.

„Es ist ganz einfach, mein Freund. Bei den letzten spärlichen Besuchen, die Sie mir abgestattet haben, habe ich sehr deutlich die Birkenpollen auf Ihrem Mantel erkannt, sowie den leichten Schlammrand an den Sohlen Ihrer Schuhe. Dazu haben Sie immer eine kleine Papiertüte mit Brotkrumen in Ihrer Manteltasche gehabt. Ein Zeichen dafür, dass Sie sich irgendwo an einer feuchten Stelle aufhalten, wo Sie einen angenehmen Schatten unter Birken finden. Deshalb meine Hoffnung, Sie hier zu treffen. Denn mein Gesprächspartner wollte sich im Freien mit mir treffen, an einem Ort, wo ihm nicht die Decke auf den Kopf fallen kann, wie er in seinem Brief an mich geschrieben hat.“

Ich zog die Augenbrauen kraus. „Die Decke auf den Kopf fallen?“

„Ein Rätsel, das ich noch nicht gelöst habe“, schmunzelte Holmes. „Ihres aber ist gelöst und ich bin froh, dass ich Sie hier getroffen habe. Möchten Sie das Treffen mit mir zusammen abwarten?“

Ich lächelte. „Nichts würde ich lieber tun, das wissen Sie.“

„Aber?“ Holmes schaute mich von der Seite her an.

„Meine Praxis.“

„Was ist damit?“

„Sie wird in zwei Stunden wieder geöffnet, Holmes. Sie ist zurzeit sehr gut besucht und ich kann mich vor Patienten kaum retten. Wann soll das Treffen denn stattfinden?“

„In der nächsten Viertelstunde.“

Ich holte die an der Weste meines Anzugs befestigte Taschenuhr hervor. Ich klappte sie auf, betrachtete das Ziffernblatt und nickte schließlich, als ich meinte: „Ein wenig mehr als eine Stunde habe ich noch.“

„Ausgezeichnet“, freute Holmes sich und deutete dann mit einem Nicken zum uns gegenüberliegenden Ufer. „Das sollte unser Mann sein.“

Ich blinzelte gegen die hoch am Himmel stehende Sonne und sah eine sich von den Schatten der Bäume abhebende, kleine Gestalt, deren Schritte ebenso vorsichtig waren wie ihre Gesten und das Benehmen.

„Was sagt Ihnen das?“, wollte Holmes wissen.

„Dass der da drüben Angst hat.“

„Wovor?“, wollte Holmes wissen, nachdem er kurz darüber nachgedacht hatte, was ich eben gesagt hatte.

„Das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen“, gab ich ehrlich zu und fragte: „Sagt der Brief denn nichts dazu?“

„Möchten Sie ihn lesen, Watson?“, fragte mich Holmes und reichte mir den Zettel, der mit einer feinsäuberlichen und ordentlichen Handschrift versehen war.

„Sehr gerne“, sagte ich nickend. „Aber meinen Sie denn, dass es dem Mann gefallen wird, wenn Sie sein Anliegen mit einem ihm völlig Fremden teilen?“

„Lesen Sie ihn. Ich werde noch ein wenig schauen, was unser merkwürdiger Zeitgenosse da noch treibt.“ Ich begriff, was Holmes damit meinte. Während ich den Brief nahm, ihn einmal glatt strich, konnte ich sehen, wie der Mann ein Kreuzzeichen schlug, als er auf ein Stück Rasen trat, das im völligen Schatten der...



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