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E-Book

E-Book, Deutsch, 234 Seiten

Topic Malo Selo

Kriminalroman
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8422-8396-1
Verlag: Fischer, Karin
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 234 Seiten

ISBN: 978-3-8422-8396-1
Verlag: Fischer, Karin
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein kleines Dorf in Ostslawonien, Kroatien: ein toter Serbe wird in einem Garten aufgefunden. Bis zum Krieg lebte er mit seinem Vater hier, danach verschwanden beide. Warum kam er nach all den Jahren wieder zurück? Wo ist sein Vater geblieben? Die Dorfbewohner verschließen sich, auch als weitere Tote gefunden werden. Inspektor Ivan, ein Kriegsveteran, der um seine große Liebe trauert, stellt sich viele Fragen. Gemeinsam mit seinem jungen Assistenten Ivica und dem Dorfpfarrer Jole will er den Fall lösen.

Janja Topic?, geboren in Neustadt an der Weinstraße, lebt und arbeitet in der Pfalz. Seit ihrer frühesten Jugend liest sie Bücher aus tiefster Leidenschaft, vor allem Krimis. Nun hat sie ihren ersten eigenen Kriminalroman geschrieben und veröffentlicht, der in ihrer Heimat Slawonien, Kroatien spielt.
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Osijek im März

05:45 Uhr. Das Handy klingelte Ivan aus dem Schlaf. Verdammt, wer rief schon so früh an? Verschlafen meldete er sich. Es war sein Chef, Ante.

»Habe ich dich etwa geweckt?« Die Antwort wartete er nicht ab. »Komm so schnell wie möglich ins Büro. Wir haben einen Notfall. Ich erwarte dich.«

Ivan konnte nicht antworten, da Ante schon aufgelegt hatte. Typisch Ante, kein »Guten Morgen«. Ivan schaute auf die Uhr. Verdammt, viel zu früh, und dann noch ein Notfall. Der Tag konnte nicht gut werden.

Eine gute Stunde später saß er seinem Chef gegenüber. Er hatte es gerade noch geschafft, sich einen Kaffee zu holen.

»Es wurde eine Leiche gefunden. Männlich. Im Dorf Andrijance. Du weißt, wo das ist?« Das war keine rhetorische Frage. Ivan schwieg und wartete ab, was ihm Ante noch erzählen würde.

»Der Fall ist etwas heikel.« Ante schwieg für einen kurzen Moment. »Man hat dort eine männliche Leiche gefunden. Erschossen. Liegt tot in irgendeinem Garten.« Ante schwieg wieder für einen kurzen Moment, bevor er weitersprach. »Das Dorf liegt zwischen Osijek und Vukovar, direkt am Fluß. Und damals, also 1991, war es zwischen der Front. Und vor dem Krieg hatten die dort einen Dorfvorsteher. Einen Serben. Der lebte bis zum Krieg mit seinem Sohn dort. Dann verschwand er 1991 spurlos. Viele dachten, er wäre ab, rüber nach Serbien. Man hat nie wieder was von ihm gehört. Und nun ist sein Sohn nach über zwanzig Jahren aufgetaucht. Es handelt sich bei ihm um den Toten.«

»Was wollte er dort? Hat er vielleicht nach seinem Vater gesucht?« fragte Ivan.

»Das wissen wir nicht. Nur, daß der Sohn jetzt tot im Garten liegt. Der Fall könnte sich schlecht entwickeln. Bei der heutigen Lage. Deshalb möchte ich, daß du hingehst. Schau es dir an, rede mit den Leuten. Irgend jemand hat etwas gesehen, weiß etwas. Und nimm den Neuen mit. Er war Jahrgangsbester und soll gut sein. Dabei kann er gleich praktische Erfahrungen sammeln. Und Ivan, du berichtest nur direkt an mich. Je weniger davon wissen, desto besser.«

»Verdammt. Das könnte beschissen werden. Wenn was an die Presse durchsickert. Die warten nur auf solche Geschichten.«

Ante nickte. »Deshalb möchte ich, daß du hinfährst. Wenn hier jemand ermitteln kann, dann du. Ich verlasse mich auf dich.«

Ivan ging nach dem Gespräch in sein Büro. Kurz darauf klopfte es an der Tür. Ein junger, etwas schlaksig wirkender Mann stand im Türrahmen. Es war der Neue, Ivica Dragic.

»Komm herein und mach die Tür hinter dir zu«, sagte Ivan. Er sah, daß der Neue zwei Kaffeebecher in der Hand hielt. Das ist schon mal ein Pluspunkt, dachte sich Ivan und klärte Ivica kurz über den Fall auf.

Kurz darauf saßen sie im Auto. Ivica fuhr konzentriert und redete nicht viel. Das gefiel Ivan. Ein weiterer Pluspunkt.

»Eine männliche Leiche, erschossen, sagst du?« fragte Ivica.

Ivan nickte. »Bestimmt ist schon Tomislav dort und untersucht die Leiche.«

Tomislav Ivcic war der zuständige Gerichtsmediziner.

»Brr, und das bei dieser Kälte da draußen, ist sicher nicht angenehm.«

»Das ist es nie.«

Wie aufs Wort setzte leichter Schneefall ein. Ivica fuhr konzentriert weiter. Nach einer knappen halben Stunde fuhren sie in das Dorf. Zuerst sahen sie eine schöne alte Kirche, die der Mittelpunkt des Dorfes war. Gegenüber befand sich ein kleiner Park. Es standen ein paar kahle Bäume dort, und in der Mitte befand sich ein Denkmal.

Ivica fuhr die Straße weiter runter, das Navi lotste ihn. Auf den ersten Blick sah Ivan, daß das Dorf sehr klein und übersichtlich war.

Am Ende der Straße bogen sie links ab. Schon von weitem konnten sie zwei Polizeifahrzeuge sehen. Davor hatten sich einige Menschen versammelt. Ihnen schien die beißende Kälte nichts anzuhaben. Dann sah Ivan einen roten, alten Golf. Er wußte, ohne das Kennzeichen gesehen zu haben, daß dieser Tomislav gehörte. Gut, dann war Toma, wie er gerufen wurde, schon da.

Ivica parkte das Auto seitlich am Straßenrand, und sie stiegen aus. Gleich darauf kam ein Polizist auf sie zu.

»Sie können hier nicht parken. Und ich möchte Sie bitten, wieder zu gehen.«

Ivan wies sich aus.

»Oh, Entschuldigung. Nur hier lauern schon einige Nachbarn herum, um zu hören, was passiert ist.«

»Kein Problem. Wo müssen wir hin?« fragte ihn Ivan.

»Hier durch das Tor«, der Polizist zeigte auf das geöffnete Tor, »und dann durch den Hof. Hinten zum Stall, da vorbei und durch ein weiteres Tor, was in den Garten führt. Dort liegt auch der Tote. Tomislav Ivcic schaut ihn sich schon an.«

»Danke«, sagte Ivan und ging voran. Ivica folgte ihm schweigend.

Sie durchquerten den Hof, ohne sich groß umzuschauen. Das konnten sie noch später tun. Als sie im Garten ankamen, sahen sie schon Tomislav, der gebeugt über der Leiche stand.

»Guten Morgen, oder wie man es auch nimmt«, rief ihnen Toma zu. Angekommen reichten sie sich die Hände.

»Du bist der Neue?« fragte Tomislav Ivica. Dieser stellte sich gleich vor.

»Was haben wir hier?« fragte Ivan.

»Nun, wie ihr seht, eine männliche Leiche. Ich schätze mal Anfang vierzig. Erschossen.« Er zeigte auf die Brust des Toten. »Hier ist der Einschuß. Aber mehr weiß ich erst, wenn ich ihn auf dem Tisch liegen habe.«

Ivan und Ivica schauten sich den Toten an.

»Wegen der Kälte kann ich dir noch nicht genau sagen, wie lange er hier schon liegt. Wenn ich tippen müßte, dann so seit Mitternacht.«

»Wurde er hier erschossen?«

»Ja, die Leiche wurde nicht bewegt.«

Ivan schaute sich um. »Wer wohnt hier und hat ihn gefunden?«

»Es war der Besitzer. Der fand ihn und hat gleich die Polizei gerufen.«

»Wo ist er jetzt?«

»Deine Kollegen haben ihn ins Haus geschickt. Damit er hier keine Spuren zertrampelt.«

»Hast du bei der Leiche Papiere oder ein Handy gefunden, das ihn ausweist?«

»Nein, weder noch. Aber der Besitzer hat ihn auch so erkannt. Das kann er dir dann selbst erzählen.«

Ivan nickte Ivica zu. »Wir gehen hinein und reden mit ihm. Lassen wir Toma seine Arbeit tun.«

»Ich bin fast fertig und lasse ihn dann abtransportieren. Werde ihn mir gleich noch heute anschauen und melde mich dann bei dir«, sagte Toma und wandte sich wieder der Leiche zu.

»Wer hat denn heute kein Handy?« fragte Ivica.

»Ich kenne niemanden, der keins hat.«

»Glaubst du, der Mörder hat es genommen?« fragte Ivica.

»Gut möglich«, kam es von Ivan.

Sie gingen zurück in den Hof und schauten sich um. Der Hof war groß, links stand ein großer Traktor, gegenüber befand sich der Kuhstall, wo man die Kühe hörte. Gegenüber stand ein großes, zweistöckiges Haus. Daneben, typisch slawonisch, das Sommerhaus, wo Licht durch das Fenster schien.

»Woher kommst du eigentlich?« fragte Ivan Ivica.

»Aus der Nähe von Mostar. Meine Eltern flohen mit mir und meinen Geschwistern während des Krieges erst nach Zagreb, danach kamen wir nach Osijek. Meine Tante wohnt hier. Und du?«

»Ich bin gebürtiger Osijeker.« Ivan sah sich um. »Ich war hier noch nie. Du hast das Dorf gleich gefunden.«

»Google macht es möglich.« Ivica grinste.

Der Neue gefiel Ivan.

»Ich bin ein Stadtmensch, habe aber Freunde, die hier auf dem Land leben. Die habe ich oft besucht. Ich war zwar vorher noch nicht hier, aber gehört habe ich schon von diesem Dorf.«

Ivan wollte ihm antworten, doch da ging die Tür auf und ein Mann trat heraus.

»Sind Sie von der Polizei?« rief er ihnen zu.

Ivan ging mit Ivica auf den Mann zu, und sie stellten sich vor.

»Ich bin Andrija Lukic.«

Sie reichten sich die Hände.

»Sie haben die Leiche gefunden?« fragte Ivan.

»Ja, aber laßt uns reingehen. Draußen ist es saukalt. Ich habe meiner Frau gesagt, sie soll schon mal Kaffee aufsetzen.« Andrija drehte sich um und ging ins Sommerhaus.

Sie traten in eine große, geräumige Wohnküche ein. Andrijas Frau...


Janja Topic´, geboren in Neustadt an der Weinstraße, lebt und arbeitet in der Pfalz. Seit ihrer frühesten Jugend liest sie Bücher aus tiefster Leidenschaft, vor allem Krimis. Nun hat sie ihren ersten eigenen Kriminalroman geschrieben und veröffentlicht, der in ihrer Heimat Slawonien, Kroatien spielt.



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