E-Book, Deutsch, 526 Seiten
Reihe: beTHRILLED
Toyne Sacramentum
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-2165-3
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Religions-Thriller
E-Book, Deutsch, 526 Seiten
Reihe: beTHRILLED
ISBN: 978-3-7517-2165-3
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gehetzt. Gejagt. Getrieben.
Kalte, weiße Wände - das ist alles, was die Journalistin Liv Adamsen sieht, als sie erwacht. Wo ist sie? Ihr Gedächtnis ist wie ausgelöscht. Und was ist das für eine Stimme, die ihr zuflüstert: »Du bist der Schlüssel!« Der Schlüssel wozu?
Was Liv nicht ahnt: Für die Mönche in der verbotenen Festung von Trahpah könnte sie die Rettung vor einer geheimnisvollen Seuche bedeuten. Und für eine einflussreiche Gruppe innerhalb der katholischen Kirche stellt sie eine nie dagewesene Bedrohung dar. Damit ist die Jagd auf Liv eröffnet ...
Das Schicksal der Menschheit liegt in der Hand einer einzigen Frau. Sie ist der Schlüssel. Und ihre Gegner kennen keine Gnade.
Nach dem fulminanten Debüt SANCTUS wird es jetzt noch spektakulärer!
Die SANCTUS-Trilogie: Band 1: Sanctus, Band 2: Sacramentum, Band 3: Purgatorium.
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
Simon Toyne arbeitete über zwanzig Jahre lang als Produzent und Regisseur für das britische Fernsehen, bis seine Leidenschaft für spannende Geschichten ihn auf die Idee brachte, selbst Thriller zu schreiben. Das Ergebnis war sein spektakuläres Debüt SANCTUS. Heute erscheinen seine Bücher in 27 Sprachen und in mehr als 50 Ländern. Bastei Lübbe hat die SANCTUS-Trilogie und die SOLOMON-CREED-Reihe veröffentlicht.
Weitere Informationen erhalten Sie auf http://www.simontoyne.net/.
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Vatikanstadt, Rom
Kardinalstaatssekretär Clementi nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette, während er wie ein fetter Gott, der an seiner Schöpfung verzweifelte, zu den Touristen auf dem Petersplatz hinunterblickte. Mehrere Gruppen standen unmittelbar unter ihm. Ihre Blicke wanderten ständig zwischen den Reiseführern in ihren Händen und dem Fenster hin und her, an dem Clementi stand. Er war ziemlich sicher, dass sie ihn nicht sehen konnten, zumal seine schwarze Soutane ihm dabei half, mit den Schatten zu verschmelzen. Außerdem suchten sie gar nicht nach ihm. Clementi nahm erneut einen tiefen Zug von seiner Zigarette und schaute zu, wie die Touristen ihren Fehler erkannten und sich zu den Fenstern der päpstlichen Wohnung weiter links umdrehten. Das Rauchen war im Gebäude verboten, doch als Kardinalstaatssekretär hatte Clementi so seine Privilegien, und er betrachtete es auch nicht als sonderlich schlimmen Fall von Amtsmissbrauch, in seinem Privatbüro zu rauchen. Außerdem beschränkte er sich für gewöhnlich auf zwei Zigaretten am Tag, doch heute war das anders. Heute rauchte Clementi schon seine fünfte, und es war noch nicht mal Mittag.
Clementi nahm einen weiteren tiefen Zug, drückte die Zigarette in dem Marmoraschenbecher auf der Fensterbank aus und drehte sich dann wieder zu den schlechten Nachrichten auf seinem Schreibtisch um. Wie er es vorzog, waren die Morgenzeitungen wie die dazugehörigen Länder auf der Weltkarte angeordnet: links die amerikanischen Blätter, rechts die russischen und australischen und die europäischen in der Mitte. Für gewöhnlich unterschieden sich die Schlagzeilen je nach Region, doch wie schon seit über einer Woche waren sie auch heute alle identisch. Und alle zeigten sie das gleiche Bild: die düstere, dolchartige Bergfestung, die allgemein als ›Zitadelle‹ bekannt war, und die in der alten, türkischen Stadt Trahpah lag.
Trahpah war ein Kuriosum in der modernen Kirche, ein antikes Machtzentrum, das zusammen mit Lourdes und Santiago de Compostela zu einem der beliebtesten Wallfahrtsorte der katholischen Kirche geworden war. Von Menschenhand aus einem steilen, fast senkrechten Berg gehauen stellte die Zitadelle von Trahpah das älteste, noch bewohnte Gebäude der Menschheit dar, und sie war eines der Ursprungszentren der katholischen Kirche. Hinter ihren geheimnisvollen Mauern war die erste Bibel geschrieben worden, und der Glaube war noch weithin verbreitet, dass nach wie vor einige der größten Geheimnisse der Urkirche dort verwahrt wurden. Dabei entsprang ein Großteil des Mysteriums der Tatsache, dass in der Zitadelle das Gesetz des Schweigens herrschte. Niemand außer den Mönchen und Priestern, die dort lebten, durfte den heiligen Berg betreten, und waren sie erst einmal drin, durften sie ihn auch nicht mehr verlassen. Die Instandhaltung der in den Berg gebauten Feste mit ihren Wehrgängen und schmalen Fenstern oblag ausschließlich ihren Bewohnern, und so hatte die Zitadelle im Laufe der Zeit ein halb verfallenes Aussehen angenommen, das der Stadt ihren Namen gegeben hatte, denn Trahpah, ein Wort aus dem Aramäischen, bedeutete ›Verfall‹. Aber trotz ihres Aussehens war die Zitadelle keine Ruine. Tatsächlich war sie in all den Jahrtausenden ihrer Existenz nie erobert worden. Sie hatte ihre uralten Schätze und Geheimnisse bewahrt.
Dann, vor ungefähr einer Woche, war ein Mönch auf den Gipfel des Berges geklettert. Fernsehkameras hatten jede seiner Bewegungen verfolgt, und oben angekommen hatte er mit seinen Gliedmaßen ein Tau geformt – das Symbol des Sakraments, des größten Geheimnisses der Zitadelle – und sich in die Tiefe gestürzt.
Als Reaktion auf den gewaltsamen Tod des Mönchs war es zu einer weltweiten Welle antikirchlicher Proteste gekommen, die ihren Höhepunkt in einem direkten Angriff auf die Zitadelle gefunden hatten. Der Knall einer Explosion war durch die türkische Nacht gehallt, und ein Tunnel ins Fundament der Festung war zum Vorschein gekommen. Und zum ersten Mal in der Geschichte waren Menschen aus dem Berg herausgekommen: zehn Mönche und drei Zivilisten, allesamt unterschiedlich schwer verletzt. Seitdem beherrschte das Geschehen die Schlagzeilen.
Clementi nahm sich die Morgenausgabe von La Republica, einer der beliebtesten Zeitungen Italiens, und las die Schlagzeilen:
DIE ÜBERLEBENDEN DER ZITADELLE
HABEN SIE DAS GEHEIMNIS DES SAKRAMENTS ENTDECKT?
Alle Zeitungen stellten die gleiche Frage. Sie nutzten die Explosion als Vorwand, um die alten Legenden über die Zitadelle und ihr berüchtigtstes Geheimnis wieder auszugraben. Und tatsächlich hatte sich das Machtzentrum der Kirche im 4. Jahrhundert nur deshalb nach Rom verlagert, weil sie sich von ihrer geheimen Vergangenheit hatte distanzieren wollen. Seitdem hatte Trahpah sich nur noch um sich selbst gekümmert und sein Geheimnis bewahrt … bis jetzt.
Clementi griff nach einer weiteren Zeitung, einem britischen Boulevardblatt, auf dessen Titelblatt ein leuchtender Kelch über der Zitadelle zu sehen war, und die Schlagzeile dazu lautete:
KIRCHE AUF DEM WEG NACH UNTEN
WIRD DER ›HEILIGE GRAL‹ DER GEHEIMNISSE ENTHÜLLT?
Andere Zeitungen beschäftigten sich mehr mit der gruseligen und morbiden Seite der Geschichte. Von den dreizehn Leuten, die aus dem Berg gekommen waren, hatten nur fünf überlebt; der Rest war seinen Verletzungen erlegen. Es gab jede Menge Bilder, stark überbelichtete Fotos, die über die Köpfe der Sanitäter hinweg geschossen worden waren, die die Mönche in die wartenden Krankenwagen verfrachtet hatten. Die Blitzlichter betonten das Grün der Soutanen und das Rot des Blutes, das aus den rituellen Wunden auf ihren Körpern strömte.
Die ganze Sache war eine einzige große PR-Katastrophe. Die Kirche stand da wie ein verkommener, heimlichtuerischer, mittelalterlicher Kult. Das war an sich schon schlimm, doch im Augenblick hatte Clementi auch so bereits genug um die Ohren; da sollte der Berg seine Geheimnisse besser hüten denn je.
Clementi setzte sich an seinen Schreibtisch. Deutlich spürte er die Last der Verantwortung, die er alleine trug. Als Kardinalstaatssekretär war er der Premierminister des Vatikanstaates und verfügte über weitreichende exekutive Macht in der Kirche, auch international. Normalerweise hätte sich der Rat der Zitadelle um die Situation in Trahpah gekümmert. Wie der Vatikan so war auch die Zitadelle ein autonomer Staat innerhalb eines anderen, ein Staat mit Macht und Einfluss, doch seit der Explosion hatte Clementi nichts mehr vom Berg gehört – gar nichts –, und es war dieses Schweigen und nicht das Geschrei der Weltpresse, das ihn wirklich beunruhigte. Denn dieses Schweigen hieß, dass die gegenwärtige Krise in Trahpah auch ihn betraf.
Clementi griff über die Zeitungen hinweg nach seiner Computertastatur. Sein Posteingang quoll bereits über vom üblichen Tagesgeschäft, doch Clementi ignorierte das. Stattdessen öffnete er einen Ordner mit dem Namen TRAHPAH. Ein Passwortfenster erschien, und Clementi gab es sorgfältig ein. Er wusste, sollte er sich vertippen, würde der Rechner den Ordner sofort sperren, und dann dauerte es mindestens einen Tag, bis ein Techniker ihn wieder freigeschaltet hatte. Ein Stundenglasicon erschien, während die komplexe Verschlüsselungssoftware das Passwort verarbeitete; dann öffnete sich ein weiterer Posteingang. Er war leer – noch immer kein Wort aus der Zitadelle. Ohne Betreff schrieb Clementi:
Gibt’s was Neues?
Er klickte auf Senden und schaute zu, wie die Nachricht vom Bildschirm verschwand. Dann legte er die Zeitungen zu einem ordentlichen Stapel zusammen und ging ein paar Briefe durch, die er abzeichnen musste, während er auf die Antwortmail wartete.
Im selben Augenblick, da die Zitadelle von der Explosion erschüttert worden war, hatte Clementi die Agenten der Kirche mobilisiert und sie angewiesen, die Situation im Auge zu behalten. Er hatte die Aktiva der Zitadelle benutzt, um Distanz zu Rom zu wahren, in der Hoffnung, der Rat der Zitadelle würde sich rasch wieder erholen und mit den Aufräumarbeiten beginnen. In seinem ordentlichen Politikergeist verglich er das mit der Stationierung von Waffen, um einer Bedrohung zu begegnen. Allerdings hatte er sich nie auch nur vorstellen können, dass man irgendwann von ihm verlangen würde, sich selbst dieser Waffen zu bedienen.
Draußen hörte Clementi das Geplapper der Touristen unten auf dem Platz, die die majestätische Peterskirche bestaunten und nur wenig von dem Aufruhr wussten, der hinter ihren Mauern herrschte. Ein Geräusch wie eine Klinge auf Glas verkündete das Eintreffen einer Mail.
Noch immer nichts.
Gerüchten zufolge wird auch ein neunter Mönch sterben.
Was soll ich mit den anderen tun?
Clementis Hand schwebte über der Tastatur. Er zögerte. Vielleicht würde die Situation sich ja von selbst lösen. Wenn noch ein Mönch starb, dann blieben lediglich vier Überlebende übrig … Doch drei davon waren Zivilisten, die nicht durch ein Schweige- und Gehorsamsgelübde an die Mutter Kirche gebunden waren. Sie stellten die größte Bedrohung dar.
Clementis Blick wanderte zu dem Zeitungsstapel in der Ecke des Schreibtisches. Die Fotos auf den Titelblättern starrten ihn förmlich an – zwei Frauen und ein Mann. Normalerweise hätte die Zitadelle sich rasch und effektiv um sie gekümmert zum Schutz des seit Urzeiten in der Zitadelle...




