E-Book, Deutsch, 223 Seiten
Treller Der Enkel der Könige
1. Auflage 2017
ISBN: 978-80-272-3850-7
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 223 Seiten
ISBN: 978-80-272-3850-7
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In 'Der Enkel der Könige' von Franz Treller taucht der Leser in eine faszinierende Welt ein, die von Intrigen, Macht und Familiengeheimnissen geprägt ist. Der Roman zeichnet sich durch eine detaillierte Beschreibung der historischen Kulisse und eine komplexe Handlung aus, die den Leser in ihren Bann zieht. Trellers literarischer Stil ist geprägt von eloquenter Sprache und einer subtilen Erzählweise, die es dem Leser ermöglicht, sich in die Gedankenwelt der Protagonisten zu versetzen. Das Buch kann dem Genre des historischen Romans zugeordnet werden und bietet sowohl Unterhaltung als auch tiefgründige Reflexionen über Macht und Verantwortung. Franz Treller hat mit 'Der Enkel der Könige' eine fesselnde Geschichte geschaffen, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann zieht. Als renommierter Autor von historischen Romanen versteht es Treller, die Vergangenheit lebendig werden zu lassen und den Leser in eine andere Zeit zu entführen. Sein fundiertes Wissen über historische Ereignisse und sein Gespür für Spannung machen ihn zu einem Meister seines Fachs. 'Der Enkel der Könige' ist ein Muss für alle Liebhaber von historischen Romanen, die sich von einer packenden Erzählung mitreissen lassen wollen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Seit Menschengedenken war die Westküste des Landes nicht von einem solchen Sturm heimgesucht worden. Die ganze Nacht hatte er getobt und gewütet, die Uferwände zerrissen, Bäume entwurzelt, Fischerhütten wie Streichholzschachteln zerstampft, Boote ans Land geschleudert und das Land auf weite Strecken hin verwüstet.
Es war, als sei ein Ungeist über die Erde gegangen und habe sich, nachdem er seiner wilden Wut Lauf gelassen, wieder in seine finstere Sphäre zurückgezogen.
Don Antonio d'Irala, ein begüterter Haziendero, ritt mit seinem Majordomo an dem flachen, sandigen Meeresufer entlang; ein Vaquero folgte ihnen in einiger Entfernung. Friedlich und ruhig lag das Meer, als hätte es nicht erst vor Stunden in furchtbarer Wut gebrüllt, der Himmel war blau, und die Sonne, schon jetzt am frühen Morgen eine sengende Hitze ausstrahlend, schien friedlich auf das Bild der Zerstörung.
»Schlimm, Don Estevan«, sagte der Haziendero zu seinem Begleiter, »viel schlimmer, als ich erwartet hatte. Nur gut, daß wenigstens kein Menschenleben zu beklagen ist.« Sie hielten an einer Stelle, wo gestern noch einige Hütten gestanden hatten; nur die großen Feuerherde waren zurückgeblieben. In einiger Entfernung stand eine Gruppe von Menschen, die in stumpfer und gleichgültiger Haltung auf das Meer hinaussahen.
Die Reiter setzten sich wieder in Bewegung; als sie sich der Gruppe näherten, lüfteten die dort stehenden Männer die Hüte. Es waren ein Weißer und drei Indianer.
»Eine böse Nacht, Miguel«, sagte d'Irala, dem Weißen, der herangetreten war, die Hand reichend, »hoffentlich ist hier bei euch niemand verunglückt?«
»Nein, Señor, Gott sei Dank nicht«, entgegnete der Angeredete, ein stämmiger Mann in den Vierzigern. »Wir haben, sobald das Unwetter loszubrechen begann, Frauen und Kinder hinter die Felsen gebracht« – er deutete auf eine zerklüftete Felsgruppe, die das sandige Ufer nach Süden zu wie eine Kulisse abgrenzte. »Schließlich haben wir selber dort Schutz gesucht, als es zu schlimm wurde. Aber was wir hatten, ist hin.« Sein leerer Blick streifte über die verwüstete Fläche; es zuckte in seinem Gesicht.
»Nun, äußerer Verlust läßt sich immer ersetzen«, sagte Don Antonio. »Schickt die Euren zur Hazienda, bis Ihr Euch wieder ein Heim geschaffen habt.« Der Mann stammelte einen Dank, schien aber noch zu beeindruckt von dem plötzlich über ihn hereingebrochenen Unglück, um ganz zu erfassen, was ihm da geboten wurde.
Einer der Indios schob sich vor. »Unsere Boote und unsere Netze sind zerstört, Señor«, sagte er, »das Vieh ist ertrunken oder in die Wälder entlaufen; wir haben nichts als das Leben gerettet.«
»Sei froh, daß ihr lebt, Metyllo«, versetzte der Haziendero, »wir werden helfen, wo wir können. Bringt Frauen und Kinder in unsere Arbeiterhütten. Don Estevan wird für sie sorgen. Und dann fangt wieder an; das Leben geht weiter. Die Hauptsache, ihr laßt euch nicht unterkriegen.«
»Mil gracias, Señor«, murmelte der Indio und trat zurück. Don Antonio wandte sich dem Weißen zu. »Was habt ihr vorhin so eifrig aufs Meer hinausgeschaut, Miguel?« fragte er. »Gibt es da etwas Besonderes?«
Der Mann zuckte die Achseln. »Schiffstrümmer, Señor«, sagte er, »seht dort. Sie treiben.« D'Irala wandte den Blick; er sah das ziemlich große Bruchstück eines von den Wellen zertrümmerten Schiffes. Es trieb in nicht allzu weiter Entfernung auf dem kaum bewegten Wasser.
»Mein Gott!« stammelte er, »ein Schiff gestrandet. Und zweifellos alle ertrunken. Gott sei ihren Seelen gnädig.« Er nahm den Hut vom Kopf und sah starren Blicks auf das Meer hinaus.
Miguel trat neben ihn. »Die Indios hier behaupten, es lägen Menschen auf den treibenden Balken dort«, sagte er. »Ich kann nichts erkennen, aber die Braunen haben bessere Augen.«
D'Irala ergriff ihn am Arm. »Und Ihr zögert?« rief er empört, »rasch, rasch, bewegt euch doch! Habt ihr kein brauchbares Boot?«
Miguel verzog etwas unwillig sein Gesicht. »Sind wirklich Menschen auf den Trümmern dort, sind sie tot«, sagte er, »aber meinetwegen. Gefahr ist nicht dabei. Mein Boot ist noch brauchbar; ich hatte es rechtzeitig an Land gezogen.«
»Vorwärts! Vorwärts!« drängte d'Irala.
Die Leute machten sich, nicht besonders willig und auch nicht sonderlich eilig ans Werk. Immerhin schwamm das stabile Boot nach einigen Minuten auf dem Wasser. Don Antonio selbst, Miguel und zwei Indianer saßen darin. Eine Viertelstunde später stieß es auf die Schiffstrümmer. Sie zogen sich heran und kletterten hinüber. Sie sahen: es handelte sich um den abgerissenen Teil vom Hinterdeck eines größeren Schiffes. Und gleich darauf stießen sie auch auf Menschen. Eine ältere Indianerin umklammerte noch immer mit starren Händen die Reling; die Frau war zweifellos tot. Zwischen ihrem Körper und der Bordwand lagen, zusammengekrümmt, die Körper zweier Kinder. Ein weißes Mädchen und ein brauner Junge; sie hielten sich umklammert und schienen leblos wie die Frau, die sie mit ihrem Leib vor den Wellen geschützt haben mochte.
»Entsetzlich!« flüsterte Don Antonio. Die anderen bekreuzigten sich. Der Haziendero kniete sich auf den nassen, wasserüberfluteten Boden des Schiffsdecks und suchte die Kinder aus ihrer Lage zu lösen. Plötzlich stieß er einen überraschungsruf aus. »Sie leben«, stammelte er. Er zog zunächst das Mädchen hervor, dem das nasse Kleidchen um die frostkalten Glieder klebte; er sah in ein blasses, zartes Kindergesicht, von braunen, jetzt vor Nässe glänzenden Locken umgeben. Die Augen waren geschlossen, es sah aus, als schliefe das Kind. Es mochte etwas über drei Jahre alt sein. Don Antonio fühlte nach dem Herzen der Kleinen und legte das Ohr an ihren Mund; kein Zweifel, das Kind lebte noch. Er rieb den kleinen, halb erstarrten Körper und bewegte die leblosen ärmchen, um die Lungentätigkeit zu fördern.
Einer der Indianer war d'Irala nachgeklettert und hatte den braunen Jungen hervorgeholt; auch er zeigte noch Spuren von Leben, und der Indianer verfuhr mit ihm in der gleichen Weise wie Don Antonio mit dem weißen Mädchen. Die im Boot zurückgebliebenen Männer sahen den Bemühungen zu, die nach einiger Zeit von Erfolg gekrönt waren: sowohl das Mädchen als auch der kleine Indio schlugen die Augen auf. Die indianische Frau indessen war tot.
Don Antonio und der Indianer kletterten mit den Kindern ins Boot hinüber. »Zurück an Land«, befahl der Haziendero, »nehmt auch die tote Frau mit; sie war ein braves Weib und soll ein christliches Begräbnis haben.« Mit Mühe wurden die starren Finger der Toten von der Reling gelöst und der erstarrte Körper ins Boot geschafft. Antonio d'Irala hielt das kleine Mädchen fest an sich gedrückt, ihm zur Seite lag, in seinen Rock gehüllt, der kleine Indianerjunge. So trieben sie dem Ufer entgegen.
Dort hatten sich inzwischen einige indianische Frauen und Mädchen eingefunden. »Presto, Presto!« rief Antonio ihnen zu, »schafft Milch herbei; hoffentlich ist noch eine eurer Kühe am Leben.«
Das Boot stieß an Land, und die Männer sprangen mit den Kindern heraus. Staunenden Blickes sahen die Indianerinnen auf die kleinen Schiffbrüchigen; schon aber lief eine von ihnen nach den Felsen hinüber, um bald darauf mit einer Kürbisschale voll warmer Milch zurückzukehren. Eine ältere Indianerin nahm sich der Kinder an; sie atmeten, schienen aber zu schlafen. Sie tranken etwas von der warmen Milch, die man ihnen reichte, schliefen aber sogleich, offenbar völlig erschöpft, wieder ein.
»Nun, Madrecilla«, sagte d'Irala zu der Indianerin, »nimm dich deines kleinen Stammesgenossen an, das Mädchen will ich Doña Inez bringen. Ich denke, sie wird sich freuen. Und dann kommt alle nach der Hazienda, wir wollen überlegen, wie wir euch allen schnelle Hilfe schaffen können. Miguel«, wandte er sich dem weißen Manne zu, »suche doch den Namen des Schiffes zu ermitteln, das da untergegangen ist, vielleicht findet er sich auf einem der Schiffsteile.« Er winkte dem Majordomo. »Kommen Sie, Don Estevan, wir wollen nach Haus.« Er winkte den Leuten zu und sprengte, das kleine gerettete Mädchen im Arm, mit seinen Begleitern davon.
Nah hinter dem sandigen Meeresufer erhob sich ein Saum hochragender Bäume. Dahinter dehnte sich eine weite, bebaute Fläche, und in deren Mitte stand breit und wuchtig das im Landesstil erbaute Herrenhaus der Hazienda. Eine rauhe, wenig geebnete Straße führte darauf zu; auf ihr ritten Don Antonio und seine Begleiter. In dem schmalen Waldstück, das sie durchqueren mußten, hatte der Sturm zahllose gewaltige Bäume entwurzelt, in den Feldern und Kulturen hatte er blind gewütet, und auch das Herrenhaus selbst erwies sich als schwer beschädigt.
Auf der Veranda erschien eine junge Frau von schlanker, biegsamer Gestalt; sie sah den Reitern mit einem Lächeln entgegen. »Was bringst du denn da?« fragte sie, als d'Irala vom Pferde sprang.
»Du hast dir doch immer eine Tochter gewünscht«, lachte Don Antonio, »ich bringe dir eine. Ich habe sie buchstäblich dem Meer aus den Fängen gerissen.« Er betrat die Veranda und legte das Kind in den Arm der Frau. Die sah maßlos erstaunt in das feine, blasse Mädchengesicht. »Mein Gott«, stammelte sie, »was ist denn das?« D'Irala berichtete ihr in kurzen Worten, unter welchen Umständen er die Kinder gefunden hatte. Die Augen der Frau leuchteten auf. »Die Arme«, flüsterte sie, »die arme Kleine! Mein Gott, welch ein Unglück. Kann man denn einem Kind die Mutter ersetzen?« »Du wirst es können, Inez«; ein warmer Glanz stand in den Augen des Mannes, die Frau und Kind mit zärtlichem Blick...




