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E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
Treuberg Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 715
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-6699-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wer mit dem Feuer spielt ...
E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-7517-6699-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach dem bestandenen Examen auf der Modefachschule schenkt der alte Graf von Nordhof seiner Tochter Ava eine Reise nach Sizilien. Schon am ersten Tag dort verliebt sich die hübsche Komtess bis über beide Ohren in einen feurigen Italiener. Dass er ebenfalls in der Modebranche tätig ist, macht das Glück perfekt.
Nach einer rauschenden Verlobungsfeier schmieden die Verliebten eifrig Zukunftspläne. Einen Modesalon für eine exklusive Kundschaft wollen sie in Rom eröffnen. Leider ist Claudio di Arisi vollkommen mittellos, und so stammt das benötigte Anfangskapital ausschließlich von Ava. Es ist gut investiert, so glaubt die Komtess, doch dann erfährt sie, dass sie auf einen niederträchtigen Betrüger hereingefallen ist. Der ist plötzlich spurlos verschwunden, und Ava trägt sein Kind unter dem Herzen ...
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Wer mit dem Feuer spielt ...
Für ihren Traum riskiert Ava ihr Seelenheil
Nach dem bestandenen Examen auf der Modefachschule schenkt der alte Graf von Nordhof seiner Tochter Ava eine Reise nach Sizilien. Schon am ersten Tag dort verliebt sich die hübsche Komtess bis über beide Ohren in einen feurigen Italiener. Dass er ebenfalls in der Modebranche tätig ist, macht das Glück perfekt.
Nach einer rauschenden Verlobungsfeier schmieden die Verliebten eifrig Zukunftspläne. Einen Modesalon für eine exklusive Kundschaft wollen sie in Rom eröffnen. Leider ist Claudio di Arisi vollkommen mittellos, und so stammt das benötigte Anfangskapital ausschließlich von Ava. Es ist gut investiert, so glaubt die Komtess, doch dann erfährt sie, dass sie auf einen niederträchtigen Betrüger hereingefallen ist. Der ist plötzlich spurlos verschwunden, und Ava trägt sein Kind unter dem Herzen ...
»Den diesjährigen Preis für Entwurfskunde erhält Ava Komtess von Nordhof!«
Professor Hagemann sah von seinem Stehpult auf und blickte hinunter in die Aula. Lauter Beifall folgte seinen Worten. Die Studierenden der Modefachschule brachten ihrer Kommilitonin eine Ovation.
Aus einer der hinteren Sitzreihen erhob sich ein junges Mädchen, strich sich das lange braune Haar aus dem Gesicht und ging mit anmutigen Bewegungen nach vorn zu Professor Hagemann, dem Leiter der Modefachschule.
»Sie sieht selbst aus wie ein Mannequin«, hörte sie aus den Bankreihen jemanden flüstern.
»Es ist für mich eine besondere Freude gewesen, Sie als Schülerin haben zu dürfen, Komtess«, sagte der Professor lächelnd und drückte ihr die Hand. Von seinem Pult nahm er eine goldgeränderte Urkunde und überreichte sie ihr mit einer galanten Verbeugung.
»Ohne Sie als meinen Lehrer hätte ich diesen Preis nie erhalten, Herr Professor«, gab Ava von Nordhof das Kompliment zurück und bedachte den alten Herrn mit einem charmanten Lächeln.
Die Schüler klatschten wieder Beifall.
»Was wirst du nach der Schule beginnen?«, fragte Suse Pütz die Klassenkameradin, neben der sie drei Jahre in der Modefachschule gesessen hatte. Die beiden jungen Mädchen schritten die Stufen der Treppe ein letztes Mal hinunter.
Ava von Nordhof ließ den Blick ihrer dunkelbraunen Augen über den Großstadttrubel schweifen.
»Zunächst werde ich mich auf Gut Nordhof erholen«, erwiderte sie sinnend. »Ich habe die Großstadt erst mal gründlich satt. Danach werde ich vielleicht reisen, um die Welt kennenzulernen.«
»Und wann willst du deine Kenntnisse endlich verwerten?«, fragte Suse. Sie stammte von weniger wohlhabenden Eltern ab und war gezwungen, gleich ihr Geld zu verdienen. Sie hatte schon während ihres Studiums eine Stellung in einem großen Konfektionshaus versprochen bekommen.
»Ich schwärme natürlich von einem eigenen kleinen Modesalon«, meinte Ava. »Es muss ein Salon sein, dessen Modelle ausschließlich von mir entworfen werden für eine ganz exklusive Kundschaft.«
»Du hast tolle Pläne«, sagte Suse seufzend. »Jeder von uns hier schwärmt von so etwas, aber die wenigsten können sich ihre Träume erfüllen.«
»Das sind doch nur Hirngespinste, Suse«, tröstete Ava die Freundin lächelnd. »Gut Nordhof könnte einen solchen Modesalon niemals finanzieren. Aber trotzdem gestatte ich mir, davon zu träumen. Warum nicht? Das Leben ist nüchtern genug.«
Ein wenig mitleidig blickte Suse die Freundin an. Keine liebende Mutter würde Komtess Ava an ihr Herz ziehen, wenn diese in das alte Schloss in der Lüneburger Heide zurückkehrte! Avas Mutter war schon früh an einer heimtückischen Krankheit gestorben.
»Ich muss mich jetzt verabschieden, Suse. Mein Zug geht in einer Stunde.« Ava schüttelte der Kameradin herzlich die Hand. Dann schwang sie sich auf eine eben anfahrende Straßenbahn und hatte bald Suses braunen Kopf aus den Augen verloren.
???
Zwei Stunden später saß Ava im Zug. Sie hatte das Abteil für sich allein und war froh darüber.
Wie werde ich es zu Hause antreffen?, fragte sie sich gespannt. Karsten, ihr Bruder, hatte sich erst kürzlich verlobt. Ava hatte an der Feier nicht teilnehmen können, da sie zu der Zeit mitten im Examen gestanden hatte, und sie kannte die Braut noch nicht.
Ihr Vater hatte ihr geschrieben, dass sie auf ihn einen ziemlich herben und strengen Eindruck gemacht habe. Auch ein Brief von der Mamsell knisterte in Avas Handtasche. Darin hieß es:
Wir hätten alle nicht gedacht, dass Ihr Bruder Reinhilt von Lowitz heimführen würde. Sie scheinen so gar nicht zueinanderzupassen. Gewiss, sie ist sehr reich, aber wie ich Graf Karsten kenne, ist das für ihn nicht die Hauptsache. Nun ja, Gegensätze ziehen sich oft an.
In diesem Stil schrieb die alte Haushälterin weiter. Die Mamsell hatte an Ava und ihrem Bruder Karsten Mutterstelle vertreten und durfte sich erlauben, ihre Meinung zu äußern. Ava lächelte im Gedanken an das alte, runzelige Gesicht der guten Mamsell.
Der Zug näherte sich der Station, an der Komtess Ava aussteigen musste. Sie lehnte sich aus dem Fenster. Gewiss würde der Kutscher Hannemann mit seinen beiden Braunen schon ungeduldig auf sie warten.
Doch wie erstaunt war Ava, als ihr statt Hannemann ein Chauffeur in eleganter Livree entgegenkam.
»Sind Sie die Komtess von Nordhof?«, fragte er, und auf Avas Nicken führte er sie zu einem luxuriösen Wagen.
»Wissen Sie, was aus dem alten Hannemann geworden ist?«, fragte Ava enttäuscht. Sie hatte sich so auf eine Kutschfahrt gefreut.
Der Chauffeur schüttelte den Kopf.
»Ich weiß nur, dass der Herr Graf den alten Kutscher entlassen hat, als der Braune verendete. Seitdem stehe ich in seinen Diensten.«
Seltsam, dachte Ava, das hätte ich nicht gedacht, dass Vater sich noch auf seine alten Tage ein Auto anschafft!
Die Heidelandschaft glitt an Ava vorbei und wich dann einer breiten Allee, die zum Schloss führte. Ava bemerkte, dass alles in einem gepflegteren Zustand war als zu dem Zeitpunkt, als sie das Schloss verlassen hatte.
Und als sie es betrat, stellte sie fest, dass es auch da allerhand Neuerungen gab. Die weiträumige Halle hatte eine neue Tapezierung erhalten, und die schadhaften Marmorplatten des Fußbodens waren ausgewechselt worden.
Ava schritt auf das Wohnzimmer zu, in dem sich der alte Graf von Nordhof am liebsten aufhielt.
In einem Lehnstuhl am Fenster saß er und blickte seiner Tochter entgegen.
»Willkommen daheim, mein Kind!«, sagte er warm.
»Ich freue mich, dass ich wieder bei euch sein kann, Vater!«, erwiderte Ava und küsste den Vater auf die Stirn.
»Entschuldige, mein Kind, dass ich sitzen bleibe, aber meine Beine wollen nicht mehr so recht!« Der alte Graf lächelte etwas hilflos.
»Aber davon weiß ich ja gar nichts. Warum hat mich niemand benachrichtigt?«, fragte Ava erschrocken. »Seit wann fällt dir das Gehen schwer, Vater?«
»Seit Karstens Verlobung geht es nicht mehr mit mir!«, meinte der alte Herr und fuhr sich durch das weiße Schläfenhaar. »Ich hatte einen leichten Schlaganfall, und seitdem ist es aus.«
Ava zog sich einen Sessel dicht an den des Vaters.
»Das tut mir leid, Vater. Es ist alles so anders hier geworden. Schade, dass mich nicht der alte Hannemann mit seinen Pferden abgeholt hat.«
»Karsten konnte doch nicht mit diesen alten Kutschpferden seine Braut besuchen. Er muss jetzt häufig in die Stadt und braucht ein zuverlässiges Fahrzeug.«
»Da hat er natürlich recht«, sagte Ava. Dann sprang sie plötzlich auf. »Ich muss jetzt ganz schnell der Mamsell Guten Tag sagen, sonst ist die Gute noch beleidigt.«
Durch die verzweigten Gänge des Schlosses begab sich Ava in die große blitzende Küche.
»Nein, so etwas!«, klang es vom Herd her, und das Gesicht der alten Dienerin überzog sich mit freudigem Rot. »Komtess Ava! Wie hübsch Sie ausschauen!«
Die Mansell schüttelte Ava herzlich die Hand.
»Nun sind Sie zurück, und ich habe meinen Abschied bekommen«, sagte die alte Dienerin dann. »Ich gehe in mein Heimatdorf zurück.«
»Man hat Sie fortgeschickt?« Erschrocken sah Ava die Vertraute an. »Hat mein Vater Sie entlassen?«
»Nein, nicht der alte Herr. Es war Graf Karsten, der meinte, ich sei nun zu alt, um einem so großen Haushalt vorzustehen.«
Gedankenvoll kehrte Ava in das Zimmer ihres Vaters zurück.
»Wann kommt eigentlich Karsten zurück?«, fragte sie ihn. Sie hatte stets ein gutes Verhältnis zu dem älteren Bruder gehabt und sehnte sich danach, ihn wiederzusehen.
»Karsten musste gestern plötzlich im Auftrag seines Schwiegervaters nach New York fliegen. Es gibt dort geschäftliche Dinge zu regeln, die der alte Herr von Lowitz in seinem schlechten körperlichen Zustand nicht bewältigen kann.«
»Schade. Dann werde ich Karsten lange Zeit nicht sehen, denn ich will...




