Trollope | Hatte er nicht recht? - Erster Teil | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1, 414 Seiten

Reihe: Hatte er nicht recht?

Trollope Hatte er nicht recht? - Erster Teil


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-2198-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 414 Seiten

Reihe: Hatte er nicht recht?

ISBN: 978-3-6951-2198-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Roman: He Knew He Was Right / Hatte er nicht recht? Wie findet man einen passenden Ehepartner, eine passende Ehepartnerin? Welche Rolle spielen Liebe, Rang und Geld? Was geschieht, wenn ein Partner glaubt, Grund zu Eifersucht zu haben? Trollopes 1869 veröffentlichter Text verbindet Gesellschafts- mit psychologischem Roman. Er verstrickt seine Figuren in anrührende Probleme und verhängnisvolle Konflikte und vermittelt dabei überzeugend die Facetten des Frauenbildes seiner Zeit - das der Männer genauso wie das der Frauen selbst.

Anthony Trollope (1815-1882), einer der erfolgreichsten englischen Schriftsteller, setzte sich in seinen Romanen mit der Gesellschaft seiner Zeit auseinander und entwarf dabei ein differenziertes und hellsichtiges Bild des Lebens in London genauso wie in der Provinz. Seine Romane zeichnen sich durch subtile Ironie und unterhaltsame Milieuschilderung aus. Er porträtiert seine Figuren, so unterschiedlich sie von Herkunft, gesellschaftlicher Rolle und Charakter auch sein mögen, stets empathisch und glaubwürdig.
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KAPITEL I


DER URSPRUNG DES ERBITTERTEN ZORNS

Als Louis Trevelyan vierundzwanzig Jahre alt war, stand ihm die ganze Welt offen, und so begab er sich unter anderem in ein Inselgebiet im Südpazifik, und dort verliebte er sich in Emily Rowley, die Tochter Sir Marmadukes, des Kolonialgouverneurs. Sir Marmaduke war zu diesem Zeitpunkt ein ehrbarer und geachteter britischer Beamter mittleren Alters, der es jedoch noch nicht zu einer gehobenen Position oder einem großen Vermögen gebracht hatte. Er war Gouverneur vieler Inseln gewesen und hatte immer ein Amt bekleidet; und jetzt, im Alter von fünfzig, befand er sich im Südpazifik, bei einem jährlichen Gehalt von 3000 Pfund, in einem Klima, in dem eine Temperatur von 80 Grad Fahrenheit im Schatten als gemäßigt gilt, war Vater einer Schar von acht Töchtern und hatte keinen einzigen Shilling angespart. Ein Gouverneur in einem Inselgebiet des Südpazifiks, der von seinem Wesen her gesellig und aus Prinzip gastfreundlich ist, kann bei acht Töchtern kein Geld ansparen, nicht einmal mit 3000 Pfund im Jahr. Zudem waren die Gentlemen an Sir Rowleys Tafel nicht gerade die Art von Männern, die er oder Lady Rowley ernsthaft als Schwiegersöhne willkommen heißen wollten, selbst wenn Gastfreundlichkeit verpflichtend war. Auch Emily Rowley, die älteste der Töchterschar, damals zwanzig, war bisher noch keinem Insulaner des Südpazifiks begegnet, der ihr sonderlich attraktiv vorgekommen wäre, als Mr. Trevelyan dort eintraf, um unbedingt alles zu sehen, was es auf seiner einigermaßen planlosen Reiseroute zu sehen gab. Da Louis Trevelyan ein bemerkenswert attraktiver junger Mann war, über gute Beziehungen verfügte, in Cambridge als neuntbester Mathematiker abgeschnitten hatte, jetzt schon Autor eines Bandes von Gedichten war und eine jährliche Summe von 3000 Pfund sein eigen nannte, die sich aus verschiedenen garantiert sicheren Anlagen speiste, brauchte er nicht lange vergeblich zu schmachten. Im Gegenteil, sämtliche Rowleys waren der Ansicht, die Vorsehung habe es sehr gut mit ihnen gemeint, als sie den jungen Trevelyan auf seiner Reise in diese Gegend geschickt hatte, denn er schien ihnen unter allen Männern geradezu ein Juwel zu sein. Sowohl Sir Marmaduke als auch Lady Trevelyan glaubten zu ahnen, dass es möglicherweise seitens der Familie Trevelyan Einwände gegen die ihnen vorgeschlagene Eheschließung geben könnte. Lady Rowley hätte es nicht gern gesehen, wenn ihre Tochter nach England gegangen und dort den frostigen Blicken von Fremden ausgesetzt worden wäre. Doch bald stellte sich heraus, dass es niemanden gab, der Einwände hätte erheben können. Louis, der Verehrer, hatte außer Vettern keine lebenden Verwandten. Sein Vater, ein renommierter Anwalt, war als Witwer verstorben und hatte das von ihm erwirtschaftete Vermögen seinem einzigen Kind vermacht. Das Oberhaupt der Familie war ein Vetter ersten Grades, der in Cornwall auf einem mittelgroßen Landgut wohnte, eine Seele von Mensch war, wenn auch, wie Louis formulierte, etwas beschränkt, und dem eine Eheschließung seines Vetters völlig gleichgültig wäre. Kein Mann konnte weniger abhängig sein oder mit mehr Berechtigung seine Entscheidungen frei treffen als dieser Verehrer. Zudem schlug er vor, dass die zweitälteste Tochter, Nora, mitkommen und bei ihnen in London wohnen sollte. Was für ein Verehrer, der da urplötzlich vom Himmel herab einen solchen Taubenschlag anflog.

»Ich habe keinen einzigen Penny, den ich Ihnen geben könnte«, sagte Sir Rowley.

»Ich bin nicht der Meinung, dass Töchter eine Mitgift haben sollten«, antwortete Trevelyan. »Jedenfalls bin ich der Überzeugung, dass Männer niemals auf Vermögen aus sein sollten. Wenn das Geld dem Mann gehört, fühlt er sich sicherlich weniger unwohl und ist wahrscheinlich umgänglicher.«

Sir Rowley glaubte an moralische Grundsätze und hätte sehr gern einige tausend Pfund aufgewandt, wenn er seine Töchter an jemand anderen abtrat; da er aber nun einmal keine tausende Pfund für solche Aufwendungen besaß, blieb ihm nur übrig, die Prinzipienfestigkeit seines Schwiegersohns in spe zu bewundern. Da es ohnehin Zeit für seinen Heimaturlaub war, reiste er mit Mr. Trevelyan und einem Teil der Töchterschar nach England, und die Trauung wurde von Reverend Oliphant Outhouse vollzogen, Pfarrer von Saint Diddulph’s-in-the-East und Ehemann von Sir Rowleys Schwester. Dann wurde ein kleines Haus in der Curzon Street in Mayfair bezogen und eingerichtet, und die Rowleys reisten zu ihrem Amtssitz zurück, während Nora, die Zweitälteste, in der Obhut ihrer Schwester in London verblieb.

Bei der Ankunft in London hatten die Rowleys festgestellt, dass sie in der Tat auf ein Juwel gestoßen waren. Über Louis Trevelyan wussten die Leute nur Gutes zu sagen. Wäre er nicht im Besitz eines Vermögens gewesen, so hätte er bereits an seinem College in Cambridge lehren können. Er hätte bereits – nach dem, was Sir Rowley erfuhr – Abgeordneter im Parlament sein können, wenn er es nicht für klüger gehalten hätte, sich noch etwas Zeit zu lassen. In der Tat war er in vielerlei Hinsicht äußerst klug. Er war als sehr junger Mensch auf Reisen gegangen – nicht auf der Suche nach Abenteuern, um Großwild zu jagen, oder wie immer geartete neue und unterhaltsame Erfahrungen zu sammeln, sondern um Menschen zu begegnen und die Welt kennenzulernen. Als der Zufall ihn in den Südpazifik führte, war er schon seit über einem Jahr auf Reisen. Was für ein überaus segensreicher Zufall! Überdies machte Sir Rowley ausfindig, dass sein Schwiegersohn in den Klubs bei den Menschen, die ihn von seiner Studienzeit her kannten, einen guten Ruf genoss, als jemand, der beliebt und doch klug war, kein Bücherwurm, kein vertrockneter Gelehrter oder Pedant. Er konnte bei allen Themen mitreden, war sehr großzügig, war jemand, der ausnahmslos mit Ehrfurcht behandelt und geachtet wurde; und zudem war er ein so attraktiver, männlicher Typ, mit kurzem braunem Haar, einer himmlisch geformten Nase, dem Mund eines Apoll, sechs Fuß groß, mit perfekten Proportionen von Schultern, Beinen und Armen – die Verkörperung eines Juwels! Allerdings legte er Wert darauf, seinen Willen durchzusetzen, was Lady Rowley als Erste erkannte.

»Aber was er will, ist doch absolut richtig«, sagte Sir Marmaduke. »Er wird den Mädchen deutlich zeigen, wie alles läuft!«

»Aber Emily legt ebenfalls Wert darauf, ihren Willen durchzusetzen«, erwiderte Lady Rowley.

Sir Marmaduke verfolgte das Thema nicht weiter, war jedoch zweifellos der Meinung, ein Ehemann wie Louis Trevelyan habe ein Recht darauf, seinen Willen durchzusetzen. Wahrscheinlich hatte er das Temperament seiner Tochter nicht so präzise wahrgenommen wie seine Frau. Bei acht Töchtern, die um ihn herum aufwuchsen, wie hätte er da ihr Temperament im Auge behalten sollen? Und schließlich – falls irgendetwas an Emilys Temperament auszusetzen war, dann wäre es angebracht, dass sie in einem Ehemann wie Louis Trevelyan ihren Herrn und Meister fände.

Nahezu zwei Jahre lang verlief das Leben der kleinen Familie in der Curzon Street ohne Schwierigkeiten, und wenn etwas schwierig war, so fiel es niemandem außerhalb der kleinen Familie auf. Und es gab ein Kind, einen Jungen, den kleinen Louis, und ein Kind lässt das Leben in einer solchen Familie stets harmonisch verlaufen.

Die Trauung hatte im Juli stattgefunden, und nach der Hochzeitsreise hatte man einen Winter und einen Frühling in London verbracht; anschließend reiste man für etwa einen Monat ans Meer, und dann war das Kind auf die Welt gekommen. Dann folgten ein weiterer Winter und ein weiterer Frühling. Nora Rowley wohnte bei ihnen in London, und um diese Zeit war bei Mr. Trevelyan der Wunsch aufgekommen, seinen Willen in vollem Umfang durchzusetzen. Das Kind zu haben war sehr nett, und seine Frau war klug, hübsch und voller Ausstrahlung. Nora war genau das, was man sich unter einer ledigen Schwägerin vorstellen wollte. Aber – aber dann waren Schwierigkeiten aufgekommen und man hatte gestritten. Lady Rowley hatte recht, als sie sagte, dass auch ihre Tochter Emily gern ihren Willen durchsetzte.

»Wenn ich verdächtigt werde«, sagte Mrs. Trevelyan eines Morgens zu ihrer Schwester, als sie im kleinen Salon zusammensaßen, »dann ist mein Leben nicht lebenswert.«

»Wie kommst du darauf, dass du verdächtigt wirst, Emily?«

»Was kann er sonst damit meinen, wenn er sagt, dass er Colonel Osborne lieber nicht hier zu Besuch hätte? Einen Mann, der älter ist als mein Vater, der mich von klein auf kennt!«

»Er hat nichts Derartiges gemeint, Emily. Du weißt, dass er das nicht gemeint hat, und du solltest es nicht behaupten. Es wäre zu schrecklich, um auch nur daran zu denken.«

»Richtig, und es war auch absolut schrecklich, es anzusprechen. Wenn er sich nicht bei mir entschuldigt, werde ich – werde ich natürlich des Kindes wegen weiterhin mit ihm zusammenleben, als hochrangige Angehörige des Personals. Aber er soll erfahren, was ich denke und wie mir zumute ist.«

»An deiner Stelle würde ich es vergessen.«

»Wie könnte ich es...



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