Tsuji | Wenig betretene Pfade (Rarely Entered Paths) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Englisch, Deutsch, 134 Seiten

Tsuji Wenig betretene Pfade (Rarely Entered Paths)


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7407-4166-2
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Englisch, Deutsch, 134 Seiten

ISBN: 978-3-7407-4166-2
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



So mancher Pfad - weithin unbekannt oder nur wenig begangen - will noch erkundet werden. Die hier zusammengestellten Geschichten erzählen von abenteuerlichen Reisen in verschiedene Länder, wo sich solche Pfade finden lassen. Seien es Fjorde und Berge in Norwegens Süden oder polare Gefilde im hohen Norden Skandinaviens; Felswände in Yosemite in der Sierra Nevada oder Indianerreservate in Saskatchewan und South Dakota; eine Durchquerung Südamerikas von den Anden in Peru und Bolivien zum Amazonas-Dschungel in Brasilien; zu Besuch bei Bewohnern im Zentrum von Neu-Guinea oder auf den Spuren der indischen Sultane in Madhya Pradesh. Die einzelnen Autoren beschreiben ihre Reisen in anschaulicher Weise, unterstützt von ihren eigenen Bildern bemerkenswerter Motive. Dabei ist der Text mit Einwürfen über Land und Leute, besondere Traditionen, aber auch über aktuelle Probleme in Umwelt, sozialem Gefüge und politische Auseinandersetzungen durchsetzt. Einige Beobachtungen verdienen spezielle Beachtung: scheue, aber hungrige Polarfüchse im Nirgendwo von Lappland, Flugreise in Bolivien mit 28 halbierten Rinderleibern, Empfang vom mumifizierten Großvater in Wamena (Neu-Guinea) u. a. m. Aber das kann man dann nachlesen! There are many paths - mostly unknown and only rarely entered - that still want to be explored. The stories collected here tell us about adventurous travels to different countries, where one can find such paths. Be it fjords and mountains in the South of Norway or polar regions in the far North of Scandinavia; rock faces in Yosemite in the Sierra Nevada or reservations for American Natives in Saskatchewan and South Dakota; traversing South America from the Andes in Peru and Bolivia to t Amazon rainforest; visiting inhabitants and local tribes of central New-Guinea or following the traces of Indian sultans in Madhya Pradesh. The individual authors describe their travels in a vivid way, supported by their own photographs of remarkable objects and scenes. The text is permeated with inserts about land and people, noticeable traditions, and also with actual problems in terms of environment, social structure and political debates. Some observations deserve special attention: hungry polar foxes out of nowhere in Lapland, air travel in Bolivia with 28 halves of slaughtered cows, reception by the mummified grandfather in Wamena (New-Guinea), and more... But all this can be read in the book!

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Faltbootfahrt durch Norwegen


Peter Plath


Bei der großen Faltbootfahrt durch Norwegen fuhren wir mit der Bahn von Berlin über Saßnitz, Trelleborg, Göteborg, Oslo und dann in Richtung Bergen. Wir waren drei junge Männer aus Berlin-Spandau: Wolfgang Rauch, Karl-Heinz Gruse und ich (Abb. 1). Wolfgang war Bäcker und ich hatte gerade das fünfte Semester meines Chemiestudiums an der FU Berlin hinter mir.

In Myrdal (Myrdal Station) hoch oben in den Bergen auf dem Fjell luden wir unsere zusammengefalteten Boote aus und stiegen damit in die winzige Bergbahn (Flåmsbana Top Station) nach Flåm am Ende des Aurlandfjordes um. Meiner Erinnerung nach war mitten im „Wagon“ auch noch ein kleiner eiserner Ofen. In vielen Serpentinen, die in den Berg hinein gebaut waren, fuhren wir zum Fjord hinunter. Unsere Zelte schlugen wir am Bach Flåmselva auf einer Wieseunmittelbar vor seiner Mündung in den Fjord auf (siehe Abb. 2).

Abb. 1 (a) Peter Plath (Photo: P. Plath/W. Rauch, 1962), (b) Wolfgang Rauch (Photo: P. Plath, 1962), (c) Karl-Heinz Gruse (Photo: P. Plath, 1964)

Wir wollten alle unbedingt auf dem kleinen Wildbach Flåmselva vor unseren Zelten das „Wildwasserfahren ausprobieren“. Wir bauten unsere Boote auf. Ich hatte das für eine Fjordfahrt ungeeignetste Boot, die - einen auch für Wildwasser nicht gerade geeigneten Slalom - altbooteiner - dabei. Ich wusste nicht, was für scharfe Fallwinde von beiderseits der steilen und hohen Felswände herunter in dem Fjord auftreten können (Abb. 3(a)). Ohne Kiel und Steuer, nur mit dem Paddel und der Gewichtsverlagerung steuernd hatte, ich es sehr schwer „Kurs zu halten“, während die beiden anderen mit ihren auf Kiel gebauten Booten verhältnismäßig gut damit zurechtkamen. Wir paddelten den Aurlandfjord hinunter bis zum großen Sognefjord. Dort gab es bei dem kleinen Fischerort Fresvik auf der Südseite des Fjordes wieder die Möglichkeit, „an Land“ zu gehen, und unsere Zelte in unmittelbarer Nähe des Ortes bzw. im Ort selbst aufzuschlagen. Wir hatten den ganzen Tag über in unseren Booten gesessen. Ein Aussteigen, um uns die Beine zu vertreten, war während dieser Zeit unmöglich gewesen.

Abb. 2 Ausschnitt aus der Straßenkarte „Skandinavien 1:750 000“ mit unserem Weg von Myrdal (links unten) bis Lom (rechts oben). Sie zeigt das im Osten gelegene Ende des von Bergen ausgehenden Sognefjord

Abb. 3 (a) Aurlandsfjord mit der Ortschaft Aurlandvangen (links) und Flåm am Ende des Fjords (CC BY 2.0 by Kenny Louie), (b) unser Zeltplatz in Flåm am Ende des Aurlandfjordes. Peter in seinem Zelt und sein Slalom-Faltbooteiner „Robbe“ (Photo: W. Rauch, 1963)

Von Fresvik ging es dann über den an dieser Stelle sehr breiten Sognefjord in den nördlich gelegenen Nore Sogndals Fjord hinein, den wir bei Flut solange hinauf fuhren, bis wir nördlich der Brücke von Sogndalsfjøra einen für uns geeignet erscheinenden flachen Felsen fanden, der es uns ermöglichte, auf der darüber liegenden Wiese endlich wieder an Land zu gehen.

Es war ein traumhafter Zeltplatz in einer lieblicheren Landschaft als bislang (Abb. 3(b)). Von einer Flut, die sich bis tief in den Fjord hinein bemerkbar machen könnte, hatten wir nichts gewusst. Am nächsten Morgen saßen wir mit unseren Booten auf einer Wiese, doch diese befand sich jetzt recht hoch über dem Wasserdes Fjordes und die Felsen war nicht mehr nur flach. Wir hätten die Flut abwarten können, doch dann hätten wir unser nächstes Ziel am Ende des Hafslovatnet, einem „Süßwasserfjord“, an diesen Tag nicht mehr erreichen können. Zum Glück aber waren die Felsenklippen bis zum oberen Wasserstand bei Flut mit Schlingpflanzen und Moos bewachsen.

Wir packten also alle unsere Sachen, die Zelte und die Bergausrüstung in die Kajaks, die wir auf dem noch mit fast trockenem, mit leicht glitschigem Moos bewachsenen flachen Fels gesetzt hatten, setzen uns in die Boote, stießen uns mit den auseinander genommenen Halbpaddeln beidseitig (Abb. 4), boothüpfend über den anfangs noch flachen Felsteil soweit, dass wir mit den Booten rutschend den Fels hinab glitten, bis wir mit dem Bug endlich tief ins Wasser des Fjordes stießen (Abb. 5). Es musste gelingen und es gelang, denn ein „wieder hoch“, einen neuen Versuch hätte es nicht gegeben, und wären wir gekentert, dann hätte - aber daran mochte keiner denken! Helfen konnten wir dabei einander nicht.

Abb. 4 Auf dem Fjord (v.l.n.r.) Karl-Heinz im Eskimo -Kajak und Wolfgang im Pionier Wander-Einer (Photo: P. Plath)

Da wir dabei doch ziemlich mit dem Wasser in Berührung kamen, stellten wir erstaunt fest, dass das Wasser hier kaum noch salzig schmeckte. Es war praktisch Süßwasser, in das wir hinein stießen. Das merkten wir aber erst, als wir nach der gelungenen Rutschpartie uns wieder die Gesichter trockneten.

Abb. 5 Erste Wildwasserversuche auf der Flåmselva bei Flåm: Peter Plath (Photo: W. Rauch, 1963)

Wir wurden für unser Wagnis belohnt, Es wurde ein herrlicher Tag. Wir erreichten das Ende des Nore Sogndals Fjords beim höchsten Stand der Flut und fuhren über eine unter Wasser stehende blühende Butterblumenwiese (blühender Löwenzahn), die bis an die Straße Nr. 55 heranreichte, so dass wir bequem aussteigen konnten. Das leichtere Süßwasser, das aus dem höher gelegenen Hafslovatnet Süßwasserfjord kam, floss der Flut entgegen auf das schwerere Salzwasser aus dem meerverbundenen Sogndals Fjord auf. So wurde die Blumenwiese auch bei Flut nie versalzen und bekam stattdessen für einige wenige Stunden mit dem aus den Bergen kommenden Süßwasser auch noch die notwenigen Nährstoffe geliefer - und das täglich! Es war für uns ein wunderbares Erlebnis im Boot über diese von der Sonne im Wasser gelb leuchtende Blumenwiese zu gleiten.

Dort luden wir unsere Boote auf die Bootswagen und zogen sie auf der damalig sandigen Straße ca. 3 bis 4 km den Berg hinauf bis zum ca. 150 m höher gelegenen Hafslovatnet, wo wir wieder in die Boote steigen konnten. Wir mussten jedoch noch an das Ufer des Hafslovatnet kommen. Auf einem Trampelpfad der heimischen Tiere ging es zum See, doch meine „Robbe“ machte sich selbstständig; sie konnte es nicht erwarten wieder ins Wasser zu kommen und bevorzugte zu meinem Leidwesen den direkten Weg zum See.

Unser Ziel war das westliche Ende des Hafslovatnet Fjordes, der Straumavatnet See. Auf der Karte sah der Hafslovatnet ganz flach aus, eben wie ein See oder Fjord auf einer Karte auszusehen hat. Wir mussten also nur fleißig paddeln. Dass der Fjord der Karte aber Stromschnellen bei Straumholmen enthielt, war auf der Karte nicht vermerkt. Hier floss der Straumavatnet See in den Hafslovatnet.

Für uns aber hieß dies, wir mussten die Stromschnellen hinauf paddeln, von denen wir nichts, aber auch gar nichts wussten und was wir zuvor auch noch nie geübt hatten. Also spielten wir „Lachse“. Wir stellten die Boote im „ruhigeren Fahrwasser“ genau gegen die Strömung, antiparallel ausgerichtet, nahmen „Anlauf“ und paddelten dann wie besessen die Stromschnelle hinauf. Begann das Boot sich quer zu stellen, dann hatten wir trotz aller Kraftanstrengung verloren und mussten es noch ein weiteres Mal probieren. Das geschah uns allen mehrmals. Ohne Kiel hatte ich mit meiner „Robbe“ dabei mehrere vergebliche Versuche zu absolvieren, denn die „Robbe“ liebte es, ihren eigenen Willen durchzusetzen (Abb. 6). Aber schließlich hatten wir doch gewonnen und die Stromschnellen aufwärts überwunden. Am Nordwestufer des Straumavatnet, ungefähr dort, wo heute die Hafslo Hytteuleige sich befindet, schlugen wir unsere Zelte auf. Wir durften uns einen Tag Pause gönnen, ehe es dann mit einem Milchtransporter-Lastwagen der Fv337 und dann der nationalen Straße 55 folgend über das Sognefjell nach Lom an der Otta ging, dem Startpunkt unserer eigentlichen Wildwasseretappe.

Abb. 6 Peters „Robbe“ fuhr den direkten Weg zum Seeufer hinunter (Photo: W. Rauch).

Zuvor stand aber noch eine Bergtour in das Gebiet des Jostedalsbreen auf unserem Programm. Wir hatten am Straumavatnet einen wunderbaren Zeltplatz gefunden, von dem wir am nächsten Tag unsere Tour starten konnten. Wir gingen am Ostufer des Veitastrondavatnet Sees und dann im Langedalen am Storelvi-Wildwasser bis nach Veitastrond. Dort gab es eine Brücke über den Fluß, so daß wir an einen kleine Gebirgsbach entlang über Kvernelvane und Snauedøla im Talaufsteigen konnten bis zu einem Pass-Grat von dem wir auf die Zunge des Vetlebreen Gletschers, einem Ausläufer des Jostedalbreen, blicken konnten. Zwischendurch begegneten wir nur ein paar Bergziegen. Den ganzen Tag über schien die Sonne. Es war eine wundervolle Bergtour. Wir hatten unsere Bergstiefel und Bundhosen angezogen und im Rucksack genügend Proviant. Auf dem Grat genossen wir unsere Brote und den Blick auf den Gletscher. Auch der...



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