Uhl | Silvia-Duett - Folge 05 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 128 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

Uhl Silvia-Duett - Folge 05

Eine Frau will vergessen/In seinen starken Armen
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-0951-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Frau will vergessen/In seinen starken Armen

E-Book, Deutsch, Band 5, 128 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

ISBN: 978-3-7325-0951-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Frau will vergessen:

Georg von Korff ist ein reifer Mann mit grauen Schläfen. Er hat bereits eine glückliche Ehe hinter sich, als er sich in die blutjunge Clementine verliebt und sie nach nur kurzer Zeit heiratet. Er vergöttert seine bezaubernde Frau und hofft, dass seine zweite Ehe ebenso glücklich wird wie die erste.

Doch da packt ihn plötzlich die Eifersucht, nimmt gegen seinen Willen Besitz von ihm und bereitet der hübschen Frau an seiner Seite die Hölle auf Erden. Auf Schritt und Tritt bewacht, lebt Clementine wie eine Gefangene im luxuriösen Haus ihres Mannes. Die Katastrophe kann nicht ausbleiben ...

In seinen starken Armen:

Nie mehr sein liebes Lächeln sehen, nie mehr seine Küsse spüren, nie mehr neben ihm erwachen ...

Michaela kann es kaum begreifen, dass sie nun allein ist. Viel zu früh ist ihr Mann gestorben, sein Tod lässt sie in tiefster Verzweiflung zurück. Ihr Leben ist nun auch zu Ende - glaubt die junge Witwe.

Doch es gibt einen Mann, der zu ihr steht, der ihr mit seiner Liebe neuen Lebensmut und neues Glück schenken will. Aber Michaela wehrt sich gegen dieses Gefühl. Sie will treu sein - über den Tod hinaus ...

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Charlotte Thomas blickte verstohlen durch die Gardine auf die Straße hinaus.

»Sein Wagen hält, Clementine«, berichtete sie aufgeregt. »Er steigt aus, und er hält einen großen Blumenstrauß in der Hand.« Schnell drehte sie sich zu ihrer Tochter um. »Es ist so weit! Oh, Clementine! Was für ein Glück! Wir müssen dem Himmel dankbar sein.«

Clementine Thomas lauschte nach innen, als wollte sie sich fragen, wie ihr Herz empfand. Hatte es nicht immer heftig geschlagen, wenn Georg Freiherr von Korff sie bewundernd anblickte?

Charlotte Thomas strahlte, als sie auf ihre Tochter zuging.

»Clementine, du liebst ihn doch?«, forschte sie. »Der Altersunterschied macht dir doch gewiss nichts aus? Er wird dich auf Händen tragen. Wenn Vater das noch erlebt hätte!«, sprach sie.

Die Türklingel schrillte.

Charlotte Thomas eilte hinaus.

Clementine trat zum Spiegel und blickte sich aufmerksam an.

Liebe ich Georg von Korff?, fragte sie sich. Macht mir der Altersunterschied tatsächlich nichts aus? Georg ist zweiundvierzig Jahre alt, also zweiundzwanzig Jahre älter als ich. Nein, es macht mir nichts aus. Ich wundere mich bloß, dass er an mir Gefallen gefunden hat.

Nie kann ich so werden wie Carla, Georgs erste Frau. Von ihr spricht er nur in Ehrfurcht und Bewunderung. Werde ich nicht immer gegen ihren Schatten ankämpfen müssen?

Die Tür öffnete sich.

»Er ist da«, flüsterte Charlotte Thomas.

»Ja, ich komme«, sagte Clementine. Tapfer drückte sie die Türklinke nieder.

Georg Freiherr von Korff stand in der Mitte des Raumes. Er hielt zwei Blumensträuße in den Händen. In der Rechten trug er einen üppigen Strauß mit Teerosen, in der Linken hielt er langstielige blutrote Rosen.

Als Clementine eintrat und leise die Tür hinter sich zudrückte, ging er einen Schritt auf sie zu.

»Clementine«, sagte er, und seine Stimme klang heiser.

»Guten Tag, Georg.« Sie starrte ihn an und fand, dass er so gut aussah wie kein anderer Mann auf Erden. Die silbern schimmernden Schläfen gaben ihm etwas Überlegenes, Weltmännisches.

»Wie schön du bist!« Er legte den gelben Rosenstrauß auf den Tisch und ging auf sie zu. »Weißt du, warum ich hier bin?«, fragte er leise. Er hob die Linke mit dem Strauß roter Rosen.

»Ich glaube, ja«, stotterte sie.

Er nahm ihre Hand und zog sie an die Lippen.

»Clementine«, murmelte er, sich wieder aufrichtend, »ich will die entscheidende Frage an dich richten, auch auf die Gefahr hin, dass ich einen Korb von dir bekomme. Seit unserem letzten Zusammentreffen vor drei Tagen kann ich an nichts anderes mehr denken als an dich und an meine Liebe zu dir.«

»Georg, ich – ich …«

»Sag noch nichts!«, bat er rau. »Nimm mir noch nicht die Illusion, dass wir glücklich werden können. Natürlich weiß ich, dass du mich nicht lieben kannst. Ich bin mehr als zwanzig Jahre älter als du. Aber ist das ein Grund, dich nicht zu lieben?«

»Du bist nicht alt, Georg. Du bist ein Mann, zu dem ich aufblicken kann. Du bist so klug, so weit gereist und erfahren! Gegen dich bin ich nichts.«

Schnell legte er den roten Rosenstrauß fort und packte sie an den Schultern.

»Du bist so zauberhaft jung. Und du bist eine Schönheit. Wenn du mir dein Jawort gibst, werde ich dich auf Händen tragen. Jeden Wunsch werde ich dir erfüllen. Seit ich dich kenne, bin ich ein anderer geworden.«

Clementine wurde es ganz eigen ums Herz. Seine Nähe machte sie trunken.

»Ich bitte dich hiermit in aller Form um deine Hand«, sagte er feierlich.

Clementine zitterte vor Aufregung.

Ja, sie wollte die Frau dieses Mannes werden!

»Ich will«, antwortete sie tonlos. »Ja, ich will deine Frau werden, Georg!«

Georg Freiherr von Korff ließ keinen Blick von ihrem kleinen, süß geschnittenen Mund und ihren dunkelblauen Sternenaugen. Er hatte das Gefühl, reich beschenkt worden zu sein.

Mit einem tiefen Atemzug zog er sie an sich. Bewusst und fordernd legte er seinen Mund auf ihre Lippen.

Clementine schloss die Augen, als er sie küsste. Ich liebe ihn mehr als mein Leben, dachte sie.

***

Die Herren an dem runden Tisch im Klub Turania hoben ihre Gläser.

»Auf den Bräutigam in unserer Mitte«, rief Geheimrat Petermann.

Hell stießen die Gläser aneinander.

»Sicher wird dich deine junge Frau so in Atem halten, dass du in der nächsten Zeit für uns unsichtbar bleiben wirst«, prophezeite der Tierarzt Dr. Linge.

»Du hast völlig recht«, bestätigte der Freiherr, »in den nächsten vier Wochen werdet ihr mich nicht zu Gesicht bekommen. Unsere Hochzeitsreise geht nach Griechenland und in die Türkei.«

»Ich bewundere ja deinen Mut!« Des Freiherrn bester Freund, der noch jugendliche Professor Albert Suyter, stellte sein Weinglas wieder ab. »Deine Auserwählte ist immerhin erst zwanzig.«

Georg wurde um einen Schein blasser.

»Zu dem, was ich vorhabe, gehört kein Mut. Clementine und ich lieben uns. Das Alter ist nicht wichtig.«

»Na«, rief der Tierarzt lachend, »dich hat es aber mächtig gepackt, wie?«

»Ja«, bestätigte der Freiherr ernst. »Es war wie eine Schicksalsfügung, als ich ihr begegnete.« Er atmete schwer. »Clementine ist trotz ihrer Jugend nicht leichtsinnig und oberflächlich.« Er sah in die Runde. »Ihr habt doch alle Clara, meine erste Frau, gekannt. Mit ihr war es ganz anders. Wir waren gleichaltrig. Auch sie habe ich geliebt, aber es war eine ganz andere Liebe als mein Gefühl für Clementine.«

Professor Suyter hatte eine scharfe Antwort auf der Zunge.

Ich könnte dir genau sagen, warum du eine um zweiundzwanzig Jahre jüngere Frau liebst, dachte er. Du hast Angst vor dem Altern und glaubst, wenn dieses blühende Geschöpf dich liebt, bedeutet das die ewige Jugend für dich. Aber weit gefehlt, mein guter Georg! Eines Tages wird deine Clementine flügge sein. Und sie wird ahnen, dass es eine Dummheit war, dich zu heiraten.

Er hob sein Glas und nickte Georg zu.

»Wir wünschen dir von Herzen alles Glück in deiner Ehe, Georg!«, sagte er nachdrücklich. »Deine Braut ist gewiss bezaubernd.«

»Aus was für Verhältnisse kommt sie denn?«, erkundigte sich der Tierarzt.

»Ihr Mutter ist Witwe«, berichtete Georg Freiherr von Korff. »Sie musste sich schwer durchs Leben schlagen, die Arme! Clementine ist ihr einziges Kind. Um ihrer Tochter eine ordentliche Schulbildung zukommen zu lassen, hat sie halbtags in einer Bibliothek gearbeitet, weil ihre Witwenrente nicht reichte. Clementine ist sehr bescheiden. Sie hat vor einem Jahr ihr Abitur gemacht. Sie ist außerdem sehr musikalisch und spielt Klavier und Geige. Ich werde ihr einen Bechstein-Flügel schenken.«

»Du bist ein Glückspilz, Georg«, ließ sich Geheimrat Petermann vernehmen.

***

Für Clementine war die Ehe mit Georg Freiherr von Korff ein einziges großes Erlebnis.

Er behandelte sie wie eine wertvolle Porzellanfigur und war ständig besorgt um ihr Wohlergehen. Den kleinsten Wunsch las er ihr von den Augen ab. Immer, dachte sie, werde ich ihn lieben. Er ist der wunderbarste Mann auf Erden. Ein klein wenig aber hatte sie auch Angst vor ihm.

Clementine wusste nicht, wie es kam, doch sie war sich klar darüber, dass sie nicht bis in das Innerste seines Herzens vordringen konnte. Wenn man sich liebt, dachte sie jedoch, muss man sich seine Sorgen anvertrauen.

Auf der Reise durch Griechenland und die Türkei erwies er sich als vollendeter Kavalier. Wenn sie an seiner Seite im Hotelfoyer erschien, wandten sich viele Köpfe nach ihnen um. Und viele fragten sich, ob sie wohl Vater und Tochter wären.

Als Clementine und Georg drei Wochen miteinander verheiratet waren, gab es eine kleine Unstimmigkeit zwischen ihnen. Sie saßen in Istanbul in einem Luxushotel beim Fünf-Uhr-Tee.

»Wie die Männer dich mit ihren Augen verschlingen«, bemerkte Georg ärgerlich.

»Mich?«, fragte sie.

»Nun tu doch nicht so unschuldig!«

»Aber Georg«, sagte sie bestürzt. »Wenn es wirklich so sein sollte, dann kann ich doch nichts dafür.«

»Wirklich nicht?«, fragte er herausfordernd. »Wenn du nur die Augen hebst und an mir vorbei siehst, fühlt sich jeder Mann in deiner Blickrichtung betroffen. Jeder glaubt, du wolltest mit ihm flirten.«

»Georg«, stieß sie hervor, »glaubst du das wirklich von mir?«

Georg sah sie fast feindselig an. Wenn es jemand wagen sollte, sie mir fortzunehmen, dachte er und musste das Zittern seiner Hände unterdrücken, ich würde ihn umbringen.

»Vielleicht«, sprach er versöhnlicher, »habe ich mich getäuscht.«

Clementine atmete auf. Doch die Angst saß in ihrem Herzen. Noch nie hatte Georg sie so böse angesehen.

Er legte seine gepflegte Hand über ihre schmalen Finger.

»Ich liebe dich so sehr, dass ich auf jeden Blick eifersüchtig bin, den du einem anderen Mann schenkst.«

Clementine erschrak. »Georg«, stammelte sie, »wie soll ich dich nur überzeugen, dass ich dich allein liebe?«

»Die anderen Männer«, sagte er mit kalten Augen, und die Wut riss ihn von Neuem fort, »sind viel jünger als ich. Wer hat dir eigentlich eingeredet, dass du mich heiraten müsstest? Ich könnte dein Vater sein.« Er holte tief Luft. »Oder hat dich mein...



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