Ullmann | P.S. Vergiss mich nicht | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 247 Seiten

Ullmann P.S. Vergiss mich nicht


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7392-1615-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 247 Seiten

ISBN: 978-3-7392-1615-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Annas Leben spielen zwei Männer eine wichtige Rolle: Ihr erster Freund Sebastian und ihr Traummann und späterer Ehemann Julian. Beide stiften eine Menge Verwirrung in ihrem Leben! Aber wer von beiden ist denn nun eigentlich der Richtige für sie? Eine solche Situation schreit geradezu nach Verwirrungen und schmerzvollen Erfahrungen, aber last not least auch nach einem romantischen Happy End.

Lena Ullmann: Die Autorin hat den Roman von vorne bis hinten selbst geschrieben, korrigiert und lektoriert. Lediglich beim Cover hat sie sich beraten und helfen lassen. Die Chance als Self-Publisher zu schreiben, zu arbeiten und zu veröffentlichen, ohne dass jemand einem hineinredet und Vorschriften macht, wollte sie unbedingt ausprobieren. Ihr Fazit: "In so einem Roman steckt enorm viel Zeit und Arbeit! Das hätte ich nicht gedacht! Aber es ist ein Wahnsinnsgefühl, das Buch dann in den Händen zu halten!"
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Wer bitteschön ist Sebastian?


„Dein Sohn.“ Stolz drückte Kathrin ihrem Jochen den kleinen, dicken Schreihals in den Arm. Noch völlig geschafft von der extrem anstrengenden Geburt hätte sie am liebsten nur vierundzwanzig Stunden am Stück geschlafen, aber der Winzling brauchte sie jetzt, hatte Hunger für Drei und wollte kuscheln. Jochen betrachtete den Kleinen mit gemischten Gefühlen: „Du kleiner Wicht, mein eigen Fleisch und Blut. Muss ich wegen dir den Plan meines Lebens ad acta legen und die sorgfältig vorbereitete Flucht in den Westen abblasen?“ Kathrin bemerkte Jochens Zweifel. Für so etwas besaß sie ausgeprägte Antennen, aber sie sagte nichts.

Wenige Tage später rückte Jochen dann endlich mit seinen bisher unausgesprochenen Zukunftsplänen heraus: „Kathi, ich will, ich muss in den Westen. Hier in Greifswald wird es für mich immer brenzliger.“ Diese Aussage stimmte. Jochen war unbequem: Er ließ sich nichts gefallen, nahm nie ein Blatt vor den Mund und hatte sich damit in eine fatale Situation gebracht. Seine Chefs, die seine oft berechtigte Kritik nicht hören wollten und durften, konnten jeden Moment dafür sorgen, dass er aus nichtigen Gründen für immer im Gefängnis der Deutschen Demokratischen Republik verschwinden würde und was das bedeutete, wusste man nur zu gut! „Freunde haben mir die Möglichkeit eröffnet, mich relativ unproblematisch in den Westen abzusetzen. Kathrin, ich will dir da nichts vormachen. Alles ist sorgfältig geplant und ich wünsche mir sehr, dass du mit mir kommst!“ Sie hatte nur verständnisvoll genickt, um später mit dem kleinen Wonneproppen im Arm bitterlich zu weinen. „Basti, dein Vater will uns verlassen! Sag mal“, sie schaute das friedlich nuckelnde Söhnchen liebevoll an: „Erlaubst du es mir, dass ich dich hier bei Oma und Opa lasse und deinen Vater begleitete?“ Einen Moment schien es so, als nicke der kleine Basti zustimmend. Ein mutiger Entschluss reifte in ihrem Kopf. Allerdings brauchte sie dazu die Hilfe ihrer Eltern. „Würdet ihr euch um Sebastian kümmern, wenn ich mich mit Jochen in den Westen absetze? Kann ich ihn bei euch lassen, bis ihr nachkommen könnt? Ihr seid die einzigen Menschen auf der Welt, bei denen ich mein wertvolles Söhnchen ohne Skrupel zurücklassen kann. Ihr wollt doch sicher ohne uns auch nicht hierbleiben. Oder? Dann kommt ihr nach und bringt den Kleinen mit! Wenn ich diesen Schritt nicht gehe, verliere ich meine große Liebe für immer und beide Kinder müssen ohne Vater aufwachsen!“ Gottergeben hatten ihre Eltern, die nur diese eine Tochter besaßen und abgöttisch liebten und ihr nie einen Wunsch abschlagen konnten, genickt. „Kathrin sei beruhigt, Basti wird es sehr gut bei uns haben. Das weißt du. Lebe dein Glück! Wir werden dann einen Ausreiseantrag stellen. Bei Rentnern geht das schnell und wird sich unproblematisch gestalten. Anschließend werden wir so schnell wie möglich nach Westdeutschland nachkommen“, versprachen die Eltern.

Hartnäckig hatte Kathrin allerdings darauf bestanden, die fünfjährige Tochter mitzunehmen: „Ohne die Kleine gehe ich nirgends hin!“ Und das kleine Mädchen gab ihr enorm viel Kraft, die Strapazen und Risiken ihrer Flucht nervlich durchzuhalten. „Jochen, was geschieht denn, wenn wir erwischt werden?“, hatte Kathrin ihn immer wieder ängstlich gelöchert. „Dann dürfen wir die Gefängnisse unseres Landes für sehr viele Jahre von innen betrachten!“, hatte er gemeint. „Und die Kinder?“, fragte Kathrin ängstlich. „Keine Sorge, die kommen nicht in den Knast! Die werden zu Pflegeeltern gegeben! Zu ganz besonders überzeugten Sozialisten!“ Da war ihr angst und bange geworden.

Als sie Westberlin wohlbehalten, ohne lebensgefährliche Komplikationen erreichten, jubelte Jochen; „Kathrin, die Freiheit begrüßt uns“, war völlig aus dem Häuschen und nahm seine Frau und das Töchterchen glücklich in die Arme. „Wir sind frei, wir sind frei, wir sind frei! Fröhlich schlenderten sie den Kudamm entlang und Jochen spendierte Unmengen von Bananen. „Esst, meine Süßen! Esst, bis ihr platzt. Ein Leben im Wohlstand ohne Zensur und Kontrolle kann beginnen!“ Ein Schatten huschte über Kathrins Gesicht. Der Gedanke an ihren kleinen verlassenen Sohn schmerzte einen Moment, deshalb konnte sie sich nur bedingt freuen. Aber die Dinge überschlugen sich und schon ging es nach Bonn, wo ein recht gut bezahlter Job auf den aktiven jungen Familienvater lauerte. Wie mag es Basti und meinen Eltern gehen, quälte Kathrin jeden Abend vor dem Einschlafen ihr schlechtes Gewissen. Bin ich eine Rabenmutter und Rabentochter? Seit Monaten blieben ihre Briefe an die Eltern unbeantwortet, sie verschwanden oder kamen sporadisch mit „Empfänger verzogen“ zurück. Auch alle Kontaktversuche zu alten Freunden scheiterten. Was war geschehen? Verzweiflung überfiel die junge Mutter.


Die Ungewissheit blieb. Kathrin hörte überhaupt nichts aus Greifswald und badete in Selbstvorwürfen. Wo waren ihre Eltern und ihr Sohn abgeblieben? Hatte man sie etwa verhaftet und Basti zu Pflegeeltern gegeben? Auch über Bekannte erfuhr sie nichts! Mittlerweile waren sechs Jahre verflogen. Die Ungewissheit zerfraß Kathrin, auch wenn sie ihre Verzweiflung geschickt verbarg.

Vergeblich stellten Kathrins Eltern in Greifswald einen Ausreiseantrag nach dem anderen, alle wurden wieder und wieder abgelehnt. „Ihre Tochter hat sich respektlos der Deutschen Demokratischen Republik gegenüber verhalten, das können wir nicht noch honorieren“, hieß es vorwürfig. Andere durften in den Westen ziehen, die alten Leute mit dem kleinen Jungen wollte man jedoch nicht gehen lassen. So wuchs Basti elternlos, aber gut behütet bei Oma und Opa auf, war deren kleiner Sonnenschein, lachte viel und war sehr brav und ruhig, manchmal beängstigend unbeweglich für einen kleinen Jungen seines Alters. „Basti, iss schön, damit du groß und stark wirst“, betonte die Großmutter bei jeder Gelegenheit und stopfte das Kerlchen mit Leckereien voll. Das arme Kind musste schon auf seine Mutter verzichten, dann sollte es wenigstens ordentlich ernährt werden! Und dann, Sebastian feierte schon seinen sechsten Geburtstag, geschah das Wunder. Kathrins Eltern wurden in das Rathaus bestellt und nach endlosem Warten in ein Büro geführt. „Sie dürfen unser Land schon nächste Woche mit ihrem Enkel verlassen. Ihr Eigentum, ihre Immobilien, ihr ganzes Hab und Gut fällt damit allerdings an den Staat. Sie können nur das Nötigste mitnehmen“, erklärte ein übereifriger Beamter. Die Freude hielt sich bei allen sehr in Grenzen. Besonders Basti schimpfte und tobte, denn er wollte nicht weg von seinen Freunden, Tieren und seinem Kindergarten. Wer verlässt schon gerne seine Heimat? Schweren Herzens verabschiedeten sich die alten Leutchen von ihrem geliebten Mecklenburg-Vorpommern, ihrem Gut, auf dem seit Generationen die Familie glücklich lebte, ihrem großen Freundeskreis, um im Westen in einem unwirtlichen Auffanglager für Flüchtlinge zu landen, aus dem es zunächst monatelang kein Entkommen gab. Unsicherheit beherrschte ihr erstes Jahr in Westdeutschland. Sie besaßen weder ein Lebenszeichen noch eine Adresse von ihrer Tochter und deren Familie, seit diese geflüchtet war. Trotzdem! Es war ihre Pflicht, Sebastian wieder zu seinen Eltern zu bringen. Nur, wo sollten sie anfangen zu suchen? Erst nach mehr als einem Jahr intensivster Recherchen wurde der Großvater fündig. Es hatte die Kinder in die Stadt Bonn im Rheinland verschlagen. Nachdem die Tochter sich bereit erklärt hatte, allen Asyl zu gewähren, durften sie endlich nach Bonn reisen. Glücklich betraten sie die Wohnung, die Kathrin mit Jochen und Marlies bewohnte und die Kathrins Eltern nach einem Jahr Flüchtlingslager vorkam, wie ein kleines Paradies, auch wenn sie für sechs Personen aus allen Nähten platzte.

Mit fast sieben Jahren lernte Sebastian bewusst Mutter, Vater und Schwester kennen und fremdelte zunächst. „Fremde Frau, lass mich!“, fauchte er seine Mutter an, als Kathrin ihn glücklich in ihre Arme schließen wollte und lief schutzsuchend zu Oma und Opa. Aber schon bald fand Basti Gefallen an der Frau, die sich Mutter nannte und ihm nahezu jeden Wunsch von den Lippen ablas. Auch der meist ernst dreinschauende Vater mit seiner lauten, brummigen Stimme war Basti ganz und gar nicht geheuer. Aber er gewöhnte sich schnell auch daran. Und tägliche Zankereien mit der Schwester ließen auch nicht lange auf sich warten. Langsam ging die Familie zum Alltag über.

Als Sebastians Mutter ein paar Monate später das Kinderzimmer betrat, traute sie ihren Augen nicht: „Basti, was wird das denn?“ Da stand der Siebenjährige und um ihn verstreut lagen sämtliche Dessous seiner großen Schwester. Und damit nicht genug: Der Kleine selber bemühte sich krampfhaft, einen der Büstenhalter, einen schwarzen mit ganz viel Spitze, anzuziehen und stolzierte anschließend, mit seinem kleinen, ausladenden Hinterteil eifrig wackelnd, vor Eitelkeit strotzend durch das Zimmer „Sebastian, bist du noch bei Verstand?“, fragte Frau König völlig entgeistert. „Ich, ähhh, also, die Marlies hat mir befohlen, ihre Wäsche anzuziehen, sonst haut sie mich“, behauptete der Junge mit pfiffigem Augenaufschlag und dem treunaiven Blick, der immer wirkte. Sein Interesse an ausgefallenen Dessous sollte ihn übrigens sein ganzes Leben lang begleiten.

„Marlieeees“, brüllte Frau König ungehalten und schon erschien Sebastians große Schwester und brach in schallendes Gelächter aus, als sie den kleinen Bruder in seiner ausgefallenen Kostümierung mitten im Zimmer stehen sah. „Sag mal, Kleiner, gehts noch?“ Erst dann registrierte sie, dass ihre Mutter alles andere als belustigt wirkte. „Marlies hat mir aber befohlen, die...



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