E-Book, Deutsch, 220 Seiten
Ullrich Das Erbe des Apfelweinkönigs
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-946247-17-3
Verlag: Lasp-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 220 Seiten
Reihe: Kommissar Bohlans sechster Fall
ISBN: 978-3-946247-17-3
Verlag: Lasp-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In einer Villa am Frankfurter Lerchesberg wird die bildschöne Erbin des legendären Apfelweinkönigs Heinz Wagenknecht ermordet. Auf dem Nachbargrundstück findet Kommissar Tom Bohlan die Tatwaffe und ein Foto, das eine alte Kelter in einem Kellergewölbe zeigt. Sehr schnell kommen die Kommissare zu dem Schluss, dass es sich dabei um den Hinweis auf ein weiteres Verbrechen handelt. Ein spannender Wettlauf mit der Zeit beginnt ... Die Frankfurter Kripo ermittelt im Dunstkreis einer Apfelweindynastie, die ums Erbe streitet und dabei vor nichts zurückschreckt. Tom Bohlan jagt den Täter diesmal unter anderem in Eckenheim.
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Prolog
Alina empfing ihren Gast mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen, das Freude und Aufgeschlossenheit signalisierte. Tatsächlich war es eine Maske, die ihre wahren Absichten verbarg. Sie hatte die oberen Knöpfe ihrer Bluse offen gelassen und den Rock ein wenig höher gezogen. Beides betonte ihre Figur und ließ erahnen, welche Reize das bisschen Kleidung verdeckte. Wäre doch gelacht, wenn ihre Fähigkeit, Männer zu verführen, diesmal nicht von Erfolg gekrönt wäre. Sie war fest entschlossen, alles dafür zu geben, um ihrem großen Ziel einen weiteren Schritt näher zu kommen. Mit ihrem Charme und ihren Reizen hatte sie es schon sehr weit gebracht. Sie besaß eine Villa in Frankfurts bester Lage. Sie fuhr ein teures, schnelles Auto und ihr Bankkonto war so gefüllt, dass sie bis zu ihrem Lebensende ausgesorgt hatte. Doch das war ihr nicht genug. Sie wollte mehr. Mehr Geld, mehr Macht, mehr Einfluss. „Hallo, komm doch rein.“ Sie hauchte die Begrüßung eine Nuance tiefer, als es ihrer natürlichen Stimmlage entsprach. Der Besucher ließ seinen Blick kurz über ihren Körper gleiten, während sie ihm die Wange hinhielt. Alina hatte pechschwarze lange Haare und einen sehr blassen Teint. Ihre grünen Augen verliehen ihr etwas Katzenhaftes. Er verharrte auf der Türschwelle. Schließlich gab er sich einen Ruck und begrüßte sie mit der begehrten Geste. Küsschen links, Küsschen rechts. Der moosig holzige Duft von Paloma Picasso drang in seine Nase. „Leg doch ab.“ Er zog seine Jacke aus und gab sie ihr. „Es ist an der Zeit, das Kriegsbeil zu begraben“, sagte sie, während sie die Jacke über einen Bügel hängte. „Findest du nicht auch?“ „Haben das nicht schon unsere Anwälte erledigt?!“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Er war bemüht, seine Stimme möglichst neutral klingen zu lassen. Die vielen schlaflosen Nächte, die er ihretwegen verbracht hatte, konnte er nicht von heute auf morgen verdrängen. „Vergiss die Vergangenheit“, sagte sie und ging voraus ins Wohnzimmer. Wie lange war es her, dass er in diesem Haus gewesen war? Zwei, drei oder sogar mehr Jahre? Er konnte sich nicht daran erinnern. Die Einrichtung war geschmackvoll und teuer. Jedenfalls schien sie das Geld nicht zu verramschen, sondern in stilvolle Accessoires zu investieren. Auf dem Couchtisch, der vor einem ausladend großen weißen Ledersofa stand, lag ein Tablett mit einer Flasche Champagner nebst zwei Gläsern. „Wir sollten jetzt an die Zukunft denken. Schließlich werden wir sie gemeinsam verbringen.“ Sie setzte sich auf das Sofa und schlug die Beine übereinander. Er sah sich im Wohnzimmer um und riskierte einen Blick durch das Fenster hinaus in den gepflegten und weitläufigen Garten. „Was stehst du so steif herum? Komm neben mich.“ Um der Aufforderung mehr Gewicht zu verleihen, strich sie mit der Hand über das glatte Leder. „Ein Glas Champagner wird dir die Hemmungen nehmen.“ „Ich bin nicht gekommen, um mit dir Champagner zu schlürfen“, entgegnete er. „Nicht? Wollen wir gleich zur Sache kommen. Auch gut.“ Sie nippte an ihrem Glas, stand dann auf und schlenderte zu ihm. Als sie dicht vor ihm stand, legte sie ihre Arme um seinen Hals und spitzte die Lippen. Er sah ihr einen Moment lang in die Augen. Sie drückte ihren schlanken Körper gegen seinen. Zweifelsohne war Alina eine begehrenswerte Frau. Aber er konnte sich unmöglich auf sie einlassen. Sie war nicht nur attraktiv, sondern auch hinterhältig, gefährlich und geldversessen. Das hatte er in den letzten Jahren zur Genüge spüren müssen. Und natürlich war das alles nur ein weiterer Versuch, um sich noch mehr Geld unter den Nagel zu reißen. Wenn er sich jetzt auf sie einließ, begönne er ein Spiel mit dem Feuer, das er unmöglich gewinnen konnte. Er legte seine Hände auf ihren Po und ließ sie über ihre Hüften gleiten. Dabei sah er ihr unentwegt in die Augen. Sie lächelte, fühlte sich auf der Siegerstraße. Seine Hände glitten weiter nach oben. Für einen Moment oblag er der Versuchung, über ihre Brüste zu streichen, doch er widerstand, wählte stattdessen den Weg zu ihren Armen, die immer noch um seinen Hals geschlungen waren. Er nahm ihre Hände. Gespannt wartete sie, was als Nächstes passieren würde. Doch sie wurde jäh enttäuscht. Seine Hände lösten ihren Griff und er ging auf Abstand. Unverständnis breitete sich über ihrem Gesicht aus. „Ziehst du jetzt etwa den Schwanz ein?“ „Ich bin gekommen, um das Geschäftliche mit dir zu regeln.“ Er setzte sich auf das Sofa. „Glaubst du etwa, dass du mir auf Dauer widerstehen kannst?“ Sie stemmte die Hände in die Hüften und sah ihn herausfordernd an. „Warum nicht?“ „Weil ich weiß, dass du schon lange auf mich scharf bist.“ „Wie kommst du darauf?“ Er lachte auf. „Weil ich die Blicke sehe, die du mir heimlich zuwirfst. Weil ich deine Erregung spüren kann, wenn du mir nahe kommst.“ „Du überschätzt dich maßlos.“ „Ach ja?“ Sie kam aufreizend langsam zum Sofa. Sah ihm in die Augen, setzte sich auf seinen Schoß und begann ihre Bluse aufzuknöpfen. Er versuchte, an ihr vorbeizuschauen, doch die Ansätze ihrer Brüste lenkten ihn ab. „Na, bekommst du Appetit?“ „Hör auf, Alina.“ Er schob sie unsanft zur Seite. „Also gut. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Sie setzte sich ihm gegenüber auf einen der Sessel. „Du willst mich nicht verstehen, oder?“ „Doch, doch. Du bist momentan nicht in Stimmung. Aber ich werde dich schon irgendwann herumbekommen. Ich bekomme immer, was ich will.“ Sie lächelte wieder. „Reden wir also über das Geschäft. Ich bin dafür, dass wir das Angebot der Russen annehmen.“ „Du weißt genau, dass das für mich nicht akzeptabel ist.“ Es fiel ihm schwer, die Fassung zu bewahren. „Genau das ist der Punkt, den ich nicht verstehe. Wir verkaufen die ganze Firma und kassieren einen Haufen Kohle. Am Ende haben wir alle ausgesorgt und machen uns ein schönes Leben. Du kannst mit mir in die Karibik auswandern und ich besorg es dir jeden Tag. Kein Problem.“ „Du willst mich wirklich nicht verstehen.“ „Von mir aus kannst du das auch mit deiner Frau machen. Es ist für alle genug Kohle da.“ „Es geht mir nicht um das Geld. Ich will die Firma behalten. Sie ist mein Leben.“ „Ja, die Firma. Sie hat in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass wir alle gut von ihr leben konnten. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Der Markt ist in Bewegung. Die Großen schlucken die Kleinen. Bist du dir sicher, dass wir mit dieser Entwicklung Schritt halten können?“ „Einen Versuch ist es allemal wert. Wir stehen so gut da wie seit Jahren nicht mehr.“ „Und genau das ist der Grund, jetzt zu verkaufen. Momentan können wir fast jeden Preis aushandeln.“ „Du redest schon wie Daniel. Dabei hast du dich doch sonst nicht für die Firmenpolitik interessiert.“ „Die Zeiten haben sich geändert. Jetzt interessiert es mich eben.“ Alina zuckte mit den Schultern und nippte an ihrem Glas. „Wie auch immer. Du solltest noch einmal über meine Argumente nachdenken. Wenn du dir das alles in Ruhe durch den Kopf gehen lässt, wirst du einsehen, dass ich recht habe.“ „Ist das dein letztes Wort?“ Seine Stimme klang rau und belegt. „Es gibt noch eine andere Lösung.“ Für einen Moment schlich sich Hoffnung in seine Gedanken. „Du könntest mich auszahlen.“ „Welche Summe schwebt dir da vor?“ „Die Hälfte von dem, was uns die Russen zahlen würden.“ „Du spinnst komplett!“ Er sprang auf und stürmte wutschnaubend aus dem Zimmer. Alina blieb sitzen. Als die Tür laut krachend ins Schloss fiel, schreckte sie kurz zusammen. Zugegebenermaßen war das Treffen nicht ganz so gelaufen, wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie hatte gedacht, leichter ans Ziel zu kommen. Aber es gab noch andere Mittel und Wege. Sie war der festen Überzeugung, am längeren Hebel zu sitzen. Nachdem sie den Rest des Glases geleert hatte, ging sie in die Küche, öffnete den Kühlschrank und nahm den Rinderbraten heraus. Sie stellte ihn auf die Arbeitsplatte und sah aus dem Fenster hinaus in den Garten. Es war ein sonniger Tag. Der Himmel war blau und wolkenlos, die Vögel zwitscherten. Ab und an wurde die fast idyllische Ruhe allerdings von einem vorüberfliegenden Flugzeug gestört. Seit die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen fertig war, kam dies leider immer öfter vor. Ein Grund dafür, dass sich die Stimmung in der Siedlung, die von Einfamilienhäusern und Villen geprägt war, deutlich verschlechtert hatte. Auch jetzt schwirrte wieder etwas durch die Luft. Allerdings war es sehr viel kleiner als ein normales Verkehrsflugzeug, flog deutlich leiser und auch bei weitem niedriger als die großen Jumbojets. Das Objekt schwebte beinahe lautlos über den Gartenzaun. Es sah aus wie ein Modellflugzeug und nahm nunmehr Kurs auf ihr Haus. Was hatte das zu bedeuten? Und wo kam es her? Das Nachbargrundstück, von dem aus sich das unbekannte Flugobjekt näherte, stand seit einiger Zeit zum Verkauf. In den vergangenen Wochen waren dort hin und wieder Makler mit Interessenten aufgetaucht, aber bislang hatte sich noch niemand zum Erwerb entschließen können. Das Flugobjekt schwebte jetzt vor dem Küchenfenster wie ein Helikopter vor der Landung. Es stand beinahe in der Luft. Alina stutzte, versuchte mehr von dem merkwürdigen Fluggerät zu erfassen. Vor einigen Wochen waren...




