Ullrich / Strunck | Begabtenförderung an Gymnasien | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 294 Seiten, Web PDF

Reihe: Schule und Gesellschaft

Ullrich / Strunck Begabtenförderung an Gymnasien

Entwicklungen, Befunde, Perspektiven
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-531-91002-4
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Entwicklungen, Befunde, Perspektiven

E-Book, Deutsch, 294 Seiten, Web PDF

Reihe: Schule und Gesellschaft

ISBN: 978-3-531-91002-4
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Wie kann man angesichts der ernüchternden Befunde der internationalen Vergleichsstudien nicht nur die benachteiligten, sondern gerade die besonders begabten und leistungsfähigen Schüler noch stärker fördern? Welche schulischen Wege der Förderung führen im deutschen Schulwesen zur Exzellenz und zur Herausbildung von Leistungseliten? Auf diese unter dem Gesichtspunkt der Bildungsgerechtigkeit kontrovers diskutierten Fragen geben erfahrene Schulpädagogen in einem Überblick über neue und bewährte Schulmodelle ebenso eine Antwort wie Pädagogische Psychologen, Schulforscher und Bildungssoziologen durch aktuelle Forschungsberichte und laufende empirische Studien.

Ullrich / Strunck Begabtenförderung an Gymnasien jetzt bestellen!

Zielgruppe


Professional/practitioner

Weitere Infos & Material


Begabtenförderung und Elitenbildung an Gymnasien: Einführung in den Themenbereich.- Begabtenförderung und Elitenbildung an Gymnasien: Einführung in den Themenbereich.- Begabtenförderung im Kontext aktueller Forschungsdiskurse.- Nationale Spitzenleistungen — internationale Leistungsspitze? Eine Sichtung von Lernerträgen besonders leistungsstarker Jugendlicher.- Hochbegabung: Fiktionen und Fakten.- Effekte schulischer Fördermaßnahmen für besonders begabte und leistungsstarke Schüler und Schülerinnen.- Wege der Begabtenförderung: Erfahrungen und Perspektiven der Praxis.- Kontinuitäten im Wandel: Spezialschulen und Spezialklassen in den neuen Bundesländern.- SECUNDUM — die Hochbegabtenförderung ist in der Zukunft der Schulentwicklung angekommen.- Die Schule für Hochbegabtenförderung / Internationale Schule am Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern: aktuelle Herausforderungen und Perspektiven.- Traditionen und Konzepte der Begabtenförderung an der Landesschule Pforta.- Experimentierfeld für Begabungen-Rückblicke von Absolventen der Landesschule Pforta.- Drei Jahre Hochbegabtenföerung am Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) in Schwäbisch-Gmünd — erste Erfahrungen.- Formen des Lernens an der Internatsschule Schloss Hansenberg: Zur Unterrichtsgestaltung an einem Begabteninternat.- Internationale Abschlüsse als zusätzliches Lernangebot und internationale Qualifikation für besonders begabte und leistungsbereite Jugendliche.- Elitenbildung im deutschen Schulwesen.- „Exklusive“ Gymnasien und ihre Schüler — Kulturen der Distinktion in der gymnasialen Schullandschaft.- Choice Policies — Selektion, Segregation und Distinktion im Rahmen von Bildungsmärkten.- Begabtenförderung und Bildungsgerechtigkeit.


„Exklusive" Gymnasien und ihre Schüler – Kulturen der Distinktion in der gymnasialen Schullandschaft (S. 215-216)

W. Helsper, S. Brademann, R-T. Kramer, C. Ziems, R. Klug

Das folgende Zitat aus Bernhard Buebs „Lob der Disziplin" wirft ein bezeichnendes Licht auf die Distinktion zwischen Schulen: „In den letzten Jahren hat sich ein Typus von Verwahrlosung verbreitet, der sich vor allem in einer schwer erträglichen, ich-zentrierten Anspruchshaltung äußert. Diese Kinder (...) erwarten ständig Zuwendung, emotionale und materielle, und sie haben nicht gelernt zu verzichten. Sie leben nach der Formel „Ich. Alles. Sofort" (...) sie kennen keine klaren Grenzen und keine Forderungen, sie erleben nicht die wohltuende Wirkung von Disziplin und klarer Führung. (...) viele Kinder und Jugendliche würden vergnügter und zukunftsfroher aufwachsen, wenn sie in einem Ambiente aktiver Erziehung, die die Mittel der Disziplin nicht scheut, lernen und arbeiten dürfen." (Bueb 2006, S. 64 ff.).

Das – so die Botschaft – bietet im Unterschied zur pädagogisch verwahrlosten Kultur vieler Schulen die Internatsschule Schloss Salem. In den vielfältigen Reaktionen auf Bueb – vom Schulterklopfen bis zum Verdacht antidemokratischer Umtriebe (vgl. Brumlik 2007) – gibt es eine Stimme, vielleicht nicht zufällig von einem ehemaligen Schulleiter der Ecole d’humanité, die Buebs Schrift in einer spezifischen Sichtweise interpretiert. Geäußert wird der Verdacht, dass man „Lob der Disziplin" Unrecht tue, wenn man es als einen substanziellen Beitrag zur pädagogischen Diskussion, als „Lehrbuch einer notwendigen Pädagogik" lese: „Es ist ein cleverer Werbetext für Salem, der (...) bei Kollegen und Fachleuten Kopfschütteln hervorruft, aber sehr viele Neuanmeldungen zur Folge haben wird." (Lüthi 2007, S. 56) Buebs Buch lebt von der distinktiven Absetzung vom konstruierten Kulturelend und -verfall, von all der konstruierten Inkonsequenz und Prinzipienlosigkeit anderer Schulen.

Es bewegt sich auf der „Achse des Guten", der richtigen Erziehung und Bildung, die von Salem über die besten englischen Internate zu den herausgehobenen Schulen der Neuengland-Staaten führt. Salem wird damit in die Riege der traditionsreichsten und prinzipientreuesten internationalen Privatschulen eingereiht, in der der Regierung zur Selbstregierung, die Führung und Führung anderer, der Disziplinierung im Dienst der Selbstdisziplin und der Vervollkommnung des Charakters das Wort geredet wird (vgl. auch Kalthoff 1997, 2006). So etwa in Buebs Erzählung zu einem Jungen, der von Salem verwiesen werden sollte und mit dem er dann den „Deal" abschloss, dass er nach einem Jahr nach Salem zurückkommen dürfe, wenn er sich in einer der härtesten, um Disziplin, Regeltreue und Strafe zentrierten englischen Privatschulen bewährt hätte.

Buebs Buch ist so als Versuch zu lesen, Schloss Salem in die internationale Riege einzurücken und mit diesem Frontalangriff zumindest im nationalen Ranking die Spitzengruppenzugehörigkeit zu sichern. Es lässt sich damit auch als Echo der immer deutlicheren Installierung von Quasi-Märkten und freien Märkten im schulischen, insbesondere auch im gymnasialen Bildungsbereich lesen. Die Konkurrenz wächst, ebenso der Druck zur distinktiven Absetzung.

In diesem Beitrag wird es nicht darum gehen, wie schulisch exzellente Welten pädagogisch optimal zu gestalten wären, wie die Möglichkeiten, „Hochbegabte" zu fördern, aussehen müssten oder was angemessene pädagogische Internatskonzepte sein könnten. Die hier eingenommene Perspektive ist eine grundsätzlich andere: Es wird mit einem durch Bourdieus bildungssoziologische Theorie geschärften Blick (vgl. Bourdieu 1980, 2004, Bourdieu/Passeron 1973, Bourdieu u.a. 1997) gefragt, wie mit besten pädagogischen Absichten Unterscheidungen gemacht werden, wie Unterscheidungen zu hierarchischen Formen der Distinktion werden und wie die so Unterschiedenen ihrerseits zum Unterscheiden angeleitet werden. Die Argumentation wird in folgenden Schritten entwickelt.


Dr. Heiner Ullrich ist Professor am pädagogischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
Susanne Strunck ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am pädagogischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.