E-Book, Deutsch, 218 Seiten
Ullrich Tod am Hühnermarkt
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-946247-27-2
Verlag: Lasp-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kommissar Bohlans zehnter Fall - Frankfurt Krimi
E-Book, Deutsch, 218 Seiten
ISBN: 978-3-946247-27-2
Verlag: Lasp-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Wissenschaftler Thomas Winterstein ist einem Geheimnis auf der Spur, das sich in der menschlichen DNA verbirgt. Doch dann wird er tot am Hühnermarkt gefunden. Bohlan und Will ermitteln, werden aber schnell vom LKA ausgebremst. Der Bestseller Autor David Blum beauftragt die junge Journalistin Hannah Wollenberg, Licht ins Dunkel zu bringen. Schnell begibt sie sich in höchste Gefahr und dann gibt es einen weiteren Mord....Ein neuer Fall für die Frankfurter Mordkommission. Hochspannend und mit viel Lokalkolorid
Lutz Ullrich, studierte Politik und Rechtswissenschaften, schrieb für verschiedene Zeitschriften, betätigte sich in der Frankfurter Lokalpolitik und arbeitet heute als Rechtsanwalt in Frankfurt. Von ihm sind neun Krimis und ein historischer Roman über Willy Brandt erschienen.
Autoren/Hrsg.
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10.
Hannah und Julia Will saßen in der hintersten Ecke einer Cocktailbar im Oederweg. Aus den Boxen dudelte leise Musik. Der Barkeeper stand vor einer mit Flaschen aller Marken funkelnden Bar und war damit beschäftigt, Gläser zu polieren. Draußen war es längst dunkel und die schummrige Beleuchtung passte zum konspirativen Treffen. Will lauschte gebannt Hannahs Bericht über ihren Besuch bei Global Knowledge. Nachdem sie geendet hatte, rührte die Kommissarin nachdenklich im Cocktailglas. Die Eiswürfel klackerten gegeneinander. »Das passt irgendwie ins Bild«, druckste sie nach einiger Zeit heraus. »Ich werde Ihnen jetzt ein paar Dinge verraten«, fuhr die Kommissarin fort. Aber Sie müssen mir versprechen, das nicht irgendwo zu veröffentlichen. Sonst bin ich meinen Job los.« Will sah Hannah prüfend an. »Klar«, sagte die Journalistin. »Das fällt dann wohl unter mein Informantengeheimnis.« »Im Präsidium sind alle Unterlagen zu Wintersteins Tod verschwunden. Das LKA hat alles abholen lassen. Es ist so, als habe es bei uns den Fall Winterstein nie gegeben«, sagte Will. Sie sprach mit so leiser Stimme, dass Hannah Schwierigkeiten hatte, alles zu verstehen. »Wie ist das möglich?« Will zuckte mit den Schultern. »Alles in Wiesbaden. Angeblich gibt es eine Soko, aber außer von ihrer Existenz hat man bislang nichts von ihr gehört.« »Wer hat denn seinerzeit ermittelt?«, fragte Hannah. Will hatte ihr zwar bereits beim ersten Treffen ein wenig von dem Fall erzählt, doch ihr war nicht ganz klar, wie weit die Kommissarin in die Ermittlungen involviert war. »Ich war mit Bohlan vor Ort«, brachte sie schließlich hervor. »Sie?«, fragte Hannah, verkniff sich aber jeden weiteren Kommentar. »Doch schon am Nachmittag kam so ein Schnösel vom LKA, wusste alles besser und setzte uns vor die Tür. Zu weiteren Ermittlungen ist es von unserer Seite gar nicht gekommen ...« Will brach ab. Am Nebentisch ließen sich zwei Männer nieder. Die Kommissarin musterte sie missmutig. Was mussten sie sich ausgerechnet an diesen Tisch setzen? Es gab noch genügend Alternativen. Beide waren Mitte dreißig. Ihrem Äußeren nach zu urteilen kamen sie direkt von der Arbeit. Typische Anzugträger. Die Kommissarin tippte auf Banker. Einer schien Wills Blick bemerkt zu haben und lächelte ihr zu. Will wandte den Blick schnell ab. »Was hatten Sie denn für einen Eindruck?«, fragte Hannah. »Schwer zu sagen!« Die Kommissarin sprach wieder sehr leise, wollte unter allen Umständen vermeiden, dass Gesprächsfetzen an den Nachbartisch drangen. »Winterstein lag friedlich in seinem Bett. Eine natürliche Ursache ist nicht ausgeschlossen. Es gab jedenfalls keine offensichtlichen Anzeichen für ein Gewaltverbrechen oder so. Kein Blut, keine Kugel, keine Messerstiche.« »Bliebe also allenfalls Gift«, bemerkte Hannah. Will nickte. »Aber dafür hätte es einer eingehenden Obduktion durch unsere Rechtsmedizin bedurft. Und die hat nicht stattgefunden. Jedenfalls weiß ich von keiner.« »Und wenn Sie mal bei diesem Schnösel nachfragen?« Will sah Hannah mit verkniffenem Gesichtsausdruck an, der verriet, dass ihr schon der Gedanke daran zuwider war. »Mit welcher Begründung denn? Er hat sich jede weitere Einmischung verbeten«, erwiderte Will und fühlte sich an das Gespräch mit Tom erinnert, nur dass sie nun die abwiegelnde Haltung einnahm. »Warum sind Sie denn damals überhaupt in die Wohnung?« »Es gab einen anonymen Anruf. Leider haben wir nie herausgefunden, von wem.« »Blum!«, schoss es Hannah sofort durch den Kopf. Oder die beiden »Men in Black«, von denen der Schriftsteller erzählt hatte. Sie würde ihn später danach fragen. »Der Tote lag in der Wohnung. Wir haben schnell seine Identität festgestellt und herausbekommen, dass er Wissenschaftler war.« »Und sonst?« Will sah Hannah fragend an. »Schon komisch«, dachte sie, ein wenig über die vertauschten Rollen belustigt. Normalerweise war sie es, die das Verhör leitete und bohrende Nachfragen stellte. »Im Wohnzimmer lag ein Arztbericht. Winterstein war gerade erst beim Gesundheitscheck. Er war fit wie ein Turnschuh. Ein plötzlicher Herzinfarkt erscheint eher unwahrscheinlich.« »Hat Winterstein Angehörige?« »Es gibt eine Schwester.« Hannah zog nachdenklich die Stirn in Falten. »Das wäre natürlich ein Ansatzpunkt«, schoss es ihr durch den Kopf. »Vielleicht bekomme ich etwas über sie heraus?« »Das wäre gut!« »Was wollen Sie denn jetzt weiter unternehmen?«, fragte Will. Hannah zuckte mit den Schultern: »Weiß noch nicht. Ich muss darüber nachdenken. Vielleicht bespreche ich das noch mit meinem Auftraggeber.« Will sog mit dem Strohhalm die letzten Reste des Cocktails in den Mund. »Verraten Sie mir, um wen es sich handelt?« Hannah hatte diese Frage schon länger befürchtet. Trotzdem traf sie sie unvermittelt. »Ich weiß nicht«, stammelte sie. »Geben Sie sich einen Ruck. Sie haben von mir auch Informationen bekommen, die nicht für Dritte bestimmt sind.« »Ich weiß«, räumte Hannah schließlich ein und reckte den Kopf nach vorne. Will sah zu den beiden Männern. Doch diese waren in ein Gespräch vertieft. »David Blum!«, flüsterte Hannah. »Nicht im Ernst!«, stieß Will aus. »Doch! Aber das behalten Sie bitte für sich.« »Selbstverständlich!« Hannah verlangte nach der Rechnung. Will wollte protestieren, doch Hannah ließ keinen Widerspruch zu. Während die Journalistin nach ihrem Portemonnaie kramte, registrierte Will, wie einer der beiden Männer am Nebentisch dem anderen etwas zuflüsterte. Kurz darauf drehte dieser sich um. »Wollt ihr wirklich schon gehen? Mein Kollege und ich würden euch gerne zu einem Drink einladen.« Will lächelte. »Vielleicht ein andermal.« »Nur ein Drink, ne halbe Stunde?!« »Wir müssen wirklich los«, beharrte Will. Auch Hannah erhob sich. »Seid ihr öfter hier?«, wollte der Mann wissen. »Ab und an«, sagte Will. »Also vielleicht bis bald.« Als sie vor der Tür standen, sog die Kommissarin die frische Abendluft in sich auf. »Kannten Sie die beiden?«, wollte Hannah wissen. »Nein, Sie?« Hannah schüttelte den Kopf. »Wahrscheinlich zwei Aufreißer.« »Im besten Fall«, sagte Will. »Wie meinen Sie das?« Will dachte einen Moment nach, bevor sie antwortete. »Sie kamen mir irgendwie komisch vor. Aber vielleicht ist das eine Polizistenkrankheit. Vergessen wirs. Wo haben Sie geparkt?« »Börse.« »Dann können wir zusammen gehen.« Als die beiden ein paar Meter gelaufen waren, erhoben sich auch die beiden Männer und verließen das Lokal. »Dachte ich es mir doch«, sagte Claus Hamburger und sah grimmig auf das Feuer im Kamin. »Und du bist dir ganz sicher?« »Ja, es war eine Kommissarin. Ich habe das recherchiert. Was sollen wir machen?« Hamburger überlegte einen Augenblick, bevor er antwortete: »Ich gebe euch eine Adresse. Einer von euch sollte das Haus und die Journalistin im Auge behalten.« Nachdem er die Daten diktiert hatte, drückte Hamburger das Gespräch weg. Der Tag war alles andere als glücklich verlaufen. Schon als er der Journalistin gegenübergesessen hatte, hatte ihn ein ungutes Gefühl beschlichen. Da hatte sie noch keine Frage gestellt. Er hatte es in ihrem Blick gesehen, der etwas forschend Aggressives hatte. Es ging ihr nicht um einen Bericht über ein regionales Unternehmen, da steckte mehr dahinter. Und sein Verdacht hatte sich bestätigt, als sie im Gebäude herumgeschnüffelt hatte. Dummerweise war sie dem Sicherheitspersonal zunächst entkommen. Doch Hamburgers Leute hatten ihre Wohnung ausfindig gemacht und sie von dort aus am Abend in den Oderweg verfolgt, wo sich die Journalistin mit der Kommissarin getroffen hatte. Doch es machte überhaupt keinen Sinn, in blinden Aktionismus zu verfallen. Bislang hatte sie offensichtlich nichts weiter recherchieren können, was ohnehin an die Öffentlichkeit dringen dürfte. Dass Global Knowledge DNA als Speichermedium verwenden wollte, war längst kein Geheimnis mehr. Auch, dass sie dabei mit einem der bekanntesten deutschen Autoren zusammenarbeiteten, dürfte sich herumgesprochen haben. Spannender war die Frage, woher das Interesse der Journalistin an Wintersteins Tod herrührte, vor allem das an der Todesursache. Wer hatte sie auf die Fährte geführt? Und warum? Andererseits würde bei ihren Recherchen nicht besonders viel herauskommen. Da war sich Hamburger sicher. Aus gut unterrichteten Quellen wusste er, dass das LKA die Ermittlungen mehr oder weniger abgeschlossen hatte. Der Journalistin würde es wenig nutzen, mit der örtlichen Polizei zu kungeln. Die wussten genauso wenig. Dafür hatte das LKA gesorgt. Im Grunde genommen konnte Hannah Wollenberg ihm nicht weiter gefährlich werden. Doch man konnte nie wissen. Es gibt für nichts eine Garantie, und Hamburger war ein vorsichtiger Mensch. Deshalb entschloss er sich dazu, Wollenbergs Aktivitäten weiter zu verfolgen. Wenn sie doch etwas herausbekommen sollte, konnte er immer noch handeln. »Du arbeitest zu viel!«, flötete eine hübsche Brünette und stellte sich hinter Hamburger. »Du musst dich entspannen!« Hamburger legte das Telefon auf den Couchtisch und drehte sich um. Yvonne lächelte ihn verführerisch an. Er hatte Yvonne für die ganze Nacht gebucht. Eigentlich ein Irrsinn. Sie verlangte viel Geld dafür. Seine Sucht nach käuflicher Liebe würde ihn eines Tages in den Ruin treiben....




