E-Book, Deutsch, Band 2, 210 Seiten
Reihe: tom bohlan
Ullrich Tod in der Sauna
3. Auflage 2016
ISBN: 978-3-946247-09-8
Verlag: LASP
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Kommissar Bohlans zweiter Fall
E-Book, Deutsch, Band 2, 210 Seiten
Reihe: tom bohlan
ISBN: 978-3-946247-09-8
Verlag: LASP
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Als der Startrainer Klaus Momsen tot in der Sauna seines Fitness-Studios gefunden wird, herrscht allgemeine Fassungslosigkeit. Hauptkommissar Tom Bohlan und seine Kollegin Julia Will beginnen mit ihren Ermittlungen und stoßen schon bald auf einige Ungereimtheiten. Warum musste der erfolgreiche Trainer sterben? Warum war er mit Dopingmitteln voll gepumpt? Und was hat das alles mit Momsens DDR-Vergangenheit zu tun? Das Ermittlungsduo Bohlan/Will versinkt zunehmend in einem Morast aus Leistungsdruck, Doping und persönlichen Abhängigkeiten.
Lutz Ullrich, studierte Politik und Rechtswissenschaften, schrieb für verschiedene Zeitschriften, betätigte sich in der Frankfurter Lokalpolitik und arbeitet heute als Rechtsanwalt in Frankfurt. Von ihm sind neun Krimis und ein historischer Roman über Willy Brandt erschienen.
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2. Kapitel
Als Tom Bohlan am nächsten Morgen gegen zehn Uhr vor dem alten Haus in der Hohemarkstraße in Niederursel seinen Lupo parkte, war die leichte Abkühlung, die die Nacht gebracht hatte, schon wieder verschwunden. Der Himmel strahlte in Azurblau und die Sonne heizte bereits mit einer beträchtlichen Intensität. Bohlans Schädel dröhnte immer noch, obwohl es kein Vergleich mehr mit den hämmernden Kopfschmerzen war, die heute Morgen den Wecker ersetzt hatten. Er hatte sich elend gefühlt und seine Unvernunft zum Teufel gewünscht. Der Versuch, die Nachwirkungen des vorherigen Abends mit Aspirin zu bekämpfen, waren zum Scheitern verurteilt. Als der Kommissar sich dies schweren Herzens eingestanden hatte, brühte er einen starken Kaffee, verrührte diesen mit frisch gepresstem Zitronensaft und kippte das scheußlich schmeckende Gebräu mit zusammengekniffenen Augen in sich hinein. Obwohl er dieses Hausmittel in den letzten Monaten des Öfteren angewendet hatte, war er jedes Mal aufs Neue von dessen erstaunlicher Wirkung fasziniert. Er beschloss, Oma Will, die ihn mit diesem Gesöff vertraut gemacht hatte, einen Blumenstrauß zu schenken. „Oh, vielen Dank, das wäre wirklich nicht nötig gewesen“, schnatterte Julia Will, als sie die Haustür öffnete und Bohlan erblickte, der mit zwei Blumensträußen an der Gartentür stand. Julia Will war Ende zwanzig, hatte dunkelbraunes, leicht gewelltes Haar, das ihr über die Schultern fiel, und zwei braune Rehaugen, die manchen Mann zur Verzweiflung treiben konnten. Sie trug ein leuchtendes Sommerkleid mit schmalen Trägern und aufgedruckten Blumen in allen möglichen Farben. Ihre Gesichtshaut strahlte glatt und fruchtig. Offensichtlich hatte sie den Freitagabend zum Ausruhen genutzt. „Nur mal langsam. Alles Gute zum Geburtstag.“ Bohlan umarmte seine Kollegin und überreichte ihr einen der beiden Sträuße. „Und für wen ist der andere?“ „Für eine äußerst attraktive ältere Dame, deren Wissen und Fähigkeiten mir mal wieder den Tag gerettet haben.“ „Das haben Sie aber nett formuliert.“ Oma Will tauchte hinter Julia Wills Rücken auf und nahm den zweiten Strauß entgegen. „Hast du gestern Abend mal wieder einen über den Durst getrunken?“, wollte Will wissen. Bohlan verzog ertappt sein Gesicht. „Es war aber nicht meine Schuld. Steinbrecher hat mit den unvernünftigen Sachen angefangen.“ „Ja, es sind immer die anderen. Hauptsache, du bist jetzt einsetzbar.“ „Klar, dank der Rezepte deiner Oma. Was ist zu tun?“ Die nächste halbe Stunde verbrachten Bohlan und Will damit, Biertische und Bänke im Garten aufzubauen. Als Will gerade die letzte Auflage auf eine der Bänke gelegt hatte, schreckte Bohlans Handy die beiden auf. „Soll ich wirklich drangehen? Es ist Klaus Gerding.“ Will verzog ihr Gesicht und Bohlan stierte einige Sekunden auf das Display. Er wußte genau, dass die schöne Partystimmung gleich jäh beendet sein würde. Anrufe von Klaus Gerding brachten meist nur Probleme und Arbeit mit sich. Er drückte auf den grünen Knopf und hielt sich das Handy ans Ohr. „Was auch immer du willst: Ich habe keine Zeit.“ „Es tut mir leid, Tom, aber ihr müsst die Partyvorbereitungen kurz unterbrechen. Es gibt einen Toten, nur wenige Minuten von euch entfernt.“ „Kurz ist gut. Kann das nicht jemand anderes machen?“ „Es tut mir wirklich leid, aber du weißt um unsere Personalprobleme, und dazu kommt noch die Urlaubszeit. Bitte. In einem Fitness-Studio in eurer Nähe liegt ein Toter. Das ist wirklich nur ein Katzensprung entfernt. Julia Will kennt den Weg bestimmt. Die Spurensicherung ist schon verständigt. Ich will nur, dass ihr euch einen Überblick verschafft. Ich freue mich doch auch auf die Party heute Abend.“ „Also gut, Klaus. Wir machen aber nur das Nötigste. Der Rest muss dann warten.“ Gerding konnte Bohlans Worte nicht mehr hören. Er hatte bereits vorher aufgelegt. Bohlan nahm das Handy von seinem Ohr, schaute wutentbrannt auf das Display und pfefferte das Handy auf den Rasen. Will sah Bohlan an. „Aufgelegt! Er hat einfach aufgelegt!“ Bohlan konnte es immer noch nicht fassen. Will hob das Handy auf und brachte es ihrem Kollegen. Als die beiden vor dem Gebäudekomplex erschienen, war ein klobiger Arbeiter im Blaumann damit beschäftigt, den Hof mit einem Wasserschlauch abzuspritzen. Aus der offenen Gaststättentür bahnte sich der zitronenhaltige Duft von Putzmitteln seinen Weg und fünfzehn kleine Mädchen, alle komplett in Rosa gekleidet, wuselten vor dem Eingang zum Ballettstudio. Die beiden Kommissare folgten der Beschilderung zum Studio. Auf halbem Weg kam ihnen ein wutschnaubender Sportler mittleren Alters entgegen, der ihnen seine geschulterte Sporttasche fast ins Gesicht stieß. Am Ende der Treppe sahen sie den Grund des Unmuts. Vor der Eingangstür des Studios prangte ein rot-weißes Band und ein Mann, mit Polohemd und kurzer Hose bekleidet, versperrte den Weg. „Kriminalpolizei. Guten Morgen“, stellte sich Bohlan vor. Der Mann wollte gerade etwas erwidern, wurde aber vom Eintreffen der Streifenpolizisten unterbrochen. Sie übernahmen unverzüglich die Absicherung des Gebäudes und die Spurensicherung stellte den Gang mit Koffern und Gerätschaften voll.Der Studioleiter, der sich als Frank Meier vorstellte, führte die beiden Kommissare über den Umkleidebereich der Männer in den vor der Sauna gelegenen Ruheraum. „Das ist natürlich für alle hier eine große Aufregung.“ Die drei standen vor der offenen Saunatür und starrten hinein. Auf der obersten Bank lag ein Mann, braun gebrannt, muskulös, nackt und tot. „Wer ist es?“, wollte Bohlan wissen. „Klaus Momsen. Eigentümer dieses Studios und einer der fähigsten deutschen Trainer. Er hat eine Menge erstklassiger Spitzensportler in der Leichtathletik hervorgebracht.“ Meier hielt kurz inne und wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn, bevor er fortfuhr. „Ich kann das gar nicht verstehen. Normalerweise schaltet sich die Sauna abends um zehn Uhr selbst aus. Als Momsen heute Morgen gefunden wurde, war sie noch in Betrieb. Er muss quasi die ganze Nacht sauniert haben.“ Bohlan betrachtete die unversehrt wirkende Saunatür und bewegte sie nachdenklich hin und her. „Heute Morgen war sie natürlich geschlossen und mit einem der Bodenwischer versperrt. Ist das nicht furchtbar? Eingesperrt in der Sauna. Momsen muss innerlich verglüht sein.“ Bohlan schaute noch nachdenklicher und warf einen Blick auf seine Kollegin, die den Ruheraum inspizierte. „Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.“ „Wie meinen Sie das?“ „Überlegen Sie mal, wenn Sie in einer Sauna eingesperrt wären, was würden Sie tun?“ „Ich weiß nicht, vermutlich würde ich versuchen, auf mich aufmerksam zu machen. Schauen Sie mal, wir haben hier sogar extra einen Notknopf, mit dem man Alarm auslösen kann.“ Meier streckte den Kopf durch die Tür und deutete auf einen roten Knopf. Bohlan fuhr sich mit der Hand über den Kopf, als wollte er die nicht mehr vorhandenen Haare in Form bringen. „Richtig. Vermutlich wird man um Hilfe schreien. Wahrscheinlich wird man versuchen, die Tür zu öffnen, zumindest setzt man sich auf den Fußboden oder auf die unterste Bank.“ Bohlan schaute zu seiner Kollegin, die sich wieder zu ihnen gesellt hatte. „Das Komische ist, dass der Tote auf der obersten Bank liegt. Zudem sieht er sehr gelassen und friedlich aus. Nicht gerade wie jemand, der in Panik verfallen ist. Ist das nicht seltsam?“ Bohlan starrte zu Meier, dieser auf den Toten. Nach kurzer Zeit des Schweigens räumte Meier ein: „Sie haben recht. Das habe ich nicht bedacht. Aber was hat das zu bedeuten?“ „An was Momsen auch immer gestorben ist, jedenfalls nicht an einem zu langen Saunabad.“ „Aber voran dann? Vielleicht hatte er einen Herzinfarkt.“ „Vielleicht. Vielleicht steckt auch etwas anderes dahinter. Das muss die Gerichtsmedizin klären. In jedem Fall spricht die versperrte Tür dafür, dass es nicht unbedingt ein natürlicher Tod war.“ „Wer hat den Toten eigentlich gefunden?“ Es waren Julia Wills erste Worte, seit sie das Gebäude betreten hatte. „Ich, als ich die Saunaautomatik starten wollte.“ Bohlan zückte seinen Block und machte sich einige Notizen. „Das ist übrigens die Sporttasche von Momsen.“ Meier deutete in den Umkleideraum und ging zielstrebig auf die Tasche zu. „Halt!“, rief Bohlan, der gerade noch rechtzeitig von seinem Block aufgesehen hatte. Meiers Hand war der Sporttasche schon gefährlich nah gekommen. „Nicht anfassen, wir müssen noch die Spuren sichern.“ „Oh, ja, natürlich“, stammelte Meier. „Sie müssen entschuldigen. Das ist alles eine sehr ungewohnte Situation für mich.“ „Kommen Sie. Sie können uns noch das Fitness-Studio zeigen.“ Will zog Meier am Arm hinaus. Bohlan winkte Spurensicherung und Gerichtsmedizin in die Sauna und gab einige Instruktionen. Während der Fotograf begann, den Tatort aufzunehmen, betraten die Kommissare und Frank Meier den Kraftraum. Etwa zwanzig Geräte standen dort dicht an dicht und glänzten silberfarben und schwarz. Boden und Wände waren in Orange und Gelb gehalten. „Wir haben für jede Muskelpartie etwas, schauen Sie hier …“ Bohlan versuchte wegzuhören und schritt die Räumlichkeiten ab. Alles machte einen sehr sauberen und aufgeräumten Eindruck....




