Ulrich | Jenseits des Nordlichts | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

Ulrich Jenseits des Nordlichts

Mystery Thriller
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-8271-8352-1
Verlag: CW Niemeyer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mystery Thriller

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

ISBN: 978-3-8271-8352-1
Verlag: CW Niemeyer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



WIE KANNST DU ALS ZEUGE VON UNERKLÄRLICHEN UND MYSTERIÖSEN EREIGNISSEN DIR DEINER SELBST NOCH SICHER SEIN, WENN SICH DEINE VORSTELLUNG VON DER WELT GERADE FÜR IMMER VERABSCHIEDET? Dieser Roman schlägt den Spannungsbogen von Island bis zum ehemaligen Kloster Corvey an der Weser. Das Buch verwebt Aspekte nordischer Mystik und mittelalterlicher Geschehnisse mit dem Leben eines jungen modernen Paares: Von ihren Flitterwochen auf Island zurück, wird die dreißigjährige Wissenschaftlerin Theresa plötzlich von verstörenden Visionen einer dunklen, fratzenhaften Gestalt heimgesucht ...

Dieser Roman ist das Debüt der Theater- und TV-Schauspielerin Heike Ulrich, die neben anderen TV-Formaten vor allem durch ihre jahrzehntelange Hauptrolle der 'Tanja Maldini' in der ARD-Erfolgsserie 'Marienhof' dem breiten Publikum bekannt ist. Nach Ausbildung zur Drehbuchdramaturgin sind mehrere Drehbücher sowie ein Kurz- und Dokumentarfilm entstanden. Letzterer wurde mit einem Förderpreis der hessischen Landesstiftung für privaten Rundfunk ausgezeichnet. Sie stammt aus der nordhessischen Stadt Bad Arolsen und lebt in ihrer Wahlheimat Leipzig.
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1


Die prasselnden Flammen im Kamin spiegelten sich im Glas der Eingangstür des Hotels, die plötzlich zur Seite schwang. Ein kräftiger Luftzug grüßte aus der winterlichen Dunkelheit, und das Ehepaar Theresa und Hagen Zimmermann-Einarsson betrat die leere Empfangshalle. Die Rezeptionistin begrüßte sie und gratulierte zur Vermählung. Dann erledigte sie die Formalitäten für das Check-in. „Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt auf Island und hoffe, dass Sie sich bei uns wohlfühlen werden.“

Beide dankten, und Hagen schnappte sich das Gepäck, während Theresa vorauslief und den Knopf des Aufzugs drückte.

Vor zwanzig Jahren war die Familie Einarsson von Island nach Deutschland gezogen – da war Hagen zehn Jahre alt gewesen. Doch wie schon früher mit seinen Eltern besuchte er noch immer, sooft es sich einrichten ließ, seinen Geburtsort Reykjavik.

Die Fahrstuhltür schloss sich. Theresa stellte sich auf die Zehenspitzen und gab Hagen einen Kuss, als der Lift schon im ersten Stock wieder stoppte und ein altes Ehepaar zustieg – offensichtlich Einheimische. Theresa versuchte sich in isländischer Konversation, doch ihre Aussprache war nach wie vor eine Katastrophe, und es war offensichtlich, dass das Ehepaar überhaupt nichts verstand. Um Höflichkeit bemüht, begann der Mann Fragen zu stellen, die Theresa wiederum nur schlecht beantworten konnte.

Hagen beobachtete, wie sie herumeierte. Anstatt ihr zu helfen, grinste er bloß und schien sich bestens zu amüsieren, während er ihren Hilfe suchenden Blick weiter ignorierte.

Theresa entschuldigte sich mehrfach für ihre schlechte Sprachdarbietung und raufte sich peinlich berührt und zunehmend gestresst ihre dunkelbraune Zottelmähne, die etwas von einem Wischmopp hatte. Erst als das Ehepaar den Aufzug verlassen hatte, entspannte sie sich.

Mit der Faust boxte sie Hagen gegen den Oberarm, weil er ihr nicht geholfen hatte. Der schüttete sich vor Lachen aus und machte sich über sie lustig, indem er ihre schlechte Aussprache nachahmte – was ihm erneute Prügel einbrachte.

Theresa war keine Schönheit, doch sie besaß ein attraktives Gesicht mit großen, intelligenten Augen, die jetzt herausfordernd auf ihn gerichtet waren und eine merkwürdig sinnliche Ausstrahlung auf ihn ausübten.

Nicht zum ersten Mal fragte er sich, wie er, der ruhige, fast phlegmatische Typ, dieses Mädchen mit der Power eines Atomreaktors immer kurz vor dem Super-Gau für sich hatte interessieren können. Doch genau das war ihm gelungen.

Fast zwei Jahre war es her, dass er Theresa – ausgerechnet in der Warteschlange einer Toilette – getroffen hatte. Er hatte relativ schnell gemerkt, dass er mit einer witzigen, aber ziemlich anstrengenden Person ins Gespräch gekommen war.

Dieser Eindruck hatte sich nach dem ersten Treffen noch verstärkt, und tatsächlich war es bis heute anstrengend geblieben! Dafür war Langeweile in ihrer Beziehung ein Fremdwort.

Über alle möglichen Themen konnten sie wie Kesselflicker streiten, doch in wichtigen Dingen herrschte Übereinstimmung. Zum Beispiel darüber, dass sie beide hinsichtlich der so genannten „letzten Frage“ an nichts glaubten. Nach dem Tod war man eben tot, Punkt! Danach gab es nichts, und das war gut so. Das einzige Leben, das man hatte, fand jetzt statt, und beide waren fest entschlossen, dieses Geschenk zu feiern – es keinesfalls zu vergeuden. Small Talks, bei denen viel geredet und wenig gesagt wurde – was für eine Zeitverschwendung!

„Ich kippe gleich tot vom Stuhl“, hatte Theresa letztes Jahr bei der 70. Geburtstagsfeier ihres Vaters, die ziemlich öde gewesen war, Hagen zugeflüstert. „Lass dir bitte was einfallen – schnell!“

Augenblicklich hatte er sein Gesicht verzogen und vorgegeben, dass ihm nicht wohl sei. Nach überstürztem Aufbruch und Abschied von Theresas besorgten Eltern Elisabeth und Ferdinand waren sie gerade rechtzeitig zum Spätspielfilm wieder zu Hause gewesen.

Hagen unterrichtete Biologie und Physik an einem Gymnasium. Theresa hatte Philosophie studiert und arbeitete an ihrer Doktorarbeit.

„Weiblicher Mystizismus im Katholizismus?!“ Der Gesichtsausdruck von Theresas Vater hatte Bände gesprochen.

„Noch dazu, wo du mit Glauben gar nichts am Hut hast“, hatte ihre Mutter ergänzt.

„Gerade deshalb!“ Theresa war genervt gewesen. Immer wieder endeten solche Gespräche im Streit. Ganz schlimm war es gewesen, als sie und Hagen nach ihrer standesamtlichen Trauung bekräftigt hatten, dass sie keinesfalls auch noch kirchlich heiraten wollten. Für Theresas Eltern, die strenggläubige Katholiken waren, hatte eine solche Eheschließung keine Gültigkeit.

„Wir sind nun mal Atheisten. Warum könnt ihr das nicht akzeptieren?!“

„Ich frage mich bloß, wie du eine Existenz Gottes so sicher ausschließen kannst“, hatte Elisabeth zum gefühlt tausendsten Mal von ihr wissen wollen.

„Und wie kannst du dir so sicher sein, dass es ihn gibt?“, hatte sich Hagen eingemischt, einen tiefen Zug von seiner Zigarette genommen und genüsslich ausgeatmet.

Eine Weile war es still gewesen.

„Glaube!“ Ferdinand hatte ein paarmal an seiner Zigarre gepafft, bevor er fortgefahren war: „Unser Glaube gibt uns die schöne Gewissheit, dass wir nach dem Tod auferstehen werden!“

„Und das ist ja auch schön für euch“, hatte Theresa geduldig geantwortet, doch dann hatte sie es nicht lassen können: „Obwohl Gewissheit in diesem Kontext eigentlich einen Widerspruch darstellt.“

Hagen hatte vermitteln wollen. „Theresa und ich üben ja nicht nur Kritik an der katholischen Kirche, wir stehen sämtlichen religiösen Institutionen skeptisch gegenüber!“

„Genau!“, hatte Theresa zugestimmt. „Ihr habt eure Sicht, wir haben unsere – kann man es nicht ein für alle Mal dabei belassen? Wie oft sollen wir diese Themen denn noch durchkauen?“

Doch ihre Eltern waren hartnäckig gewesen, und Hagen war in eine heftige Grundsatzdiskussion mit Ferdinand geraten, die er schließlich mit einem Statement beendete, das keinen Zweifel daran ließ, dass das Thema ab jetzt für ihn ein für alle Mal durch war: „Ich verstehe mich als wissenschaftlich orientierten Menschen, und ich fühle mich als Mitglied einer zivilen Wertegemeinschaft! Ich mag weder anderen etwas vorschreiben, noch möchte ich reglementiert werden! Das Grundgesetz ist völlig ausreichend. Und ich bin absolut dagegen, dass die Kirchen immer noch, trotz Säkularisation, erheblichen Einfluss auf Politik und Staat nehmen oder nehmen wollen und sich dabei sogar über Gesetze hinwegsetzen! Aus meiner Sicht ist die katholische Kirche ein gewinnorientierter Konzern, der sich vor Steuerzahlungen drückt. Ein Konzern, der die Antibabypille verteufelt und gleichzeitig in pharmazeutische Aktien investiert, die genau diese Verhütungsmittel herstellen!“

„Nie und nimmer! Wer behauptet das?!“ Ferdinand war seine Zigarre aus der Hand und zu Boden gefallen. Hektisch hatte er sie aufgehoben und neu angezündet, während er Hagen weiter herausfordernd fixiert hatte.

„Liest du denn keine Zeitung? Die Medien haben schon vor Jahren immer wieder darüber berichtet – auch dass die katholische Kirche angeblich Aktienpapiere von Rüstungskonzernen kauft! Wie versteht sich das deiner Meinung nach mit dem Aufruf zum Weltfrieden?“

„Also, ich glaube das nicht“, hatte sich Elisabeth eingemischt. „Nur weil es in den Zeitungen steht, müssen solche Anschuldigungen noch lange nicht wahr sein!“

„Und was ist mit den vielen Opfern, die unter den pädophilen Ausschreitungen katholischer Repräsentanten unendliches Leid haben erdulden müssen oder immer noch erdulden, hältst du das dann auch für die Unwahrheit?!“ Hagen hatte den Kopf geschüttelt und Theresa einen genervten Blick zugeworfen.

Sie hatte ihm beigepflichtet. „Und nicht nur das! In diesem Zusammenhang schreckt die katholische Kirche nicht selten davor zurück, gegen das achte Gebot zu verstoßen, und redet ohne mit der Wimper zu zucken falsch Zeugnis, nur, um sich vor Entschädigungszahlungen zu drücken. Das ist nicht nur ein Skandal, sondern ein weiteres Indiz für deren Widersprüchlichkeit!“

Dass sie sich diskriminiert fühlte, wenn Politiker, die doch die Interessen einer aufgeklärten Zivilgemeinschaft vertreten sollten, vom Kitt der Kirchen in der Gesellschaft sprachen, hatte sie sich lieber verkniffen – auch, dass sämtliche Alarmglocken bei ihr bimmelten, wenn anlässlich islamistischer Terroranschläge Vertreter der christlichen Kirchen gemeinsam mit Vertretern des Judentums und des Islams Einigkeit vor der Presse demonstrierten.

Hagen hatte sich einen entsprechenden Fernsehbericht angeschaut und nach ihr gerufen. Es war nicht zu übersehen gewesen, wie wütend ihn das gemacht hatte! „Hier inszenieren sich gerade wieder Böcke als Gärtner!“

„Oder Wölfe im Schafspelz.“ Theresa gab Hagen absolut recht. Dienten nicht sämtliche Weltkirchen mit ihren teilweise fundamentalistischen Lehren als Plattformen für Radikale? Und hatten nicht alle schon im Namen Gottes gemordet, Glaubenskriege angestiftet und sich gleichzeitig als Retter aufgespielt? Wie passte das zusammen?

„Aber es gibt doch inzwischen zunehmend Strömungen, die für eine Erneuerung der Kirchen stehen!“, hatte Ferdinand argumentiert und Theresa hatte zugestimmt.

„Du weißt aber auch, dass so mancher Reformer in der Vergangenheit sein Leben dafür hat aufs Spiel setzen müssen! Und zeigen nicht gerade die jüngsten Ereignisse, dass man für Erneuerungsbestrebungen auch heute wieder in...


Dieser Roman ist das Debüt der Theater- und TV-Schauspielerin Heike Ulrich, die neben anderen TV-Formaten vor allem durch ihre jahrzehntelange Hauptrolle der „Tanja Maldini“ in der ARD-Erfolgsserie „Marienhof“ dem breiten Publikum bekannt ist.
Nach Ausbildung zur Drehbuchdramaturgin sind mehrere Drehbücher sowie ein Kurz- und Dokumentarfilm entstanden. Letzterer wurde mit einem Förderpreis der hessischen Landesstiftung für privaten Rundfunk ausgezeichnet.
Sie stammt aus der nordhessischen Stadt Bad Arolsen und lebt in ihrer Wahlheimat Leipzig.



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