E-Book, Deutsch, Band 6, 320 Seiten, Format (B × H): 14 mm x 21 mm
Reihe: Neue Reihe Sachbuch
Um das Feuer in euch zu entfachen!
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8438-0700-5
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Reden außergewöhnlicher Frauen
E-Book, Deutsch, Band 6, 320 Seiten, Format (B × H): 14 mm x 21 mm
Reihe: Neue Reihe Sachbuch
ISBN: 978-3-8438-0700-5
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Stephanie Zibell, geb. 1966, Studium der Politikwissenschaft, Germanistik und Publizistik; 1992 Magister Artium, 1999 Promotion, 2003 Habilitation. Bis 2020 Privatdozentin am Institut für Politikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zahlreiche Veröffentlichungen zu zeit- und regionalgeschichtlichen Themen. Stephanie Zibell lebt in Wiesbaden.
Weitere Infos & Material
Vorwort
Lise Meitner, Physikerin: »Im Allgemeinen war aber damals die Einstellung in Deutschland zum Frauenstudium sehr ablehnend«
Käte Strobel, Bundesgesundheitsministerin: »Ich habe in dem Interview die Pille befürwortet«
Dolores Ibárruri, Politikerin: »No Pasarán«
Herta Ilk, Bundestagsabgeordnete: »Ehefragen sind ja nicht nur Haushaltsfragen« / Elisabeth Schwarzhaupt, Bundestagsabgeordnete: »Die Willensbildung in der Ehe ist nicht eine Sache der äußeren Ordnung«
Astrid Lindgren, Kinderbuchautorin: »Nie wieder Gewalt«
Emma Caris, Betroffene von einer Essstörung: »Und heute bin ich noch magersüchtig«
Anne Sullivan Macy, Lehrerin und Freundin Helen Kellers: »Daraufhin legte ich ihre Hand auf mein Gesicht, damit sie ›sehen‹ konnte«
Lily Pringsheim, Abgeordnete des Landtags des Volksstaats Hessen: »Daß die Frau nicht mehr zum Kurpfuscher zu gehen braucht«
Maria Mitchell, Astronomin: »Bis es talentierten Frauen möglich ist, ihr Leben der Forschung zu widmen«
Margaret Rutherford, Schauspielerin: »Ich muss einen großen Hang zur Selbstdarstellung haben«
Alice Seeley Harris, Menschenrechtlerin: »Da lagen sie, diese kleine Hand und der Fuß«
Mary Muthony Nyanjiru, Kämpferin für Frauen- und Freiheitsrechte: »Nehmt mein Kleid und gebt mir eure Hose«
Sarojini Naidu, Politikerin: »Shanti, shanti, shanti«
Carolyn Heilbrun, Literaturwissenschaftlerin und Autorin: »Frauen brechen nicht aus«
Chantal Sébire, Lehrerin und Tumorpatientin: »Die Schmerzen fressen mich auf«
Margarete Schütte-Lihotzky, Architektin: »In Frankfurt zu der Arbeitsküche übergegangen«
Gertrud Kurz, Flüchtlingshelferin: »Warum haben wir nicht noch mehr Lärm gemacht«
Marion Donovan, Erfinderin: »Wir brauchen [diese Windel] nicht«
Hedy Lamarr, Schauspielerin und Erfinderin: »Auf jeden Fall fällt es mir leicht, Dinge zu erfinden«
Junko Tabei, Bergsteigerin: »Dass man etwas tun muss, um Aufmerksamkeit zu bekommen«
Evita Perón, Staatspräsidentenehefrau: »Niemals werden wir uns vom Stiefel der Oligarchen und Vaterlandsverräter zertreten lassen«
Annemarie Renger, Bundestagspräsidentin: »Zum Schluss haben sie gesagt, ich war die Beste«
Eleonore Noll-Hasenclever, Bergsteigerin: »Deutsche begrüßten feuchten Auges ihr Vaterland«
Inge Aicher-Scholl, Autorin: »Mein Motiv ist in jedem Fall Menschlichkeit«
Hannah Arendt, Professorin und Autorin: »Das war die Dummheit, die so empörend war«
Marlene Dietrich, Schauspielerin: »Aber natürlich waren wir Anti-Nazi«
Clärenore Stinnes-Söderström, Autorennfahrerin und Abenteurerin: »In mir bin ich immer gleichberechtigt gewesen«
Leni Alexander, Komponistin: »Einer spuckte mich an«
Irene Koss, Fernsehansagerin: »Das ist doch wohl die Aufgabe der Ansagerin«
Hildegard Knef, Schauspielerin, Sängerin und Autorin: »Daß ich die Häßlichkeit schwer ertrage«
Hannelore Kohl, Stiftungsgründerin und Schirmherrin: »Unser Kuratorium ZNS nennt sich auch ›Initiative Lebensmut‹«
Veronica Carstens, Ärztin: »Wir brauchen auch die ganze Palette der sanften Medizin«
Mary Higgins Clark, Schriftstellerin: »Die #MeeToo-Bewegung hat meine Aufmerksamkeit schon frühzeitig erregt«
Bertha von Suttner, Friedensnobelpreisträgerin: »Du sollst nicht töten«
Marie Curie, Physikerin und Chemikerin: »Die wissenschaftliche Geschichte von Radium ist schön«
Josephine Baker, Tänzerin und Sängerin: »Der Stift ist wirklich mächtiger als das Schwert«
Elisabeth Langgässer, Schriftstellerin: »Die Sprache verlumpte und verlodderte«
Anna Seghers, Schriftstellerin: »Ich glaube nicht, dass wir es waren, die die Mauer gebaut haben«
Ricarda Huch, Schriftstellerin: »Auf der Schwelle der neuen Demokratie«
Helene Wessel, Politikerin: »Wir lehnen eine Remilitarisierung Deutschlands eindeutig ab«
Erika Mann, Kabarettistin, Journalistin und Schauspielerin: »Die unterdrückten Völker Europas hassen diesen Hitler«
Inge Meysel, Schauspielerin: »Wir hatten eine Zyankalikapsel«
Louise Schroeder, Politikerin und kommissarische Oberbürgermeisterin: »Daß Sie dieses Vertrauen einer Frau entgegengebracht haben«
Elly Heuss-Knapp, Schirmherrin des Müttergenesungswerks und Werbefachfrau: »Daß ein Deutsches Müttergenesungswerk auf eine neue Grundlage gestellt wurde«
Elisabeth Noelle-Neumann, Demoskopin: »Er wirkte gar nicht wie ein Monster«
Betty Ford, Präsidentenehefrau und Krebspatientin: »Ein bösartiger Tumor«
Anaïs Nin, Schriftstellerin und Tagebuchschreiberin: »Suche der Frau nach einer eigenen Identität«
Luise Schottroff, evangelische Theologin: »Persona non grata in der theologischen Fachkollegenschaft«
Lys Assia, Sängerin: »Die Grenzen für die Kulturen der Nachbarländer öffnen«
Helene Lange, Frauenrechtlerin: »Die selbständige Staatsbürgerin [ist] die Vertreterin des Mütterlichen in der Gesetzgebung«
Nelly Sachs, Schriftstellerin: »Viele Begegnungen mit einzelnen deutschen Menschen sind mir unvergesslich geworden«
Luise Albertz, Oberbürgermeisterin: »Vielleicht habe ich als Frau ein besseres Einfühlungsvermögen«
Elisabeth Gössmann, katholische Theologin: »Theologiestudium ist nicht mehr bloß für Männer, nicht mehr nur für die, die später Priester werden«
Literatur und Internet-Quellen
HELENE LANGE, FRAUENRECHTLERIN
»Die selbständige Staatsbürgerin [ist] die Vertreterin des Mütterlichen in der Gesetzgebung«
Die Frauenrechtlerin und Lehrerin Helene Lange hielt den im Folgenden auszugsweise abgedruckten Vortrag zum Thema »Das Staatsbürgertum der Frau« im März 1914 auf dem Parteitag der »Fortschrittlichen Volkspartei« in Hamburg. Bekannt war – und ist – Helene Lange eigentlich als Verfechterin der Frauen- und Mädchenbildung, doch lag ihr auch das Frauenwahlrecht am Herzen, für das sie sich schon in einem im August 1896 erschienenen Artikel in der international rezipierten Zeitschrift ausgesprochen hatte.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde das Frauenwahlrecht zwar immer wieder von Einzelpersonen angemahnt, doch was fehlte, war eine feste Struktur, eine zentrale Organisation, die diese Forderung ebenso nachdrücklich wie eindrücklich vertrat. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, konkret am 1. Januar 1902, kam es, auf Initiative der Juristin und Frauenrechtlerin Anita Augspurg, zur Gründung des »Deutschen Vereins für das Frauenstimmrecht«, der sich 1904 in »Verband für das Frauenstimmrecht« umbenannte. Ausschlaggebend für die Vereinsgründung war eine Konferenz, die Anfang 1902 in Washington zum Thema Frauenstimmrecht durchgeführt werden sollte. Teilnehmen durften aber keine Einzelpersonen, sondern nur Mitglieder einer Frauenstimmrechtsorganisation. Wenn die deutschen Frauenstimmrechtlerinnen sich also an dieser Veranstaltung in den USA beteiligen wollten, mussten sie einen Verein gründen, was dann am 1. Januar 1902 auch geschah.
Im selben Jahr machte außerdem der »Bund deutscher Frauenvereine«, der Dachverband der bürgerlichen Frauenbewegung, das Frauenstimmrecht zu einem seiner wichtigsten Themen. Zwei Jahre später, 1904, entstand dann der »Weltverband für das Frauenstimmrecht«. Fortan war die Forderung nach einem Frauenwahlrecht nicht mehr nur eine Sache von Einzelnen, sondern eingebunden in Vereine und Verbände, die sowohl national als auch international gehört wurden und entsprechenden Einfluss nahmen. Aufgrund des zunehmenden Drucks durch die Frauenrechtsbewegung sah sich das Deutsche Reich im Jahr 1908 genötigt, politische Betätigung von Frauen und damit verbunden ihren Beitritt in politische Vereinigungen zu gestatten.
Doch bis den Frauen schließlich das aktive und passive Wahlrecht zugebilligt wurde, sollte noch ein ganzes Jahrzehnt ins Land gehen. Erst nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs Ende 1918 erklärte die nunmehrige, wenngleich provisorische Regierung, der »Rat der Volksbeauftragten«, am 12. November 1918, dass fortan alle Frauen, die das 20. Lebensjahr vollendet hatten, an »allen Wahlen zu öffentlichen Körperschaften« teilnehmen durften. Damit war das Frauenwahlrecht in Deutschland gesetzlich verankert.
»Die Politisierung der berufstätigen Frau hat sich also aus ihrem Beruf heraus, als eine natürliche und selbstverständliche Erweiterung ihrer Berufsinteressen mit innerer Konsequenz vollzogen. Sofern sie Berufsmensch war, wirklich von innen heraus und mit ganzer Seele, war oder wurde sie auch ein Stück Staatsbürgerin. Aber die Politisierung der Hausfrau? Wie steht es damit? Kann sie nur auf dem einen Wege einer Teilnahme an den allgemeinen politischen Fragen politisch werden, nähert sie sich dem politischen Leben sozusagen nur von außen her, oder kann sie von innen heraus, als Hausfrau, in die Politik hineinwachsen? Kann sie nicht auch von ihrem Beruf aus die Brücken zum Staat schlagen? […] Die Hausfrau hat ihre eigene Welt politisch noch nicht entdeckt. Und daß sie das tut, wünschen wir nicht nur um ihretwillen, sondern mehr noch deshalb, damit ganz entscheidende Lebensinteressen der Gesamtheit stärker zu Worte kommen. […] Es ist begreiflich, daß bisher eine solche Politisierung der Hausfrau erst in ihren allerersten Anfängen vorhanden ist. Die einzelne ist ja dabei ganz auf ihre eigene[n] Kräfte gestellt. Keine Berufsorganisation übernimmt die politische Aufklärung. Jede ist in ihrem Heim für sich und sieht nur das Naheliegende. Wie interessant und fruchtbar könnten die so verpönten Hausfrauenveranstaltungen über Küche und Dienstboten, über Einkäufe und Handwerker sein, wenn es vernünftige, weitblickende, nachdenkliche, – politische Unterhaltungen über alle die Dinge wären. In einer konservativen Zeitung las ich einmal mit Vergnügen das Zugeständnis: ›Ohne das weibliche Geschlecht vom häuslichen Herde in die politische Arena zerren zu wollen, müssen wir doch sagen, dass den Führerinnen unserer Kinder eine gewisse politische Elementarbildung zu eigen sein muß, damit sie ihrer hehren mütterlichen Aufgabe genügen können.‹ Das ist ganz richtig. Nur […] daß man selbst die politische Elementarbildung nur am häuslichen Herd nicht lernen kann, sondern daß es eine mütterliche Aufgabe auch außerhalb des häuslichen Herdes gibt, die unsere Frauen zu lernen beginnen. Es gibt eine Politik der Mutter, so gut wie es eine Politik der Landwirtschaft oder der Industrie gibt. Und die muß gefunden werden, wenn das Frauenstimmrecht ein innerlich lebendiges Recht werden soll, ein Werkzeug der Selbständigkeit, nicht der bloßen mechanischen Parteigefolgschaft. Wie sieht diese Politik der Mutter aus? Die Staaten, in denen das Frauenstimmrecht schon eine Zeitlang eingeführt ist, zeigen es uns. […] [Dort sehen wir,] wofür sich die weiblichen Wähler einsetzen, was ihnen besonders am Herzen liegt. […] Die mütterliche Politik verlangt, daß der Staat der Familie hilft, ihre verschiedenen Aufgaben der Erziehung, der Gesundheitspflege, der Ernährung usw. usw. zu erfüllen. Die mütterliche Politik bekämpft alles, was diese Mühe und Sorge der Familie für alle diese Dinge hindert und hemmt und erschwert. Die weiblichen Volksvertreter und die politischen Frauen des Auslandes haben natürlich je nach Parteistellung sich für alles mit eingesetzt, was von allgemeinen politischen Zielen da war. Sie haben aber ein paar große Gebiete für ihr eigenes Feld gehalten, und das ist: Kinderschutz und Erziehung, Volksernährung, Mutterfürsorge. Die Frauen haben sich dafür eingesetzt, daß nicht die Industrie mit ihrer gewerblichen Kinderarbeit, der Alkohol- und Tabakshandel mit ihrer Versuchung, gefährliche Vergnügungen wie die Spielbanken, und die legalisierte männliche Genußsucht die Mühe der Mütter um Gesundheit und sittliche Kraft ihrer Kinder immer wieder vereiteln. Die amerikanischen Frauen haben für die Einschränkung der Kinderarbeit, für das Verbot der Abgabe von Alkohol und Tabak an Jugendliche, für die Schließung von Spielbanken und Spielhöllen, für die Erhöhung des Schulalters für Mädchen gearbeitet. […] Ferner ist die ärztliche Untersuchung von Schulkindern, die Einrichtung von Kindergärten, die Organisation von Fürsorgebestrebungen für die verlassene und verwahrloste Jugend unter lebhafter Beteiligung, zum Teil auf Initiative der Frauen eingeführt. […] Aber nicht nur direkt und unmittelbar setzt das Frauenstimmrecht das Mutter- und Hausfraueninteresse in politische Macht um, auch in einem unmittelbaren und weiteren Sinn ist die selbständige Staatsbürgerin die Vertreterin des Mütterlichen in der Gesetzgebung. Die Frauen sind die eigentlichen Vertreterinnen des sozialen Gedankens und aller Forderungen, die sich daraus ergeben.«
Helene Lange
Helene Lange wurde 1848 in Oldenburg, Schleswig-Holstein, als Tochter des Kaufmanns Carl Theodor Lange und seiner Ehefrau Johanne geboren. Nach dem Besuch der Elementarschule wechselte sie auf die örtliche »Höhere Mädchenschule«, die sie bis 1864 besuchte. In jenem Jahr starb ihr Vater. Da auch ihre Mutter zu diesem Zeitpunkt nicht mehr lebte, war Helene Lange mit 16 Jahren Vollwaise. Daraufhin erfolgte ihre Unterbringung in einem Pfarrhaushalt in der Nähe von Reutlingen. Dort, so erklärte sie später, sei sie womöglich zur »Frauenrechtlerin« geworden, weil man ihr »im Pfarrhaus zum ersten Mal« den »Ausschluss der Frauen von höherer Bildung deutlich vor Augen geführt« habe. Einige Zeit später kehrte sie nach Oldenburg zurück.
Weil ihr Vormund ihr verbot, das von ihr angestrebte Lehrerinnen-Examen abzulegen, ging Helene Lange 1866 als »Au-Pair-Mädchen« an eine Internatsschule im Elsass. Dort gab sie Unterrichtsstunden in deutscher Literatur und Grammatik. Im Gegenzug durfte sie an allen Lehrveranstaltungen, die das Internat anbot, teilnehmen. Außerdem beschäftigte sie sich intensiv mit Philosophie, Geschichte, Religion, Literatur und alten Sprachen. Im Jahr 1871 verzog sie nach Berlin, um dort 1872 ihr Lehrerinnen-Examen abzulegen. Anschließend arbeitete sie an verschiedenen »Höheren Mädchenschulen«.
Im Zuge ihrer beruflichen Tätigkeit stellte sie fest, dass die in den Mädchenschulen vermittelten...




