Unger | G. F. Unger 1974 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1974, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

Unger G. F. Unger 1974

Der Vormann
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7325-6838-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Vormann

E-Book, Deutsch, Band 1974, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

ISBN: 978-3-7325-6838-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Simson Wayne wusste, dass sein Freund John Dallas schuldig war. Dennoch konnte er nicht zulassen, dass er von den Hardin-Brüdern gelyncht wurde ...

***

G. F. Unger wird zu Recht als der beliebteste und erfolgreichste deutschsprachige Western-Autor gefeiert. Mit einer Rekordauflage von über 250 Millionen Exemplaren gehört er zur internationalen Spitzenklasse der Spannungsliteratur. Seine Epoche ist das späte 19. Jahrhundert, seine Schauplätze sind die unermesslichen Weiten des amerikanischen Westens, deren Grenzen von unerschrockenen Frauen und Männern immer weiter nach Westen verschoben werden, bis sie schließlich die Küste des Pazifiks erreichen.

Erleben Sie den amerikanischen 'Wilden Westen', wie nur G.F. Unger ihn schildern kann: hart, authentisch, leidenschaftlich.

Jede Woche erscheint ein neues Abenteuer von G. F. Unger.
Alle Folgen sind in sich abgeschlossen und können unabhängig von den anderen Folgen der Serie gelesen werden.

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Auf der Veranda des Steigbügel-Saloons hockt Waco Holliday in der warmen Mittagssonne und spuckt nach den Fliegen.

Simson Wayne reitet an den Haltebalken, bleibt jedoch noch im Sattel und blickt auf Waco Holliday nieder, der zu ihm aufsieht und ihn seltsam angrinst.

»Die Menschen sind wie diese Schmeißfliegen«, sagt Waco Holliday trocken. »Wenn sie etwas haben wollen, so versuchen sie es immer wieder. Man kann sie für einige Zeit verjagen, aber schließlich gibt man es auf und lässt ihnen den Willen. Du hast dich etwas verändert, Simson. Vor drei Wochen hattest du zehn Pfund mehr auf den Rippen. Aaah, ich sehe einen richtigen Indianer! Und ich wette, die Sonne hat dich bis ins Mark der Knochen ausgedörrt. Mach nur so weiter, und du kannst im Lauf einer Schrotflinte baden! Kannst du dich eigentlich noch daran erinnern, wie gut ein Whisky schmeckt?«

»Was ist das, Whisky?«, fragt Simson Wayne verwundert und rutscht aus dem Sattel.

Waco Holliday erhebt sich langsam von der obersten Treppenstufe der Veranda. Er setzt eine ernste Miene auf.

»Whisky ist ein Getränk aus Gerste, Roggen oder Mais«, sagt er feierlich. »Es ist Branntwein. Der beste Whisky der Welt kommt aus Schottland. Und den schlechtesten Whisky der Welt gibt es hier in Best Tip. Wollen wir uns vergiften, Simson?«

»Yeah«, sagt dieser grinsend und nimmt den Hut ab, um sich den Staub des langen Weges aus der Kleidung zu klopfen.

Waco Holliday stößt die Schwingtürflügel des Saloons auf und geht hinein. Er nickt dem Barmann hinter dem Schanktisch zu.

»Eine Flasche Whisky und zwei Gläser, mein lieber Sammy!«

Sammy Thrasher sieht aus wie eine menschliche Bulldogge. Er war früher Preiskämpfer, und da man noch keine Boxhandschuhe kennt und Preiskämpfe mit der bloßen Faust ausgetragen werden, ist sein Gesicht von hundert Ringschlachten gezeichnet.

Er verzieht das Gesicht zu einer Fratze, die bei ihm jedoch nichts als ein freundliches Grinsen sein soll, und sagt sanft: »Waco, ich bin erst wieder dein lieber Sammy, wenn du bei mir deine Schulden beglichen hast. Und wenn du unbedingt etwas Flüssigkeit für deinen Körper benötigst, so trink Wasser! Das bekommst du bei mir umsonst.«

Kaum hat er ausgesprochen, als Simson Wayne durch die Schwingtür kommt. Er hat sich inzwischen draußen einigermaßen vom Staub befreit. Als Sammy Thrasher den Vormann der Flying F Ranch erkennt, wendet er sich wortlos um. Als er einschenkt, sieht er Simson Wayne an, nickt ihm zu und fragt: »Na, habt ihr das Round-up auf eurer Winterweide beendet?«

»Yeah«, nickt Simson und nimmt das Glas. Bevor er Waco Holliday zuprosten und trinken kann, fragt der Saloonbesitzer wieder: »Und habt ihr herausgefunden, dass ihr viel Vieh verloren habt?«

»Wir haben nicht mehr Vieh verloren, als es nach einem Winter normal ist«, murmelt Simson Wayne, und dann trinkt er das Glas leer. Er schüttelt sich nach dem scharfen Zeug, keucht etwas nach Luft und sagt, halb bitter und halb befriedigt: »Das ist ja eine neue Sorte. Wie ist die Mischung?«

»Wolfsspucke, Petroleum, Kautabak, roter Pfeffer und etwas Sirup«, sagt Waco Holliday ernsthaft und sieht den Saloonwirt herausfordernd an.

»Ihr braucht es nicht zu trinken. Es gibt kein Gesetz, das euch dazu zwingt«, knurrt Sammy Thrasher beleidigt und geht davon.

»Du sollst ihn nicht ständig ärgern, Waco! Er ist ein prächtiger Bursche, und er gibt dir arbeitsscheuem Satteltramp immer wieder Kredit«, murmelte Simson und sieht den Freund aufmerksam an.

Waco schenkt wieder ein. Simson betrachtet ihn besorgt. Er will schon sagen, dass zu viel Whisky einen Mann erledigen kann, aber Wacos Stimme lässt ihn nicht zu Wort kommen.

»Sim, der alte Joe Hardin ist tot. Und was werden seine Söhne tun? Du weißt, ich reite viel herum, ich habe immer ein Ohr am Boden dieses Landes und lausche. Und ich habe etwas gehört, was mir Sorgen macht. Du wirst jetzt bald deine Freunde brauchen, Sim. Deshalb bin ich hier.«

Er hat kaum ausgesprochen, als die Schwingtür des Saloons aufgestoßen wird und zwei Männer eintreten. Sie beginnen sofort zu grinsen und kommen schnell den Gang herunter.

John Dallas, der eine kleine Ranch am Mule Creek besitzt, sagt mit einer lässigen Stimme: »Ich habe es doch gewusst, dass er nach Best Tip kommen wird. Sim, bist du das, oder ist das nur ein verkleideter Indianer?«

Mike Falls, der als Zureiter von Ranch zu Ranch reitet und dort die schlimmsten Biester einbricht, sagt trocken: »Ein Indianer trägt keinen Vollbart. Das muss Simson Wayne sein, denn kein anderer Narr spendiert diesem saufenden Satteltramp noch einen Whisky. Waco, wo sind die Pferde, die du fangen wolltest?«

»Ihr alle hackt ständig auf mir herum«, mault Waco Holliday und langt zwei Gläser herüber. Er schenkt ein, und als die vier Männer dann ihre Gläser in der Hand halten, sehen sie sich an und lächeln sich zu.

Es sind vier äußerlich sehr verschiedene Männer.

Aber sie sind Freunde. Im tiefsten Kern ihres Wesens haben sie etwas Gemeinsames, und immer dann, wenn es in diesem Land kritische Zeiten oder Kämpfe gibt, fand man sie vereint.

Und jetzt sind sie wieder beisammen.

»Auf die Zukunft«, sagt John Dallas, und dann trinken sie.

Simson Wayne überragt sie alle. Er ist sechs Fuß groß und wiegt bei aller sehnigen Hagerkeit mehr als hundertachtzig Pfund.

Waco Holliday ist nicht viel kleiner. Simson ist dunkel. Sein Haar ist dicht gekräuselt und lässt sich nicht bändigen. Waco ist weißblond und hübsch. Wenn ein Maler das Bild eines Cowboys malen wollte, so würde er sich gewiss Waco Holliday als Modell wählen.

John Dallas ist mittelgroß, aber untersetzt und muskulös. Er strömt Zuversicht, Zuverlässigkeit, Ruhe und Beharrlichkeit aus. Seine braunen Augen haben die Farbe des Haares.

Der lederne, falkengesichtige Mike Falls wirkt klein und schief gegen die drei anderen Männer. Er hat sich als Zureiter oft die Knochen gebrochen, und seine Körperhaltung ist deshalb schlecht. Aber er ist hart, zäh und schnell. Er liebt den Kampf auf eine besondere Art.

Das sind die vier Männer, und im ganzen Land weiß man, dass man mit allen vieren rechnen muss, wenn man einem von ihnen zu sehr auf die Zehen tritt.

Als sie die Gläser auf den Schanktisch stellen, fragt Simson Wayne sanft: »Warum seid ihr gekommen?«

»Warum bist du gekommen?«, beantwortet John Dallas die Frage mit einer Gegenfrage.

Simson schüttelt unwillig den Kopf. »Ich bin Jim Fairburys Vormann. Aber ihr reitet nicht für diese Ranch. Ihr habt nichts mit der Flying F Ranch zu tun, nicht wahr? Man muss die privaten Dinge von den anderen trennen.«

Sie grinsen sich an. Dann sagt Waco trocken: »Und wenn ich es nie mehr wieder tue, heute bitte ich um Arbeit. Sim, ich möchte Arbeit auf der Flying F Ranch. Ich verspreche dir, dass ich für dreißig Dollar im Monat und freier Station ziemlich gut arbeiten will. Bin ich eingestellt?«

Simson schaut den Freund unschlüssig an. Aber dann schüttelt er den Kopf.

»Nein, Waco, vorläufig nicht. Ich wollte dich die ganzen Jahre in meiner Mannschaft haben. Aber jetzt nicht.«

Er sieht die Männer der Reihe nach an.

»Wir sind Freunde, und wir standen uns immer bei, wenn einer von uns in Not kam. Jetzt komme ich in Not. Aber wenn es sein sollte, dass die Flying F Ranch kämpfen muss, so habt ihr damit nichts zu tun, gar nichts!«

»Lasst ihn nur plaudern.« Waco grinst und schenkt wieder die Gläser voll. »Lasst ihn nur erzählen, nicht wahr? Er hat in den letzten Wochen mit den Rindern im Busch gelebt und ist mit keinem vernünftigen Menschen zusammengekommen!«

Er trinkt wieder, und in seinem Gesicht zeigt sich eine Röte, die bei ihm immer das erste Anzeichen einer beginnenden Trunkenheit ist.

Draußen auf der Straße wird es laut. Menschen kommen vom Friedhof her die Gehsteige entlang. Wagen fahren, und Reiter galoppieren. Die eben noch so stille Stadt wird nun lebendiger.

Und es sind auch die Menschen des ganzen Countys gekommen, um zuzusehen, wie Joe Hardin unter die Erde kam. Aber vielleicht kamen die Menschen vor allen Dingen deshalb, um zu erfahren, was Hardins drei wilden Söhne nun beginnen werden.

Die Tür geht auf, und zwei Männer treten ein. Ihre Gesichter sind undurchdringlich und verraten nichts. Diese Männer tragen dunkle Weidetracht und Revolverholster, die tief an die Oberschenkel gebunden sind. Sie nehmen an einem Tisch dicht neben der Tür Platz, und Sammy Thrasher bringt ihnen Whisky.

Die vier Freunde am Schanktisch haben schweigend auf die Ankömmlinge geblickt. Es kam für einen Moment der Hauch von Gefahr in den Raum.

Aber Mitch Fisher und Reece Lorney sind augenscheinlich nur hereingekommen, um als Beobachter alle zu studieren. Sie sind nicht auf einen Streit aus.

Nun kommen auch andere Männer herein, Bürger der Stadt, Geschäftsleute und Handwerker. Dann kommen Cowboys und Farmer.

Und alle die eintretenden Männer blicken sofort auf Simson Wayne. Er ist inmitten seiner Freunde nicht zu übersehen. Alle sehen ihn an. Viele grüßen ihn. Er ist ein Mann, der beachtet wird und auf den man sieht.

Endlich kommt Jim Fairbury, Simson Waynes Reitboss, herein. Er geht an einem Stock. Er ist groß und hager, alt und grau. Seine Zeit ist längst vorbei, und er ist ein Mann, der das auch begriffen hat.

Auch er sieht Simson am Schanktisch und nähert sich ihm. Simsons drei Freunde weichen zur Seite und bilden bald am äußeren Ende des langen Schanktisches eine abgesonderte...



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