Unger | G. F. Unger 1999 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1999, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

Unger G. F. Unger 1999

Wolf in der Town
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-7678-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wolf in der Town

E-Book, Deutsch, Band 1999, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

ISBN: 978-3-7325-7678-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wolf in der Town

Ohne Jeremy Cass an seiner Seite wäre Sheriff Ben Shadwell längst ein toter Mann. Aber wie weit kann sich der Sheriff auf die Treue des jungen Revolvermanns verlassen?


Ein Western, der Maßstäbe setzt!

Unger G. F. Unger 1999 jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Er setzt seinen Hut wieder auf und betritt den Saloon.

Hier sind ziemlich viele Gäste, die gewiss nicht nur vor dem zu erwartenden Gewitter Schutz suchten. Hier wartet man auf etwas anderes. Ein paar Dutzend Augenpaare betrachten Jeremy Cass. Sie sehen einen geschmeidigen Burschen, der größer ist als sechs Fuß, einen auf verwegene Art hübschen jungen Mann, der auf den ersten Blick nicht besonders hart wirkt und den man für knapp über zwanzig Jahre halten könnte. Doch er ist älter, zumindest ein Dutzend Jahre älter.

Er trägt seinen Colt rechts, ein wenig zu hoch an der Hüfte und auf eine Art, die unauffällig wirkt. Die Waffe hängt auch etwas schräg, und zwar mit dem Griff nach vorn.

Es ist in diesem Land nicht üblich, einen Colt so zu tragen. Aber Kenner wissen, dass man auf diese Art eine Waffe mit einer von hinten nach vorn gehenden Bewegung aus dem Holster bekommt. Und damit man den Lauf nicht so weit hoch schwingen muss, trägt man die Waffe gleich in der richtigen Höhe. Bei diesem Ziehen geht der Ellbogen nicht wie sonst nach hinten, sondern zugleich mit der Hand nach vorn. Und nur aus dem Handgelenk wird der Lauf nach oben gehoben, während der Daumen den Hammer zurücklegt.

Vielleicht gibt es ein paar Gäste im Saloon, die das alles wissen. Aber sie beachten den Fremden nicht länger.

Von draußen ruft nämlich eine scharfe Stimme: »He, Shadwell, wenn du jetzt nicht bald herauskommst wie ein Mann und uns Genugtuung gibst, dann werfen wir dir eine Packung Sprengpatronen mit kurzer Lunte durch den Schornstein! Wetten, dass du dann herauskommen wirst?«

Nach diesen Worten, die laut durch die kleine Stadt schallen, wird es wieder still. Auch im Saloon schweigen alle.

Dieser Saloon ist voll von Cowboys, Farmern, Minenleuten, Frachtfahrern und ein paar Städtern. Es sind einige Spieler unter ihnen, die hier die Bank halten und die Karten austeilen. Auch Saloonmädchen gibt es.

Alle schweigen und lauschen.

Jeremy Cass wendet sich an den Barmann und deutet auf eine Flasche Whisky, aus der er auch sofort eingeschenkt bekommt. Er trinkt, schüttelt sich und sagt dann: »Nicht schlecht, diese Pumaspucke. Doch man muss sich wohl erst daran gewöhnen wie an Rattengift. Ist schon jemand davon taub oder blind geworden?«

Der Barmann grinst.

»Es gibt kein Gesetz«, sagt er, »das Sie dazu zwingt, Fremder, diesen Stoff zu trinken. Oder?«

»Das ist ein wahres Wort«, pflichtet ihm Jeremy Cass bei. »Dann möchte ich noch einen«, sagt er. »Mein linker Backenzahn schmerzt seit Tagen. Vielleicht stirbt der Nerv davon wie ein Regenwurm in Petroleum.«

Er sagt es mit einem hoffnungsvollen Klang in der Stimme. Nachdem er den zweiten Drink gekippt hat, schüttelt er sich nicht mehr.

»Was ist denn eigentlich hier los?«, fragt er. »Können Sie mir das erklären, Mister? Ich gebe einen aus, wenn Sie ihn auch wirklich trinken.«

Der Barmann starrt auf die Flasche, überlegt und bekommt dann um den Mund einen Ausdruck, als schluckte er Kaffee mit Salz und Schmierseife.

»Danke«, sagt er. »Aber ich habe Magengeschwüre. Ich kann kein Feuerwasser trinken. Und was hier los ist, Fremder, kann ich mit wenigen Worten sagen. Kennen Sie die Ashland-Brüder, die Painted Ashlands?«

Jeremy Cass nickt.

»Wer kennt die nicht«, murmelt er und starrt ins Leere, als könnte er auf diese Weise irgendwelche Bilder erkennen.

»Die Bunten Ashlands nennt man sie, weil sie rot, gelb, schwarz und braun sind, was die Haarfarbe betrifft. Und ihre Haarfarbe ist viel intensiver als bei anderen Menschen. Beim Stadteingang hielt sich ein besonders feuriger Rotkopf auf. Und gegenüber vom Sheriff’s Office steht ein besonders gelbhaariger Hombre. Ist das nicht Tom Ashland?«

»Das ist er«, nickt der Barmann. »Wollen Sie noch einen Drink? Oder klingeln Ihnen schon die Ohren? Der Schmied dieser Stadt meint immer nach dem dritten Drink, dass er eine Dampfpfeife hören würde. Und Al Mundy vom Mietstall wird immer ganz grün im Gesicht.«

»Habt ihr nichts anderes?«

»Doch.« Der Barmann nickt. »Wir haben hier noch Bier, Rotwein und Tequila. Aber unseren Tequila verträgt man erst, wenn man diesen Whisky wie Wasser saufen kann, und das schaffen manche Gents nie. Es ist Mondschein-Whisky. Der ist billiger, und man kann viel schneller unter den Tisch sinken. Die Jungs hier haben alle so wenig Zeit. Also, dieser Tom Ashland steht gegenüber vom Sheriff’s Office, weil er auf Ben Shadwell, unseren Sheriff, wartet. Er will den Sheriff umlegen, denn Shadwell hat Chance Ashland erschossen. Können Sie mir folgen, Fremder?«

Jeremy Cass nickt ernsthaft.

»Euer Sheriff hat Chance Ashland erschossen«, sagt er. »Und nun halten die drei anderen Ashlands diese Stadt besetzt und wollen den Sheriff umbringen. Und die Stadt sieht zu und wartet ab, ob es den Ashlands gelingt. Richtig so?«

Der Barmann blickt ihn traurig an.

»Sagen Sie das nicht so verächtlich, Fremder. Diese Stadt ist noch jung. Hier ist alles noch sehr durcheinander, und der Sheriff wurde nicht gewählt, sondern vom County Sheriff in erster Linie hergeschickt, um die Steuern einzutreiben, die hier noch niemand zahlte. Ein Sheriff, der herkommt, um für die Regierung Steuern einzutreiben, findet so schnell keine Freunde, oder? Warum sind Sie nach Valleytown gekommen, Mister? Wie war doch Ihr Name? Oder reiten Sie nur durch?«

Jeremy Cass gibt ihm keine Antwort, sondern fragt: »Was ist mit dem Sheriff? Warum kommt er nicht raus und besorgt es den Ashlands?«

Da lacht nicht nur der Barmann. Es lachen auch noch einige andere Zuhörer, die bisher schweigend an der Bar standen.

Einer sagt jetzt: »Sheriff Ben Shadwell bekam damals beim Duell mit Chance Ashland auch etwas ab. Denn Chance war ja auch ein ganz Schneller der Gilde, nicht wahr? Des Sheriffs Revolverhand soll nicht mehr so gut sein wie früher. Deshalb bleibt er wohl in seinem Loch.«

Jeremy Cass nickt.

»Und ihr alle freut euch, wenn dies zu einem Steueraufschub führen würde, nicht wahr?«

Er kippt den dritten Drink und wirft einen Dollar auf die Tischplatte. Dann geht er wieder hinaus, nimmt sein Pferd und sitzt auf. Er reitet langsam die Straße hinunter zum Mietstall und kommt zu Tom Ashland. Zwischen ihm und dem Sheriff’s Office hält er an.

»Bist du Tom Ashland?«, fragt er.

Tom Ashland starrt ihn an, als wollte er ihn fressen. Es geht etwas Löwenhaftes von ihm aus.

Er sagt: »Schleich dich, Langer. Ja, ich bin Tom Ashland. Willst du was? Ach, zum Teufel, schleich dich!«

»Sicher, Mister«, nickt Jeremy Cass. Er zieht sein Pferd herum und reitet zum Sheriff’s Office hinüber. Dort sitzt er ab und bindet das Pferd an. Er betritt jedoch nicht den Plankengehsteig, sondern kommt über die staubige Fahrbahn zurück, bis er etwa acht Schritte vor Tom Ashland verhält.

Der starrt ihn jetzt mit intensiver Wachsamkeit an. Mit Sicherheit warnt ihn nun sein Instinkt vor diesem Neuankömmling, der auch auf ihn anfangs wie ein Sonnyboy wirkte.

Jeremy Cass sagt pulvertrocken: »Der Sheriff beging eine gute Tat, als er euren Bruder Chance umlegte. Er nahm mir eine Arbeit ab, denn ich war selbst hinter Chance her, um mir seinen Skalp zu holen. Chance war wohl der schlimmste Schuft von euch allen, nicht wahr? Oder warum sind auf seinem Steckbrief die Belohnungen am höchsten?«

Tom Ashland erwidert nichts.

Er starrt Jeremy Cass nur an und wird sich endgültig über ihn klar. Er begreift in diesen Sekunden, dass Cass mehr als ein zweibeiniger Wolf ist. Cass ist ein Tiger.

Er fragt nicht nach seinem Namen. Der ist ihm gleich. Er weiß nur, dass der Sheriff Hilfe bekommen hat.

Tom Ashland ist ein Mann, der noch niemals in seinem Leben als Revolvermann und Bandit gekniffen hat.

Bisher kam er damit durch.

Auch jetzt glaubt er an sein Glück.

Er schnappt den Colt heraus, um den Fremden aus dem Weg zu schießen. Bisher gab es keinen Mann, der schneller ziehen und schießen konnte als er. Sogar sein Bruder Chance war nicht besser.

Aber er ist nicht schnell genug. Als er seinen Revolverlauf hochschwingt und die Mündung auf den Gegner richten will, sieht er schon das Mündungsfeuer und spürt den Einschlag der Kugel. Sie trifft ihn mit einem harten Stoß, der wie ein Huftritt ist.

Tom Ashland fällt um und ist tot, bevor er am Boden liegt. Er weiß nicht mehr, dass er noch einmal abdrückt und die Kugel vor Jeremy Cass den Staub aufwirbelt.

Jeremy Cass blickt nach links und rechts. Von beiden Stadteingängen her nähern sich die anderen Ashland-Brüder, Jim von rechts und Jube von links. Sie kommen anfangs im Laufschritt. Aber dann, als sie sich darüber klar werden, dass sie durch Eile nichts mehr rückgängig machen können und der Fremde offensichtlich auf sie wartet, fallen sie in Schritt. Sie kommen gleichmäßig näher.

Cass wirft einen Blick über die Schulter zur Tür des Sheriff’s Office. Dort tritt der Sheriff gerade heraus. Er ist ein etwas über mittelgroßer Mann, der sehr drahtig und außergewöhnlich gut proportioniert wirkt.

Er trägt keinen Colt, dafür aber eine Schrotflinte.

Jeremy Cass wendet sich ihm zu. »He, welchen übernehmen Sie, Sheriff?«, fragt er trocken.

Der Sheriff wendet sich nach links, wo Jube Ashland schon fast in Revolverschussnähe angelangt ist. Deshalb geht Jeremy Cass nach rechts. Er hört Jim Ashland laut und schrill rufen: »Dafür bringe ich dich um, du Hundefloh! Dafür schicke ich dich zur Hölle!«

Cass ruft nichts zurück. Er geht Jim...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.