E-Book, Deutsch, Band 2034, 64 Seiten
Reihe: G.F.Unger
Unger G. F. Unger 2034
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-8891-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Steamboat des Teufels
E-Book, Deutsch, Band 2034, 64 Seiten
Reihe: G.F.Unger
ISBN: 978-3-7325-8891-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Steamboat des Teufels
Kein Goldsucher ist vor Kapitän Devil und den Kanonen seiner »Pretty Ann« sicher. Doch dann legt er sich mit Mike Kelly an, und das ist für ihn der Anfang vom Ende ...
Unger-Western - Spitzenromane eines Autors, der seine Leser seit Jahrzehnten in Atem hält!
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Gut, ich war also nun an der Reihe. Und ich wusste, was zu tun war. Entschlossen ritt ich auf meinem Maultier wieder an. Sie folgten mir, ohne zu zögern.
Eine gute halbe Stunde später erreichten wir etwas flussabwärts die kleine Werft von Abe Abbot. Er saß noch in seinem Office über einer Schreibarbeit, als er den Hufschlag unserer Tiere hörte. Durch das Fenster konnten wir sehen, wie er sich hinter dem Schreibtisch erhob, und sahen ihn dann aus der Tür treten.
»He, Abe«, sagte ich, »erinnerst du dich noch an mich?«
Er trat an mein Maultier heran und sah zu mir hoch. Im Licht der Sterne und des aus dem Kontor herausfallenden Lichtscheins erkannte er mich.
»Mike Kelly, mein Junge«, sprach er, »dich habe ich aber schon lange nicht mehr gesehen. Hast du jetzt endlich dein eigenes Dampfboot?«
»Noch nicht, aber fast«, erwiderte ich. »Erst muss ich mit meinem Gold nach Saint Louis hinunter. Ich war zwei Jahre im Goldland. Dies sind meine einstigen Claimnachbarn. Wir brauchen ein Mackinaw oder ein großes Flachboot, mit dem wir auch über Untiefen hinwegkommen. Ihr baut doch hier solche Dinger, auch die großen Kielboote. Aber Letztere müssen fast so tiefes Wasser haben wie ein Steamer. Wir möchten unsere zwölf Reittiere gegen ein Mackinaw eintauschen. Kommen wir ins Geschäft, Abe Abbot?«
Er sah im Sternenschein auf die anderen Männer. Diese hockten noch in den Sätteln. Sie schwiegen.
»Ihr seid schlau.« Abe Abbot grinste. »Ja, so wie ihr, so muss man es wohl machen. Es kommt hier kaum noch jemand mit seinem Gold den Strom hinunter, der nicht zur Organisation gehört oder einen hohen Schutzzoll zahlt. Ja, ihr seid schlau. Und mit einem Mackinaw könntet ihr es schaffen in den schwarzen Nächten.«
Er schwieg dann einige Atemzüge lang und dachte nach.
Dann entschloss er sich. »Wir sind im Geschäft, mein Junge«, sprach er. »Ich habe ein gutes Mackinaw für euch und rüste euch aus für die Talreise. Wir sind im Geschäft.«
?
Nach abermals einer halben Stunde waren wir mit unserem Mackinaw im Strom.
Ein Mackinaw – nun, das war ein flaches Boot, etwa zwanzig Yards lang und auch ziemlich breit. Man setzte Ruder ein, wenn es darum ging, dem Steuermann am Heck zu helfen, damit er mit seinem mehr als vier Yards langen Steuer besser den Kurs halten konnte. Sonst ließ man sich einfach in der Strömung treiben. Und bei günstigem Wind zog man noch zusätzlich das Segel auf.
Mithilfe des Windes und der starken Strömung konnte man in einem Mackinaw an einem Tag oder in einer Nacht mehr als hundert Meilen zurücklegen, manchmal sogar einhundertfünfzig.
Ich stand hinten und hielt mithilfe des langen Steuerruders unser Boot in der Strömung. Die war hier stark, und so sausten wir ziemlich schnell talwärts.
Wir waren auch gut ausgerüstet mit Proviant und allerlei Gerät.
Die Männer schwiegen noch. Aber schließlich sagte einer: »He, Kelly, warst du dir absolut sicher, dass wir diesem Abbot trauen konnten? Vielleicht schickt er uns ein Dampfboot mit einer Kanone nach und gehört selbst zu der Organisation, die hier alles beherrscht.«
»Ich traue ihm«, erwiderte ich ruhig. »Der mag mich wie einen Sohn.«
Sie schwiegen. Einige legten sich hin, um zu schlafen. Platz hatten wir genug. Und es würde eine verdammt lange Reise werden.
Vielleicht waren wir bis Saint Louis fast zwei Monate unterwegs.
Würden wir uns auf dem Boot so dicht beieinander eine solch lange Zeit vertragen?
Das konnte nämlich ein Problem werden. Denn wir waren ja keine Brüder, nicht einmal Freunde, nur Partner. Eine Zweckgemeinschaft waren wir. Und jeder bewachte sein Gold.
Unterwegs auf dem Landweg waren wir ständig in Bewegung gewesen, hatten was zu tun gehabt. Hier auf dem Strom würden wir herumhocken und viel Zeit für allerlei Gedanken haben.
Nur ich hatte zu tun. Denn ich musste unseren Mackinaw um alle gefährlichen Stellen steuern, ihn in der Strömung halten und gegen Ende der Nacht einen versteckten Platz finden.
Der Strom hatte zu dieser Jahreszeit eine starke Strömung, und so legten wir Meile um Meile zurück und würden noch vor Morgengrauen den Citadel Rock erreichen.
Denn von Fort Benton bis zur engsten Stelle des Oberen Big Muddy waren es nur sechsundsiebzig Meilen. Und etwa achtzig Yards war der Strom an dieser Stelle nur breit.
An den Ufern waren Klippen, welche die Fahrrinne noch mehr verengten.
Ich brachte in der Strömung unser Mackinaw um die Biegung und den burgartigen Felsklotz herum, und es bereitete mir eine ständige Freude, wieder auf dem Strom zu sein und nicht nach Gold zu graben.
Ja, ich war ein Riverman, und so fiel mir wieder mein ganzer Werdegang ein.
Ich erlebte wieder meine Zeit als Schiffsjunge, dann als Decksmann und schließlich als Maat. Ich sparte immer mein Geld und besuchte die Kapitän- und Lotsenschule der Gilde.
Aber noch immer besaß ich kein Dampfboot. Ich wollte mein eigenes.
Und so ging ich ins Goldland und glaubte an mein Glück.
Jetzt aber war ich wieder auf dem Strom. Und in Saint Louis, wo die Auswahl sehr groß war, würde ich mir einen Steamer kaufen.
Ich dachte auch an die Mädchen und Frauen, die ich mal hatte da und dort in den Hafenstädten. Es gab welche, an die ich mich gut erinnern konnte und bei denen ich vielleicht geblieben wäre, hätte ich mein eigenes Dampfboot gehabt. An andere erinnerte ich mich nicht so klar, konnte mir ihre Gesichter nicht mehr vor Augen bringen.
Nur eines wusste ich, nämlich, dass ich bald wieder eine Frau haben wollte, wenigstens für eine Nacht. Denn das wollten wir alle in unserem Mackinaw. Wir waren im Goldland zu lange ohne Frauen gewesen.
Die Männer unterhielten sich über Frauen, indes ich das Mackinaw steuerte. Ich konnte zuhören. Es waren jene Gespräche, wie sie stets unter Männern stattfinden, die schon zu lange ein hartes und eintöniges Leben führen – und voller Wünsche sind. Das mögen Soldaten, Frachtfahrer, Seeleute, Flussschiffer, Cowboys oder einsame Trapper sein.
Einer, den sie einfach nur Tex nannten, weil er mal im Süden ein Cowboy war und wie ein Texaner sprach, der schwärmte: »Damals als ich mit Sally im Heu lag, da versprach ich ihr, dass ich es zu etwas bringen würde. Und dann gab sie mir alles, was ein Mädchen einem Mann geben kann. Sie war voller Feuer, und so kamen wir dem Paradies sehr nahe. Aber dann jagte mich ihr Vater von der Ranch und sagte mir, dass sie was Besseres verdient hätte als mich. Nun, jetzt werde ich als wohlhabender Bursche zurück nach San Antonio kommen und ihm zeigen, wie falsch er mich beurteilt hat. Vielleicht habe ich Sally sogar ein Kind gemacht damals im Heu. Hahaha, das wäre was! Da müsste er mächtig froh sein, wenn ich als reicher zukünftiger Schwiegersohn mit ihm als Schwiegervater einverstanden wäre!«
Er verstummte mit einem jubelnden Klang in der Stimme, denn er war nun mal ein einfacher Bursche, ein Cowboy eben und nicht mehr, der im Goldland das Glück fand.
Einige Männer in unserem Mackinaw lachten.
Doch einer sagte böse: »Wenn du ihr ein Kind gemacht hast, dann wird sie längst schon einen anderen Vater dafür gefunden haben, dem sie einreden konnte, dass der Bastard sein Kind wäre. He, war sie eigentlich noch Jungfer, als sie es mit dir im Heu getrieben hat?«
Es war eine böse Frage von einem Burschen, der an nichts mehr glaubte, weil seine Erfahrungen bitter waren.
Und so wurde auch jener Tex böse und erwiderte scharf: »He, Callum, ich habe dich schon immer und von Anfang an für einen Drecksack gehalten. Leg dich nur nicht mit mir an, verdammt!«
Vielleicht wäre es zum ersten Streit gekommen, kaum dass wir unsere lange Reise talwärts begonnen hatten und die erste Nacht auf dem Big Muddy vorüber war. Doch ich griff ein und rief: »Nehmt die Ruder! Wir müssen aus der Strömung raus in den engen Kanal hinein!«
Sie gehorchten sofort. Ich war ja der Kapitän. Und sie wussten, dass nur ich sie heil den verdammten Big Muddy hinunterbringen konnte.
Sie nahmen also die Ruder und fingen an zu pullen, und so kamen wir mithilfe meines langen Ruders am Heck aus der Strömung hinaus in den engen Kanal, in den uns kein Dampfboot hätte folgen können.
Die Insel auf der Backbordseite des Kanals war lang. Ich kannte sie. Und auch das Ufer auf der Steuerbordseite war wie die Insel mit alten Bäumen bewachsen, dazwischen voller Gestrüpp.
Wir machten am Ufer unter gewaltig ausladenden Ästen fest.
»Hier bleiben wir bis zum Abend«, erklärte ich ihnen. »Wir haben mehr als hundert Meilen geschafft. Verhaltet euch ruhig. Es wird kein Feuer gemacht. Hier können überall Indianer sein. Einer von uns hält ständig Ausguck auf der anderen Seite der Insel. Wir müssen wissen, ob uns ein Dampfboot folgt, weil wir in Fort Benton ja nicht unbemerkt weggekommen sind.«
Nach diesen Worten ging ich mit meinem Gold und etwas kaltem Proviant an Land, nahm auch eine Decke mit.
Ich musste schlafen nach dieser langen Nacht, die ich steuernd verbrachte, ständig konzentriert auf den tückischen Fluss mit all seinen Strudeln, treibenden Bäumen, Sandbänken, Klippen und im stetigen Bestreben, die Strömung zu nutzen. Ja, ich war müde. Die anderen hatten an Bord schlafen können.
Mein Gold trug ich in zwei ledernen Satteltaschen über der Schulter. Sie waren prall gefüllt und schwer. Und überdies hatte ich unter meiner Kleidung noch einen mit Goldstaub gefüllten Gürtel um die Taille geschnallt.
Wir alle hatten uns so mit Gold...




