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E-Book, Deutsch, Band 2101, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

Unger G. F. Unger 2101

Ich gab mein Wort
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1394-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ich gab mein Wort

E-Book, Deutsch, Band 2101, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

ISBN: 978-3-7517-1394-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Unsere Fahrer hatten ihre Gespanne noch nicht richtig ausgespannt, als wir auch schon den ersten Besuch aus der Stadt erhielten. Es war der Town Marshal Ed Madden. Dass er Town Marshal war, hatte nichts mit seiner Redlichkeit zu tun - nicht hier, westlich des Pecos. Ich wusste, dass Ed Madden steckbrieflich in drei oder vier Staaten und Territorien gesucht wurde. Aber hier in Standing Toro war er sicher. Hier trug er sogar einen Blechstern.
Madden nickte mir zu, sah sich um und grinste dann.
»Was soll das, Adam Sheyboygan?«, fragte er übertrieben nachsichtig. »Willst du uns ärgern, Adam?«
»Bisher habt ihr mich stets geärgert«, sagte ich. »Als ich im vergangenen Jahr in eure lausige Stadt kam, musste ich tausend Dollar Verkaufssteuer hinlegen. Dabei wollte ich mit dem größten Teil meiner Waren weiter nach Green Creek.«
»Dieses mistige Nest soll verdorren«, sagte er. »Wir nehmen auch dieses Jahr wieder eine Steuer von dir. Tausend Dollar! Vor einiger Zeit haben wir die Stadtgrenze etwas ausgedehnt. Das alte Schild dort gilt nicht mehr. Du befindest dich im Stadtgebiet.«
Da grinste ich kalt.
»Hau ab, Hombre!«, sagte ich ...

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Ich gab mein Wort

Unsere Fahrer hatten ihre Gespanne noch nicht richtig ausgespannt, als wir auch schon den ersten Besuch aus der Stadt erhielten. Es war der Town Marshal Ed Madden. Dass er Town Marshal war, hatte nichts mit seiner Redlichkeit zu tun – nicht hier, westlich des Pecos. Ich wusste, dass Ed Madden steckbrieflich in drei oder vier Staaten und Territorien gesucht wurde. Aber hier in Standing Toro war er sicher. Hier trug er sogar einen Blechstern.

Madden nickte mir zu, sah sich um und grinste dann.

»Was soll das, Adam Sheyboygan?«, fragte er übertrieben nachsichtig. »Willst du uns ärgern, Adam?«

»Bisher habt ihr mich stets geärgert«, sagte ich. »Als ich im vergangenen Jahr in eure lausige Stadt kam, musste ich tausend Dollar Verkaufssteuer hinlegen. Dabei wollte ich mit dem größten Teil meiner Waren weiter nach Green Creek.«

»Dieses mistige Nest soll verdorren«, sagte er. »Wir nehmen auch dieses Jahr wieder eine Steuer von dir. Tausend Dollar! Vor einiger Zeit haben wir die Stadtgrenze etwas ausgedehnt. Das alte Schild dort gilt nicht mehr. Du befindest dich im Stadtgebiet.«

Da grinste ich kalt.

»Hau ab, Hombre!«, sagte ich ...

Ed Madden sah mich schlitzäugig an und grinste ebenso kalt und hart zurück. Er war ein Revolverheld, den sich die maßgebenden Bosse der Stadt als willigen Handlanger angeworben hatten. Nun sollte er für sie bei mir eine Art Umsatzbeteiligung kassieren, die sie Verkaufssteuer nannten.

»Wenn ich abhaue«, sagte er, »komme ich bestimmt bald wieder – und nicht mehr allein. Du kannst eben nicht einfach herkommen und den ehrenwerten und redlichen Geschäftsleuten dieser Stadt Konkurrenz machen. Das geht nicht. Dafür musst du einen Ausgleich zahlen. Warum siehst du das nicht ein, Amigo?«

»Hau ab!«, sagte ich.

Da blickte er sich noch einmal um, sah auf meine schwer beladenen Wagen, auf meine Maultiergespanne, auf meine Fahrer – und zuletzt sah er auf meinen Bruder. Johnny erwiderte seinen Blick und fragte mich: »Adam, soll ich ihm Beine machen?«

Das war eine Herausforderung. Aber Johnny war nun mal so.

Bevor ich etwas erwidern konnte, zog Ed Madden sein Pferd herum und ritt zur Stadt zurück.

Ich sah Johnny an, der erst zwanzig Jahre alt war. »Lass dich nicht mit ihm ein«, sagte ich. »Der ist dir wahrscheinlich gewachsen. Lass dich nicht immer wieder herausfordern. Wenn einer auf dich losgeht, ist es immer noch Zeit, sich herausgefordert zu fühlen. Dann bekämpfe ihn wie ein Mann. Aber fordere niemals einen Kampf unnötig heraus.«

»Yes, Sir!«, sagte er trotzig und salutierte wie ein lässiger Soldat.

Ich zog mein Pferd herum und wandte mich an die Fahrer.

»Schlagt das Camp auf und versorgt die Gespanne. Wir bleiben wahrscheinlich zwei Tage hier. Öffnet den Verkaufswagen, stellt die Regale heraus und füllt sie mit Waren.«

Es waren die üblichen Befehle, die ich immer gab, wenn wir irgendwo anhielten. Wir waren nicht einfach nur ein Frachtwagenzug. Wir waren ein fahrender General Store, der dorthin fuhr, wo die Leute nur schlecht mit den notwendigen Dingen versorgt wurden.

Ich begann mein Pferd abzusatteln. Wir waren neun Männer, und jeder von uns hatte seine Aufgaben. Außer den vier Fahrern hatte ich noch zwei junge Mexikanerburschen und einen Koch dabei. Mit meinem Bruder waren wir also neun.

Unser Koch hatte das Abendessen noch längst nicht fertig. Der schwarze Felsen, der die Form eines stehenden spanischen Kampfstieres hatte und von dem die Stadt ihren Namen Standing Toro hatte, warf noch einen langen Schatten, als Ed Madden uns seinen zweiten Besuch machte.

Diesmal waren zwei Reiter bei ihm.

Ich kannte nur einen, und der war schon schlimm genug. Ringo Kid Laredo. Ringo Kid war bekannt als Revolverheld, und er war einer von der Sorte, die sich Kerben in den Kolben macht.

Aber ich wusste, dass der andere gewiss nicht weniger gefährlich war. Sonst hätte ihn Ed Madden nicht mitgebracht.

Unsere Fahrer stellten die Arbeit ein und suchten sich Positionen, die ihnen gestatten würden, notfalls einzugreifen. Aber ich winkte ihnen zu und sagte: »Haltet euch raus, sonst kommt die ganze Bande. Wir machen das schon.«

Wir, damit meinte ich meinen Bruder Johnny und mich.

Wir traten nebeneinander den drei Reitern entgegen, die zehn Schritte vor uns anhielten.

»Bleibt nur in den Sätteln!«, sagte ich scharf.

Ed Madden grinste. »Ich wollte schon immer mal herausfinden, wie schnell du wirklich bist, Sheyboygan«, sagte er. »Sieh mal, wen ich da mitgebracht habe. Kennst du Ringo Kid Laredo schon? Wie gefällt er dir? Ist er nicht prächtig? Und dann haben wir noch einen Gentleman der Edelsorte. Schon was von Chaco Ernestine gehört? Sheyboygan, möchtest du nicht lieber zahlen?«

Ich hatte die Wahl.

Und ich überdachte die Sache noch einmal.

Ich konnte jetzt kneifen oder musste kämpfen.

Aber wenn ich kniff, würde in diesem Land westlich des Pecos fast jede Stadt oder Siedlung von mir eine Verkaufssteuer verlangen. Dann konnte ich bald nichts mehr verdienen. Wenn ich auch viele Dinge mitbrachte, die rar oder gar nicht zu haben waren, so hatte doch alles seine Grenzen, was die Preise betraf.

Ich durfte mir keine Verkaufssteuer aufzwingen lassen. Man würde mich überall für feige halten. In diesem Land gab es kein Mitleid mit Feiglingen.

Ich sagte: »Wir haben schon einige Male mit Banditen und Comanchen gekämpft. Haut ab! Wir lassen uns nicht ausplündern. Und wir befinden uns außerhalb der Stadtgrenzen.«

Ich hatte schon von Chaco Ernestine gehört. Er war ein Revolverheld wie Ed Madden und Ringo Kid. Das war nicht verwunderlich, denn solche Burschen fanden in dieser Stadt Aufnahme.

Da schwangen sie sich von den Pferden und scheuchten sie mit einer Handbewegung zur Seite. Ed Maddens Stimme klang ein wenig schrill, als er rief: »Ihr befindet euch innerhalb der Stadtgrenzen! Ich verhafte euch und beschlagnahme eure Wagen mit der Ladung. Hände hoch!«

Während der beiden letzten Worte griff er zur Waffe. Seine beiden Partner taten es ihm nach.

Neben mir zog Johnny, und er zog schnell.

Ich schlug sie alle und schoss Ed Madden von den Beinen, bevor dieser überhaupt abdrücken konnte. Er war längst nicht so schnell, wie ich geglaubt hatte.

Aber dann schoss Ringo Kid. Er schoss auf meinen Bruder Johnny und traf ihn. Er traf ihn nochmals, während auch Johnny feuerte und ich mit Chaco Ernestine Kugeln wechselte.

Chaco Ernestine hatte natürlich seine Chance gehabt, als ich mit Ed Madden beschäftigt war. Ernestines Kugel riss mir Fleisch von der Rippe, bevor ihn meine Kugel traf.

Um Ringo Kid brauchte ich mich nicht zu kümmern.

Den hatte mein Bruder Johnny erledigt.

Doch auch Johnny lag am Boden und stöhnte vor Schmerz. Es musste ihn schlimm getroffen haben. Als ich ihn herumdrehte, um nach dem Ausschussloch zu sehen, fand ich keines.

Die Kugel saß noch in seinem Körper.

Johnny kämpfte verzweifelt, nicht bewusstlos zu werden.

»Ich habe kein Gefühl«, murmelte er mühsam. »Adam, ich kann mich nicht mehr bewegen. Was ist das?«

Erst dann schwanden ihm die Sinne.

Zuerst dachte ich, Johnny wäre tot. Aber dann stellte ich fest, dass er noch flach atmete.

Ich brauchte einen Doc für Johnny, und wahrscheinlich musste es sogar ein besonders guter Doc sein, ein Chirurg. Ich ahnte schon, dass es nicht leicht sein würde, die Kugel herauszubekommen. Sie war Johnny durch den Leib gefahren und irgendwo an der Wirbelsäule stecken geblieben.

Die Revolvermänner, mit denen wir gekämpft hatten, lagen am Boden. Und mir selbst lief das Blut aus der Fleischwunde über die Rippe. Erst jetzt spürte ich den Schmerz bewusst.

»Ein Doc muss her«, sagte ich und wandte mich an den Vormann meiner Leute. »Hol einen Doc, Charly. Und wenn ...«

»Ich glaube, da kommt er schon«, unterbrach mich Charly. »Der hat mir im vergangenen Jahr einen Backenzahn herausgerissen, als wäre ich ein Pferd. Und dann war es auch noch der falsche Zahn, nicht jener, der so höllisch hämmerte und hackte.«

Ich sah mich um. Von der Stadt her kam ein zweirädriger Wagen, der von einem grauen Pferd gezogen wurde. Ein dicker Mann mit einem Walrossbart saß in dem Wagen und wischte sich mit einem roten Taschentuch über die Glatze, obwohl es nicht mehr heiß war. Die Abenddämmerung kam schon. Die Sonne hatte Feierabend gemacht.

Der Doc hielt bei unserem Camp an und sah sich um.

»Wer braucht mich denn am nötigsten?«, fragte er trocken.

Ich sah ihm an, dass er ein Säufer war. Er war auch nicht richtig nüchtern und schwitzte den Whisky aus allen Poren aus. Er war gekommen, um hier ein paar Dollars zu verdienen.

Er kletterte schnaufend aus dem kleinen Wagen und kniete bei meinem Bruder nieder.

Er untersuchte ihn kundig, und ich musste ihm helfen, Johnny auf den Rücken zu drehen.

Dann holte der Doc eine Flasche aus seinem Köfferchen und goss etwas von einer hellen Flüssigkeit in das Einschussloch.

»Vielleicht wird sich die Wunde nun nicht so leicht entzünden«,...



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