Unger | G. F. Unger 2113 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2113, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

Unger G. F. Unger 2113

Hochprärie
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1406-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Hochprärie

E-Book, Deutsch, Band 2113, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

ISBN: 978-3-7517-1406-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es ist schon fast Mitternacht, als Timothy Peak aus dem Smoky Hill River klettert und sich wie ein nasser Hund schüttelt. Dann hält er die Zeit für gekommen, ein stummes Dankgebet zum Himmel zu schicken und sich nach den Sternen zu orientieren. Indes er das tut, klettert neben ihm ein zottiges Ungetüm aus dem Wasser des Flusses und schüttelt sich wie ein riesenhafter Wolf. Aber es ist ein sechzehn Hand hoher Cheyenne-Wallach mit siebzehn Narben unter dem zottigen Fell.
Und zu diesem Kriegspferd sagt Timothy Peak nach einer Weile: »Das war es also, Hiob! Und jetzt werden wir weitersehen.«
Nach diesen Worten nimmt Tim Peak das in eine Teerplane geschnürte Bündel vom Sattel des Wallachs und öffnet es.
Er streift sich den trocken gebliebenen Anzug aus Hirschleder über den langen, hageren Körper und legt den Gürtel mit den beiden Kavallerie-Colts um. Nun fühlt er sich schon besser. Nachdem er auch das Gewehr untersucht hat, verhält er noch eine Weile und lauscht zum nördlichen Ufer des Flusses hinüber ...

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Hochprärie

Es ist schon fast Mitternacht, als Timothy Peak aus dem Smoky Hill River klettert und sich wie ein nasser Hund schüttelt. Dann hält er die Zeit für gekommen, ein stummes Dankgebet zum Himmel zu schicken und sich nach den Sternen zu orientieren. Indes er das tut, klettert neben ihm ein zottiges Ungetüm aus dem Wasser des Flusses und schüttelt sich wie ein riesenhafter Wolf. Aber es ist ein sechzehn Hand hoher Cheyenne-Wallach mit siebzehn Narben unter dem zottigen Fell.

Und zu diesem Kriegspferd sagt Timothy Peak nach einer Weile: »Das war es also, Hiob! Und jetzt werden wir weitersehen.«

Nach diesen Worten nimmt Tim Peak das in eine Teerplane geschnürte Bündel vom Sattel des Wallachs und öffnet es.

Er streift sich den trocken gebliebenen Anzug aus Hirschleder über den langen, hageren Körper und legt den Gürtel mit den beiden Kavallerie-Colts um. Nun fühlt er sich schon besser. Nachdem er auch das Gewehr untersucht hat, verhält er noch eine Weile und lauscht zum nördlichen Ufer des Flusses hinüber ...

Tim Peak braucht nicht lange zu warten, dann hört er jenes vertraute Geräusch, das von etwa zweihundert unbeschlagenen Pferdehufen erzeugt wird.

Im Sternenschein entdeckt er dann drüben am anderen Ufer die ersten Reiter.

Er legt beide Hände um den Mund und schickt das gellende »Hii-ho-ha!« der Hunkpapa-Sioux hinüber.

Sein Schrei wird sofort von dem vielstimmigen Wolfsschrei des Cheyenne-Rudels beantwortet.

Und damit ist alles klar.

Denn der Smoky Hill River ist von den letzten Regenfällen immer noch sehr angeschwollen. Selbst hier an der Furt ist der Übergang sehr gefährlich.

Es ist also klar, dass auch die Roten nur hier über den Fluss kommen können.

Und selbst der dümmste Trottel von ihnen sollte das nicht so bald und dann bestimmt nur mit sehr sorgenvollen Gefühlen tun.

Timothy Peak grinst grimmig, als er sich auf das nasse Pferd und in den nassen Sattel schwingt. Dann reitet er den Uferhang hinauf, lenkt oben sein Pferd herum und verhält dann im Schatten einiger Bäume.

Wieder braucht Timothy Peak nicht sehr lange zu warten. Die Roten auf der anderen Flussseite lenken ihre Pferde ins Wasser. Und das hätten sie noch nicht tun dürfen.

Die Nacht ist nämlich sehr hell, und immer wieder schiebt ein Viertelmond sein spitzes Kinn durch lose Wolkenschleier. Die Sterne leuchten überall zwischen diesen Wolkenfetzen prächtig.

Und ein Mann, der gern seinen Skalp retten möchte, hat keine andere Wahl.

Timothy Peak beginnt also sofort zu schießen, bevor die Roten so tief ins Wasser gelangen, dass man nur noch ihre Köpfe und die ihrer Pferde sehen kann.

Timothy Peak hat eine Winchester, eines jener Modelle, die neu hier an der Grenze sind und mit denen die Armee vielleicht erst in zehn Jahren ausgerüstet werden wird.

Dieser Winchester-Karabiner kracht siebenmal.

Dann hört Timothy Peak auf, denn die Sieben ist für Cheyennes eine böse Zauberzahl.

Drüben ist eine Menge Verwirrung, und das Geheul wird schlimm.

Natürlich krachen auch drüben einige Gewehre, aber sie verstummen bald, weil den roten Burschen Pulver und Blei schon seit längerer Zeit mehr als knapp geworden sind. Überdies aber hoffen sie immer noch, den Scout der Armee lebendig bekommen zu können, weil dies dann für ihre ganze Nation eine besondere Ehre wäre. Diese Tat würde in Legenden und Gesängen weiterleben.

Es wird also still. Einige tote Pferde treiben den Strom hinunter. Und zwei Verwundete birgt man, bevor sie ertrinken.

Dann sendet Tim Peak nochmals sein Hunkpapa-Hii-ho-ha hinüber.

Die Antwort ist wie ein Ausbruch der Hölle, stimmlich gemeint.

Und Timothy Peak lauscht fast ergriffen, weil ihm dieses Höllengebrüll sehr deutlich sagt, was mit ihm geschehen würde, wenn sie ihn erwischen und in ihre Dörfer bringen können.

Dann wendet er langsam sein Pferd und reitet davon. Aber er schlägt nur einen Bogen und kommt etwa hundert Yards unterhalb der Furt wieder zum oberen Uferrand zwischen einige Bäume.

Er kommt gerade im richtigen Moment, denn die Roten versuchen es nochmals und hoffen, dass er weitergeritten ist.

Aber er enttäuscht sie mit abermals sieben Kugeln, die wieder dort drüben eine Hölle entfesseln.

Dann endlich reitet er davon, und nun darf er hoffen, dass er zumindest zwei Stunden Vorsprung haben wird. Früher werden die Roten ein Durchschwimmen des Flusses nicht mehr wagen. In zwei Stunden jedoch werden sie es bestimmt tun, denn dann beginnen die Nebel dicht über dem Fluss zu steigen und geben ihnen Schutz vor Timothy Peaks Kugeln.

Aber zwei Stunden sind auch für einen Mann, der schon hundert Meilen geritten ist, ein guter Vorsprung.

Timothy Peak beeilt sich nicht einmal sehr, denn es könnte sein, dass er die letzte Kraft seines Pferdes für einen Endspurt sehr nötig braucht. Er muss damit rechnen, denn das Rudel sitzt noch keine zehn Meilen auf den jetzigen Pferden. Obwohl »Hiob« sie vielleicht nach einem Hundert-Meilen-Ritt noch schlagen könnte, würde es bestimmt ein heißes Rennen geben.

Als er etwa zehn Meilen geritten ist, sieht er etwas vor sich, was ihn anhalten und grimmig zu seinem Pferde-Wolf sagen lässt: »Zum Teufel, Hiob, das wird ziemlich hart.«

Und dann reitet er auf die beiden großen Feuer zu, die er zu Gesicht bekam, als er von einer mächtigen Bodenwelle Ausblick über eine weite Senke erhielt.

Und ein Mann wie Timothy Peak braucht nicht erst zweimal hinzusehen, um zu wissen, dass diese beiden Feuer zu einem Büffeljägercamp gehören.

Er kommt ziemlich überraschend in das Camp – ein großer hagerer Mann auf einem riesengroßen, struppigen und hässlichen Pferd. Er kommt wie ein Präriegeist zwischen den Wagen hindurch ans Feuer geritten, und die roten Bartstoppeln und seine rote Haarmähne erscheinen im Flammenschein noch röter.

Einige Männer springen vom Boden auf und greifen dabei zu den Gewehren. Und eine heisere Stimme ruft wild: »Zum Teufel, was ist das?«

Aber dann haben sie wohl doch erkannt, dass er kein Präriegeist und auch keine wilde Rothaut ist. Sie begreifen, dass sie einen ziemlich mitgenommenen Bergläufer der Hochprärie vor sich haben.

Als er zu sprechen beginnt, wird es allen Leuten im Camp klar, dass er ihre gemeinsame Muttersprache besser spricht als jeder andere Mann im Camp.

Und da wissen sie, dass dieser so plötzlich aufgetauchte rothaarige und verwildert wirkende Reiter ein Weißer ist, der sogar gebildeter zu sein scheint als alle hier anwesenden Büffelschlächter.

Er sagt trocken: »Ihr werdet bei Sonnenaufgang sicherlich Besuch bekommen. Zuerst werden es nur etwa fünfzig Cheyennes sein. Zwei oder drei Stunden später kommen jedoch mehr als dreihundert. Muss ich euch erst erklären, was die mit euch machen werden?«

Die Männer, es sind elf hartgesottene Burschen, starren ihn eine Weile stumm an und sagen nichts. Aber das ist nur natürlich, denn welcher Mann findet sofort Worte, wenn er hören muss, dass er seinen Skalp schon fast verloren hat und ihn nur ein Wunder noch retten könnte.

Timothy Peak nickt ihnen ruhig zu.

»Seid ihr zu stolz, um einen kostenlosen Rat zu hören?«, fragt er dann lässig.

Aber sie haben diese Nachricht noch nicht verdaut und starren ihn nur an.

Da sagt er: »Lasst alles stehen und liegen und setzt euch auf die Pferde. Wenn ihr gut genug reiten könnt und eure Tiere einigermaßen ausdauernd sind, dann könnt ihr es vielleicht schaffen.«

Und als er das gesagt hat, kann er sogleich wieder einmal erleben, wie sehr die Menschen einander misstrauen und nur schlechte Dinge voneinander denken.

Denn ein riesenhafter Bursche mit funkelnden Augen und einer scharfen Adlernase öffnet jetzt seinen schwarzen Vollbart und lässt im Feuerschein zwei Zahnreihen blitzen.

Und er sagt: »Auf diesen Bluff fallen wir nicht herein, mein Junge!« Dabei hebt er sein Büffelgewehr und zielt damit genau auf Timothy Peaks Brust.

Er will sein Pferd wenden und davonreiten.

Aber der Schwarzbart lässt den Hahn seiner Büffelflinte knacken.

Es ist aber noch ein anderer Grund vorhanden, warum Timothy sein Pferd nicht in Bewegung setzt und regungslos im Sattel bleibt.

Eine dunkle Frauenstimme sagt nämlich von der Ecke eines Wagens her: »Warum glaubst du ihm nicht? Morgan, du ...«

»Halt deinen Mund, Amy!«, knurrt der Schwarzbart scharf in ihre Richtung und wendet sich wieder an Timothy. »Herunter vom Gaul! Charly! Bill! Los! Nehmt ihm endlich die Waffen weg! Ich glaube diesem Präriezigeuner kein einziges Wort!«

Timothy starrt immer noch zu der Frau hinüber. Er kann sie nur undeutlich erkennen, denn sie steht im Schatten des Wagens und ist wie ein Mann gekleidet. Sie bewegt sich plötzlich und tritt in den Feuerschein.

Und nun sieht er, dass sie für eine Frau ziemlich groß ist. Die Männerkleidung ist ihr zu weit, aber man kann trotzdem erkennen, dass alles richtig an ihr ist. Sie ist eine richtige und voll erblühte Frau.

Mit ruhiger Stimme ruft sie: »Männer, hört nicht auf...



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