E-Book, Deutsch, Band 2137, 64 Seiten
Reihe: G.F.Unger
Unger G. F. Unger 2137
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-2323-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jagd auf Quade
E-Book, Deutsch, Band 2137, 64 Seiten
Reihe: G.F.Unger
ISBN: 978-3-7517-2323-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Sache begann damals in El Paso an einem Pokertisch. Ich spielte mit hartgesottenen Burschen und bekam gegen Ende der Nacht einen Straight Flush in die Hand.
Da aber von schlauen Köpfen ausgerechnet worden war, dass ein Royal Flush normalerweise nur alle sechshundertfünfzigtausend Spiele einmal vorkommt, hatte ich mit meinem Straight Flush wenig Sorgen und beschloss, im Spiel zu bleiben - bis in die Hölle und zurück.
Wir spielten Draw-Poker. Die fünf Karten wurden also verdeckt gegeben. Und man konnte drei davon zurückgeben und neue fordern. Letzteres hatte ich getan und so den zweithöchsten Flush zusammenbekommen. Aber die vier anderen Mitspieler hatten offenbar auch gute Karten. Denn die Einsätze wurden ständig erhöht.
Als ich schon zu befürchten begann, dass man mich aus dem Spiel bieten würde, und bereits überlegte, was mein Pferd und mein Sattel wohl als Einsatz wert wären, da stiegen drei der Hartgesottenen aus, wahrscheinlich weil sie nicht bereit waren, Pferd und Sattel zu riskieren. Nur einer blieb im Spiel - aber der war auch schon blank.
Wir grinsten uns an. Ich tat es so richtig herausfordernd, und er tat es grimmig. Unsere Nerven waren zum Zerreißen gespannt ...
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Jagd auf Quade
Die Sache begann damals in El Paso an einem Pokertisch. Ich spielte mit hartgesottenen Burschen und bekam gegen Ende der Nacht einen Straight Flush in die Hand.
Da aber von schlauen Köpfen ausgerechnet worden war, dass ein Royal Flush normalerweise nur alle sechshundertfünfzigtausend Spiele einmal vorkommt, hatte ich mit meinem Straight Flush wenig Sorgen und beschloss, im Spiel zu bleiben – bis in die Hölle und zurück.
Wir spielten Draw-Poker. Die fünf Karten wurden also verdeckt gegeben. Und man konnte drei davon zurückgeben und neue fordern. Letzteres hatte ich getan und so den zweithöchsten Flush zusammenbekommen. Aber die vier anderen Mitspieler hatten offenbar auch gute Karten. Denn die Einsätze wurden ständig erhöht.
Als ich schon zu befürchten begann, dass man mich aus dem Spiel bieten würde, und bereits überlegte, was mein Pferd und mein Sattel wohl als Einsatz wert wären, da stiegen drei der Hartgesottenen aus, wahrscheinlich weil sie nicht bereit waren, Pferd und Sattel zu riskieren. Nur einer blieb im Spiel – aber der war auch schon blank.
Wir grinsten uns an. Ich tat es so richtig herausfordernd, und er tat es grimmig. Unsere Nerven waren zum Zerreißen gespannt ...
Er glaubte tatsächlich, dass ich bluffte und ihn aus dem Spiel bieten wollte. Und er musste meine fünfhundert Dollar bringen, um die ich erhöht hatte.
Nachdem er mich grimmig angegrinst hatte, zog er einen Briefumschlag aus der Innentasche seiner Jacke und nahm ein Blatt heraus, welches er entfaltete. Er gab es mir, und so konnte ich lesen, dass es sich um eine Option über tausend Rinder handelte, für die bereits tausend Dollar angezahlt wurden. Und bei Zahlung von weiteren tausend Dollar konnte man sich zu einer beliebigen Zeit die Herde abholen.
Das bedeutete also, dass man für insgesamt zweitausend Dollar tausend Longhorns bekommen würde.
Nun, das war zu dieser Zeit so kurz nach dem Krieg kein besonders günstiges Geschäft. In ganz Texas bekam man zu dieser Zeit jede Menge Rinder zwischen zwei und drei Dollar das Stück.
Denn es gab nirgendwo Absatzmärkte für den Rindersegen. Die Rancher waren froh, wenn sie mal ein paar Dutzend Rinder verkaufen konnten, um ein wenig Bargeld in die Finger zu bekommen.
Die Absatzmärkte in Kansas gab es noch nicht.
Deshalb schüttelte ich den Kopf und wollte das Optionspapier zurückgeben. Doch bevor ich etwas sagen konnte, sprach der Mann zu mir: »Halt, sagen Sie noch nichts. Lassen Sie es sich erst mal erklären. Ich bin Viehaufkäufer und komme aus Kansas. Dort entstehen einige neue Bahnlinien, die bei Verladebahnhöfen mitten auf der Prärie enden sollen, Verladebahnhöfe für texanische Rinderherden. Denn im Osten entstanden Fleischfabriken. Man erfand Kühlsysteme. Man wird bald die texanischen Longhorns in die ganze Welt verfrachten. Die Rinder hier in Texas werden sich deshalb bald in Dollars verwandeln. Diese Option ist eine todsichere Spekulation. Und je länger Sie mit der Einlösung warten, umso mehr Gewinn wird sie bringen. Ich würde jede Wette eingehen, dass in spätestens einem Jahr die Rinder hier in Texas schon fünf Dollar wert sind. Verstehen Sie?«
Ich starrte den Mann an. Und er kam mir wirklich nicht wie ein Dummkopf vor. Dieser Bursche war erfahren.
Und so ließ ich mir in den wenigen Sekunden, die mir blieben, die Sache nochmals durch den Kopf gehen.
Ja, es war gewiss eine Spekulation, aber eine ziemlich sichere, wenn man lange genug warten konnte. Die Rinder hier in Texas konnten wahrhaftig bald sehr viel wertvoller sein, wenn es in Kansas Verladebahnhöfe gab, von denen aus man die Herden nach dem Osten verfrachten konnte. Auch ich hatte davon schon gehört. Denn ich kam viel herum.
Mir war auch klar, dass viele große Rancher solche Optionen verkaufen mussten, um etwas Bargeld in die Hände zu bekommen. Denn die Steuereintreiber der Yankees waren überall ausgeschwärmt. Auch mussten die Rancher Löhne zahlen und allerlei Einkäufe tätigen – vom Proviant für ihre Reiter bis zum Hufnagel.
Mir war klar, dass mein Gegenüber gewiss noch Dutzende solcher Optionen in der Tasche hatte. Denn für diese eine war er nicht nach Texas gekommen. Das würde sich nicht gelohnt haben.
Und überdies glaubte er ja auch an sein besseres Blatt und brachte diese Option nur als Einsatz, um nicht aus dem Spiel geboten zu werden.
Ich nickte und sagte: »Für fünfhundert Dollar nehme ich diese Option als Einsatz an.«
»Und dann lassen Sie sehen?« So fragte er misstrauisch.
Ich nickte. »Ja, dann decken wir auf«, versprach ich ihm, denn ich war der Mann, der das Sehen fordern konnte in dieser Runde.
»Also gut«, nickte er. »Sie sind ein harter Bursche.«
Ich grinste nur.
Wir deckten dann auf.
Er hatte vier Damen, also einen Vierling, die dritthöchste Kartenkombination beim Poker.
Ich hatte fünf nachfolgende Werte in der gleichen Farbe, also einen Straight Flush, und der schlug nun mal jeden Vierling. Da biss keine Maus einen Faden von ab.
Er war ein fairer Verlierer. Als wir uns alle erhoben und ich die vier Gentlemen als der große Gewinner dieser Nacht noch an die Bar zu einem Drink einlud, da sagte er: »Mister, an Ihrer Stelle würde ich zwei Jahre warten. Die Quarter Circle B Ranch ist eine Riesenranch im Pecos-Land. Die wird in den nächsten Jahren nur noch größer. Deren Rinder sind Ihnen auch noch in zehn Jahren sicher. Und je länger Sie warten, umso mehr werden Sie verdienen. Keine Bank könnte Ihnen so viel Zinsen zahlen, wie sich der Wert dieser Option erhöhen wird.«
Ich glaubte ihm.
Dann tranken wir unsere Drinks und trennten uns.
Als ich in meinem Hotelzimmer in meinem Bett lag, war ich zufrieden mit dieser Nacht in El Paso. Ich hatte eine Menge Geld gewonnen und besaß eine Option über tausend Rinder, ausgestellt von der Quarter Circle B Ranch im Pecos-Land. Ich hatte überdies auch schon von dieser Ranch gehört, wusste also, dass es sie wirklich gab.
Ich schlief zufrieden ein.
?
Als ich erwachte, war es Mittag. Ich wohnte im nobelsten Hotel Von El Paso, in dessen Innenhof eine Quelle sprudelte und die Vögel zwitscherten.
Ich hatte Wildpferde gejagt, diese zugeritten und an die Post- und Frachtlinie verkauft. Draußen im wilden Wildpferdland hatte ich viele Wochen nicht baden können – es sei denn, im eigenen Schweiß. Deshalb hatte ich gestern gebadet. Und nun wollte ich es wieder tun.
In diesem noblen Hotel bekam man für gute Dollars jeden Wunsch erfüllt.
Und so erhob ich mich, öffnete die Tür und rief draußen laut genug den Gang entlang, sodass man es unten in der Empfangshalle gewiss hören konnte: »Hoiii, schafft mir noch mal die Badewanne ins Zimmer! Und ein erstklassiges Frühstück ebenfalls! Habt ihr das verstanden?«
Von unten tönte es sofort die geschwungene Treppe hinauf: »Ja, verstanden, Mister Quade! Wird alles prompt erledigt!«
Ich schnaufte zufrieden und trat in meinem Unterzeug ans Fenster, sah hinunter in den grünen und blühenden Innenhof, den so genannten Patio. Dabei überlegte ich, was ich in Zukunft tun sollte. Denn ich besaß jetzt eine Menge Geld. Zu dem Erlös für meine Wildpferde kam nun noch der Spielgewinn den vergangenen Nacht.
Eigentlich war ich geradezu wohlhabend geworden.
Was also sollte ich tun?
Sollte ich, nachdem ich nun über ein ziemlich großes Spielkapital verfügte, weiterhin mein Glück als Spieler versuchen?
Sollte ich mir eine Ranch kaufen und Pferde züchten, vielleicht auch Maultiere?
Oder sollte ich nach Norden gehen und dort mit offenen Augen nach irgendwelchen Chancen suchen?
Ich war mehr als vier Jahre im Krieg gewesen, hatte in der Texas-Brigade unter General Jackson gedient und war sogar vom General selbst wegen außergewöhnlicher Tapferkeit befördert und belobigt worden.
Aber das galt jetzt alles nicht mehr.
Der Süden hatte verloren und wurde nun ausgeplündert.
Es war sicherlich besser, in den Norden zu gehen.
Es wurde an die Tür geklopft. Als ich sie öffnete, trugen die beiden Hausneger die schon halb gefüllte Badewanne herein. Es war ein himmelblau emailliertes Ding mit rosa Blümchen.
Die beiden Schwarzen grinsten mich an, brachten dann noch einige Eimer mit heißem Wässer.
Ich stellte einen Stuhl dicht neben die Wanne und legte meinen Colt griffbereit darauf, dann stieg ich in die Wanne, nachdem ich mich meines Unterzeugs entledigt hatte.
Der Neger brachte mir ein Stück Rosenduftseife und grinste dabei.
Aus der Wanne heraus sagte ich: »Pass auf, Bimbo. Dein Grinsen gefällt mir nicht. Ich sollte dich mal einige Monate lang auf Wildpferdjagd ins Apachenland mitnehmen, bis du wie ein Pferd oder ein Apache stinkst. Dann möchtest du auch nach Rosen riechen. Hast du das kapiert, Bimbo?«
Nun grinste er böse.
»Ich heiße George Washington«, sagte er. »Aber wahrscheinlich haben Sie Recht, Mister.«
»Das habe ich, Mister George Washington«, erwiderte ich.
Als er ging, war ich nicht lange allein. Die Tür ging auf, und Nancy Bodin kam herein....




