E-Book, Deutsch, Band 2169, 64 Seiten
Reihe: G.F.Unger
Unger G. F. Unger 2169
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-3743-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Richter David
E-Book, Deutsch, Band 2169, 64 Seiten
Reihe: G.F.Unger
ISBN: 978-3-7517-3743-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
»Da kommen sie«, sagt einer der Reiter hinter Jim Starr grimmig. »Da kommt Jeff Bannack mit seinem Aufgebot aus dem Silver County. Aber sie werden nicht auf diese Seite des Flusses kommen, sondern umkehren!«
Jim Starr hört die Worte, doch er schaut sich nicht um. Er sitzt bewegungslos auf seinem großen Rehbraunen und blickt über den Pecos auf die Reiter, die aus den Hügeln kamen und nun das jenseitige Flussufer erreichen.
Jim Starr ist ein großer Mann mit hartem Gesicht und rauchgrauen Augen. An seiner Seite hängt ein alter Colt, und auf seiner rehfarbenen Lederweste blinkt ein Stern. Er ist der Sheriff des Edward County, und mit jedem Tag ist er weniger stolz auf seinen Posten. Als er sieht, wie drüben die Reiter ins Wasser preschen, presst er die Lippen noch fester zusammen und er sagt nicht besonders laut, doch sehr präzise: »Ihr wartet hier. Und wenn jemand zu schießen beginnt, bevor ich das so haben will, dann nehme ich mir diesen Narren nachher vor.«
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Richter David
»Da kommen sie«, sagt einer der Reiter hinter Jim Starr grimmig. »Da kommt Jeff Bannack mit seinem Aufgebot aus dem Silver County. Aber sie werden nicht auf diese Seite des Flusses kommen, sondern umkehren!«
Jim Starr hört die Worte, doch er schaut sich nicht um. Er sitzt bewegungslos auf seinem großen Rehbraunen und blickt über den Pecos auf die Reiter, die aus den Hügeln kamen und nun das jenseitige Flussufer erreichen.
Jim Starr ist ein großer Mann mit hartem Gesicht und rauchgrauen Augen. An seiner Seite hängt ein alter Colt, und auf seiner rehfarbenen Lederweste blinkt ein Stern. Er ist der Sheriff des Edward County, und mit jedem Tag ist er weniger stolz auf seinen Posten. Als er sieht, wie drüben die Reiter ins Wasser preschen, presst er die Lippen noch fester zusammen und er sagt nicht besonders laut, doch sehr präzise: »Ihr wartet hier. Und wenn jemand zu schießen beginnt, bevor ich das so haben will, dann nehme ich mir diesen Narren nachher vor.«
Nach diesen Worten reitet auch er in den Fluss hinein. Das Wasser reicht seinem hochbeinigen Rehbraunen bis zum Bauch, als er die Flussmitte erreicht hat und vor Jeff Bannack und dessen Aufgebot sein Pferd verhält.
Jeff Bannack, der Sheriff des Silver County, ist ein bulliger und stark schwitzender Mann mit einem roten Schnurrbart, zwei Colts und zwei grimmig und unversöhnlich blickenden Augen.
Und er hat drei Dutzend Reiter hinter sich, die besten Kämpfer seines Countys. Diese Gewissheit macht ihn heute noch unversöhnlicher und härter. Er starrt Jim Starr kalt an und sagt dann rau: »Diesmal kehre ich nicht um! Diesmal will ich die Schufte haben! Mit oder ohne dich, Jim! Ich will eine Bande von Bankräubern fangen, die in dein County geflüchtet ist und sich dort geborgen fühlt. Diesmal kehre ich nicht um, sondern durchsuche das ganze Edwards County und die Banditenstadt Pecos Bend. Hast du mich verstanden, Jim Starr?«
Jim Starr nickt.
»Genau«, sagt er. »Ich habe dich gehört und habe genau verstanden, was du willst.«
Danach macht er eine Pause und blickt den Amtskollegen von der anderen Flussseite ruhig und fest an.
»Und was sagst du dazu?«, fragt Jeff Bannack wild und zornig.
Jim Starr deutet neben seinem Pferd auf das Wasser des Flusses nieder.
»Hier ist die Grenze«, sagt er sanft. »Hier endet dein Amtsbereich. Auf dieser Seite bin ich der Sheriff. Schick mir die Personalien, Beschreibungen oder Steckbriefe der Banditen. Dann will ich versuchen, ihrer habhaft zu werden. Du bekommst sie dann zugeschickt. Doch du wirst nicht mit deiner Mannschaft in meinem County herumreiten.«
Jeff Bannack fragt: »Warum werde ich nicht in deinem County herumreiten, Jim?«
Da zeigt ihm Jim Starr ein sparsames und sehr kurzes Lächeln.
»Versuche es, und du wirst es herausfinden, Jeff«, sagt er trocken. Mehr nicht.
Jeff Bannack späht zum anderen Ufer hinüber. Und auch dort wartet eine Mannschaft. Auch dort sind etwa drei Dutzend Reiter im Sattel, und Jeff Bannack kennt die wilden und verwegenen Burschen aus dem Edwards County. Er weiß, was dort auf ihn wartet, wenn er mit seinen Leuten die Grenze überschreitet. Die wilden Jungs dort sind fast alle Banditen, Revolverhelden, Deserteure der Armee und aus vielen anderen Gründen Verfolgte, Geächtete und ziellos Treibende.
Ja, Sheriff Jeff Bannack weiß genau Bescheid. Er weiß überhaupt viel über das Edwards County, dessen Bewohner und über den Revolvermann Jim Starr, der dort Sheriff ist.
»Du verdammter Revolversheriff«, sagt er böse zu Jim Starr. »Du weißt ganz genau, dass dein County voller Banditen ist. Du weißt ganz genau, dass diese Banditen immer wieder über den Pecos kommen, überall Überfälle und Diebstähle verüben und sich dann wieder in deinem County in Sicherheit bringen. Und wenn dann das Aufgebot ihrer Verfolger am Fluss auftaucht, bist du mit einer wilden Horde von Revolverschwingern zur Stelle und verhinderst, dass gute und rechtliche Gesetzesmänner diese Banditen verfolgen und festnehmen können.«
Er verstummt grollend und mit einer bösen Wut.
»Du hast schon viele Steckbriefe und Beschreibungen bekommen«, sagt er dann noch böser. »In deinem County lebt eine ganze Anzahl von Burschen, die steckbrieflich wegen vielerlei Untaten gesucht werden. Und du hast noch nie einen dieser wilden Jungs verhaftet und den Gerichten überstellt. Du bist ein verdammter Banditensheriff!«
Als er verstummt, erwidert Jim Starr kein Wort. Er sitzt nur ruhig auf seinem großen Rehbraunen, hat die Hände lässig über dem Sattelhorn liegen und beobachtet ausdruckslos und still den Sheriff aus dem Silver County und dessen Aufgebot.
Ja, auch Jeff Bannack hat sich ein raues Rudel mitgebracht. Das kann Jim Starr leicht erkennen. Und dennoch ist dieses raue Aufgebot aus dem Silver County jetzt schon leicht nervös.
Sheriff Jeff Bannack aber fragt sich in diesen Sekunden, wie weit er gehen soll. Er spürt mit einem Mal die volle Last seiner Verantwortung, und er spürt sie wie das Gewicht eines Felsbrockens.
Denn wenn er sich dazu entschließt, mit seinem Aufgebot hinüber auf die andere Seite zu reiten, dann wird es Blutvergießen und sicherlich sogar Tote geben.
Er schnauft schwer.
»Es waren die Trimble-Brüder«, sagt er. »Sie wurden genau erkannt. Bill und Wego Trimble sowie Bravo Bring und Jett Lapaz wurden genau erkannt. Sie haben etwa zwanzigtausend Dollar aus unserer Bank geholt und drei Männer niedergeschossen. Einer dieser Männer war der Kassierer. Er war schon tot, als ich die Verfolgung aufnahm. Jim Starr, ich gebe dir sechs Tage. Wenn du diese Mörder und Banditen dann nicht an Silver City auslieferst, wenden wir uns an den Gouverneur.«
Seine Stimme zittert, als er verstummt. Er ist jetzt ein Mann, der aufgegeben hat und umkehren wird. Doch er kehrt nicht aus Feigheit um, dies ist sicher! Er will nur nicht, dass es zu einem blutigen Kampf und einem großen Blutvergießen kommt.
Dann steigt der kaum beherrschte Zorn wieder in ihm auf, und er beginnt zu brüllen: »Wenn wir nochmals kommen, dann werden wir mehr als hundert Reiter sein! Und dann kommen wir, wenn ihr uns nicht erwartet. Dann jagen wir Pecos Bend und das ganze Edwards County in die Hölle! Dann räumen wir auf! Sechs Tage hast du Zeit, Banditensheriff! Hast du verstanden?«
Jim Starr nickt.
»Reite nur mit deinen Jungs heim«, sagt er ruhig.
»Glaub nur ja nicht, dass ich aus Furcht umkehre«, knurrt Jeff Bannack.
Jim Starr schüttelt den schmalen Kopf. »Das glaube ich bestimmt nicht, Jeff, ganz bestimmt nicht! Ich kenne dich zu gut. Furcht kennst du nicht. Du bist nur vernünftig, sehr vernünftig.«
Jeff Bannack starrt ihn eine Weile an. Dann treibt er sein Pferd noch ein Stück vor, bis er neben Jim Starr verhält und ihre Pferde sich gegenseitig die Schwänze um die Nasen schlagen.
Jeff Bannack beugt sich etwas aus dem Sattel und zu Jim hinüber.
»Du hast einen großen Namen als Revolverkämpfer, Jim«, murmelt er. »Doch es war kein schlechter Name. Ein Bandit warst du nie. Und jetzt trägst du einen Stern. Warum legst du mit diesem Stern so wenig Ehre ein, Jim? Wenn du nur wolltest, könnten wir, du und ich, das Banditenland dort drüben säubern. Warum bist du ein Banditensheriff?«
Jim Starr blickt auf seine Hände, die immer noch ruhig über dem Sattelhorn liegen.
»Die Zeit ist noch nicht reif«, sagt er schließlich. »Es leben auch einige gute Menschen im Edwards County. Du kennst die schwarzen und die weißen Böcke nicht, Jeff. Und ich kann diesen wilden Jungs dort hinter mir nicht die Waffen abnehmen. Selbst wenn ich mich auf deine Seite stellte, Jeff, würde es zu einem blutigen Kampf kommen. Es wäre sinnlos, Jeff. Wenn in einem wilden Land die Zeit reif ist, dann säubert es sich aus eigener Kraft. Ein Land ist wie ein Mensch. Es ist viel Schlechtes und viel Gutes drin. Man muss nur warten können. Reite heim, Jeff! Und glaub mir, es ist nicht damit zu machen, dass du mit hundert Reitern über den Fluss kommst oder der Gouverneur sogar Soldaten schickt. Du kannst nicht jedes Geschwür aufschneiden. Manchmal muss sich so etwas von innen heraus reinigen. Reite heim, Jeff!«
Der starrt ihn voller Zweifel an.
»Ich werde aus dir nicht schlau, Jim Starr«, murmelt er. Und dann zieht er sein Pferd herum und reitet zurück. Sein Aufgebot teilt sich im Fluss, macht ihm eine Gasse frei, durch die er reitet. Dann schließt sich das Aufgebot hinter ihm zusammen.
Wieder einmal ist ein Aufgebot hier am Pecos umgekehrt und hat nicht gewagt, den Fluss zu durchfurten und ins Banditenland zu reiten.
Auch Jim Starr reitet zurück, und die Burschen der auf ihn wartenden wilden Horde, dieses raue Rudel Hartgesottener, sie grinsen ihn an.
Einer der Männer ruft ihm zu: »Elegant und gekonnt hast du sie heimgeschickt, Jim!«
Ein anderer Mann sagt heiser: »Sie wussten genau, dass wir sie aus den Sätteln schießen würden.«
Jim Starr nickt ausdruckslos. Er deutet auf zwei Männer und sagt: »Bleibt am Fluss und passt auf! Jeff Bannack war voller Zorn. Es...




