E-Book, Deutsch, Band 2189, 64 Seiten
Reihe: G.F.Unger
Unger G. F. Unger 2189
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-4078-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Montana Wade
E-Book, Deutsch, Band 2189, 64 Seiten
Reihe: G.F.Unger
ISBN: 978-3-7517-4078-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Es war Spätfrühling, fast schon Sommer, als ich aus den Bitter Roots hinunter zum Missouri kam. Es lag ein guter Jagdwinter hinter mir und meine drei Packpferde hatten an meiner Pelzausbeute schwer zu tragen gehabt. Über dreitausendfünfhundert Dollar hatte sie mir eingebracht. Dreitausend hatte ich auf meinem Konto gutschreiben lassen. Über fünfhundert trug ich noch bei mir, um sie in Fort Benton auf den Kopf zu hauen. Das hatte ich mir nämlich redlich verdient, so glaubte ich.
Auf dem Rückweg zu meinem Tal würde ich dann noch einen Besuch bei den Nez-Percé-Indianern machen. Ich war ja zu einem Viertel einer von ihnen, und wir verstanden uns prächtig miteinander.
Nachdem ich also die geschäftlichen Dinge erledigt hatte, schlenderte ich ein Stück am Fluss entlang, um mir das Leben und Treiben dort anzusehen.
Plötzlich kam ich an eine Stelle, wo sich eine kleine Menschenmenge um zwei Käfige versammelt hatte, die sich auf zwei Wagen gegenüberstanden. In den Käfigen befanden sich zwei Hunde.
Neugierig ging ich näher.
Wie hätte ich ahnen können, dass diese beiden Hunde schon bald mein Leben gewaltsam verändern sollten!
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Montana Wade
Es war Spätfrühling, fast schon Sommer, als ich aus den Bitter Roots hinunter zum Missouri kam. Es lag ein guter Jagdwinter hinter mir, und meine drei Packpferde hatten an meiner Pelzausbeute schwer zu tragen gehabt. Über dreitausendfünfhundert Dollar hatte sie mir eingebracht.
Dreitausend hatte ich auf meinem Konto gutschreiben lassen. Über fünfhundert trug ich noch bei mir, um sie in Fort Benton auf den Kopf zu hauen. Das hatte ich mir nämlich redlich verdient, so glaubte ich.
Auf dem Rückweg zu meinem Tal würde ich dann noch einen Besuch bei den Nez-Percé-Indianern machen. Ich war ja zu einem Viertel einer von ihnen, und wir verstanden uns prächtig miteinander.
Nachdem ich also die geschäftlichen Dinge erledigt hatte, schlenderte ich ein Stück am Fluss entlang, um mir das Leben und Treiben dort anzusehen.
Plötzlich kam ich an eine Stelle, wo sich eine kleine Menschenmenge um zwei Käfige versammelt hatte, die sich auf zwei Wagen gegenüberstanden.
In den Käfigen befanden sich zwei Hunde.
Neugierig ging ich näher.
Wie hätte ich ahnen können, dass diese beiden Hunde schon bald mein Leben gewaltsam verändern sollten!
In jedem dieser Käfige war also ein Hund oder jedenfalls ein Tier, welches man für einen Hund halten konnte. Und dennoch unterschieden sie sich äußerlich sehr.
In dem einen Käfig befand sich ein Prachtexemplar von einem Wolfshund, ein großer und gewiss auch kluger Bursche, ein Rüde. Ja, ich glaubte sofort, dass er Wolfsblut in den Adern hatte.
Ganz ruhig hockte er da und schien die Blicke der Leute nicht zu bemerken und ihre Stimmen nicht zu hören. Denn es war ein fortwährendes Stimmengewirr um die beiden Käfige.
Ich sah in den anderen Käfig und dachte auch schon: O Himmel, was ist das?
Ja, in diesem Käfig war auch ein Hund, aber in ihm waren viele Rassen vertreten. Dieses Tier war für den Kampf gezüchtet. Wahrscheinlich waren seine Väter und Mütter, also seine Vorfahren, Bullterrier, Bluthunde, Wölfe und irgendwelche Rassen anderer Erdteile, die ich nicht kannte.
Dieser Bursche da, der immerzu knurrte, sah gefährlich aus. Und sein Fang ließ gewiss auch im Tode nicht mehr los, was er einmal gepackt hatte.
O Hölle, der da war ein Killer!
Man sah es ihm an. Und ständig witterte und knurrte er zum anderen Käfig hinüber, so als könnte er es kaum erwarten, dem Artgenossen den Garaus zu machen, ihm also an die Kehle zu gehen und nicht mehr loszulassen.
Eine Stimme rief durch das Stimmengewirr: »Also, Leute, es werden noch Wetten angenommen! Es geht darum, wie lange der Wolf gegen Tigerkiller durchhalten kann. Denn dass er verlieren wird, leuchtet jedem Menschen ein. Aber wie lange hält er durch – eine Minute, zwei, drei, vier, fünf – oder gar zehn? Und für die Einsätze zahlen wir den Minuten entsprechend. Hält der Wolf also zehn Minuten durch, zahlen wir für einen Dollar zehn. Wer wagt es? Für einen Dollar können Sie zehn bekommen, wenn der Wolf durchhält!«
Ich hörte es und wollte es nicht glauben.
Aber es war so. Dies hier war eine verdammte Bande. Sie hatte einen Killerhund, den sie Tigerkiller nannten und gegen den kein anderer Hund auf dieser Erde eine Chance besaß. Sie konnten gewiss nirgendwo einen gleichwertigen Gegner finden. Also wurde nur auf die Minuten gewettet, die der Wolfshund noch am Leben blieb und die der ungleiche Kampf dauerte.
Ja, der Wolfshund war zum Tode verurteilt.
Denn die Bestie würde ihn zerfetzen. Noch niemals in meinem Leben sah ich so einen Hund. Ich konnte mir bisher nicht mal vorstellen, dass es solch einen Hund überhaupt gab.
Der Wolf tat mir leid.
Ich drängte mich durch die Menge und trat dicht an seinen Käfig.
Und als hätte ich leise etwas zu ihm gesagt, wandte er den Kopf und sah mich an. O Himmel, in seinen Augen war ein fast menschlicher Ausdruck. Jedenfalls empfand ich das so. Ich erkannte in seinen Augen Stolz und Mut, aber zugleich wusste er wohl, dass er zum Tode verurteilt war. Dennoch verlor er nicht seinen Stolz.
Er hockte ruhig auf seinem Hinterteil, hatte die Vorderbeine steif am Boden und sah mich ruhig an.
Was für ein prächtiger Bursche er war!
Er war ein Hund – aber irgendwie kam er mir wie ein Bruder vor.
Denn war ich nicht auch einer von der Sorte, die selbst im Angesicht des Todes ihren Stolz und Mut nicht verlieren würden?
Und verdammt allein war er, einsam – nur umgeben von einer gierigen Menge, die Wetten darauf abschloss, in welcher Minute ihn der Tigerkiller erledigt haben würde.
Verdammt, dachte ich, das lasse ich nicht zu.
Immer noch sah ich in seine Augen, und es war mir, als veränderten sie ihren Ausdruck. Sollte er tatsächlich irgendwie spüren, dass er nun nicht mehr allein war in seiner Not?
Ich sah mich endlich nach den Kerlen um, die dieses schmutzige Wettgeschäft betrieben.
Zwei waren Brüder, vielleicht sogar Zwillingsbrüder, jedenfalls sahen sie so aus. Sie waren dunkel wie ich, indianerhaft, und wahrscheinlich hatten sie sogar Indianerblut in sich. Doch weil sie böse waren, überwog das Indianerblut gewiss nicht in ihnen. Denn Indianer sind niemals böse gegen Tiere, ja, sie achten sogar die Pflanzen als gleichberechtigte Lebewesen in ihrer Welt.
Der dritte Mann war von einer anderen Sorte. Er war blond, löwenhaft, ein Riese, aber dabei geschmeidig. Wahrscheinlich war er ein ehemaliger Preiskämpfer. Denn in seinem Gesicht waren die Narben harter Fäuste.
Dieser Mann trat zu mir und fragte: »Wollen Sie auch auf ihn setzen? Sie haben ihn soeben genau geprüft, nicht wahr? Wird er zehn Minuten durchhalten?«
Ich schüttelte nur den Kopf, wandte mich ab und ging.
O ja, ich hatte noch Zeit.
Der Hundekampf sollte erst nach Mitternacht bei Feuerschein stattfinden. Die drei Kerle, die ihn veranstalteten, wollten ja noch viele Wetten annehmen. Und es sollte sich ja auch noch herumsprechen in Fort Benton.
Ich sah im Weggehen noch einmal auf den Wolfshund.
Und ich dachte dabei: Wolf, ich werde dir helfen. Dich bringt dieser Tigerkiller nicht um. Dafür sorge ich.
Ich ging davon.
Als ich mich durch die Menge drängte, hörte ich einen der Neugierigen sagen: »Das ist Duke McCabe mit den Cheyenne-Brüdern. Der war mal der große Champ zwischen New Orleans und Saint Louis. Der schlug sie alle. Doch er zerschlug sich dabei die Fäuste. Nun lässt er einen Killerhund für sich kämpfen.«
Ich wusste nun sogar schon ihre Namen. Der blonde Hurensohn war ein gewisser Duke McCabe. Die beiden indianerhaften Burschen waren die Cheyenne-Brüder.
Aber was sind schon Namen?
Wenn ich diesen Wolf erst befreit hatte, würde ich mich auf die Socken machen. Und niemand würde mich finden können in meinem verborgenen Tal.
O ja, ich wusste genau, dass ich diesen drei Hurensöhnen ein großes Geschäft vermasseln würde – auch, dass sie gefährlich waren.
Aber wenn ich erst in meinem Jagdgebiet war – falls sie überhaupt den Versuch machen sollten, mir zu folgen und sich an mir zu rächen –, würde ich mich gegen jeden Feind behaupten können.
Ich ging also, um Vorräte zu kaufen, die Packtiere zu beladen und dann abzuwarten, bis es Nacht wurde.
Denn vorher konnte ich nichts unternehmen.
Der Tag verging für mich wie im Flug, aber ich hatte ja auch eine Menge zu tun mit meinen Einkäufen. Denn auch Geschenke kaufte ich für meine entfernten Verwandten im Indianerdorf der Nez Percés, dessen Häuptling der Sohn meiner Großmutter war, also der Bruder meiner Mutter und somit mein Onkel. Meine Mutter war einst das schönste Mädchen der Nez Percés, doch vom zweiten Mann meiner Großmutter, einem Trapper französischer Herkunft. Mein Vater jedoch war ein Ire. Und deshalb hieß ich ja auch Mahoney, Wade Mahoney.
Nun, als es Nacht geworden war, ließ ich meine vier Pferde fertig zum Abritt im Hof der Handelsagentur von French Pete Laquer stehen und machte mich auf den Weg.
Es war etwa zwei Stunden vor Mitternacht, und dort, wo der Hundekampf stattfinden sollte, war es noch ruhig. Einige Gruppen lagerten in der Nähe. Man hatte einen kreisrunden Zaun errichtet. Der Durchmesser des Zaunkreises betrug etwa sechs Yards. Innerhalb dieses Kreises sollte der Hundekampf stattfinden.
Man würde Feuer anzünden, aber es waren auch Leinen ausgespannt, an denen Lampen hingen, hoch über den Köpfen der zu erwartenden Zuschauer, Karbidlampen, wie man sie auch auf den Schiffen verwandte.
Als ich mich den beiden Käfigen näherte, begann dieser Tigerkiller in seinem Zwinger sofort böse zu knurren, so als ahnte er schon, dass ich ihn um seinen »Spaß« bringen wollte und als könnte er mich als seinen Feind wittern.
Der andere Hund dagegen, den ich in meinen Gedanken immer nur Wolf nannte, verhielt sich still.
Ich konnte diesen Tigerkiller nur undeutlich sehen, doch weil ich ihn ja schon bei Tageslicht gesehen hatte, vermochte ich ihn mir gut vorzustellen.
Nun, er knurrte also böse, und gewiss hatte er auch seinen fürchterlichen Fang geöffnet, war bereit zum blitzschnellen...




