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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2198, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

Unger G. F. Unger 2198

Yellow Blizzard
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-4087-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Yellow Blizzard

E-Book, Deutsch, Band 2198, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

ISBN: 978-3-7517-4087-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Broderick Lee kommt von Süden her über den Big-Horse-Pass geritten und sieht von der Wasserscheide aus über gewaltige Bergterrassen auf das Million-Canyons-Land nieder.
Die Schönheit der Landschaft lässt ihn den Atem anhalten. Er ist von Arizona schon eine ganze Menge gewöhnt, aber dieses wilde Land dort unten schlägt alles.
Er sieht die grünen Terrassen, die roten Mesas, den schmalen Fluss, der silbern zwischen purpurnen Felswänden strömt. Und viele, viele Canyons durchbrechen überall die roten Bergschultern und bilden Furchen in dem wild zerhackten Land.
Broderick Lee holt tief Atem.
»Na gut«, murmelt er sanft, »vielleicht ist dieser Yellow Blizzard in Wirklichkeit mein verschollener Royal Flush. Ich werde ihn sofort erkennen, wenn ich ihn sehe. Und dann sollen ihn die Menschen nicht töten, weil er ein Killer ist. Vorwärts, Mister.«
Die letzten Worte gelten dem hässlichen, struppigen Pinto, den Broderick Lee reitet. Ein Packpferd trottet an der langen Leine hinterher.
So ziehen sie zum Million-Canyons-Land hinunter - ein großer, sehniger Mann, ein hässlicher Schecke und ein knochiges Packtier, das ein ziemlich dürftiges Bündel auf dem Rücken trägt ...

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Yellow Blizzard

Broderick Lee kommt von Süden her über den Big-Horse-Pass geritten und sieht von der Wasserscheide aus über gewaltige Bergterrassen auf das Million-Canyons-Land nieder.

Die Schönheit der Landschaft lässt ihn den Atem anhalten. Er ist von Arizona schon eine ganze Menge gewöhnt, aber dieses wilde Land dort unten schlägt alles.

Er sieht die grünen Terrassen, die roten Mesas, den schmalen Fluss, der silbern zwischen purpurnen Felswänden strömt. Und viele, viele Canyons durchbrechen überall die roten Bergschultern und bilden Furchen in dem wild zerhackten Land.

Broderick Lee holt tief Atem.

»Na gut«, murmelt er sanft, »vielleicht ist dieser Yellow Blizzard in Wirklichkeit mein verschollener Royal Flush. Ich werde ihn sofort erkennen, wenn ich ihn sehe. Und dann sollen ihn die Menschen nicht töten, weil er ein Killer ist. Vorwärts, Mister.«

Die letzten Worte gelten dem hässlichen, struppigen Pinto, den Broderick Lee reitet. Ein Packpferd trottet an der langen Leine hinterher.

So ziehen sie zum Million-Canyons-Land hinunter – ein großer, sehniger Mann, ein hässlicher Schecke und ein knochiges Packtier, das ein ziemlich dürftiges Bündel auf dem Rücken trägt ...

Am Fuße einer Mesa brennt Broderick Lees Campfeuer – ein rotes Auge in der Nacht. Aus einer der vielen Felsspalten rinnt ein Bach. Die Sterne leuchten am klaren Himmel, und der Boden ist noch warm von der Sonne des Tages.

Broderick Lee kauert am Wasser und reinigt sein Geschirr, als er Hufschlag hört. Er kommt aus einem Canyon, und dann sieht Lee auch schon die drei Reiter aus dem Schatten des Canyonmauls reiten. Sie entdecken sein Feuer und halten an. Nach etwa einer Minute kommen sie herübergeritten.

Der Mann aus Arizona erwartet sie bewegungslos. Er kann sie in der hellen Nacht gut erkennen. Sie reiten prächtige Pferde und wirken wie Cowboys.

Sie halten an und starren ihn an. Die Pferde schnauben leicht, und das Sattelzeug knarrt. Der mittlere Reiter beugt sich langsam vor und sagt: »Schon wieder ein Fremder. Nun, Mister, was machen Sie hier?«

»Wer sind Sie?«, fragt Broderick Lee sanft, und er kann deutlich erkennen, wie der große Mann eine ungeduldige Bewegung mit den Schultern macht, ehe er, wenn auch barscher als vorher, sagt:

»Sie sind auf dem Gebiet der Rimberland Ranch, Fremder. Und ich bin der Vormann dieser Ranch. Also, was machen Sie hier?«

Er treibt sein Pferd vorwärts und mustert Broderick Lees Ausrüstung. Dann sieht er zu Lees Pferden und nickt, als wäre er sich über den Fremden klar.

»Sie sind ein Pferdejäger! Sie haben da drei Lassos, und jedes davon ist für Rinder viel zu schade. Es sind prächtige Lassos. Für jedes könnte man zwanzig gewöhnliche bekommen. Sie sind also in dieses Land gekommen, um Yellow Blizzard zu fangen, nicht wahr?«

Er beugt sich zur Seite und starrt auf Lee nieder. Der sieht nun im Feuerschein das Gesicht des Mannes richtig.

Es ist ein kräftiges und grobes Gesicht – das Gesicht eines Muskelmannes, der durch hundert Raufereien und Kämpfe gegangen ist und der sicherlich nie besiegt wurde. Das Gesicht drückt viel Unduldsamkeit aus. Dieser schwergewichtige Reiter gehört zu jener Sorte, die durchaus in der Lage ist, auf Grund ihrer gewaltigen Kraft und Rücksichtslosigkeit ein wildes Rudel Reiter mit der bloßen Faust zu bändigen.

Broderick Lee hat solche Typen schon getroffen – beim Eisenbahnbau als Aufseher, als Wagenboss eines Frachtwagentrecks – oder als Führer einer wilden Holzfällermannschaft. Und diese massigen, unduldsamen Burschen hatten ihre Mannschaften stets fest in der Hand, weil sie niemals Widerstand oder Auflehnung duldeten und schon bei einem Wort, das ihnen nicht gefiel, ohne Gnade zuschlugen.

Lee beantwortet die Frage des Vormannes sanft und höflich.

»Yeah, vielleicht werde ich ihn fangen, Mister. Und da ich gehört habe, dass Ihr Boss fünftausend Dollar Belohnung für Yellow Blizzard ausgesetzt hat, dürften Sie wohl nichts dagegen haben, wenn ich für die nächste Zeit da und dort mein Camp aufschlage. Oder?«

Der Vormann gibt keine Antwort, sondern starrt Lee nur schweigend an. Nach einigen Atemzügen nickt er langsam, als bestätigte er sich etwas, das hinter seiner Stirn verborgen vorgeht. Ganz plötzlich grinst er und klatscht mit der Hand ans Sattelhorn.

»Oh, wieder ein Bursche, der sich fünftausend Dollar verdienen möchte!«, ruft er. »Und dafür brauchen Sie Yellow Blizzard nicht mal zu fangen. Es genügt schon, wenn Sie ihn wie einen Wolf abschießen. Schon wenn er tot ist, zahlt Big Jim Rimberland dem Mörder fünftausend Dollar Belohnung.«

»Ich will die Belohnung nicht«, erwidert Broderick Lee ruhig. »Ich werde ihn fangen und mit ihm das Land verlassen.«

Der Vormann zuckt bei diesen Worten zusammen und seufzt. Ganz plötzlich gleitet er aus dem Sattel.

»Ich bin Mac Hammer«, sagt er und tritt auf Broderick Lee zu. »Ich bin ein ziemlich rauer Bursche, Fremder. Ich habe mir geschworen, dass ich es sein werde, der Yellow Blizzard einfangen und bändigen wird. Mein Boss hasst diesen Hengst und will ihn tot am Boden sehen. Aber ich liebe dieses Tier. Nun, Fremder, ich habe in den letzten Monaten siebzehn harte Burschen verprügelt, weil sie alle hinter Yellow Blizzard her waren. Sie sind der achtzehnte Mann, den ich in Stücke schlage, wenn Sie nicht sofort Ihr Vorhaben aufgeben und aus diesem Land verschwinden. Haben Sie mich verstanden?«

»Weiß Jim Rimberland, dass Sie, sein Vormann, alle Pferdejäger aus dem Land jagen, weil Sie Yellow Blizzard selbst bekommen wollen?«, fragt Broderick Lee.

»Nein, das weiß er nicht, und es sagt ihm auch niemand, weil ich ein ziemlich rauer Bursche bin«, knurrt Mac Hammer.

Broderick Lee grinst. »Yeah, das haben Sie schon mal erwähnt, Mister. Nun, Sie können von mir aus zum Teufel gehen. Ich werde morgen zur Rimberland Ranch reiten und mit Ihrem Boss reden.«

Broderick Lee hat kaum ausgesprochen, als er auch schon Mac Hammers Faust kommen sieht.

Er nimmt im letzten Moment den Kopf weg und rammt dem Mann die Linke dicht über der Gürtelschnalle in den Leib.

Mac Hammer ächzt. Er macht eine unfreiwillige Verbeugung und stürmt dann wie ein angreifender Bulle hinter dem langsam zurückweichenden Lee her. Der spürt plötzlich die Felswand in seinem Rücken. Zugleich ist auch Mac Hammer bei ihm und will ihm den Kopf in den Leib stoßen. Hammers große Hände fassen nach Lees Armen.

Aber der hat beide Fäuste hochgerissen und schmettert sie nun auf Hammer nieder. Gleichzeitig reißt er sein rechtes Knie hoch. Dann wirft er sich zur Seite. Er sucht neben Mac Hammer an der Felswand festen Halt und wirft einen kurzen Blick auf die beiden anderen Reiter.

Aber die sitzen unbeweglich auf ihren Pferden und halten ihre Hände friedlich über den Sattelhörnern gefaltet.

Broderick Lee ist beruhigt. Er sieht auf Mac Hammer, der nun auf dem Boden sitzt und beide Hände auf sein Gesicht drückt. Dabei brummt und knurrt er vor Schmerz wie ein gereizter Bär.

»Hör lieber auf«, sagt Lee zu ihm nieder. »Begnüge dich damit, dass du siebzehn harte Burschen verprügeln konntest. Das ist doch eine ganz nette Leistung, nicht wahr?«

Mac Hammer knurrt und erhebt sich langsam.

»Oha, du bist tüchtig«, grollt er und greift wieder an. Diesmal versucht er es mit gewaltigen Schwingern. Er schlägt dabei sehr offen und riskiert es, von Lee getroffen zu werden.

Broderick Lee trifft ihn auch mehrmals mit langen Geraden. Aber dann fegt ihn ein Schwinger von den Beinen. Er ist halb betäubt und hört nichts mehr, weil die mächtige Faust des Vormannes genau auf sein Ohr und die Schläfe traf. Er rollt sich schnell zur Seite, aber instinktiv nicht vom Gegner weg, sondern ihm entgegen. Er hat auch Glück, denn Mac Hammer stolpert über ihn und fällt.

Sie kommen beide gleichzeitig auf die Beine. Lee bückt sich und wirft sich vor. Seine Schulter rammt gegen Hammers Knie.

Sie rollen am Boden voneinander weg und springen wieder auf. Aber diesmal ist Lee etwas schneller. Er ist überhaupt sehr schnell. Mehrmals trifft er Mac Hammer rechts und links, und als dieser wieder mit gesenktem Kopf gegen ihn anstürmt, weicht er zurück und wirbelt herum, sodass Hammer dicht neben ihm ins Leere stürmt. Er schmettert ihm den rechten Unterarm an den Hals und bekommt mit einem Griff der Linken Hammers Hosengurt am Rücken zu fassen.

Er zieht den gebückt vorwärts ins Leere stolpernden Mann mit einem wilden Ruck weiter und schmettert ihm nochmals den Unterarm an den Kopf.

Mac Hammer wirft die Hände zu spät nach vorn. Sein Kopf kracht gegen den Felsen. Dann ist der Kampf aus.

Broderick Lee wendet sich keuchend den beiden Reitern zu.

Die grinsen ihn an. Einer sagt lässig: »Nur keine Aufregung, Fremder. Es war Mac Hammers Kampf – nicht unserer. Aber er hat einen ziemlich harten Schädel.«

»Nehmt ihn mit«, japst Lee. »Nehmt ihn mit, bevor er aufwacht und ich meinen Colt nehme. Ich zerschlage mir nicht...



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