Uschomirski | Das Matthäusevangelium aus jüdischer Sicht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Die Bibel aus jüdischer Sicht

Uschomirski Das Matthäusevangelium aus jüdischer Sicht

Wie wir Jesus besser verstehen lernen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7751-7591-3
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie wir Jesus besser verstehen lernen

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Die Bibel aus jüdischer Sicht

ISBN: 978-3-7751-7591-3
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Matthäusevangelium - ein verstaubter, alter Text? Sicher nicht! Was haben die Texte von damals mit unserem Leben zu tun? Wie können wir Jesu Worte heute besser verstehen? Anatoli Uschomirski tritt in die Fußspuren der ersten jüdischen Nachfolger des Messias und erweckt mit seinem jüdisch-messianischen Blick die altbekannten Texte neu zum Leben. Geschichtlicher Kontext, außerbiblische Quellen und jüdisches Insiderwissen öffnen uns die Augen für Jesus und seine Worte - und lassen sie neu lebendig für uns werden. Vielleicht so lebendig wie niemals zuvor.

Anatoli Uschomirski (Jg. 1959) wuchs in der Ukraine in einer jüdischen Familie auf. Seine geistliche Reise begann mit einem Buch, das ihn zu einer jüdisch-messianischen Gemeinde führte. Dort begegnete er durch einen israelischen Evangelisten dem Glauben an Jesus als Messias - eine Begegnung, die alles veränderte. Nach der Auswanderung nach Deutschland begannen Anatoli und seine Frau, anderen jüdischen Bewohnern ihres Wohnheims von Jesus zu erzählen. Ihr authentisches Zeugnis wirkte: Mehrere Menschen kamen durch sie zum Glauben. 1994 begann Anatoli seinen Dienst beim 'Evangeliumsdienst für Israel' (edi). Vier Jahre später gründete er die jüdisch-messianische Gemeinde 'Schma Israel', die er 17 Jahre lang leitete. Durch sein Theologiestudium (Master of Arts in Global Studies), intensive Studien der jüdischen Schriften sowie Auftritte bei Pro Christ und im ERF ist Anatoli heute ein gefragter Referent. Einladungen erreichen ihn aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Seine Herzensanliegen sind: o Gegen Antisemitismus auftreten o Jüdische Menschen mit ihrem Messias Jesus bekannt machen o Versöhnung zwischen Juden und Christen fördern o Christen helfen, die jüdischen Wurzeln ihres Glaubens zu entdecken Anatoli verbindet tiefe jüdische Traditionen mit lebendiger Messias-Nachfolge und schlägt Brücken zwischen beiden Welten.
Uschomirski Das Matthäusevangelium aus jüdischer Sicht jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

DAS EVANGELIUM NACH MATTHÄUS


Der Autor


Wenn wir ein Buch lesen, dann möchten wir gerne etwas über den Autor wissen: Was für ein Mensch war er? Woher kam er? Für wen schrieb er seinen Text ursprünglich? Das hilft uns, den Text tiefer zu verstehen.

Im Matthäusevangelium werden keine Angaben zum Verfasser gemacht, die traditionelle Theologie betrachtet jedoch Matthäus, den Jünger von Jesus, als Autor des Evangeliums, und ich schließe mich dieser Ansicht an.

Matthäus war ein Jude und der Sohn eines Mannes namens Alphäus. »Matthäus« ist die griechische Form des hebräischen Mattathias oder Mattitjahu, und bedeutet: »Gabe des Herrn« oder »Der Herr ist meine Gabe«.

Matthäus gehörte zum Kreis der zwölf Jünger. Die Evangelien beschreiben ihn als einen Zöllner und man geht davon aus, dass er mit Levi identisch ist.21 Zöllner waren zur Zeit von Jesus beim einfachen Volk nicht sehr beliebt, weil sie mit den Römern kooperierten und von den Überschüssen der Einnahmen lebten. Die Evangelien berichten, wie Jesus Matthäus direkt von der Arbeit im Zollhaus als Jünger beruft.22

In der Liste der Apostel wird Matthäus »der Zöllner« genannt. Dieser Beruf ging sicherlich mit gewissen Sprachkenntnissen einher, sodass ich annehme, dass er gebildet war. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass tatsächlich Matthäus derjenige ist, der die Reden von Jesus aufgeschrieben hat, die im Evangelium »Aussprüche des Herrn« genannt werden.

Seine Motivation


Was waren die Beweggründe von Matthäus, dieses Buch zu schreiben? Warum verfassen Menschen überhaupt Bücher?

Im Jahre 2014 begann ich, meine Biografie »Hilfe Jesus, ich bin Jude« zu schreiben. In diesem Buch erzähle ich unter anderem von meinem Briefwechsel mit einer älteren Frau, die mich bezüglich ihrer Geschichte im Dritten Reich angeschrieben hatte. Ihr letzter Brief gab mir den entscheidenden Impuls, mein Buch zu verfassen.

So schrieb sie unter anderem:

Ich hoffe, dass mein Bericht Sie angeregt hat, eventuell auch Ihren Lebensbericht »Meine Geschichte im Lichte des Holocaust« zu schreiben. Ich wünsche und hoffe, dass Sie das wirklich realisieren können. Denn solche Lebensgeschichten regen andere an, über ihr eigenes Leben nachzudenken.

Ich habe selbst öfter erlebt, dass durch Lebensberichte von anderen Gott zu mir gesprochen hat. Es können einfach lebendige Zeugnisse sein, durch die Gott spricht und handelt. Darum möchte ich Sie fast bitten: Tun Sie es, wenn Sie es irgend möglich machen können. Ich denke, es wäre für so manch einen wichtig, solch einen Lebensweg zu kennen. …

Ich bin aber auch gewiss, dass Sie selbst durch Ihren Bericht freigesetzt würden zu Neuem, zu neuen Erkenntnissen, neuen Schritten. Ja, ich bete darum, dass Sie es im Laufe der Zeit schaffen, Ihre Geschichte zu schreiben. Ich denke, es könnte eine wesentliche Aufgabe sein.23

Acht Jahre später, nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine, bekam ich nun mehrere Impulse, das Buch »Hilfe Jesus, ich bin Jude« auf Russisch zu übersetzen. Im Angesicht der momentanen Situation, wo sehr viele Russisch bzw. Ukrainisch sprechende Flüchtlinge nach Deutschland kommen, glaube ich, dass ein solches Buch ihnen den Weg zur Integration und vor allem den Weg zu Jesus ebnen kann.

Ich denke, bei gläubigen Menschen ist es ein göttlicher Funke, der sie motiviert, das Erlebte zu reflektieren und aufzuschreiben. Doch was war der entscheidende Impuls für Matthäus? Was hat ihn dazu bewegt, sein Buch an sein Volk, in erster Linie an die Menschen in seiner Gemeinde zu richten?

Lassen Sie uns versuchen, in die Schuhe des Evangelisten zu schlüpfen und seine Absichten kennenzulernen. Die wichtigsten Gründe dafür, dass Matthäus sein einzigartiges Evangelium schreibt, sind meiner Meinung nach die folgenden:

• Um Israel und vor allem seiner Gemeinde Jesus als jüdischen Messias zu zeigen. Jesus als der verheißene Sohn Davids!

• Um das Dilemma zu lösen: Wie kann ein Jude an Jesus glauben und sein Volk nicht verraten? Wie kann er gleichzeitig Mose treu bleiben und Jesus nachfolgen?

• Um seine jüdischen Leser zu überzeugen, dass sie berufen sind, die Frohe Botschaft allen Völkern zu verkünden.

• Um nicht jüdische Leser mit dem jüdischen Hintergrund des Evangeliums vertraut zu machen.

Bevor ich diese vier wegweisenden Aspekte unter die Lupe nehme, möchte ich kurz auf die Unterschiede zum Markusevangelium eingehen, da diese ebenfalls Hinweise auf die Beweggründe von Matthäus liefern.

Matthäus konnte beim Verfassen seines Evangeliums höchstwahrscheinlich auf das Markusevangelium zurückgreifen, doch sein Text ist deutlich länger. Papias, Bischof von Hierapolis (60 bis etwa 160 n. Chr.) und ein Jünger des Apostels Johannes, erklärt, dass Markus zwar die Worte und Taten von Jesus anhand der Predigten von Petrus notiert hat, ihm aber die chronologische Abfolge fehlte:

Markus hat die Worte und Taten des Herrn, an die er sich als Dolmetscher des Petrus erinnerte, genau, allerdings nicht ordnungsgemäß, aufgeschrieben. Denn nicht hatte er den Herrn gehört und begleitet; wohl aber folgte er später, wie gesagt, dem Petrus, welcher seine Lehrvorträge nach den Bedürfnissen einrichtete, nicht aber so, dass er eine zusammenhängende Darstellung der Reden des Herrn gegeben hätte. Es ist daher keineswegs ein Fehler des Markus, wenn er einiges so aufzeichnete, wie es ihm das Gedächtnis eingab. Denn für eines trug er Sorge: nichts von dem, was er gehört hatte, auszulassen oder sich im Berichte keiner Lüge schuldig zu machen.24

Aus diesen und anderen Zeugnissen von Kirchenvätern lässt sich wie mit einzelnen Puzzlestücken rekonstruieren, wie das Evangelium von Matthäus entstanden ist: Markus schrieb sein Evangelium zuerst. Als Matthäus es las, merkte er wohl, dass es ein von Gott inspiriertes Dokument war, aber, salopp gesagt, fehlte ihm etwas.

Nach dem Zeugnis von Papias war Markus kein Apostel, sondern eine Art Sekretär von Petrus. Er verfasste sein Evangelium vermutlich in Rom. Wie in allen vier Evangelien liegt ein Schwerpunkt auf dem Tod und der Auferstehung von Jesus. Doch es sind auch große Unterschiede zu den anderen Synoptikern erkennen. Beispielsweise erwähnt er ein wichtiges Thema nicht, das wir im Matthäusevangelium und in Auszügen im Lukasevangelium finden: die Lehre von Jesus, von der die Bergpredigt einen sehr großen Teil ausmacht.

Aufgrund der inhaltlichen Schwerpunkte kann man davon ausgehen, dass Markus sein Evangelium in erster Linie für Nichtjuden schrieb. Das zeigen Stellen wie die folgende:

Er (Jesus) sagte ihnen: »Wer sich von seiner Frau scheiden lässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch. Und wenn eine Frau sich von ihrem Mann scheiden lässt und wieder heiratet, begeht sie ebenfalls Ehebruch.«

Markus 10,11-12

Der erste Vers klingt ähnlich wie die entsprechenden Aussagen in Matthäus 5,32 und Lukas 16,18 und ist typisch für rabbinisch-halachische Anweisungen.25 Das heißt, Jesus legt an dieser Stelle keinen Bibelabschnitt aus, sondern gibt eine praktische Anweisung. Der zweite Vers, der bei Matthäus und Lukas fehlt, drückt dagegen den Gedanken aus, dass sich eine Frau auch von ihrem Mann scheiden lassen könnte. Nach römischem Recht war das damals möglich, aber nicht nach dem jüdischen. Das zeigt, dass das Markusevangelium sich nicht in erster Linie an Juden richtete. Somit gab es Bedarf für ein Evangelium, das den jüdischen Kontext berücksichtigt.

Folgende Merkmale weisen darauf hin, dass Matthäus bei seinem Evangelium genau darauf einen Schwerpunkt gelegt hat:

Die Geschlechtsregister und die Thoraauslegung

Das Geschlechtsregister und die Thoraauslegung von Jesus sind wichtige Elemente bei Matthäus. Für die damaligen Heiden hatten die jüdische Abstammung und die jüdischen Gesetze jedoch keine große Bedeutung.

Begriffe der jüdischen Theologie

Matthäus verwendet Begriffe, die nur für fromme Juden verständlich sind. Wenn er über Jerusalem spricht, sagt er beispielsweise »die Heilige Stadt« (Matthäus 4,5; LUT). Ir HaKodesch ist eine typisch jüdische Bezeichnung für Jerusalem und jeder Jude weiß, welche Stadt gemeint ist. Außerdem verwendet er den Ausdruck »Königreich« bzw. »Königsherrschaft des Himmels« (Matthäus 8,11; 20,1). Dieses Himmelreich wird unter dem Namen Malchut HaSchamaim26 unzählige Male in der jüdischen Literatur und Liturgie erwähnt und wurde von frommen Juden herbeigesehnt. Bei den anderen Evangelisten findet man diesen Ausdruck gar nicht, bei Matthäus im griechischen Neuen Testament dagegen 55-mal.

Hebraismen

Das Evangelium nach Matthäus enthält viele hebräische Ausdrücke, die nicht immer korrekt ins Griechische übersetzt wurden, sogenannte Hebraismen.27 Z. B. lesen wir in Matthäus 5,3 (LUT): »Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.« Meiner Meinung nach ist dieser Satz für uns Westeuropäer heute total missverständlich. Zum einen werden unter »geistlich Armen« oft Menschen verstanden, die irgendwie »nicht von dieser Welt« sind, und zum anderen versucht man, einen Spagat zu machen, indem man solchen Menschen das Himmelreich als Besitz zuordnet.

Der hebräische Ausdruck »Anjej Ruach« muss jedoch vor allem vor dem Hintergrund der Qumranschriften und der rabbinischen Literatur erklärt werden. Dort sind »geistlich Arme« Menschen, die...


Uschomirski, Anatoli
Anatoli Uschomirski (Jg. 1959) ist ein gefragter Sprecher und Impulsgeber, der 1992 aus Kiew nach Deutschland kam. Nach langjähriger Erfahrung im Aufbau messianisch-jüdischer Gemeindearbeit widmet er sich heute als Referent und messianischer Leiter beim Evangeliumsdienst für Israel (EDI) seinem umfangreichen Vortragsdienst.
Im Zentrum seiner Arbeit steht das Anliegen, die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens freizulegen und ein tiefes Verständis für die biblischen Zusammenhänge zu wecken. Mit Leidenschaft und fundiertem Wissen verbindet er Geschichte und Theologie, um neue Perspektiven für die Gegenwart zu eröffnen. Ein zentraler Pfeiler seiner Arbeit ist die Versöhnung zwischen Deutschen und Juden. Durch diese Herzensmission ist er ein geschätzter Brückenbauer zwischen Kulturen und Religionen.

Anatoli Uschomirski (Jg. 1959) ist ein gefragter Sprecher und Impulsgeber, der 1992 aus Kiew nach Deutschland kam. Nach langjähriger Erfahrung im Aufbau messianisch-jüdischer Gemeindearbeit widmet er sich heute als Referent und messianischer Leiter beim Evangeliumsdienst für Israel (EDI) seinem umfangreichen Vortragsdienst.
Im Zentrum seiner Arbeit steht das Anliegen, die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens freizulegen und ein tiefes Verständis für die biblischen Zusammenhänge zu wecken. Mit Leidenschaft und fundiertem Wissen verbindet er Geschichte und Theologie, um neue Perspektiven für die Gegenwart zu eröffnen. Ein zentraler Pfeiler seiner Arbeit ist die Versöhnung zwischen Deutschen und Juden. Durch diese Herzensmission ist er ein geschätzter Brückenbauer zwischen Kulturen und Religionen.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.