E-Book, Deutsch, 410 Seiten
Valdez Millennium III
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-4693-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Weg des Asturiers
E-Book, Deutsch, 410 Seiten
ISBN: 978-3-7693-4693-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor arbeitete bei privaten Firmen und Institutionen im Büro. Er diente als Soldat und verdiente sich zwischendurch das Geld mit Gelegenheitsjobs. Nach Beendigung der Dienstzeit arbeitet er seit längeren Jahren im kaufmännischen Bereich und ist in seiner Wahlheimat Wien sesshaft geworden. Er lebt dort mit seiner Familie.
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1.
Juni 1044 bis Oktober 1044
Ein Mann lag auf einem mit spärlichen Strohresten bedeckten Steinboden. Ein wuchernder Bart umrahmte sein ausgezehrtes Gesicht, der obere Teil der Kleidung hing in Fetzen, auch die Hose wirkte sehr ramponiert. Er trug keine Schuhe, die Füße lagen in Ketten. Der Körper wirkte ausgemergelt, aber die Augen besaßen einen harten Glanz. Teilweise lagen getrocknete Exkremente herum, in einem Holzkübel befand sich fauliges Wasser. Der Mann setzte sich auf und nahm einen kurzen Schluck. Sein Blick streifte herum, anschließend lehnte er den Kopf gegen die Wand der kleinen Zelle in einem der Gefängnisse der Stadt Tunis. Diese lag an einer flachen Lagune, im Norden befand sich die Insel Chikli. Die Bucht stellte einen Teil des mittelländischen Meeres dar. Das Gefängnis lag innerhalb der Stadt, es gab mehrere mit vielen Zellen. Tunis lag südlich der antiken Stadt Karthago, deren Überreste dem Bau anderer Siedlungen dienten. Als Teil des Reiches der Berberdynastie der Ziriden stand sie im Schatten der mächtigen Städte Mahdia und Kairouan, die südlich an der Küste und im Hinterland lagen. Die Ziriden residierten unter ihrem Herrscher Al-Mu?izz ibn Badis az-Ziri in der Stadt Kairouan. Er repräsentierte den vierten Herrscher der Dynastie. Eine verwandtschaftliche Beziehung gab es zu den herrschenden Ziriden im Taifakönigreich Granada in Hispanien. Trotz einiger Gebietsverluste in Tripolitanien und zunehmender Abhängigkeit zum Kalifengeschlecht der Abbasiden in Bagdad herrschte lange Jahre ein wirtschaftlicher Wohlstand, der erst in den letzten Jahren zurückging. Hungersnöte, Epidemien und hohe Tribute an die Fatimiden, dem Herrschergeschlecht in Kairo, schädigten das Land und ihre Bewohner. Der Gefangene kannte die Namen und Städte aus Schriften und Karten. Er befand sich seit zwei Monaten in diesem Gefängnis. Der Mann hieß Ramon und stammte aus Asturien. Mittlerweile war er sechsundzwanzig Jahre alt und fristete ein erbärmliches Dasein. Er kannte den Grund nicht, warum ihn die Berber am Leben ließen. Vermutlich wegen seines Verhaltens, die Wächter ständig zu attackieren. Sie schlugen ihn regelmäßig, vor allem der Kommandant, er nannte sich Ridwan. Dieser machte sich oft über den Gefangenen lustig. „Es ist gut, dass du bei mir bist, Christ. Mein Name bedeutet „Wächter des Paradieses“ und ich verspreche dir, dass du dich wohl fühlen wirst.“ Er lachte nach diesen Worten und fühlte sich als Herr über Leben und Tod. Ridwan schlug die Gefangenen bei Widerstand, manche wurden gefoltert, die anderen hörten ihre Schmerzensschreie. Ramon musste mehrere Folterungen über sich ergehen lassen, nicht nur in Tunis, aber sein Körper hielt noch stand. Er versuchte, sich immer wieder zu bewegen und den Körper zu kräftigen, trotz des schlechten Essens und fauligen Wassers. Sein Blick fiel auf das kleine Kerkerfenster, durch das spärlich Licht in das Innere strahlte. Das Gebäude lag am Rand der kleinen Stadt und verfügte über zwei unterirdische Geschosse, dazu ein Erdgeschoss, in dem seine Zelle lag. Im sechsten Monat des Jahres stiegen die Temperaturen stetig an, die Hitze nahm zu, die beiden schlimmsten Monate im Sommer standen aber noch bevor. Er erblickte den blauen Himmel, Sehnsucht überkam ihn. Seine Heimat Asturien fiel ihm ein, die er vor fünf Jahren endgültig verließ. Ramon entstammte einer Familie aus dem Dorf Esperanza, dass in der Nähe der Hafenstadt Gijon lag. Diese Region war Teil des Königreichs Leon, Galizien und Kastilien, dass von König Fernando I. und dessen Gemahlin Sancha regiert wurde. Neben den Königreichen Navarra und Aragon stellte es das mächtigste christliche Königreich in Hispanien dar. Seit Jahrhunderten tobte der Kampf zwischen den Religionen auf der Halbinsel. Nach langen Jahren der maurischen Vorherrschaft zerfiel das Kalifat von Cordoba in kleinere muslimische Königreiche, die Taifas genannt wurden. Sein Vater Rey entstammte der Stadt Oviedo und präsentierte sich als stolzer Asturier. Die Geschichte dieses Landes war eng verbunden mit dem christlichen Widerstand gegen die einfallenden muslimischen Mauren. Als letzter Herrscher aus dem Königshaus Asturien fiel Bermudo III. in der Schlacht von Taramon vor fast sieben Jahren gegen seinen Schwager Fernando I. Ein Jahr später wurde dieser zum mächtigsten König der Christen gewählt. Ramon nahm als Neunzehnjähriger an der Schlacht teil, trotz Bedenken seiner maurischen Mutter Safia. Diese entstammte einer Familie eines hohen Verwaltungsbeamten im arabischen Valencia und konvertierte vor der Hochzeit mit seinem Vater zum Christentum. Sein Großvater Tariq ibn Salman gehörte in Valencia bis zu dessen Tod zu den mächtigen Männern. Die Verbindung eines Christen mit einer arabischen Maurin entsprang einer großen Liebe, die bis heute anhielt. Ramon hoffte, dass seine Eltern noch lebten. Sein Vater Rey verlor den Großteil des linken Armes in der Schlacht, weitere schwere Verletzungen an den Beinen ließen ihn leicht hinken. Auch der Hidalgo des Dorfes Esperanza, Madoc, erlitt schwere Verletzungen. Die beiden führenden Männer von Ramons Heimatort überlebten aber die Schlacht, im Gegensatz zu vielen anderen Soldaten. Trotz ihres Alters von über Fünfzig folgten sein Vater und der Hidalgo des Dorfes mit Gefolgsleuten und Söhnen ihrem geleisteten Eid gegenüber Fernando I. Ursprünglich diente das Dorf dem Königsgeschlecht der Asturier, dessen letzter König Bermudo III. auf Hilfe verzichtete und sie schlecht behandelte. Deshalb entschied der Hidalgo Madoc, sich dessen Schwester Sancha und deren Mann Fernando I. anzuschließen, was sich im Nachhinein als richtige Entscheidung erwies. Das Dorf Esperanza konnte weiterhin existieren und seinen Wohlstand ausbauen. Es ging auf eine frühe Siedlung zurück, die vor Jahrhunderten entstand. Kinder eines Kelten und einer Römerin gründeten die erste Siedlung. Der Kelte Madoc und seine Frau Leia, eine Nachfahrin der Gründerfamilie, ließen das Dorf in altem Glanz erstrahlen. Gemeinsam mit ihren Freunden Rey und Safia, Ramons Eltern, leiteten sie Esperanza und führten es zu einem Wohlstand, auf den andere bisweilen mit Neid blickten. Aber ihre Loyalität zum König und dem Adel und ihre Fähigkeiten in Kampf und Wirtschaft wurden geschätzt und respektiert. Die Haupteinnahmen des Dorfes und der Geschäfte in den umliegenden Städten stammten aus Verkäufen des bekannten Apfelweins, aber auch anderer Waren. In der Hafenstadt Gijon führte Madocs Sohn Brios mit seiner Frau Nela die Geschäfte für die Familien in Esperanza. Auch in Oviedo, Leon und Santiago de Compostela gab es erfolgreiche Zweige. Die Schlacht von Tamaron erwies sich als sehr verlustreich für das Dorf, einige Männer kamen ums Leben, die beiden Anführer wurden schwer verletzt. Fabio, der älteste Sohn von Madoc und Leia, fiel in der Schlacht. Seine Witwe Aida lebte mit dem gemeinsamen Sohn in der Stadt Oviedo, sie heiratete nach der Trauerzeit einen anderen Mann. Rey und Madoc mussten ihrem Alter und den Nachwirkungen der Schlacht Tribut zollen. Der Hidalgo legte sein Amt zurück, aber sein Sohn Brios verzichtete auf die Übernahme des Dorfes. Er blieb in Gijon. Ansonsten gab es keine anderen Kinder, die in Asturien lebten. Die Führung von Esperanza wurde von Ramons ältestem Bruder Rafael und dessen Frau Alaia übernommen. Dies wurde vom König bestätigt. Die feierliche Zeremonie in Esperanza mit der Übertragung des Amts des Hidalgos durch einen königlichen Beauftragten erwies sich als der letzte Aufenthalt Ramons im Dorf. Es gab zuvor Vorbehalte wegen der maurischen Abstammung seines Bruders, aber diese konnten aufgrund der ausgezeichneten Referenzen der Familien und des Dorfes zerstreut werden. Geldgeschenke halfen bei der Entscheidung. Rafaels Frau Alaia entstammte einer befreundeten Familie aus der Stadt Donostia – San Sebastian. Sie war die Tochter des Basken Danel und der Wikingerin Yrsa, die langjährige Freunde und Geschäftspartner seiner Eltern und Esperanza darstellten. Ramon mochte seine temperamentvolle Schwägerin. Sie passte als neue Hidalga zum Bild der selbstbewussten Frauen des Dorfes. In Esperanza wurden die Frauen unter Leitung der Patronin Leia und Ramons Mutter Safia in Sprachen und Kampfkünsten ausgebildet, je nach Willen und Talent. Safia sprach Griechisch, Latein, Spanisch und Arabisch und verfügte über enormes Wissen über die Geschichte der Araber und Europäer. Gemeinsam mit Leia lehrte sie die Kindern viel Wissen, das in vielen anderen Dörfern nicht bekannt war. Die Männer und gewillte Frauen erhielten Kampfausbildung durch Madoc, Rey und deren Gefolgsleute. Das Erfolgsrezept des Dorfes hieß gleiches Recht für Frauen und Männer, manchmal misstrauisch beobachtet von der Umgebung, vor allem von der religiösen Oberschicht. Stolz und selbstbewusst präsentierten sich die Bewohner dem restlichen Asturien. Der Anführer des Dorfes achtete bis zu seinem Rückzug darauf, dass die geltenden Regeln der männlichen Dominanz im Austausch mit dem Adel und anderen Dörfern eingehalten wurden, um sich nicht den Unmut der Herrschenden zuzuziehen. Bis jetzt funktionierte das System Esperanza. Einige fremde Männer besuchten...




