E-Book, Deutsch, Band 2874, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Vandemaan / Montillon Perry Rhodan 2874: Thez
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-8453-2873-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Jenzeitigen Lande"
E-Book, Deutsch, Band 2874, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2873-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Auf der Erde ist das Jahr 1519 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ) angebrochen - womöglich das letzte für die Erde und ihre Sonne. Die 'Perforationszone', ein hyperphysikalisches Phänomen, rast durch die Galaxis auf Sol zu und wird bei ihrem Zusammentreffen das ganze Sonnensystem auslöschen. Außerdem warten vor dem Kristallschirm, der das Solsystem bislang vor allen Gefahren bewahren konnte, Abertausende Kriegsschiffe der Tiuphoren. Deren schlimmste Waffe sind die Indoktrinatoren, die sich jeder Technologie bemächtigen und sie gegen ihre Erschaffer wenden können. Während Perry Rhodan den Abwehrkampf des Solsystems gegen die Tiuphoren organisiert, ist der Arkonide Atlan an einem Ort jenseits aller Zeiten: Von den Jenzeitigen Landen aus haben in den vergangenen Jahren die Atopischen Richter die politische Oberhoheit in der Milchstraße beansprucht. Sie pochen auf ihre Kenntnis der Zukunft, die ohne ihr Eintreffen in den Untergang - den Weltenbrand - der gesamten Galaxis münden würde. Dass die Bewohner der Milchstraße mit diesem Vorgehen nicht einverstanden sind, scheint sie nicht anzufechten. Atlan versucht nun mit jener Macht zu sprechen, die das Atopische Tribunal hervorgebracht hat: THEZ ...
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1.
Die Jenzeitigen Lande:
Am See der Fauthen
Die Tür der Fahrstuhlkabine hatte sich geöffnet. Das Ziel ihrer Fahrt war erreicht: der Atopische Proximus des Turms.
An diesem äußersten Ort der Finalen Stadt sollte Atlan mit Thez sprechen können.
Die Finale Stadt, deren Abschluss der Turm bildete, war nicht für Menschen erbaut; ihre Fremdheit hatte etwas Belastendes, ja sogar Demütigendes, wie die Felslandschaft eines Hochgebirges Demut auslösen konnte, die Zone jenseits der Baumgrenze, wo nur noch Stein und Eis war und die Luft dünn.
In jungen Jahren hätte Atlan auf eine Zumutung wie die Finale Stadt vielleicht mit Wut und Zorn reagiert, vielleicht sogar mit dem Wunsch, sie zu zerstören und damit aus der Welt zu schaffen.
Aber an diesem Ort, jenseits aller Orte und aller Zeiten, in den Jenzeitigen Landen, erbitterte ihn die Tatsache dieser Stadt nicht. Wenn er tiefer in sich lauschte, spürte er stattdessen Trost. Wie verquer, verrückt, wie empörend auch immer die Verhältnisse in der Finalen Stadt gewesen waren, sie hatte doch Leben geborgen, sie war Bastion und Fanal zugleich.
Selbst in der letzten Einöde jenseits der Raumzeit hatte das Leben sich eine Zuflucht geschaffen, hatte überlebt.
Vor ihnen lag der See der Fauthen. Der See war golden, hingegossen unter einen leeren schwarzen Himmel. Dort stand kein Gestirn; von dort kam kein Licht. Dort war nichts. Atlan hatte das durchaus unangenehme Gefühl, als saugte sich der leere Himmel an seiner Netzhaut fest und wollte sie austrinken. Er wandte den Blick ab und schaute auf den See.
Das Gewässer leuchtete aus sich selbst. Sein leichter Wellengang verwunderte Atlan. Es ging kein Wind. Überhaupt stimmte etwas mit diesen Wellen nicht.
Sie schlagen nicht ans Ufer, erkannte sein Extrasinn. Tatsächlich strichen diese Wogen seitwärts und im Uhrzeigersinn am Ufer entlang.
Dennoch war im Kies, der das Ufer bedeckte, bei jedem Vorübergehen der Wellen ein leichtes Rauschen und steinernes Knirschen zu hören.
Regelmäßig wie Atemzüge, dachte Atlan.
Tifflor strich sich durch das weiße, kurz geschnittene Haar und rückte seine Brille zurecht, ein schlichtes Gestell mit runden Fassungen und leicht getönten Gläsern. Er machte eine einladende Geste. »Wollen wir gehen?«
Atlan nickte, zögerte aber noch. Er warf einen Blick auf Oluphade Vierhand. Der Liftboy ähnelte entfernt einem Menschen; die kupferfarbene Haut und seine beiden aufgeteilten Hände, vor allem aber die Augenhöhlen, in denen ein rußiger Dampf wallte, widerriefen diesen ersten Eindruck.
»Ich wünsche«, sagte der Liftboy mit seiner knabenhaft reinen Stimme, »eine fernerhin gute Reise.«
»Danke«, sagte Atlan. Wieder machte ihn der Akzent nachdenklich, mit dem Vierhand Taukom sprach. Der Tonfall erinnerte Atlan an das Akonische.
Zu seiner Überraschung umarmte Tifflor den Liftboy kurz, aber herzlich. Die insgesamt zwölf Finger Vierhands klopften dem Atopen einen Rhythmus auf die Schultern, wie eine geheime Botschaft.
Bemerke ich da beginnenden Verfolgungswahn? erkundigte sich der Extrasinn mit falscher Fürsorge.
Sie traten hinaus. Die Kabinentür schloss sich hinter ihnen. Oluphade Vierhand blieb zurück.
Langsam gingen Atlan und der Atope Tifflor in Richtung See. Dessen Oberfläche schien trotz der Wellen geradezu beängstigend glatt. Der Arkonide vermied es, in den Himmel zu sehen. Er versuchte die Größe des Sees abzuschätzen, aber ihm fehlten alle Vergleichspunkte. Das Gewässer erstreckte sich nach links, nach rechts, so weit das Auge reichte. Atlan vermochte auch kein gegenüberliegendes Ufer zu entdecken.
Dazu müsste ein solches gegenüberliegende Ufer existieren, sinnierte der Extrasinn.
Dieser See ist ein Meer, dachte Atlan. Das Gegenbild zum Urmeer, von dem uralte Mythen sprechen.
Atlan schaute sich um. Nirgends war ein Gebäude zu sehen. Auch der Aufbau, in den die Fahrstuhlkabine eingefahren sein musste, war verschwunden. Endgültig gestrandet, dachte er. Er prüfte seine Gefühle. Hatte er Angst? Keineswegs. Tatsächlich empfand er sich als geborgen, ohne zu wissen warum. Hatte er denn mit dem Auftritt eines Gegners gerechnet? Mit einem weiteren Bacctou? Hätte der Matan Zugriff auf diesen Ort?
Ich bezweifle es, kommentierte der Extrasinn. Du würdest einen handgreiflichen Kampf diesem leeren Ort vorziehen, nicht wahr?
Atlan nickte unmerklich.
Ohne Feind, ohne Mittel, eine Auseinandersetzung zu erzwingen – das gefällt dir nicht.
Ganz und gar nicht.
So auf dich gestellt zu sein. Wie zermürbend.
Nichts als Warten.
Bemerkst du Narr nicht, dass genau dies dein Kampf ist? Er könnte dich Jahre warten lassen. Jahrtausende. Ist das nicht die schärfste Waffe von allen?
Am Horizont schien sich das flüssige Gold des Sees zu verdichten, auf eine Weise zu intensivieren, die Atlan nicht mit dem Verstand fassen konnte.
Vergeude deine Kraft nicht, deine Konzentrationsfähigkeit, bemerkte der Extrasinn. Dies ist kein Ort für Menschen.
Dennoch bin ich hier, dachte Atlan.
Womöglich.
Etwa nicht? Und wenn du recht hättest: Wo, wenn nicht hier, wäre ich in Wirklichkeit?
In der Wirklichkeit, sagte der Logiksektor.
Atlan unterdrückte ein Lachen.
»Selbstgespräch beendet?«, hörte er Julian Tifflor.
Atlan nickte.
»Wozu hat dir dein Extrasinn geraten?«
»Zu nichts. Er hat kapituliert.«
»Hm«, machte Tifflor. »Kapituliert? Vor wem? Wir sind doch nicht im Gefecht.«
»Das liegt wohl im Auge des Betrachters«, sagte Atlan. »Immerhin bin ich hier, um mit Thez zu verhandeln, seiner transkosmokratischen Unerreichbarkeit. Mit jener Kreatur, die unsägliches Leid über die Milchstraße gebracht hat. Und wohl nicht nur über die Milchstraße.«
»Unsägliches Leid«, wiederholte Tifflor. »Wäre es dir ein Trost zu wissen, dass es viele Universen gibt ohne jedes Leben, also ohne jedes Leid? Welten, in denen Materie entsteht, aber nichts und niemand zusieht, wie die Sterne aufgehen und leuchten und niederbrennen, Billiarden von ihnen, kommentarlos, unbekümmert und ohne einen einzigen Augenblick?«
Atlan schüttelte verärgert den Kopf. »Warum sollte mich das trösten? Als das Atopische Tribunal über die Galaxis kam, ermordete es einige Tausend terranische Raumfahrer. Ich hätte nicht gedacht, dich je auf der Seite der Mörder zu sehen.«
»Sagt ein Schlachtenlenker, der unzählbar oft den Befehl gegeben hat, das Feuer zu eröffnen? Und natürlich immer nur auf Raumschiffe, die ausschließlich zutiefst verbrecherische Individuen an Bord gehabt haben?«
»Das war im Krieg«, verteidigte sich Atlan.
Tifflor seufzte. »Im Krieg, der ja alles rechtfertigt.«
»Das wollen wir anderen Tribunalen überlassen«, sagte Atlan. Er wies über den See. »Was tun wir hier?«
»Wir warten«, sagte Tifflor.
»Eine anspruchsvolle Tätigkeit«, spöttelte Atlan. »Zumal am Ende der Zeit.«
»Es gab eine Zeit«, sagte Tifflor, »da hing das Überleben unserer Art von der Fähigkeit zu warten ab. Warten darauf, dass sich das Mammut endlich in unsere frisch gegrabene Grube bequemte. Dass der Regen kam oder dass er endete. Dass die Äpfel reiften oder das Korn. Diese Epoche ist ziemlich in Vergessenheit geraten, seit die Menschen dem Regen befehlen und dem Wind und dem Korn genetische Anweisungen geben können, wann es gefälligst zu reifen hat. Die Menschen, die mächtigen Herren der Zeit.«
Atlan setzte sich ans Ufer. Flüchtig bemerkte er, dass die Kieselsteine von großer Ebenmäßigkeit waren, weiße, glatt geschliffene Ovale. »Und ich bekomme jetzt eine Lektion, dass wir die Zeit nicht so gut beherrschen, wie wir es in unserem Hochmut wähnen?«
Tifflor setzte sich neben ihn. »Ach was«, sagte er. »Eine Lektion? Wer redet denn davon?« Er umschlang die Knie mit den Armen und sah mit einem Mal sehr jugendlich aus. Long Island kam Atlan in den Sinn. Ein Junge, der am Strand von Long Island sitzt und auf den Atlantik hinausschaut.
An wie vielen Stränden wie vieler Welten hatte dieser Mann gesessen? Wie viele Sonnen hatte er untergehen sehen in wie vielen Meeren?
Plötzlich kam Atlan sich jung vor. Ein Gefühl, das einem Zehntausendjährigen nicht mehr sehr vertraut ist. »Worauf warten wir?«
»Wir warten auf Glossberc. Unseren Fährmann.«
»Der uns wohin bringen wird? Zu Thez?«
»So nahe an Thez heran wie möglich.«
»Da bin ich gespannt.«
Tifflor schaute über den See der Fauthen. »Das solltet du vielleicht nicht sein. In gewisser Weise existiert Thez ja nicht mehr. Er ist verblichen.«
»Was heißt das?«
»Du wirst es erleben.«
Atlan fuhr mit der Hand über die Kiesel. Sie fühlten sich warm an, als hätten sie lange in der Sonne gelegen.
Nur dass an diesem Ort keine Sonne schien.
Atlan nahm einen der Kiesel zwischen Daumen und Zeigefinger: glatt wie eine Perle, aber von einem einheitlichen Weiß, wie gepresstes Sternenlicht.
Die Wärme kommt von innen, meldete sein Logiksektor. Etwas arbeitet in diesem Gebilde.
Atlan streckte die Hand aus und hielt Tifflor sein Fundstück hin. »Was ist das?«
»Oh, das«, sagte Tifflor. Er fuhr mit einem Fuß durch die anderen Kieselsteine, die sich am Ufer des Sees auf einem Streifen...




