Vandenberg | Sie kannten ihre Eltern nicht | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 472, 100 Seiten

Reihe: Sophienlust

Vandenberg Sie kannten ihre Eltern nicht

Sophienlust 472 - Familienroman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98986-141-1
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sophienlust 472 - Familienroman

E-Book, Deutsch, Band 472, 100 Seiten

Reihe: Sophienlust

ISBN: 978-3-98986-141-1
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Idee der sympathischen, lebensklugen Denise von Schoenecker sucht ihresgleichen. Sophienlust wurde gegründet, das Kinderheim der glücklichen Waisenkinder. Denise formt mit glücklicher Hand aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren. »Fräulein Bolton, bitte zum Diktat.« Die dunkle Stimme ihres Chefs riss Jennifer aus ihren trüben Gedanken. Dr. Kürten war es nicht gewohnt zu warten. Sie musste sich zusammenreißen. Gestern Abend hatte sie einen Brief vorgefunden, der ihr ganzes Leben verändern konnte. Vielleicht - denn Jennifer wusste nicht, wie sie sich entscheiden sollte. Am unangenehmsten aber war ihr, dass sie ihren Chef, bei dem sie erst seit vier Wochen als Privatsekretärin beschäftigt war, schon um Urlaub bitten musste. Sie war so glücklich gewesen, diese Stelle zu bekommen. Zudem war Dr. Eric Kürten ein angenehmer Chef. Sachlich und zurückhaltend. Jennifer Bolton war ein ungewöhnlich apartes Mädchen. Kluge graugrüne Augen belebten ein ovales, leicht gebräuntes Gesicht, das verriet, dass sie ihre Freizeit an der frischen Luft verbrachte und nicht in verräucherten Lokalen. Jennifer war vierundzwanzig Jahre alt, sah aber noch jünger aus. Deshalb hatte Dr. Kürten anfangs wohl auch gezögert, sich für sie zu entscheiden, aber bald schon hatte er gemerkt, dass er es nicht zu bereuen brauchte. Jennifer war zuverlässig und tüchtig. Deshalb verwunderte es ihn umso mehr, dass sie heute einen zerstreuten Eindruck machte, dass ihre Gedanken immer wieder abirrten. Dr.

Eine der herausragenden Autorinnen im Romanheftbereich ist Patricia Vandenberg. Mit ihren berühmt gewordenen Romanserien Dr. Norden und Im Sonnenwinkel sowie zahlreichen serienunabhängigen Romanen hat sie sich in die Herzen unzähliger Leserinnen und Leser geschrieben. Von ihr existieren mehr als 1.500 Romane, die sie seit den 1960ern bis zu ihrem Tod in 2007 verfasste. Wie beliebt Patricia Vandenberg, deren Romane seit mehr als 40 Jahren im Martin Kelter Verlag in Print erscheinen, tatsächlich ist, beweist nicht zuletzt die ungebrochene Lesernachfrage ihrer Texte. Man kann von einer zeitlosen Gültigkeit sprechen, denn eine Lesergeneration nach der anderen wurde und wird in ihren Bann gezogen. Hervorzuheben ist die unnachahmliche Erzählweise Patricia Vandenbergs, die sie immer wieder großartig demonstrierte. Ins Leben gerufen und entscheidend geprägt hat Patricia Vandenberg auch die große Romanserie um Kinderschicksale Sophienlust. Bemerkenswert sind ihre übersinnlichen, phantastischen Amulett-Romane, die ebenfalls die erzählerische Meisterschaft dieser großen Schriftstellerin beweisen. Viele weitere Romane von Patricia Vandenberg unterstreichen die besondere Beliebtheit dieser Schriftstellerin, deren Verdienste im Romanheftgenre hervorzuheben sind. Das Geheimnis des Erfolges lag neben ihrer erzählerischen Kompetenz in ihrer Aufgeschlossenheit gegenüber den Sorgen und Sehnsüchten ihrer Mitmenschen begründet. Das richtige Einfühlungsvermögen, der Blick in die Herzen der Leser wirkt sich auch und gerade in der heutigen Zeit sehr positiv auf das Renommee eines Schriftstellers aus. Genau das ist bei Patricia Vandenberg in besonderem Maße der Fall, deren breitgefächerte, virtuose Einfälle auch noch nach ihrem Tod einem großen Lesepublikum viel Freude bereiten.
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»Fräulein Bolton, bitte zum Diktat.« Die dunkle Stimme ihres Chefs riss Jennifer aus ihren trüben Gedanken. Dr. Kürten war es nicht gewohnt zu warten. Sie musste sich zusammenreißen.

Gestern Abend hatte sie einen Brief vorgefunden, der ihr ganzes Leben verändern konnte. Vielleicht – denn Jennifer wusste nicht, wie sie sich entscheiden sollte. Am unangenehmsten aber war ihr, dass sie ihren Chef, bei dem sie erst seit vier Wochen als Privatsekretärin beschäftigt war, schon um Urlaub bitten musste. Sie war so glücklich gewesen, diese Stelle zu bekommen. Zudem war Dr. Eric Kürten ein angenehmer Chef. Sachlich und zurückhaltend.

Jennifer Bolton war ein ungewöhnlich apartes Mädchen. Kluge graugrüne Augen belebten ein ovales, leicht gebräuntes Gesicht, das verriet, dass sie ihre Freizeit an der frischen Luft verbrachte und nicht in verräucherten Lokalen.

Jennifer war vierundzwanzig Jahre alt, sah aber noch jünger aus. Deshalb hatte Dr. Kürten anfangs wohl auch gezögert, sich für sie zu entscheiden, aber bald schon hatte er gemerkt, dass er es nicht zu bereuen brauchte. Jennifer war zuverlässig und tüchtig.

Deshalb verwunderte es ihn umso mehr, dass sie heute einen zerstreuten Eindruck machte, dass ihre Gedanken immer wieder abirrten.

Dr. Eric Kürten war ein guter Psychologe. Wenn ein Mädchen wie Jennifer Bolton unkonzentriert war, musste es tiefere Gründe haben. Ein Mann?, überlegte er, während er sie prüfend musterte.

Er selbst war erst Anfang Dreißig, wirkte aber gesetzt, da er die verantwortungsvolle Position nach dem plötzlichen Tode seines Vaters früh hatte einnehmen müssen. Zu früh, um richtig jung sein zu können.

»Fehlt Ihnen etwas, Fräulein Bolton?«, fragte er freundlich.

Es war eigentlich das erste Mal, dass er ein persönliches Wort an sie richtete. Jennifer war überascht.

»Verzeihen Sie, bitte«, erwiderte sie leise, »aber ich möchte Sie nicht mit meinen Sorgen belästigen.«

»Sie belästigen mich nicht. Immerhin kennen wir uns doch schon vier Wochen«, er lächelte. »Sie sind eine tüchtige Sekretärin, warum sollten Sie nicht auch einmal Ihr Herz ausschütten, wenn Ihnen danach zumute sein sollte?«

Jennifer errötete. »Es ist mir sehr unangenehm, Herr Doktor, aber ich müsste Sie um einen Tag Urlaub bitten. Ich erhielt gestern die Nachricht, dass mein Bruder und seine Frau ums Leben gekommen sind.«

»Oh, das ist schlimm«, sagte er betroffen. »Meine Anteilnahme.«

»Ich habe meinen Bruder seit sechs Jahren nicht mehr gesehen«, kam es stockend über ihre Lippen. »Er befand sich mit seiner Frau auf einer Expedition in Asien. Sie kamen bei diesem furchtbaren Erdbeben um. Ich wusste bisher gar nicht, dass sie dort waren.«

Er sah sie nachdenklich an. »Sie hatten kein enges Verhältnis zu Ihrem Bruder?«, fragte er behutsam.

»Er lebte nur für die Wissenschaft wie seine Frau. Das Schlimme ist, dass sie zwei Kinder hinterlassen, die in einem Heim untergebracht sind. Ich kenne die Kinder gar nicht. Und nun werde ich plötzlich vor die Entscheidung gestellt, ob ich die Vormundschaft für die Zwillinge übernehmen will.« Sie seufzte tief. »Aber ich halte Sie nur auf«, murmelte sie.

»Sie haben sonst keine Angehörigen mehr?«, fragte er behutsam.

Jennifer schüttelte den Kopf. »John war zwölf Jahre älter als ich. Finanziell hat er sehr gut für mich gesorgt, bis ich auf eigenen Füßen stehen konnte. Aber er war eben Forscher. Darüber hat er wohl auch seine Kinder vergessen.«

»Wie alt sind sie?«, fragte er.

Jennifer überlegte. »Sie müssen ungefähr vier Jahre alt sein. Etwas älter vielleicht. Wahrscheinlich sind sie schon ziemlich lange in diesem Heim. Der Nachlassverwalter bat mich um einen Besuch. Deshalb brauche ich den Urlaub. Ich kann es in einem Tag schaffen, wenn ich nach Frankfurt fliege.«

»Frankfurt – ich muss übermorgen geschäftlich dorthin«, erklärte er zu ihrer Überraschung. »Sie können mich begleiten. Es ist mir sogar recht lieb, denn meine französischen Sprachkenntnisse sind nicht so gut wie die Ihren. Sie erinnern sich, es geht um die Fusion mit dem Werk in Nantes. Oder wollten Sie schon morgen fahren?«, erkundigte er sich.

»Nein, ich habe noch keinen Termin genannt. Ich möchte ungern meine Stellung aufs Spiel setzen, Herr Doktor.«

»Das brauchen Sie nicht«, erwiderte er ruhig. »Ich wechsle ungern und habe mich bereits an Sie gewöhnt. Also verbinden wir unsere Interessen miteinander.«

*

Später in ihrer kleinen Wohnung, überlegte Jennifer, ob John ihr eigentlich etwas bedeutet hatte. Gewiss, er war ihr Bruder, aber der Altersunterschied hatte sie immer getrennt. Als sie geboren wurde, war er schon im Internat. Als sie die Schule verließ, hatte er sich bereits einen Namen als Forscher gemacht und war verheiratet. An seiner Hochzeit hatte sie nicht teilgenommen, da kurz zuvor ihre Mutter gestorben war, bei deren Beerdigung sie John zum letzten Mal gesehen hatte. Seine Frau hatte sie nie kennengelernt, und die Geburt der Zwillinge hatte er ihr beiläufig mitgeteilt.

Nun war er tot und seine Frau auch. Zurückgeblieben waren zwei Waisen, die außer ihr keinen Familienangehörigen mehr hatten. Es war ein eigentümliches Gefühl, denn eigentlich liebte Jennifer Kinder, aber diese beiden kannte sie gar nicht. Odette und Oliver, etwas mehr als vier Jahre alt, das war alles, was sie von ihnen wusste, außer dass sie in einem Kinderheim untergebracht waren, das den Namen »Kinderheim Sophienlust« trug. Alles andere würde sie erst durch den Nachlassverwalter erfahren.

Nett war es von Dr. Kürten gewesen, dass er sie so freundlich angehört hatte. Ein eigenartiger Mann war er schon. Erstmals, seit Jennifer bei ihm beschäftigt war, zerbrach sie sich den Kopf darüber, wie sich wohl sein Privatleben gestalten mochte. Soweit sie wusste, war er unverheiratet und lebte mit seiner Mutter und seiner Schwester zusammen. Das war aber auch alles, was sie bisher über ihn erfahren hatte.

*

»Nun fliegst du doch nach Frankfurt?«, fragte Elena Kürten ihren Sohn erstaunt. »Ich dachte, du wolltest Herrn Hanke schicken.«

»Ich habe es mir anders überlegt. Die Sache ist mir zu wichtig.«

Frau Kürten hatte allen Grund, sich zu wundern, denn sprunghaft änderte ihr Sohn seine Entscheidungen sonst nie.

Elena Kürten war eine resolute Frau, zugleich jedoch eine Grande Dame. Mit ihren sechzig Jahren wirkte sie noch außerordentlich jugendlich, und wenn überhaupt etwas sie bedrücken konnte – denn sie war durch und durch Optimistin –, dann die Tatsache, dass ihre beiden Kinder ziemlich schwierig waren.

»Wo ist eigentlich Angelika?«, fragte er plötzlich.

»Sie hat heute mal wieder ihren sentimentalen Tag«, stellte Frau Kürten gelassen fest. »Frank hat geschrieben, und da versinkt sie in Schwermut.«

»Ich weiß nicht, warum sie so eigensinnig ist«, meinte er. »Sie liebt ihn doch, da ist es doch wahrhaftig kein Verbrechen, dass sie keine Kinder bekommen kann.«

»Sie redet es sich aber ein«, bemerkte Frau Kürten sinnend. »Und sie wird das noch so lange tun, bis ihre Ehe wirklich in die Brüche geht. Ich gebe es auf. Es wird wohl mein Schicksal sein, niemals Großmutter zu werden. Angelika kann keine Kinder kriegen, und du denkst nicht daran zu heiraten.«

»Warum adoptiert Angelika eigentlich nicht ein Kind oder gar zwei?«, erwiderte er. »Es gibt doch so viele elternlose Kinder, die glücklich wären, wenn sie ein richtiges Zuhause hätten.«

»Wie kommst du denn darauf?«, fragte Frau Kürten erstaunt.

»Warum? Das liegt doch nahe.«

»Nun, vielleicht gelingt es dir dann auch, Angelika das beizubringen. Sie meint, dass ihr fremde Kinder nichts bedeuten könnten.«

»Es müssten natürlich Kinder sein, die liebenswert sind und von denen man wüsste, woher sie kommen«, erläuterte er seinen Standpunkt. »Ich habe da einen seltsamen Fall bei meiner Sekretärin.«

»Deiner Sekretärin?«, fragte Frau Kürten erstaunt. »Die neue? Wie ist sie eigentlich? Du hast noch gar nicht über sie gesprochen.«

»Sehr tüchtig«, antwortete er sachlich, ließ sich aber auf weitere Fragen nicht mehr ein.

*

Auch auf Gut Sophienlust war ein sehr amtlich und korrekt klingendes Schreiben angekommen. Es störte etwas die Wiedersehensfreude zwischen Denise von Wellentin und ihrer Freundin Claudia Brachmann, die gerade von ihrer Hochzeitsreise zurückgekommen war.

»Die armen Kinder«, sagte Denise von Wellentin leise.

»So bedauernswert sind sie doch gar nicht«, widersprach Claudia. »Sie kennen doch ihre Eltern kaum noch und werden sie deshalb auch nicht vermissen. Sie haben hier ihre Heimat.«

»Aber wie der Nachlassverwalter schreibt, haben sie eine Tante. Es könnte ja sein, dass diese Tante die Kinder zu sich nehmen will.«

»Jammere den Kindern doch nicht schon nach, solange sie noch hier sind, Isi.«

»Du bist jetzt schon weit entfernt von unseren Problemen, Claudi, denn du bist glücklich verheiratet und wirst bald eigene Kinder haben.«

»Das könntest du auch, wenn du dir nicht partout in den Kopf gesetzt hättest, einer Unzahl von Kindern Mutterersatz zu sein. Ich könnte mir vorstellen, dass Alexander dies gar nicht gern sieht.«

Denises schönes Gesicht verschattete sich. »Alexander respektiert meine Argumente«, erklärte sie. »Übrigens kommt er gerade.«

Claudia Brachmann lächelte, als ihre Freundin zur Tür hinausstürzte. Wenigstens bedeutete ihr Alexander von Schoenecker so viel, dass...



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