E-Book, Deutsch, Band 185, 64 Seiten
Reihe: Dorian Hunter - Horror-Serie
Vandis Dorian Hunter 185
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8906-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Feuerkuss
E-Book, Deutsch, Band 185, 64 Seiten
Reihe: Dorian Hunter - Horror-Serie
ISBN: 978-3-7517-8906-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die junge Side erzitterte unter der magischen Urgewalt. Ihr wurde heiß und kalt, und immer wieder war sie versucht, den Schwertgriff loszulassen und sich vor den rötlichen Flammen, die ihre Hände umzüngelten, in Sicherheit zu bringen. Aber die Vernunft siegte. Merlin hatte ihr das Wissen darum mitgegeben, was zu tun war. Der Dämonenkiller hatte seine Aufgabe erfüllt, ¬indem er ihr das Schwert gebracht hatte. Jetzt war die Reihe an ihr. Arianrod neigte den Oberkörper nach vorn und presste ihre bebenden Lippen gegen das glänzende Metall. Die magischen Flammen, die gefräßig über ihre Wangen leckten, fürchtete sie nicht, sondern nahm sie auf, sog sie ein, als sie ihre Lippen zu einem winzigen Atemzug öffnete. Arianrod küsste das Feuer ...
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1. Kapitel
Nachdem Yoshi verschwunden war, konzentrierte Sullivan sich wieder auf seine Arbeit. Die Bezüge des Janet-Coughlin-Falles zur keltischen Mythologie hatten ihn neugierig gemacht, und er hielt es für angebracht, in dieser Richtung weiterzuforschen. Gerade suchte er nach Verbindungen zwischen den Kelten und Dorians sechstem Leben, als sich wiederum die Tür hinter ihm öffnete und sich kurz darauf eine schwere Hand auf seine Schulter legte.
»Du kommst gut voran, Trevor?«
Die Stimme drang ihm durch Mark und Bein. Alles Blut schien aus seinem Gesicht zu weichen.
Das konnte doch nicht wahr sein. Nicht schon wieder. Ich bin wahnsinnig, dachte er schockiert. Ich muss komplett verrückt geworden sein!
»Du bist nicht verrückt«, sagte Martha Pickford-Sullivan in seinem Rücken. »Ich möchte dir nur helfen. Ich spüre, dass deine Kraft nachlässt. Aber du musst Dorian Hunter unterstützen, um jeden Preis.«
Er versuchte, sich zu einer Antwort durchzuringen, aber seine Kehle war trocken wie Stroh. Hilflos hockte er auf seinem Bürostuhl, während sich der Bildschirm, die Regale dahinter und bald sogar der ganze Raum um ihn zu drehen begannen. Der Schwindel wollte übermächtig werden, doch Magic Marthas harte, gnadenlose Stimme riss ihn wieder in die Wirklichkeit zurück. »Nimm dich zusammen, Trevor. Es ist wichtig!«
Er schluckte trocken. »Ich weiß«, hörte er sich wie aus weiter Ferne krächzen. »Es geht um Dorians Leben, oder?«
»Wenn es nur das wäre«, entgegnete Martha grimmig. »Dieser Nichtsnutz von Dämonenkiller hat es gar nicht verdient, dass man sich um ihn kümmert. Doch es geht auch um Phillip, Coco und alle anderen. Wenn die Nereiden und Tritonen Macht erlangen, werdet ihr keine ruhige Minute mehr in eurem Leben haben.«
Die habe ich auch jetzt nicht mehr, dachte der ehemalige Observator der Inquisitionsabteilung furchtsam. Er tastete mit seiner zitternden Rechten hinter sich und fühlte das kalte, seltsam weiche Fleisch von Marthas Armen unter seinen Fingern. Sie ist es. Sie ist es wirklich!, dachte er beklommen.
»Weshalb bist du hier ...?«, fragte er mit spröder Stimme. Noch immer wagte er es nicht, sich umzudrehen. Der Schwindel war verflogen und machte einer unheimlichen Ruhe Platz, die sich in seinem Kopf ausbreitete.
»Weil es mir nötig scheint, Trevor«, erwiderte sie schneidend. Ihr Tonfall war genauso forsch wie früher. Fast erschien es Sullivan, als sei sie niemals wirklich fort gewesen. »Ich muss dir auf die Sprünge helfen«, fuhr sie fort. »Die Zeit drängt. Die Nereide soll bereits heute Nacht erweckt werden.«
»Nereiden und Tritonen? Wovon sprichst du?« Jetzt endlich wandte er sich um. Ihr Anblick traf ihn wie ein Hammerschlag, aber er musste Stärke zeigen. Sie meinte es nur gut mit ihm, und er durfte sie nicht wissen lassen, dass sie mit ihren kalten Totenhänden für ihn wie eine Fremde war.
»Die Tritonen und Nereiden sind mächtige Dämonen, obgleich sie nicht der Schwarzen Familie angehören. Sie leben zurückgezogen im Mittelpunkt der Erde, wo sie den Höllenhunden dienen, den Herrschern über das centro terrae.«
»Woher ... woher weißt du das?« Höllenhunde, mächtige Dämonen? Wenn Martha recht hatte, lauerte also eine ungeheuerliche Gefahr.
»So ist es«, sagte sie, als könne sie seine Gedanken lesen. »Dorian Hunter hat es in der Hand. Jetzt soll er einmal zeigen, ob er wirklich so mutig ist, wie er immer herumposaunt, oder ob er ...«
»Du konntest ihn nie leiden«, unterbrach er ihre schnippische Rede. »Er wird seine Aufgabe erfüllen, ganz sicher.«
»Er ist ein Egoist!«, blaffte sie zurück. »Und er hat Phillip wie eine Marionette behandelt, mit der er tun und lassen konnte, was er wollte.«
Er wusste, dass es keinen Sinn hatte, mit ihr zu streiten. Schon zu ihren Lebzeiten war sie nie von ihrer vorgefassten Meinung abzubringen gewesen. Gleichzeitig musste er zugeben, dass auch er des Öfteren mit Dorian in Streit geriet. Der Dämonenkiller war ein schwieriger und eigenwilliger Mensch. Aber wenn es drauf ankam, war auf ihn Verlass.
»Sag es mir«, forderte er Martha auf. »Wie kann ich ihm helfen?«
Sie beugte sich über seine Schulter, sodass er eigentlich ihren Körpergeruch oder wenigstens einen Parfümduft hätte wahrnehmen müssen. Aber da war nichts. Sie war aus Fleisch und Blut, aber sie war dennoch nicht wie früher. Perplex sah Trevor zu, wie Martha gekonnt die Tastatur bediente. Sie durchforstete das Festplatten-Archiv der Mystery Press, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan, und dabei hatte sie all diese technischen Spielereien stets verabscheut.
»Hier ist es«, sagte sie schließlich und öffnete ein Dokument, in dem Verweise auf sämtliche historische Berichte über das Wiederaufkommen der Druiden- und Keltenkultur in Großbritannien während der letzten dreihundert Jahre zusammengefasst waren. »Dieses Buch ist wichtig!« Sie zeigte auf einen Band, der sich mit Spekulationen über die frühe Lebensweise der Kelten beschäftigte und von einem Mann geschrieben worden war, der sich in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts intensiv mit der Materie auseinandergesetzt hatte und zu einigen bemerkenswerten Schlussfolgerungen gekommen war. Trevors interessierter Blick fiel beiläufig auf den Autorennamen. Er stutzte.
Endlich hatte er die Lösung.
Ich hatte die letzten Minuten in einem merkwürdigen Traumzustand verbracht. Vor meinen Augen das Krankenbett, auf dem die widerspenstige Janet Coughlin lag, sah ich gleichzeitig die letzten Wochen meines sechsten Lebens als Baron Matthias Troger von Mummelsee an mir vorüberziehen. Der seelische und körperliche Schmerz, den ich in seiner Haut damals erfahren hatte, wurde von der Erinnerung emporgespült und drohte, mich zu überschwemmen. Krampfhaft versuchte ich, mich an die Wirklichkeit zu klammern, an Coco und Dr. Gilltree, die sehr wohl bemerkt hatten, welche Veränderung mit mir vorgegangen war, und mich voller Sorge musterten. Aber der Strom war stärker. Ich wurde fortgerissen von den Erinnerungen. Francescas Gesicht entstand vor mir und vermischte sich gleich darauf mit dem Genevièves. Dann sah ich Manannan und John Aubrey. Den Iren hatte ich nach dem Kampf in Domodossola nicht mehr wiedergesehen. Er musste von den Wassergeistern verschleppt worden sein. Vielleicht hatten sie ihn getötet.
Erschöpft lehnte ich mich an die Wand. Innerhalb weniger Minuten hatte ich noch einmal alle Einzelheiten der Reise von Florenz zum Mummelsee erlebt. Ich entsann mich, wo wir unterwegs Station gemacht hatten und auf welche Gestalten wir dabei gestoßen waren. Auch das Gesicht der Dämonendienerin in Pfarrberg erblickte ich; ihre vollen, nackten Brüste, aus denen schwarzes Blut auf meine Kleidung spritzte.
Ich presste die Lippen zusammen. Der Marchese Ottavio Arras hatte mich damals also bis nach Florenz verfolgt, um im entscheidenden Augenblick die Aufzeichnungen Galileos zu stehlen. Ich wusste, dass Arras, der damals als der Dämon des Verrats und der Lüge durch die Lande gezogen war und gewiss sein Scherflein zu den Kriegswirren beigetragen hatte, eine Sonderstellung unter den Dämonen eingenommen hatte. Denn hinter seiner Maske verbarg sich niemand anderes als der Januskopf Olivaro, der bereits seit über tausend Jahren auf der Erde wandelte und im Dunstkreis der Schwarzen Familie stets sein eigenes Süppchen gekocht hatte, bis er vor einigen Jahren endgültig die Seiten wechselte und mir zu einem Freund geworden war. Also war er es gewesen, der die schriftlichen Arbeiten Galileos an sich genommen hatte – sicherlich aus Eigennutz, um von den Forschungsergebnissen des Wissenschaftlers zu profitieren.
Außerdem hatte er damals John Aubrey entführt und ihn unter seine Fittiche genommen. Ich ahnte inzwischen, was dem Jungen in seiner Obhut widerfahren war. Endlich begann sich der Kreis der mysteriösen Ereignisse zu schließen.
Ich war so in Gedanken versunken, dass ich nur am Rande wahrnahm, wie das Handy anschlug. Cocos Gesicht mengte sich in die Bilder meiner Erinnerung, als sie das Gerät aus meiner Jackentasche klaubte und den Anruf entgegennahm. Aus den Gesprächsfetzen, die an mein Ohr drangen, erkannte ich, dass Trevor am anderen Ende der Leitung war.
Ich wischte den Gedanken an Ottavio Arras weit fort und konzentrierte mich endlich wieder auf die Gegenwart. Ein kurzer Blick auf Dr. Gilltree genügte, um festzustellen, dass sie mich überhaupt nicht ansah. Coco musste ihre Beeinflussung verstärkt haben.
Jetzt beendete die ehemalige Hexe das Gespräch und steckte das Handy wieder in die Tasche.
»Es gibt einige interessante Neuigkeiten«, sagte sie und richtete ihren Blick auf Janet Coughlin, die mit aufgerichtetem Oberkörper vor uns im Bett saß. Der Geist in ihr hatte bisher keine Anstalten gemacht zu fliehen. Und seit ich mich der Erlebnisse in Domodossola erinnert hatte, kannte ich auch den Grund dafür.
»Trevor berichtete von einem Engländer namens Aubrey, der dem beinahe vergessenen Druidenkult Ende des siebzehnten...




