E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Vavrik Nacktbadestrand
11001. Auflage 2011
ISBN: 978-3-548-92045-0
Verlag: Ullstein-Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
ISBN: 978-3-548-92045-0
Verlag: Ullstein-Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Elfriede Vavrik, geboren 1929 und Mutter von drei Söhnen, betrieb bis 2006 eine Buchhandlung in der Nähe von Wien. Nacktbadestrand ist ihr Erstling.
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11
Ich wartete auf Robert auf dem Hauptplatz vor dem Schloss, nicht im Café, um die Möglichkeit zu haben, ihn gleich wieder nach Hause zu schicken, wenn er mir nicht gefallen sollte. Er reiste in einem großen schwarzen Wagen an, den er mir am Telefon beschrieben hatte, parkte vor der Kirche und stieg aus.
Er gefiel mir schon aus der Ferne. Er hatte auch äußerlich alles, was sich ein Mann wünschen konnte. Er war groß und schlank, wirkte gepflegt, sportlich und agil. Ich winkte ihm von meiner Sitzbank aus zu.
Er kam zu mir und grüßte höflich. Ich bot ihm sofort das Du an. Er sagte, dass die Autofahrt schneller verlaufen sei, als er erwartet hatte. Er sei schon eine halbe Stunde im Nachbarort spazieren gegangen.
Ich lud ihn in meine Wohnung ein. Wir stiegen in sein Auto und fuhren zu mir.
Es war natürlich klar, worauf das hinauslaufen würde. Ich kochte Kaffee und wollte ihn fragen, ob er schon einmal etwas mit einer älteren Dame wie mir gehabt hatte. Stattdessen machte ich ihm ein Kompliment über sein dichtes Haar. Er nahm einen Schluck Kaffee und griff mir mit den Fingerkuppen hinters Ohr.
»Ich bin ja glücklich«, sagte er, »und meine Frau ist auch glücklich, glaube ich. Aber etwas fehlte mir immer. Dir fehlt auch etwas, nicht?«
»Das kann man so sagen.«
»Bin ich der erste jüngere Mann für dich?«, kehrte er die Frage um, die ich selbst stellen wollte.
»Ja«, antwortete ich.
Es gefiel mir, dass er die Initiative ergriff.
»Ich bin also so etwas wie eine Jungfrau«, sagte ich. »Du musst aufpassen. Wer weiß, ob ich noch weiß, wie das geht.«
»Man verlernt es nicht«, lachte er und küsste mich auf die Wange.
Wie Autofahren, dachte ich. Autofahren hatte ich während des Winters nicht verlernt. Aber mit jemandem schlafen? Nach vierzig Jahren? Sex? Was ist der Maßstab dafür, dass man gut darin ist? Wenn er glücklich macht? Mich hat er mit ganz wenigen Ausnahmen nie glücklich gemacht und auch bei diesen Ausnahmen nicht richtig. Folglich konnte ich es nie. Folglich nützte es nichts, dass man es nicht verlernt.
Ich wollte noch etwas Zeit vergehen lassen, ehe wir das Schlafzimmer betreten würden. Ich fragte ihn noch ein wenig nach seiner Familie. Und jetzt fragte ich ihn auch, ob er öfter zu anderen Frauen gehe. Er verneinte. Dass er auch unerfahren sei in dieser Sache, lachte er.
»Ich bin eigentlich ganz treu, aber seit einem Jahr bin ich irgendwie unglücklich. Und jetzt habe ich es nicht mehr ausgehalten«, sagte er.
»Und ich bin immerhin keine Konkurrenz für deine Frau«, sagte ich. »Langfristig.«
In meiner ersten Ehe hatte mein Mann, der ebenfalls Unternehmer gewesen war, aber nicht besonders erfolgreich, überhaupt keine Zeit für mich gehabt. Ich weiß nicht, ob er eine Geliebte hatte, es interessierte mich auch nicht besonders. Er war oft auf Reisen. Und wenn er da war, schlief er kaum mit mir.
Ich hatte ein sehr vertrautes Verhältnis zu einem seiner Freunde, der hauptberuflich Tänzer und nebenbei Amateurboxer war. Sein Körper war beeindruckend schön gebaut und herrlich durchtrainiert. Wir kannten uns viele Jahre lang, ich kannte auch seine Frau und ihren gemeinsamen Sohn. Als er mir dann eines Abends den Spiegelsaal zeigte, in dem er seine Choreographien einübte, fielen wir übereinander her. Ich war damals dreißig, und es war das erste Mal, dass ich ein männliches Glied sah. Mein Mann hatte sich immer nur auf mich gelegt, und was unten passierte, hatte ich bestenfalls fühlen können. Kaiserin Maria Theresia soll sich darüber beschwert haben, dass man dabei nicht stricken kann.
Mit dem Tänzer war es das erste Mal, dass es mir Spaß machte, ich hatte damals zum ersten Mal etwas wie einen Höhepunkt. Dabei hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits zwei meiner drei Söhne geboren.
Noch ein paar Mal habe ich meinen ersten Mann mit dem Tänzer betrogen. Irgendwann kam er dahinter. Für ihn war es der Anfang einer schweren Krise. Wir ließen uns scheiden. Wie auf Befehl von oben gingen seine Firmen fast gleichzeitig in Konkurs, und er wurde wegen Vergehen, die ich nie richtig begriff, zu einer Haftstrafe verurteilt.
Mir war immer klar gewesen, dass der Tänzer seine Frau niemals für mich verlassen würde. Einfach schon deshalb, weil sie schwer krank war. Dann verließ er sie einige Monate nach meiner Scheidung völlig überraschend doch, aber nicht für mich: Er starb an Krebs.
Mein Mann wollte vor, während und nach seiner Haft nichts mehr von mir wissen. Ich war danach allein mit meinen Söhnen und meinem schlechten Gewissen. Der Sex mit dem Tänzer, der blieb in den folgenden Jahrzehnten und bis heute der einzige, der mich für den Moment glücklich gemacht hatte.
Und jetzt lagen Roberts Lippen auf meiner Wange, ich fühlte seinen Atem und dachte über Treue nach. Das hätte ich mir wirklich nicht gedacht, dass mir so etwas in so einem Augenblick passieren würde.
»Sei nett zu deiner Frau«, flüsterte ich.
»Werde ich machen«, hauchte er.
»Ich helfe dir dabei«, flüsterte ich.
»Danke«, lächelte er.
Meine Affäre mit dem Tänzer war das einzige Mal, dass ich fremdging. Es war kein leichtfertiger Seitensprung. Ich hätte meinen Mann für ihn verlassen, ich wollte wirklich bei ihm bleiben. Jetzt aber war es etwas ganz anderes. Jetzt half ich Robert irgendwie dabei, bei seiner Frau zu bleiben, fand ich. Ich wollte ihn nicht für mich haben, ich wollte nicht sein Herz, nicht seine ganze Wärme, ich wollte nur einen Teil seiner Wärme und nur für diesen einen Tag.
Ich wollte ihm Wärme geben. Ich wollte ihn nicht lieben, wie eine junge Frau liebt, sondern wie eine Großmutter, ohne Ansprüche, aber als Großmutter natürlich, die noch eine Vagina besitzt.
Er küsste mich auf den Hals, wie mich der Tänzer geküsst hatte. Ich streichelte ihm durchs Haar. Jetzt fiel mir ein, dass ich geführt, genommen werden wollte, aber vorsichtig, als ob ich tatsächlich eine Jungfrau wäre, bei der ein Mann aufpassen muss, um ihr nicht wehzutun. Und natürlich wollte ich befriedigt werden. Das war jetzt das Wichtigste. Das war wichtiger, als es je zuvor für mich gewesen war, wenn ich Sex gehabt hatte.
Ich war offenbar recht lang in Gedanken verloren gewesen. Robert war inzwischen vom Sofa geglitten und kniete vor mir. Er drückte meine Beine auseinander, schob meinen Rock hoch, zog meine Unterhose zur Seite und leckte mich. Ich schob mein Becken an den Rand des Sofas. Es war sehr angenehm.
Das hatte ich bisher nur zweimal mit dem Tänzer erlebt, sonst nie. Ich merkte, wie schnell ich feucht wurde, und ich war froh darüber. Es war eine Bestätigung dafür, dass es bei mir nicht nur mit Selbstbefriedigung funktionierte.
Ich schob seinen Kopf weg, stand auf, nahm seine Hand und führte ihn ins Schlafzimmer. Ich küsste ihn auf die Lippen. Sie waren heiß von mir, schmeckten nach mir, leicht süßlich. Langsam zog er mich aus. Dann half ich ihm. Ich legte ihn auf den Rücken und sah ihn fragend an.
Mir fiel ein, was Josef sich von mir im Park gewünscht hatte. Ich sah Roberts Glied, das langsam größer und größer wurde, wie allein durch meinen Blick. Er griff nach meinem Hinterkopf und führte mein Gesicht zu seinem Schwanz. Ich nahm ihn in die Hand, in den Mund und überlegte fieberhaft, was zu tun sei. So etwas hatte ich noch nie gemacht.
Die Haut war weich. Vorsichtig fuhr ich mit der Zunge über die Eichel. Mit der Hand zog ich die Vorhaut nach unten.
Robert zuckte und gab einen zischenden Ton von sich. Das war also zu fest, dachte ich.
Mit der Hand war ich nun vorsichtiger, und die Zunge und die Lippen taten plötzlich alles von alleine. Die Haut auf der Eichel und das feine Häutchen zwischen Eichel und Vorhaut waren sehr zart. Ich hätte mir beides rauer vorgestellt. Robert atmete tief und laut und kraulte mein weißes Haar. Ich begann den Kopf zu bewegen und irgendwann hatte ich sein Glied so tief im Mund, wie es nur ging.
Robert hatte offenbar genug, hob seinen Oberkörper, nahm mich und legte mich auf den Rücken. Ich war stolz darauf, dass ich es geschafft, dass es ihm gefallen hatte.
Mit der einen Hand drückte er leicht meine Brust, mit dem Mittelfinger der anderen fuhr er mir in die Scheide. Er bewegte ihn langsam, fühlte die Scheidenwände. Ich genoss es. Ich war geschmeichelt, dass ich, dass mein Körper ihm gefiel. Ich schloss die Augen und fühlte mich schön.
Nicht einmal der Tänzer hatte mir das Gefühl geben können, schön zu sein. Und jetzt, mit neunundsiebzig, jetzt war ich endlich eine schöne Frau. Ist man erst schön, wenn man sich selbst für schön hält? Ich glaube, man ist schön, wenn zumindest ein anderer Mensch einen schön findet. Robert machte mich schön.
Jetzt war auch ich längst erregt genug. Er erkannte es, beugte sich über mich, drückte seine Eichel gegen meine Schamlippen, drang nur mit ihr in mich ein, verließ mich wieder. Das wiederholte er einige Male. Ich hatte nicht erwartet,...




