Velden Biologismus – Folge einer Illusion
1. Auflage 2005
ISBN: 978-3-86234-016-3
Verlag: V&R unipress
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection
. E-BOOK
E-Book, Deutsch, 160 Seiten, Format (B × H): 165 mm x 240 mm
ISBN: 978-3-86234-016-3
Verlag: V&R unipress
Format: PDF
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Prof. Dr. Manfred Velden studierte Psychologie an den Universitäten Bonn und Berkley (University of California). Als Professor an den Universitäten Mainz, Berlin (TU) und Osnabrück vertrat er die Fächer Wahrnehmungspsychologie, Biologische Psychologie und Psychosomatik.
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1;Inhalt;7
2;Vorwort;9
3;1 Die Erklärung des Psychischen aus der Biologie ( Biologismus) – ein logisch erscheinendes Konzept mit Problemen;15
3.1;1.1 Die Erklärung des Psychischen aus der Funktion des Gehirns;17
3.2;1.2 Die Erklärung des Psychischen aus der Evolutionstheorie;32
3.3;1.3 Die Bestimmung der Erblichkeit psychischer Funktionen zum Nachweis ihrer evolutionären Bedingtheit;42
4;2 Der Biologismus als Teil eines umfassenderen Konzeptes mit Problemen Psychologie als Naturwissenschaft;53
4.1;2.1 Umgang mit Daten, Methoden und Begriffen in der Psychologie;54
4.2;2.2 Psychophysik;71
4.3;2.3 Intelligenzforschung;81
4.4;2.4 Lernen von Körperfunktionen und das sog. »Biofeedback«;87
4.5;2.5 Psychosomatik von Koronarerkrankungen;94
4.6;2.6 Der Fall Eysenck;97
4.7;2.7 Folgen des Zwanges zur Naturwissenschaftlichkeit am Beispiel des Typ A- Verhaltensmusters;110
5;3 Biologismus als Folge der Illusion von der Psychologie als Naturwissenschaft;117
6;4 Der Biologismus ist keine wissenschaftliche Fehlentwicklung unter anderen;127
6.1;4.1 Wissenschaftlicher Rassismus;127
6.2;4.2 Verhinderung einer rationalen Diskussion über Klonen und Gentechnologie;137
6.3;4.3 Unangemessene und folgenschwere Abwertung der Stellung der Geisteswissenschaften;142
6.4;4.4 Dehumanisierung des Menschenbildes;143
7;5 Empirische und experimentelle Psychologie – eine Erfolgsgeschichte in Ausschnitten;149
8;Literatur;153
9;Register;161
" (S. 125-126)
Allerdings ist der Biologismus keine gewöhnliche wissenschaftsgeschichtliche Fehlentwicklung wie andere auch. Ganz im Gegenteil hat er z. B. Aussagen produziert, die weit über das politisch Inkorrekte hinaus bis in Gefilde reichen, in denen sich dem bezüglich Rassismus ein wenig sensiblen Leser auch schon einmal der Magen umdreht (»... it turns my stomach«56, Neisser (2004, S. 6) in Bezug auf Rushtons evolutionspsychologische Theorie von Rassenunterschieden; siehe unten). Darüber hinaus, und dies ist beinahe ebenso bedenklich, trägt er zu einer Sichtweise vom Menschen bei, die eine vernünftige Diskussion über so extrem wichtige Fragen wie Klonen von Menschen oder gentechnologische Veränderungen beim Menschen erschwert oder gar unmöglich macht. Noch weiter gehend trägt er eindeutig zur Dehumanisierung des Menschenbildes bei.
4.1 Wissenschaftlicher Rassismus
Assoziativ, nicht logisch, besteht eine enge Beziehung zwischen Biologismus und Rassismus. »Nicht logisch« bedeutet, daß wir aus der Tatsache, daß ein Wissenschaftler versucht, psychische Prozesse über biologische Gesetzmäßigkeiten zu verstehen, keineswegs schließen können, daß er zu einer rassistischen Einstellung neigt. Die Assoziation von Biologismus und Rassismus hat allerdings eindeutig (größtenteils, wenn auch keineswegs ausschließlich) historische Gründe.
Wenn wir den wissenschaftlichen Biologismus mit Darwin beginnen lassen, der ja auch die »intellectual and moral faculties« (Darwin, 1871, S. 496 ff.) des Menschen als Produkte der Evolution ansah, so stellen wir fest, daß seither immer wieder, auch von Darwin selbst, Unterschiede hinsichtlich dieser Eigenschaften zwischen Rassen konstatiert wurden, d. h. die Rassen als in unterschiedlichen Stadien der evolutionären Entwicklung befindlich angesehen wurden.
Nun mag es letztendlich nicht, oder zumindest nicht objektiv, definierbar sein, was den »Wert« eines Individuums, Mensch oder Tier, ausmacht, so impliziert die Annahme von evolutionären Unterschieden zwischen Rassen jedoch ganz eindeutig die Annahme von Wertunterschieden zwischen Rassen, also eine rassistische Aussage. Allerdings erschien eine solche Aussage zur Zeit Darwins nicht als anstößig (politisch inkorrekt), da damals die Annahme von Rassenunterschieden bezüglich fundamentaler psychischer Eigenschaften, wie der »intellectual and moral faculties«, eine Selbstverständlichkeit war, bei Betrachtung »primitiver« Völker scheinbar empirisch unmittelbar evident und über jeden Zweifel erhaben.
Man erkennt dies am besten bei Darwin selbst, einem überzeugten Humanisten (er setzte sich zum Beispiel für die Abschaffung der Sklaverei ein) der, obwohl er doch berufsbedingt ein besonders scharfsichtiger Beobachter von Unterschieden und Ähnlichkeiten zwischen Individuen war, nicht die große Homogenität gerade der menschlichen Spezies, wie sie heute durch genetische Vergleiche belegt ist (Bodmer & Cavalli-Sforza, 1976; Cooper, 2005), erkannte. Er glaubte deutliche Unterschiede hinsichtlich der mentalen Fähigkeiten zwischen Rassen beobachtet zu haben und spricht z. B. wie selbstverständlich von den »lowest savages«57 (Darwin, 1871, S. 541)."




