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Venske | Der Seniorenmordclub: Der letzte Paukenschlag - oder: Ein allzu leichter Tod | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 256 Seiten

Reihe: Der Seniorenmordclub

Venske Der Seniorenmordclub: Der letzte Paukenschlag - oder: Ein allzu leichter Tod

Der zweite Fall
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-95824-238-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der zweite Fall

E-Book, Deutsch, Band 2, 256 Seiten

Reihe: Der Seniorenmordclub

ISBN: 978-3-95824-238-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Tödliche Liebschaften - 'Ein allzu leichter Tod' von Regula Venske jetzt als eBook bei dotbooks. Im Alter ist so einiges anders: Da können auch längst vergangene Leidenschaften neu entbrennen. So geht es auch Joachim und der alles andere als taufrischen Thusi. Manchmal ist das innere Feuer allerdings nicht ausreichend - doch wofür gibt es diese blauen Pillen? Joachim hätte aber besser nicht eine ganze Packung eingenommen! Denn jetzt ist gleich sein ganzer Körper steif: Leichenstarre. Aber da er nun schon einmal tot ist, braucht er doch auch seine wertvolle Bildersammlung nicht mehr ... Nachdem diese verkauft wurde, glauben die Freunde des Toten nicht mehr an die Geschichte vom sexuellen Erwachen des Seniors, sondern vermuten hinter dessen plötzlichem Ableben eine gierige Greisin ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Ein allzu leichter Tod' von Regula Venske. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Regula Venske gehört zu Deutschlands ungewöhnlichsten Krimiautoren, deren Romane großen Unterhaltungswert besitzen' (literaturmarkt.info). Regula Venske wurde 1955 in Minden geboren und wuchs in Münster auf. 1987 promovierte sie mit einer Studie über 'Mannsbilder - Männerbilder. Konstruktion und Kritik des Männlichen in zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur von Frauen' zum Doktor der Philosophie. Für ihre Romane und Erzählungen wurde sie u. a. mit dem Oldenburger Jugendbuchpreis, dem Deutschen Krimipreis und dem Lessing-Stipendium des Hamburger Senats ausgezeichnet, ihr Kurzgeschichtenband ''Herzschlag auf Maiglöckchensauce'' wurde für den Frauenkrimipreis der Stadt Wiesbaden nominiert. Im April 2017 wurde Regula Venske zur Präsidentin des deutschen PEN gewählt, einer Schriftstellervereinigung, die sich für die Freiheit des Wortes und Völkerverständigung einsetzt und dessen Generalsekretärin sie seit April 2013 war. Seit Oktober 2015 ist sie außerdem Mitglied im Präsidium von PEN International. (www.pen-deutschland.de; www.pen-international.org) Bei dotbooks erschienen Regula Venskes Romane 'Double für eine Leiche', 'Schief gewickelt - Das perfekte Verbrechen', 'Kommt ein Mann die Treppe rauf', 'Rent a Russian', 'Die garstigen Greise', 'Ein allzu leichter Tod' 'Hamburger Kanzelsturz', 'Todesschüsse in St. Georg', 'Fegefeuer am Grindel', 'Mord im Gazellenkamp' und 'Die Hexen von Övelgönne'. Weitere Titel sind in Vorbereitung.
Venske Der Seniorenmordclub: Der letzte Paukenschlag - oder: Ein allzu leichter Tod jetzt bestellen!

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Kapitel 1


»Da vorne ist es!« Die alte Thusi wedelte mit den Händen und ihre Armreifen klimperten im Takt. »Fahr doch mal rechts ran!«

Marthe bremste scharf ab, was dem jungen Mann im Wagen hinter ihnen eine schnelle Reaktion abverlangte. Aber warum musste der Bursche auch so dicht an ihrer Stoßstange kleben!

»Früher gab es hier einen hübschen Weg durch die Wiesen«, erinnerte sich Thusi. »Wir könnten uns ein wenig die Beine vertreten.«

»Wollen wir nicht lieber erst ins Hotel fahren?« Nach der langen Autofahrt lechzte Marthe nach Flüssigem, zum innerlichen wie äußerlichen Gebrauch. Eine kalte Dusche, ein kühles Erfrischungsgetränk, ein gepflegtes Glas Wein … »Spazieren gehen können wir doch später noch immer.«

Thusi fiel ihr ins Wort. »Wenn wir erst einmal im Hotel sind und der ganze Trubel beginnt, werden wir uns nicht mehr loseisen können. Ach, komm, Liebes, nur ein halbes Stündchen.«

Marthe unterdrückte einen Seufzer und lenkte ihren Wagen wie gewünscht auf den Parkplatz neben der alten Mühle, in der sich das hiesige Kunstmuseum befand. Die Kunstmühle Beekenau, ein Name, mit dem Thusi ihr in den letzten Tagen in den Ohren gelegen hatte. Morgen sollte hier eine Vernissage stattfinden, zu der Thusi eingeladen war.

Allmählich verfestigte sich Marthes Eindruck, dass Thusi die Begegnung, für die sie beide die lange Anfahrt vom Münsterland nach Mecklenburg-Vorpommern auf sich genommen hatten, nach Kräften hinauszögerte – so sehr sie sich auch danach sehnen mochte. An jeder Raststätte hatte sie anhalten wollen, um Kaffee zu trinken oder die Toilette aufzusuchen.

Aber war die Nervosität der alten Frau nicht allzu verständlich? Wie würde sie selbst sich wohl fühlen, wenn ihr nach so langer Zeit eine Begegnung mit ihrer Jugendliebe bevorstünde? Wobei Marthe nicht so recht hätte sagen können, wer diese Jugendliebe gewesen wäre, ihr fielen gleich mehrere Kandidaten ein. Bei Thusi hingegen schien es so etwas wie die große Liebe gewesen zu sein, die Liebe ihres Lebens, hatte die alte Dame behauptet – eine unerfüllte Liebe, das gehörte natürlich dazu.

Als Thusi Marthe darum gebeten hatte, sie auf einem »kleinen Nostalgie-Trip« zu begleiten, hatte Marthe nicht lange nachdenken müssen. Das war doch Ehrensache, nach all dem, was sie im Sommer gemeinsam überstanden hatten. Kaum hatten sie sich halbwegs in Rothenvenne eingelebt, hatten die Garstigen Greise, wie sich die Mitglieder von Marthes Wohngemeinschaft spaßeshalber nannten, eine mumifizierte Leiche im Keller des Schlosses gefunden. Vorübergehend hatten einige von ihnen sogar die alte Thusi des Mordes verdächtigt. Bei der Aufklärung des Falles waren sie sich alle ein wenig nähergekommen. Nur Richard – er hatte Marthe den Kontakt zu den Garstigen Greisen überhaupt erst vermittelt – und sie hatten sich leider entfremdet. Warum musste ihr Freund auch ausgerechnet mit der Tochter des Opfers anbändeln!

»Vielleicht können wir uns auf der Museumstoilette ein wenig aufrüschen!« Thusi war schon im Begriff, auszusteigen. Woher nahm sie nur ihre Energie? Kaum zu glauben, dass die Frau nächste Woche ihren neunzigsten Geburtstag feiern sollte. »Aber erst möchte ich dir drüben am Fluss etwas zeigen.«

Hinter der Mühle führte ein Spazierpfad an einigen Kunstwerken vorbei. Wie passend zum Thema dieser Reise, dachte Marthe beim Anblick einer Skulptur, die Der Kuss hieß und einen Mann und eine Frau – in allerdings recht unvollkommener Umarmung – zeigte.

»Kannst du mir verraten, warum die Frau immerhin noch einen Armstumpf abbekommen hat, der Mann aber gar keine Arme mehr haben darf?«, kritisierte Thusi denn auch prompt. »Ist das nur ein Spiel mit der Kunstgeschichte, oder soll es etwas bedeuten?«

»Vielleicht ist er nicht mehr Manns genug, sie in den Arm zu nehmen und festzuhalten?«

»Klingt einleuchtend. Ach Liebchen, für moderne Kunst bin ich einfach zu dumm.«

»Oder zu klug für moderne Liebeswirren«, schlug Marthe vor, woraufhin Thusi nicht widersprach.

Bald erreichten sie eine Stelle, an der ein Bach in einen kleinen Fluss mündete.

»Das ist die Beke, die hier in die Warnow fließt. Hierhin sind wir damals immer gerudert.« Thusi ergriff Marthes Arm und hakte sich bei ihr ein. »Und dann haben wir unser Bötchen unter einer Weide festgemacht und die Seele baumeln lassen.«

»Klingt romantisch.«

War die Jugendliebe etwa doch nicht so unerfüllt geblieben, wie Marthe es sich vorgestellt hatte?

»Versteh mich nicht falsch, mehr als Händchenhalten war nicht drin damals.« Thusi zwinkerte ihr verschmitzt zu. »Na ja, ein-, zweimal werden wir uns wohl auch geküsst haben.«

Die Erinnerung daran ließ sie plötzlich laut auflachen. »Ich war diejenige, die es ihm beibringen musste, ich war ja drei Jahre älter als er. Aber nicht dass du denkst, ich hätte wesentlich mehr Erfahrung gehabt, Gott bewahre!«

Marthe hätte gerne mehr darüber gehört, aber sie verbot sich, neugierig nachzufragen. Die alte Dame würde schon reden, wenn ihr danach war. So blieben sie ruhig nebeneinander stehen und ließen die Gedanken und die Blicke schweifen. Was für eine verwunschene Stimmung! Eine echte Huckleberry-Finn-Landschaft war das hier, und das noch sommerliche Septemberwetter, das schon den Herbst ahnen ließ, trug seinen Teil dazu bei.

Thusi schien ähnlich zu empfinden. »Als wäre die Zeit stehen geblieben«, sagte sie.

Das Paar, das soeben am gegenüberliegenden Ufer unter lautem Gelächter und Jauchzen in eines der dort vertäuten Ruderboote kletterte, konnte an diesem Eindruck auch nichts ändern. Der etwas untersetzte Mann sprang mit einem für seine Körperfülle erstaunlich sicheren Tritt als Erster in das schwankende Boot, um dann seiner nicht minder pummeligen Begleiterin zu helfen. Kaum war die Frau neben ihm im Boot gelandet, setzte er mit übertriebener Geste zu einem Handkuss an. Das Boot schaukelte wild hin und her, er hielt sie fest bei der Hand und lachte, sie kreischte.

»Der weiß seine Arme noch zu gebrauchen«, sagte Thusi. »In Wirklichkeit brauchen wir uns weniger Sorgen um Mann und Frau zu machen, als die Kunst uns weismachen will.«

Wie immer sprach sie eine Spur zu laut. »Jetzt lass uns mal weiterfahren, sonst dreht sich die Zeit hier noch so weit zurück, dass wir im Erbgroßherzog übernachten müssen oder im Deutschen Kaiser.«

Aus dem Augenwinkel fing Marthe einen lauernden Blick des jungen Mannes auf, den offenbar auch heftiges Knutschen nicht davon abhalten konnte, seine Umwelt im Auge zu behalten. Sie genierte sich stellvertretend für ihn und wandte sich ab.

Die Mühle lag nur wenige Kilometer von Beekenau, dem eigentlichen Ziel ihrer Reise, entfernt. Von der Hauptstraße des Ortes bogen sie kurz hinter einer alten Backsteinkirche in eine schnurgerade Allee, die von hohen Pappeln gesäumt war. Die Bäume erinnerten Marthe an Spalier stehende preußische Soldaten. Das passte, denn sie würden im ehemaligen Herrensitz derer von Kussewitz, Thusis weitläufiger Verwandtschaft, wohnen. Vor gut hundert Jahren, so erläuterte die alte Dame, während Marthe und sie sich auf der Hotelauffahrt langsam dem Haupthaus näherten, hatte ein entfernter Onkel diesen Klotz neben das alte Familienhaus setzen lassen. Das »noble Hotel im Landhausstil« entpuppte sich allerdings als eine recht monströse und bei genauerem Hinsehen ziemlich heruntergekommene Klitsche. Der Baustil war mit dem Begriff Eklektizismus kaum mehr zu fassen – eine Mischung aus Tudor und strengem Wilhelminismus.

»Wobei ich mit Wilhelminismus natürlich meinen Großonkel Wilhelm meine«, erklärte Thusi. »Geschmack hatte er keinen, Geld dafür mehr als genug. Was denkst du, werden wir es hier aushalten? Erwin gibt sich doch tapfer Mühe, es zu renovieren. Hoffentlich riecht der Teppichboden nur nicht mehr so nach DDR.«

Marthe parkte ihren kleinen Flitzer zwischen einem preußischblauen BMW mit Berliner Kennzeichen und einem silbernen Mercedes aus Dresden. Diesmal kam sie Thusi zuvor und half ihr beim Aussteigen, dann holte sie das Gepäck aus dem Kofferraum und folgte ihrer Reisegefährtin in die Eingangshalle. Wie eine brave Tochter, dachte sie. Oder eine folgsame Kammerzofe. Hatte es etwas zu bedeuten, dass sie neuerdings anscheinend nur mehr in Schlössern logierte? Nicht genug damit, dass sie seit ein paar Monaten in einem alten Wasserschloss im Münsterland lebte – nun also auch noch der Beekenauer Hof. Im Sommer hatte Thusi einmal beiläufig erwähnt, dass der alte Graf Enno, von dem ihr Vater Rothenvenne geerbt hatte, ein entfernter Verwandter gewesen sei. Dass sie selbst eine geborene von Kussewitz war, hatte sie damals verschwiegen. Mit ihren beinahe neunzig Jahren war die alte Dame immer noch für Überraschungen gut.

An der Rezeption empfing sie der Hotelier persönlich. Thusi stellte ihn als ihren »lieben Neffen, eigentlich ja Großneffen« Erwin von Kussewitz vor, und Marthe versuchte, höfliches Interesse für die verwinkelten Verwandtschaftsbeziehungen zu zeigen, die nun vor ihr ausgebreitet wurden. Ebenso wie die Pappeln draußen auf der Auffahrt erinnerte Kussewitz sie an einen alten Preußen. Jeden Moment bereit, die Hacken zusammenzuschlagen. Oder ähnelte er nicht überhaupt einer alten Pappel? Vielleicht hatte sich die karge Landschaft über Jahrhunderte hinweg in den Genen derer von Kussewitz niedergeschlagen – jedenfalls soweit sie männlich waren. Marthe konnte förmlich die Sprechblasen hören, die dieser Mann zu Themen wie »Fortschritt durch Tradition« oder »Tradition als Fortschritt« abzusondern beliebte. Auch...



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