Verne | Der Pilot von der Donau | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 319 Seiten

Verne Der Pilot von der Donau


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1370-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 319 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1370-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
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Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Der Roman erzählt die Abenteuer eines presigekrönten Donaufischers auf seiner Fahrt die Donau entlang.

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Fünftes Kapitel. Karl Dragoch.



Sobald er seine Quittung in der Tasche hatte, begann Jäger sich häuslich einzurichten. Nachdem er sich wegen des ihm einzuräumenden Lagers erkundigt hatte, verschwand er in der beschränkten Kajüte, wohin er den Ledersack mitnahm. Zehn Minuten später trat er wieder, vom Kopf bis zu den Füßen verwandelt, daraus hervor. Er war jetzt ein richtiger Fischer – mit grober Wolljacke, schweren Stiefeln und Otterfellmütze bekleidet – und erschien als das vollkommene Abbild Ilia Bruschs.

Jäger verwunderte sich ein wenig, als er bemerkte, daß sein Wirt während seiner kurzen Abwesenheit die Jolle verlassen hatte. Seiner übernommenen Verpflichtung gemäß erlaubte er sich jedoch keine Frage, als jener in einer halben Stunde zurückkam. Ohne ihn dazu aufgefordert zu haben, hörte er jedoch, daß Ilia Brusch geglaubt hatte, den Zeitungen einige Mitteilungen zugehen lassen zu sollen mit der Meldung, daß er übermorgen Abend in Neustadt und am nächsten Tage in Regensburg einzutreffen hoffe. Jetzt, wo auch die Interessen Jägers mit ins Spiel kamen, lag ihm daran, nicht wieder so unerwartet und unbeobachtet zu erscheinen, wie hier in Ulm. Ilia Brusch äußerte sogar sein Bedauern, nicht in den vor Neustadt gelegenen Städten anhalten zu können, vorzüglich in Neuburg und in Ingolstadt, die beide ziemlich wichtige Orte sind. Solche Unterbrechungen paßten nun einmal nicht in den seine Etappen betreffenden Plan, er mußte also darauf verzichten.

Jäger war sehr erfreut über die Reklame, die um seinetwillen gemacht wurde, und zeigte sich gar nicht verdrossen darüber, Neuburg und Ingolstadt nicht besuchen zu können. Er stimmte seinem Wirte vielmehr bei und versicherte ihm wiederholt, daß er, wie beide übereingekommen wären, in keiner Weise beabsichtige, ihn in seiner Freiheit zu beeinträchtigen.

Die beiden Genossen aßen dann, auf einer der Bänke rittlings und einander gegenübersitzend, ihre Abendmahlzeit. Als Willkomm bereicherte Jäger sogar noch die Speisekarte mit einem vorzüglichen Schinken, den er aus seinem unerschöpflichen Reisesack geholt hatte, und dieses Erzeugnis der Stadt Mainz fand den größten Beifall Ilia Bruschs, der an seinem Begleiter schon recht gute Eigenschaften zu entdecken anfing.

In Ulm, wo die Fahrt durch Württemberg ihr Ende fand und die durch Bayern begann, ist die Donau erst noch ein bescheidner Fluß.

Sie hat noch nicht die großen Nebenarme aufgenommen, durch die sie sich stromabwärts so ansehnlich verbreitert, und nichts könnte hier zu der Vorhersage verleiten, daß sie sich noch zu einem der mächtigsten Ströme Europas entwickelte. Die schon etwas gemäßigte Strömung erreichte jetzt nahezu eine Schnelligkeit von vierundeinhalb Kilometer in der Stunde. Fahrzeuge von allen Größen, darunter schon schwere, zur Talfahrt belastete Schiffe glitten darauf hinunter, zuweilen unterstützt durch ein großes Segel, das sich unter einer Nordwestbrise blähte. Das Wetter versprach gut zu bleiben, jedenfalls drohte vorläufig kein Regen.

Mitten in der Strömung angelangt, ergriff Ilia Brusch seine Riemen und trieb das Boot noch schneller vorwärts. Einige Stunden später fand ihn Jäger noch in gleicher Weise tätig, und das ging so bis zum Abend ohne Unterbrechung weiter, bis auf eine kurze Rast in der Frühstücksstunde, in der das Boot aber auch weiter hinabglitt. Der Passagier machte dazu keine Bemerkung, und wenn er sich darüber wunderte, behielt er das doch für sich.

Im Laufe dieses Tages wurden nur wenige Worte gewechselt. Ilia Brusch ruderte eifrig weiter. Jäger beobachtete mit einer Aufmerksamkeit, die dem andern, wenn er weniger geschäftig gewesen wäre, hätte auffallen müssen, die auf der Donau vorüberziehenden Schiffe oder ließ den Blick abwechselnd über die beiden Ufer schweifen, die jetzt wesentlich niedriger waren. Der Strom zeigte schon die Neigung, sich auf Kosten des anliegenden Geländes zu verbreitern. Das linke, da und dort etwas überschwemmte Ufer war nicht immer scharf zu erkennen, während auf dem rechten, durch einen Bahndamm künstlich erhöhten Ufer die Züge dahinrollten, die Lokomotiven keuchten und ihren Rauch mit dem der Dampfboote vermischten, deren Schaufelräder das Wasser geräuschvoll aufwühlten.

In Offingen, woran man am Nachmittage vorüberkam, bog die vom Strome verdrängte Bahnlinie nach Süden ab, und nun wurde auch das rechte Ufer zu einem ausgedehnten Sumpfe, dessen Ende nicht zu erblicken war. Am Abend hielt das Boot dann für die Nacht vor Dillingen an.

Nach Zurücklegung einer ebenso anstrengenden Wegstrecke wie der gestrigen wurde der kleine Anker einige Kilometer oberhalb Neuburgs an einem verlassenen Punkte ausgeworfen, und aufs neue stieg am 15. August das Morgenrot erst am Himmel empor, als die Jolle schon wieder in der Strömung schwankte.

Für diesen Abend hatte Ilia Brusch seine Ankunft in Neustadt angemeldet. Es wäre beschämend gewesen, hier mit leeren Händen einzutreffen. Da der Zustand der Atmosphäre günstig und die zurückzulegende Strecke wesentlich kürzer war als die frühern, entschloß sich Ilia Brusch, einmal zu angeln.

Von den ersten Tagesstunden an sah er seine Geräte sorgsam nach. Sein auf dem Hinterteile sitzender Begleiter schien sich, wie es einem richtigen Sportliebhaber zukommt, für diese Vorbereitungen eifrig zu interessieren.

Bei diesen unterließ es Ilia Brusch jedoch nicht, ein wenig zu plaudern.

»Heute, Herr Jäger, will ich, wie Sie sehen, einmal fischen; die Vorbereitungen dazu dauern freilich etwas lange. Die Fische sind ziemlich mißtrauischer Natur, und man kann nicht vorsichtig genug sein, sie anzulocken. Einige darunter, z. B. die Schleie, sind geradezu intelligent zu nennen. Man muß sie zu überlisten verstehen, ihr Maul ist aber so hart, daß es zuweilen die Schnur zerreißt.

– So viel ich weiß, meinte Jäger, wird die Schleie nicht gerade hoch geschätzt.

– Nein; sie liebt schlammiges Wasser, das ihrem Fleische oft einen unangenehmen Beigeschmack verleiht.

– Und der Hecht?

– O, das ist ein vortrefflicher Fisch, erklärte Ilia Brusch, vorausgesetzt, daß er seine fünf bis sechs Pfund wiegt; die kleinen sind weiter nichts als Gräten. Jedenfalls kann der Hecht aber nicht den intelligenten und listigen Fischen zugezählt werden.

– Wirklich, Herr Brusch?... Der Haifisch des Süßwassers, wie man ihn nennt, ist also...

–... ebenso dumm, wie der im Salzwasser, Herr Jäger. Beide stehen in dieser Hinsicht nicht höher als der Barsch und der Aal. Ihr Fang ist nutzbringend, rühmlich aber nicht. Es sind, wie ein Kenner sagt, Fische, die sich selbst fangen und die nicht der Angler fängt.«

Jäger mußte unwillkürlich die ansteckende Überzeugung Ilia Bruschs bewundern, und das nicht weniger, als die peinliche Sorgfalt, womit er seine Geräte zurechtmachte.

Zuerst hatte er seine elastische und leichte Angelrute vorgenommen, die vorher am äußern Ende fast zum Brechen gebogen, bald wieder so gerade war, wie vorher. Die Rute bestand aus zwei Teilen, der eine am untern Ende fast vier Zentimeter dick und verjüngt bis zu einem Zentimeter am obern Ende, wo sich der zweite Teil daran anschloß, der aus seinem, besonders haltbarem Holze bestand. Der aus einem Zweige der Haselstaude angefertigte zweite Teil war fast vier Meter lang, was es dem Fischer ermöglichte, auch den ein Stück vom Ufer am Grunde stehenden Fischen, wie den Brachsen und den Rotzungen, nachzustellen.

Ilia Brusch zeigte Herrn Jäger auch die Haken, die er an dem Florentiner Haar befestigte.

»Sie sehen, Herr Jäger, sagte er dazu, das sind sehr dünne Haken, solche von Nummer elf. Als Köder gibt es für das Rotauge nichts besseres als aufgequellte Getreidekörner, die an einer Seite aufgeplatzt und durchweg hübsch weich sind. Na, das wäre ja fertig, und nun will ich mein Glück versuchen.«

Während Jäger sich jetzt an das niedrige Kojendach lehnte, setzte er sich, seinen kleinen Hamen zur Hand, auf eine der Bänke, und warf unter gebührendem, einer gewissen Grazie nicht entbehrendem Balancieren die Schnur weit hinaus. Die Haken versanken in dem gelblichen Wasser und die Bleistücke darüber sicherten ihnen eine lotrechte Lage, die nach der Ansicht aller Fischer von Beruf, vorzuziehen sein soll. Über ihnen schaukelte der Schwimmer, der, aus einer Schwanenfederspule und Kork hergestellt, kein Wasser ansaugt und vor allem nicht untersinken kann.

...



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