Verne | Die Historien von Jean-Marie Cabidoulin | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 276 Seiten

Verne Die Historien von Jean-Marie Cabidoulin


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1367-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 276 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1367-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
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Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. An Bord eines Walfängers geschehen seltsame Dinge - ist dies das Werk der gefürchteten Großen Seeschlange?

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Viertes Capitel. Durch den Großen Ocean.



Am Morgen des 3. April verließ der »Saint Enoch« seinen Ankerplatz in der Bai des Iles. In seinen Proviantvorräthen mangelte es nur an Cocosnüssen. Geflügel und an Schweinen. Da es dem Kapitän Bourcart an den beiden letzten Halteplätzen in Neuseeland nicht gelungen war, seinen Bedarf daran zu decken, beschloß er, noch eine der Schifferinseln anzulaufen, wo es an jenen Nahrungsmitteln nicht fehlte.

Der Wind hielt sich in günstiger Richtung, und die neunhundert Meilen, die Ika-Na-Maui vom Wendekreise des Steinbocks trennen, wurden mit Rückenwind und unter Backbordhalfen binnen kaum acht Tagen zurückgelegt.

An diesem Tage, dem 12. April, sagte Bourcart auf eine von Doctor Filhiol an ihn gerichtete Frage:

»Ja, es dürfte wohl an dieser Stelle, an der Kreuzung des dreiundzwanzigsten Breitengrades mit dem hundertfünfundsiebzigsten Längengrade sein, wo der Stille Ocean seine größte Tiefe erreicht. Durch Sondierungen, die an Bord des »Pinguin« ausgeführt worden sind, hat man viertausendneunhundert Faden Leine ablaufen lassen, ohne den Meeresgrund zu erreichen.

– Ich glaubte immer, bemerkte Doctor Filhiol, daß sich die bedeutendsten Tiefen in den japanischen Meeren fänden...

– Das ist ein Irrthum, erklärte der Kapitän Bourcart, hier übertreffen sie jene um zweihundertfünfundvierzig Faden, das ergiebt im Ganzen eine Tiefe von neuntausend Metern.

– Ah, rief der Doctor Filhiol, das ist ja die Höhe, die die mächtigsten Bergriesen der Erde, die Gipfel des Himalaya, erreichen: achttausendsechshundert Meter der Dhawalagiri in Nepal, und neuntausend der Chamalari in Butan!

– In der That, erwiderte Bourcart, eine Nebeneinanderstellung von Zahlen, die höchst lehrreich ist.

– Sie lehrt, Herr Kapitän, daß die größten Erhebungen der Erde wohl ihren größten Abgründen gegenüber noch zurückstehen. Zur Zeit ihrer Entstehung, als unsere Erdkugel eben ihre bleibende Gestalt annahm, haben ihre Tiefpunkte schon ihre Höhenpunkte übertroffen, und vielleicht werden sich die ersten niemals mit genügender Zuverlässigkeit messen lassen.«

Drei Tage später, am 15. April, tauchte vor dem Walfänger das zu den Schifferinseln gehörige Samoa auf, und der »Saint Enoch« ging eine Kabellänge vor der Insel Savai, einer der umfänglichsten der Gruppe, vor Anker.

Ein Dutzend Eingeborne, die ihren König begleiteten, begaben sich mit einem als Dolmetscher dienenden Engländer an Bord. Die noch sehr uncivilisierten Eingebornen gingen fast völlig nackt, und Seine Majestät zeigte sich kaum mehr bekleidet, als seine Unterthanen. Ein Indianerinnenhemd, womit der Kapitän Bourcart ihn beschenkte und durch dessen Aermellöcher der Empfänger zunächst mit aller Gewalt die Beine stecken wollte, verhüllte bald die Blöße der königlichen Glieder.

Die auf den Rath des Engländers ans Land geschickten Boote brachten von da eine volle Ladung eben von den Bäumen gebrochener Cocosnüsse mit.

Gegen Abend, als es zu dämmern anfing, wendete der »Saint Enoch«, um nicht zu nahe am Lande zu bleiben, und kreuzte die ganze Nacht über umher.

Mit Tagesanbruch kehrte der Kapitän Bourcart nach der früheren Ankerstelle zurück. Die Eingebornen lieferten dem Tafelmeister etwa zwanzig Schildkröten recht guter Art, ebensoviele kleine Schweine, und Geflügel in großer Menge. Bezahlt wurde dieser Proviant mit Gegenständen aus dem Tauschwaarenballen, auf die die Samoaner besonderen Werth legen, meistens mit geringwerthigen, das Stück zu sechs Sous eingekauften Messern.

Drei Tage nach der Wiederabfahrt meldeten die Wachen eine Gruppe Pottfische, die sich vier bis fünf Seemeilen von Backbord umhertummelte. Die herrschende schwache Brise brachte den »Saint Enoch« eben kaum vorwärts. Es war schon spät, fast fünf Uhr. Der Kapitän Bourcart wollte sich aber doch die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einem oder mehreren jener Thiere nachzustellen.

So wurden denn eiligst zwei Boote klar gemacht, das Heurtaux' und das Coquebert's. Die beiden Officiere, ihre Harpuniere und ihre Matrosen nahmen darin Platz. Mittels der Riemen – das Meer zeigte nur eine lange, sanfte Dünung – glitten sie auf die Pottfischherde zu.

Von dem vordersten Deck aus verfolgten der Kapitän Bourcart und der Doctor Filhiol nicht ohne Interesse den Verlauf des Fischfangs.

»Dieser ist schwieriger als der des Walfischs, bemerkte Bourcart, und liefert auch geringere Ausbeute. Sobald ein solcher Pottfisch harpuniert ist, muß man meist sofort die Leine eiligst nachschießen lassen, denn er pflegt dann sehr tief zu tauchen und das obendrein sehr, sehr schnell. Hat sich das betreffende Boot jedoch während des ersten Tauchens bei klarer Leine erhalten können, so hat man fast die Gewißheit, das Thier zu fangen. Kommt es erst einmal wieder nach der Oberfläche herauf, so bleibt es da, und Beil und Lanze machen ihm bald ein Ende.«

So geschah es auch im vorliegenden Falle. Die beiden Boote konnten sich nur eines einzigen Pottfisches von mittlerer Größe bemächtigen, während es auch solche giebt, die den Walfisch an Länge übertreffen. Da schon die Nacht herannahte und sich im Osten Wolken erhoben, wäre es unklug gewesen, sich noch länger aufzuhalten. Die Mannschaft begnügte sich also, das Thier an das Schiff heranzuholen.

Am nächsten Morgen konnte von einer Fortsetzung der Jagd keine Rede sein. Die Pottfische waren verschwunden, und der »Saint Enoch« nahm bei frischer Brise seine Fahrt nach Nordosten wieder auf.

An diesem Tage tauchte auch ein anderes Schiff auf, das drei bis vier Meilen unter dem Winde die gleiche Richtung einhielt. Es war eine dreimastige Bark unter vollen Segeln, deren Nationalität man auf jene Entfernung hin nicht bestimmt erkennen konnte. Nach der Gestalt des Rumpfes und gewissen Einzelheiten des Segelwerkes ließ sich jedoch annehmen, daß es ein englisches Fahrzeug wäre.

Gegen Mittag desselben Tages machte der Wind eine jener plötzlichen Drehungen von Westen nach Osten, die durch ihre Heftigkeit, wenn nicht durch ihre Dauer, höchst gefährlich sind und schon manches Schiff zu Grunde gerichtet haben, das auf einen solchen Umschlag nicht vorbereitet war.

Binnen kürzester Zeit rollten mächtige Wogen heran und Ströme von Wasser stürzten sich über Bord. Der Kapitän Bourcart mußte gerade gegen den Wind hin wenden lassen, um sich mit Mars-, Fock-und Klüversegel in dem Sturme zu halten. Bei diesem Manöver war einer der Matrosen, Gastinet, nach dem großen Klüversegel hinausgeklettert, um eine etwas verschlungene Schote wieder klar zu machen, er rutschte dabei aber ab und stürzte hinunter.

»Mann über Bord!« rief sofort einer seiner Kameraden, der ihn vom Vordercastell aus im Wasser hatte verschwinden sehen.

Alle Welt war sofort auf den Beinen, und Bourcart eilte nach dem Hinterdeck, um die Rettungsversuche zu leiten.

Hätte Gastinet nicht sehr gut schwimmen können, so wäre er jetzt verloren gewesen. Die Wellenberge überstürzten sich mit solcher Gewalt, daß es ganz unmöglich war, ein Boot auszusetzen. Es blieb also nichts anderes übrig, als dem Verunglückten Rettungsbojen zuzuwerfen.

Leider war aber Gastinet an einer Seite hinuntergestürzt, wo ihn, da das Schiff abtrieb, die Bojen nicht erreichen konnten. Der Mann suchte sich daher nur kräftigen Armes schwimmend zu erhalten.

»Das große Fock- und das Kreuzsegel nachlassen!« befahl der Kapitän Bourcart.

Mit schneller Wendung näherte sich der »Saint Enoch« dem Verunglückten, der in einer halben Kabellänge Entfernung mit den Wogen kämpfte. Gastinet ergriff jetzt eine der ihm zugeworfenen Bojen, und wenn er sich daran festhalten konnte, mußte er in kurzer Zeit gerettet sein.

Da nahm die Sachlage plötzlich eine erschreckende Wendung.

»Ein Haifisch!... Ein Haifisch!« riefen einige Matrosen, die hinten an der Schanzkleidung standen.

Einer der furchtbaren Haie erschien und verschwand abwechselnd in den Wellen unter dem Winde vom...



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