Verne | Die Propeller-Insel | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 492 Seiten

Verne Die Propeller-Insel


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1355-6
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 492 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1355-6
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Nach einem Unfall bei ihrer Reise von San Francisco nach San Diego suchen die vier französischen Musiker Yvernes, Frascolin, Pinchinat und Zorn nach einem Nachtquartier. Dieses wird ihnen in einer nahegelegenen Stadt angeboten. Sie gelangen in eine elegante Stadtanlage, die sie in der umgebenden Einöde nicht erwartet hätten. Am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass sich die Musiker auf einer künstlichen Insel aus Stahl befinden, die von amerikanischen Milliardären erbaut wurde .... (aus wikipedia.de)

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Wenn man auch annehmen darf, daß Sebastian Zorn, Frascolin, Yvernes und Pinchinat Leute waren, die über nichts erstaunten, so wurde es diesen doch schwer, in gewiß begründetem Unwillen dem Calistus Munbar nicht an die Kehle zu springen. Es soll Einer nur in dem Glauben leben, auf dem Boden des westlichen Amerika umherzuwandeln, und dann erkennen, daß man ihn aufs hohe Meer hinausbefördert! Man soll sich für einige zwanzig Meilen von San Diego entfernt halten, wo man am nächsten Tage zu einem Concert erwartet wird, und dann ganz schlankweg hören, daß man auf einer schwimmenden Insel immer weiter davon hinwegtreibt! Wahrhaftig, ein Ueberfall wäre zu verzeihen gewesen.

Zu seinem Glücke hatte sich der Amerikaner einem solchen ersten Wuthausbruche zu entziehen gewußt. Sich die Ueberraschung oder richtiger die Verblüffung des Concert-Quartetts zunutze machend, verläßt er die Plattform des Thurmes, betritt den Fahrstuhl und ist damit vorläufig vor den Vorwürfen und etwaigen Handgreiflichkeiten der vier Pariser geschützt.

»Solch ein Schurke! ruft das Violoncell.

– Solch ein Unthier! fällt die Bratsche ein.

– Oho... wenn wir's ihm zu verdanken haben, ein reines Wunder kennen zu lernen... läßt sich die erste Violine vernehmen.

– Du willst ihn doch nicht gar noch entschuldigen? meint die zweite Geige.

– Hier giebt's keine Entschuldigung, ruft Pinchinat, und wenn sich auf Standard-Island noch Gerechtigkeit findet, lassen wir ihn verdonnern, diesen Malefizkerl von Yankee!

– Und wenns noch einen Henker giebt, brüllt Sebastian Zorn, dann lassen wir ihn aufknüpfen!«

Um so schöne Vorsätze auszuführen, gilt es freilich zuerst, zum Niveau der Einwohner von Milliard-City hinab zu gelangen, da hundertfünfzig Fuß hoch in der Luft natürlich keine Polizei thätig ist. Das konnte ja in wenigen Augenblicken geschehen sein, wenn ein Abstieg möglich war. Der Fahrstuhl des Aufzugs ist aber nicht wieder herauf gekommen und nirgends findet sich etwas wie eine Treppe. Das Quartett befindet sich also auf der Höhe des Thurmes außer Verbindung mit der übrigen Menschheit.

Nach dem ersten Ausbruche der Enttäuschung und der Wuth sind Sebastian Zorn, Pinchinat und Frascolin, die Yvernes seiner Bewunderung überlassen, endlich völlig still geworden und rühren sich nicht von der Stelle. Ueber ihnen flattert die Flagge an der langen Fahnenstange. Sebastian Zorn wandelt eine grimmige Lust an, die Hißleine zu durchschneiden und die Flagge wie die eines sich ergebenden Kriegsschiffes zu senken. Immerhin erscheint es besser, sich nicht in eine vielleicht schlimm auslaufende Geschichte einzulassen, und seine Kameraden halten ihn noch zurück, als er schon mit einem scharf geschliffenen Bowiemesser herumfuchtelt.

»Achtung, wir wollen vor allem nicht uns ins Unrecht versetzen, mahnt der kluge Frascolin.

– Du ergiebst Dich also in unsre elende, lächerliche Lage? fragt Pinchinat.

– Das nicht... doch wir wollen sie nicht noch mehr complicieren.

– Und unser Gepäck, das inzwischen nach San Diego unterwegs ist! bemerkt der Bratschist, die Arme kreuzend.

– Und unser für morgen angesetztes Concert! ruft Sebastian Zorn.

– Das geben wir durchs Telephon!« antwortet der erste Geiger, dessen Scherz nicht geeignet ist, die Reizbarkeit des kochenden Violoncellisten abzustumpfen.

Das Observatorium nimmt, wie wir wissen, die Mitte eines großen Vierecks ein, an dem die Erste Avenue ausmündet. Am andern Ende dieser drei Kilometer langen Hauptverkehrsader, die die beiden Hälften von Milliard-City scheidet, erblicken die Künstler eine Art monumentalen Palast, der von einem leichten und sehr eleganten Wartthurm überragt wird. Sie sagen sich, daß das der Sitz der Regierung, die Residenz der obersten Stadtbehörde sein werde, wenn Milliard-City überhaupt einen Bürgermeister und andre Beamte hat. Sie täuschen sich hierin nicht. Eben jetzt beginnt die Uhr jenes Wartthurms ein herrliches Glockenspiel, dessen Klänge auf den Wellen des Windes bis zum Thurme hier herübergelangen.

»Hört!... Das geht aus D-dur, sagt Yvernes.

– Und im Zweivierteltact,« setzt Pinchinat hinzu.

Da schlägt der Wartthurm fünf Uhr.

»Und wann essen wir, ruft Sebastian Zorn, wie wirds mit dem Schlafen? Sollen wir etwa wegen des Spitzbuben von Munbar hier auf der Plattform des Thurmes die Nacht in freier Luft zubringen?«

So scheint es allerdings, denn der Fahrstuhl kommt nicht wieder herauf, um die Gefangnen zu erlösen.

In jenen niedrigen Breiten dauert die Dämmerung nur kurze Zeit, und das Strahlengestirn stürzt wie ein Geschoß nach dem Horizonte hinab. Blickt das Quartett nach den äußersten Grenzen des Himmels hinaus, so schimmert ihm nur das unbegrenzte Meer, ohne ein Segel, ohne eine Rauchsäule entgegen. Ueber das Stück Land unter ihm rollen die Tramwagen an der Peripherie der Insel oder eilen von einem Hafen zum andern hin. Zur Stunde ist der Park noch sehr belebt. Oben vom Thurme aus würde man ihn für einen riesigen Blumenkorb ansehen, worin Azaleen, Clematis, Jasmin, Glycinen, Passionsblumen, Begunien, Hyacinthen, Dahlien, Camelien und hunderte von Rosensorten blühen. Da strömen Spaziergänger hinzu... gemachte Männer und junge Leute, nicht solche »Zierbengel«, wie sie leider in europäischen Großstädten so viele herumlaufen, sondern gesunde, kräftige Jünglinge. Frauen und junge Mädchen, meist in strohgelber Toilette – dem dafür unter den Tropen beliebtesten Farbentone – leiten schlanke, mit Seidendecken geschützte Windspiele mit goldigen Halsbändern an weicher Schnur. Da und dort folgt diese Gentry den feinsandigen Alleen, die sich durch den Park hinwinden. Hier sieht man die Einen auf die Polster der elektrischen Straßenbahnwagen hingestreckt, dort ruhen Andre auf den von dichtem Grün überdachten Bänken. Noch weiter draußen widmen sich junge Gentlemen dem Lawn-tennis, dem Croquet, Golf- oder dem Fußballspiele, während andre auf muntern Ponies dem Polo obliegen. Ganze Schaaren von Kindern – von jenen amerikanischen Kindern, die sich so schnell entwickeln und bei denen, vorzüglich bei den kleinen Mädchen, eine ausgesprochene Individualität so bezeichnend hervor tritt – tummeln sich auf den Rasenplätzen. Dazwischen trotten Reiter auf eleganten Pferden oder sieht man hier und da übermüthig lustige Gartengesellschaften.

Auch den Handelsvierteln fehlt es zur Stunde nicht an Besuch.

Die beweglichen Trottoirs gleiten mit ihrer Last längst der Hauptstraße dahin. Am Fuße des Thurmes, in dem Viereck des Observatoriums, gehen viele Personen hin und her, deren Aufmerksamkeit die Gefangnen wohl erregen könnten. Pinchinat und Frascolin rufen auch wiederholt laut hinunter. Daß sie gehört wurden, erkennt man daraus, daß manche Arme sich emporstrecken, ja auch einzelne Worte dringen bis zu ihnen hinaus.

Niemand zeigt die geringste Ueberraschung oder scheint sich über die Gruppe auf der Plattform irgendwie zu verwundern. Die oben verständlichen Worte bestehen in einem »Good bye», einem »How do You do?«, einem »Guten Tag« oder andern landläufigen Höflichkeitsausdrücken. Es scheint, als ob die ganze Bevölkerung von dem Eintreffen der vier Pariser, die Calistus Munbar empfangen hatte, völlig unterrichtet sei.

»He... he... die machen sich über uns noch lustig! sagt Pinchinat.

– Das scheint mir auch so!« stimmt ihm Yvernes bei.

So verrinnt eine Stunde – eine Stunde, aber alle Rufe nach unten bleiben nutzlos. Die dringlichen Bitten Frascolin's haben eben so wenig Erfolg, wie das Schmähen und Schelten Sebastian Zorn's. Die Zeit zum Essen rückt immer näher, der Park wird von Spaziergängern, die Straße von müßigen Flaneuren immer leerer. Es ist zum toll werden!

»Wir gleichen ohne Zweifel, sagt Yvernes, romantischen Erinnerungen nachhängend, jenen profanen Gästen, die ein böser Geist an einen geheiligten Ort verlockt hat, und die nun den Tod erleiden müssen, weil sie etwas gesehen hatten, was ihre Augen nicht sehen durften...

– Und hier läßt man uns den Qualen des Hungers erliegen! seufzt Pinchinat.

– Nicht ohne daß wir alles mögliche versucht haben werden, um unsre Existenz zu verlängern! erklärt Sebastian Zorn.

...



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