Verne | Die Schiffbrüchigen des "Jonathan" | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 604 Seiten

Verne Die Schiffbrüchigen des "Jonathan"


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1364-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 604 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1364-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
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Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Ein Roman von Jules Verne um das Überleben mehrerer Schiffbrüchiger auf den Inseln der Magellan-Straße.

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Erstes Kapitel. Auf sicherem Boden.



Selbst in dieser Region, wo die Küstenentwicklung die abenteuerlichsten Formen aufzuweisen hat, fällt die Insel Hoste durch ihre phantastische Gestalt auf. Wenn auch die Nordküste, die eine lange Strecke hindurch den Beagle-Kanal abgrenzt, größtenteils geradlinig verläuft, so ist der übrige Umfang um so zerrissener: eine Unzahl felsiger, spitzer Landzungen springen ins Meer vor und schmale, tiefe Einschnitte zerschneiden die Insel bis ins innerste Mark.

Unter den Eilanden des Magalhães-Archipels nimmt die Insel Hoste bezüglich ihrer Größe eine bevorzugte Stellung ein. Sie wird auf fünfzig Kilometer Breitenausdehnung geschätzt, während sie in der Länge deren mehr als hundert mißt, wobei die Halbinsel Hardy nicht mitgerechnet ist, die sich in der Form eines krummen Säbels acht bis zehn Meilen weit nach Südwesten vorstreckt und deren Spitze den Namen »Falsches Kap Hoorn« trägt.

Im Osten dieser Halbinsel, an einer enormen Granitwand, welche die Orange-Bai von der Scotchwell-Bucht trennt, war der »Jonathan« gescheitert. –

Finstere Klippen tauchten beim Morgengrauen aus den Frühnebeln empor, die aber bald von den letzten Seufzern des ersterbenden Windes vertrieben wurden. Da lag der »Jonathan« am Fuße eines Vorgebirges, dessen Kamm von einer spitzen Erhebung gekrönt wurde, die steil zum Meere abfiel und an deren Fuß sich ein Wirrsal schwarzer Steinblöcke drohend aus den schäumenden Wassern hob. Ein schlammiger Überzug von Meeralgen und Seetang bedeckte die Felsen, zwischen denen stellenweise ein seiner, feuchter Sand sichtbar wurde. Dieser setzt sich aus einer unzählbaren Menge winziger Muscheltiere und Schnecken zusammen, die auf den Geländen des Magalhães-Archipels so häufig vorkommen, wie Tritonshörner, Käfer-, Bohr- und Napfmuscheln, Trompetenschnecken, Schraubenmuscheln, Wirbelspaltschnecken, Kammuscheln, die schöne Venus-, die magellanische Miesmuschel und viele andere.

Bei oberflächlicher Betrachtung bot die Insel Hoste jedenfalls keinen sehr gastfreundlichen Anblick.

Kaum konnten die Schiffbrüchigen mit zunehmendem Tageslicht die Umgebung, die Umrisse der Küste erkennen, als sie sich der Mehrzahl nach auf die Klippen niedergleiten ließen, in dem begreiflichen Bestreben, wieder festen Boden unter den Füßen zu fühlen.

Es wäre ein vergebliches Beginnen gewesen, sie zurückhalten zu wollen. Ihre unsinnige Hast, das Festland zu betreten, war nach der Todesangst der letzten Nacht leicht begreiflich. Viele begannen die Spitze zu erklimmen, in der Hoffnung, von der Höhe aus ein ausgedehntes Stück Land zu erblicken; einige aus der Menge der Gestrandeten entfernten sich vom Schiffe, um der Südküste der Landspitze entlang zu wandern, während andere am nördlichen Ufer auf Entdeckungen ausgingen; die meisten aber blieben an der Unglücksstelle zurück, in stummer Betrachtung des gestrandeten »Jonathan« versunken.

Der vernünftigste Teil der Emigranten, welche sich nicht vom ersten Impuls hinreißen ließen, blieb an Bord; ihre Blicke hingen an dem Kawdjer, als erwarteten sie aus dem Munde dieses Unbekannten, dessem Eingreifen sie ihr Leben zu danken hatten, weitere Befehle.

Da er aber nicht gewillt schien, sein Gespräch mit dem Hochbootsmann zu unterbrechen, löste sich endlich einer der Auswanderer von einer aus vier Personen – zwei davon waren Frauen – gebildeten Gruppe los und trat auf die Sprechenden zu. Er mochte ungefähr fünfzig Jahre zählen; an seinem Gesichtsausdruck, seinem Gang, seiner Haltung, an tausend Kleinigkeiten und dennoch untrüglichen Anzeichen erkannte man in ihm auf den ersten Blick den gebildeten Mann, welcher unzweifelhaft eine höhere Lebensstellung bekleidet und in anderen Kreisen verkehrt haben mußte, als diejenigen es waren, in welche ihn jetzt eine Laune des Schicksals hineingeweht hatte.

»Mein Herr, sprach er den Kaw-djer an, gestatten Sie mir vor allem, Ihnen meinen Dank auszusprechen. Sie haben uns vor dem sicheren Tode errettet. Ohne Sie und Ihre Gefährten wären wir unvermeidlich verloren gewesen.«

Die Stimme, jede Miene, jede Gebärde dieses Reisenden stellten ihm das Zeugnis aus, ein offener, ehrlicher Charakter zu sein. Mit großer Herzlichkeit drückte der Kaw-djer die Hand, die ihm in so entgegenkommender Weise geboten wurde und sagte in englischer Sprache, von der auch der Fremde Gebrauch gemacht hatte:

»Wir freuen uns aufrichtig, mein Freund Karroly und ich, daß es uns, dank unserer genauen Kenntnis dieser Wasserstraßen, ermöglicht wurde, eine so gräßliche Katastrophe zu verhüten.

– Erlauben Sie, daß ich mich vorstelle: ich bin Emigrant und heiße Harry Rhodes und dort stehen meine Frau, meine Tochter und mein Sohn, sagte der Reisende und bezeichnete die drei Personen, mit denen er gesprochen hatte, ehe er zu dem Kaw-djer getreten war.

– Mein Gefährte, erwiderte der Kaw-djer, seinerseits vorstellend, ist der Lotse Karroly und dies ist sein Sohn Halg; es sind Feuerländer, wie Sie sehen.

– Und Sie? fragte Harry Rhodes.

– Ich bin ein Freund der Indianer, die mir den Namen »Kaw-djer« gegeben haben; einen anderen kenne ich nicht mehr!«

Harry Rhodes blickte mit unverhohlenem Staunen auf den Sprecher, welcher diese Frage mit unbewegter, kalter Miene beantwortet hatte. Ohne die Sache weiter zu verfolgen, erkundigte er sich:

»Was ist Ihre Ansicht über unsere Lage? Was sollen wir tun?

– Wir sprachen gerade davon, Mr. Hartlepool und ich, sagte der Kaw-djer. Alles hängt vom »Jonathan« ab; wir müssen vor allem missen, in welchem Zustand er sich befindet. Ich gestehe aufrichtig, daß ich nicht viel Hoffnung habe, trotzdem muß er erst sorgfältig untersucht werden, ehe eine Entscheidung getroffen werden kann.

– An welcher Stelle des Magalhães-Archipels sind wir gestrandet? fragte Harry Rhodes.

– An der Südostküste der Insel Hoste.

– Nahe der Magalhães-Straße?

– Nein, die Unglücksstelle ist im Gegenteil sehr weit davon entfernt!

– Teufel!!... war Harry Rhodes' einzige Antwort.

– Ich wiederhole nochmals, alles hängt von der genauen Untersuchung des »Jonathan« ab, darüber müssen wir uns in erster Linie Gewißheit verschaffen, dann können und werden wir das weitere beschließen.«

Von Mister Hartlepool, Harry Rhodes, Halg und Karroly gefolgt, stieg der Kaw-djer zu den Klippen hinab, wo der »Jonathan« von allen Seiten besichtigt wurde.

Nun wurden die schlimmen Befürchtungen traurige Gewißheit: das Schicksal des amerikanischen Klippers war besiegelt, er war unrettbar verloren. Der Schiffskörper war an fast zwanzig Stellen geborsten. Die ganze Steuerbordseite entlang klaffte ein breiter Riß; der Schaden war unheilbar, um so mehr, als es sich in diesem Falle um eine Eisenkonstruktion handelte. Angesichts dieser sprechenden Tatsachen wäre der leiseste Hoffnungsstrahl Torheit gewesen. Da der »Jonathan« nicht mehr flott zu machen war, blieb nichts anderes zu tun übrig, als ihn seinem Schicksal zu überlassen. Bald würde das Meer seine Beute vollständig verschlungen haben.

»Meiner Meinung nach, sagte endlich der Kaw-djer, wäre das Vernünftigste, die Ladung auszuschiffen und an einer gut geschützten Stelle zu bergen. Während dieser Zeit könnte unsere Schaluppe ausgebessert werden, die im Moment des Anpralles schwere Beschädigungen erlitten hat. Sobald sie wieder seetüchtig ist, soll Karroly einen der Emigranten nach Punta-Arenas führen, denn der Gouverneur muß von dem geschehenen Unglück in Kenntnis gesetzt werden. Dieser wird dann sicher in möglichster Eile die nötigen Schritte tun, Ihnen in Ihre Heimat weiter zu helfen.

– Das ist sehr richtig bemerkt und gedacht, pflichtete ihm Harry Rhodes bei.

– Ich glaube, nahm der Kaw-djer wieder das Wort, daß es gut sein wird, diesen Plan Ihren Gefährten mitzuteilen. Wenn Sie nichts dagegen einzuwenden haben, könnten wir alle am Strand zusammenrufen.«

Man mußte geraume Zeit auf die Rückkehr der verschiedenen Abteilungen warten, welche sich nach allen Richtungen hin zerstreut hatten. Aber noch vor neun Uhr morgens hatte der Hunger alle Passagiere zum gestrandeten Schiffe zurückgeführt. Harry Rhodes, welcher einen etwas erhöhten Felsblock als Rednerbühne benützte, teilte seinen Gefährten den Vorschlag des Kaw-djer...



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