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E-Book, Deutsch, 234 Seiten

Verne Ein Lotterie-Los


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1344-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 234 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1344-0
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dies ist die illustrierte Version dieses Klassikers. Der Roman spielt in Norwegen und handelt von der Gastwirtin Hulda, die einen geheimnisvollen Fremden aufnimmt.

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X.



In den skandinavischen Ländern und nicht nur bei den Bewohnern der Städte, sondern auch draußen auf dem Lande, findet man eine recht erfreuliche Volksbildung, welche über die ersten Grundlagen des Lesens, Schreibens und Rechnens überall hinausgeht. Der Bauer lernt mit Vergnügen und hat im Allgemeinen einen offenen Kopf; er hat Interesse für öffentliche Angelegenheiten und nimmt an Allem, was den Staat oder die Gemeinde angeht, lebhaften Antheil. Im Storthing bilden die Vertreter dieser Classe immer die Majorität. Manchmal sitzen sie hier in ihrer eigenthümlichen Provinzialkleidung, und man rühmt ihnen mit Recht ihren klaren Verstand, den praktischen Sinn und ein richtiges Auffassungsvermögen – wenn dieses auch nur ein etwas langsames ist – nebst einer über jeden Zweifel erhabenen Unbestechlichkeit nach.

Es ist also nicht zu verwundern, daß der Name Sylvius Hog's in ganz Norwegen gekannt war und selbst in diesem etwas wilden Theile Telemarkens mit hoher Achtung genannt wurde.

Auch Frau Hansen glaubte, als sie den von Allen geschätzten Gast empfing, ihm sagen zu müssen, wie sehr sie sich geehrt fühle, ihn einige Tage unter ihrem Dache beherbergen zu dürfen.

»Ich weiß zwar nicht, ob das für Sie, Frau Hansen, eine besondere Ehre ist, antwortete darauf Sylvius Hog, aber das weiß ich, daß es mir ein großes Vergnügen gewährt. O, ich habe meine Zuhörer schon seit längerer Zeit von diesem gastlichen Hause in Dal reden hören, und schon aus diesem Grunde hatte ich beschlossen, hier vielleicht eine Woche lang zu verweilen; und doch, der heilige Olaf möge mir seinen Schutz entziehen, hatte ich nimmermehr gedacht, hier – nur auf einem Fuße anzukommen.«

Der vortreffliche Mann drückte dabei herzlich und freundschaftlich die Hand seiner Wirthin.

»Herr Sylvius, begann da Hulda, wünschen Sie vielleicht, daß mein Bruder von Bamble einen Arzt herbeiholt?

– Einen Arzt, meine kleine Hulda? Aber wollt Ihr denn, daß ich gar den Gebrauch meiner beiden Beine einbüße?

– O, Herr Sylvius!...

– Einen Arzt! Und warum nicht gleich meinen Freund, den Doctor Boek von Christiania? Und Alles das wegen einer einfachen Schrunde?

– Doch auch eine solche, erwiderte Joël, kann, wenn sie nicht richtig behandelt wird, recht ernste Folgen nach sich ziehen.

– Wirklich, Joël? Würden Sie mir nicht gefälligst sagen, warum Sie wollen, daß dieselbe so ernsthaft würde?

– Ich will es gewiß nicht, Herr Sylvius! Nein, behüte mich Gott davor!

– Nun, er wird Sie behüten, und auch mich, sowie das ganze Haus der Frau Hansen, vorzüglich, wenn die liebenswürdige Hulda es übernimmt, mir ihre Pflege angedeihen zu lassen.

– Ganz gewiß, Herr Sylvius!

– Sehr schön, liebe Freunde. Binnen vier bis fünf Tagen wird von der Sache nichts mehr zu sehen sein. Warum sollte man übrigens in einem so reizenden Zimmer nicht schnell wieder gesund werden? Wo könnte man eine bessere Behandlung finden, als in dem vortrefflichen Gasthause zu Dal? Und dann dieses gute Bett mit seinen Sinnsprüchen, die gewiß mehr werth sind, als die entsetzlichen Formeln der Facultät. Das hübsche Fenster hier, das den Ausblick nach dem Thale des Maan gewährt, das Murmeln des Wassers, das bis nach meinem Schlafraum hereindringt, der Duft der alten Bäume, die rings um das Haus einen grünen Rahmen bilden, die gute Luft, die würzige Bergluft – ist das nicht Alles die beste Arznei, die man nur finden kann? Bedarf man derselben, so braucht man nur das Fenster zu öffnen, da kommt sie von selbst, stärkt und erquickt den Schwachen und – setzt ihn nicht einmal auf strenge Diät!«

Er sagte das Alles so heiter, dieser Sylvius Hog, daß mit ihm wirklich etwas wie ein Hauch von Glück in das Haus einzuziehen schien. Diesen Eindruck hatten davon wenigstens der Bruder und die Schwester, welche, sich an der Hand haltend, ihm zuhörten und Beide dieselbe Regung empfanden.

Der Professor war zuerst nach dem Zimmer im Erdgeschoß geführt worden. Jetzt saß und lag er halb in einem großen Armstuhle und hatte das Bein auf ein Bänkchen ausgestreckt, während Hulda und Joël sich seiner Pflege widmeten. Außer einem Umschlag von frischem Wasser wollte er kein anderes Heilmittel, und in der That brauchte er ja auch kein weiteres.

»Gut, liebe Freunde, ganz gut! sagte er. Man darf mit den Droguen keinen Mißbrauch treiben. Ah, Ihr wißt es schon, ohne Eure Zuvorkommenheit hätte ich bald etwas zu viel von den Wundern des Rjukansos kennen gelernt – ich wäre wie ein Felsstück einfach in den Schlund hinabgerollt. Dann wäre eine neue Fabel zu der längstbekannten Fabel des Maristien hinzugekommen, und ich hätte dafür nicht einmal eine Entschuldigung gehabt! Mich erwartete ja keine Braut am anderen Rande, wie jenen unglücklichen Eystein!

– Und welcher Schmerz wäre das für Frau Hog gewesen, sagte Hulda. Sie würde sich nimmer haben trösten können...

– Frau Hog?... erwiderte der Professor. O, Frau Hog hätte gewiß nicht eine einzige Thräne vergossen.

– Aber, Herr Sylvius!

– Nein, sag' ich Euch, einfach aus dem Grunde, weil es gar keine Frau Hog giebt. Ich könnte mir auch kaum vorstellen, wie eine Frau Hog hätte aussehen sollen – ob fett oder mager, klein oder groß.

– Als Ihre Gattin hätte sie sicherlich liebenswürdig, geistvoll und gut sein müssen, meinte Hulda.

– Ei wirklich, mein Schatz? Gut, gut, ich will Ihnen glauben! Ja, ich glaube Ihnen!

– Doch wenn Ihre Eltern, Ihre Freunde von einem solchen Unfall Kunde bekommen hätten?... sagte Joël.

– Eltern hab' ich ebenso wenig, mein Sohn! Freunde – nun ja, es scheint ja, als wenn ich deren nicht wenig zählte, abgesehen von denen, die ich mir im Hause der Frau Hansen zu erwerben hoffe, und denen habt Ihr Beide die Mühe, mich zu beweinen, ja abgenommen! Doch, liebe Kinder, sagt mir erst, könnt Ihr mich denn auch einige Tage hier behalten?

– So lange es Ihnen gefällt, Herr Sylvius, versicherte Hulda. Dieses Zimmer gehört ganz Ihnen.

– Ich hatte ja schon vorher die Absicht, mich in Dal aufzuhalten, wie es wohl alle Lustreisenden thun, um von hier aus Telemarken nach allen Seiten durchstreifen zu können... Jetzt wird's nun damit freilich nichts, oder es geschieht doch erst später, das ist Alles.

– Vor Ende der Woche, Herr Sylvius, meinte Joël, hoffe ich, daß Sie wieder vollständig auf den Füßen sein werden.

– Und ich hoffe es nicht minder.

 Er genoß die Pflege Huldas und Joëls. (S. 79.)

– Dann bin ich gern erbötig, Sie in dem Bezirke, wo Sie es wünschen, umherzuführen.

– Das werden wir ja sehen, Joël; davon sprechen wir, wenn ich erst wieder mehr hergestellt bin. Noch hab' ich einen ganzen Monat Ferien vor mir, und wenn ich den ganz im Gasthaus der Frau Hansen verbringen sollte, wär' ich doch gewiß nicht zu beklagen. Ich muß ja von hier aus das Vestfjorddal zwischen den beiden Seen besuchen, muß den Gusta besteigen und einmal nach dem Rjukansos zurückkehren, denn wenn ich auch beinahe ein freiwilliges Sturzbad in demselben genommen hätte, hab' ich ihn doch eigentlich wenig gesehen.... Und das möchte ich nicht unterlassen.

– Sie werden noch einmal dahin zurückkehren, Herr Sylvius, antwortete Hulda.

– Nun, wir begeben uns Alle dahin mit der guten Frau Hansen, vorausgesetzt, daß sie uns begleiten will. Ach, da fällt mir noch ein, daß wir auch Kate, meine alte, treue Haushälterin, und Fink, meinen alten Diener in Christiania, mit einigen Worten benachrichtigen müssen. Sie würden sehr unruhig werden, wenn sie von mir gar nichts hörten, und mir mit Recht böse sein. Nun aber muß ich Ihnen ein Geständniß ablegen. Die Erdbeeren, die schöne Milch – die sind recht angenehm, recht erquickend; als Nahrung reichen sie allein aber doch nicht aus, da ich mich nicht gern auf Krankendiät gesetzt sähe. Ist es für Sie bald Zeit, zu speisen?

– O, darauf...



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