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E-Book, Deutsch, 341 Seiten
Verne Meister Antifer's wunderbare Abenteuer: Abenteuerroman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-80-272-3931-3
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bereicherte Ausgabe.
E-Book, Deutsch, 341 Seiten
ISBN: 978-80-272-3931-3
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jules Verne's 'Meister Antifer's wunderbare Abenteuer: Abenteuerroman' entführt die Leser auf eine faszinierende Reise in die Welt der Abenteuer und Entdeckungen. Der Roman präsentiert die Geschichte von Captain Antifer, der unerschrocken auf hoher See nach Reichtümern und Ruhm sucht. Verne's erzählerischer Stil ist geprägt von detaillierten Beschreibungen und packender Spannung, die den Leser in seinen Bann ziehen. In diesem Abenteuerroman gelingt es Verne, die Grenzen der Fantasie zu überschreiten und den Lesern ein episches Abenteuer zu bieten, das sie nicht so schnell vergessen werden. Mit seinem Meisterwerk 'Meister Antifer's wunderbare Abenteuer' zeigt Verne erneut sein Talent, literarische Welten zu erschaffen, die Leser aller Altersgruppen begeistern.
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Zweites Capitel.
Worin einige unentbehrliche Erklärungen gegeben werden.
Der freundliche Leser möge nicht allzusehr erstaunen, wenn Mehemet Ali zu Anfang dieses Capitels auf der Scene erscheint. Von welcher Bedeutung der berühmte Pascha in der Geschichte der Levante auch ist, er wird in dieser Erzählung nur vorkommen in Folge der – übrigens unangenehmen – Beziehungen, in denen der Gründer des modernen Aegyptens mit der auf der Brigg-Goëlette eingeschifften Persönlichkeit gestanden hatte.
Jener Zeit hatte Mehemet Ali noch nicht begonnen, mit Hilfe der Armee seines Sohnes Ibrahim, Palästina und Syrien zu erobern, die dem Sultan Mahmud, dem Souverän der europäischen und der asiatischen Türkei, gehörten.
Im Gegentheil, der Sultan und der Pascha standen damals auf freundschaftlichstem Fuß miteinander, und dieser hatte jenem seine thatkräftigste Mitwirkung geliehen, um Morea zu unterwerfen und die Unabhängigkeitsbestrebungen des kleinen Königreichs Griechenland zu lähmen.
Einige Jahre hindurch verhielten sich Mehemet Ali und Ibrahim in ihrem Paschalik ganz ruhig. Das Vasallenverhältniß aber, in dem sie zu der Pforte standen, lastete schwer auf ihrem Ehrgeiz, und sie lauerten nur auf eine passende Gelegenheit, sich zu erleichtern und die seit Jahrhunderten eng angespannten Fesseln zu brechen.
In Aegypten lebte jener Zeit ein Mann, dessen von vielen Generationen auf seinem Haupte angesammeltes Vermögen zu den größten im Lande zählte. Dieser Mann wohnte in Kairo. Er nannte sich Kamylk-Pascha, und er war es, den der Kapitän der Brigg-Goëlette mit »Excellenz« anredete.
Ein durchwegs gebildeter Mann, war er vorzüglich in allen mathematischen Wissenszweigen und in deren praktischer und selbst phantastischer Ausnützung wohl erfahren. Stark angesteckt vom Orientalismus, war er vor allem aber von Herzen Ottomane, wenn auch Aegypter von Geburt. In der Ueberzeugung, daß gegenüber den Versuchen des abendländischen Europa zur Unterwerfung der Völker der Levante der Widerstand nachdrücklicher seitens des Sultans Mahmud,
als seitens Mehemet Ali's sein würde, warf er sich mit Leib und Seele in den Kampf.
Im Jahre 1780 in einer Soldatenfamilie geboren, zählte er kaum zwanzig Jahre, als er sich der Armee Djezzar's anschloß, wo er in Folge bewiesenen Muthes bald den Titel und Rang eines Pascha erlangte. Schon 1799 setzte er Freiheit, Vermögen und Leben auf's Spiel, als er sich gegen die Franzosen unter Führung Bonaparte's nebst den Generalen Kleber, Régnier, Lannes, Bon und Murat wie ein Löwe schlug. Nach der Schlacht bei El-Arisch mit den Türken gefangen, hätte er seine Freiheit erlangen können, wenn er das schriftliche Versprechen abgab, nicht ferner gegen die Truppen Frankreichs zu kämpfen. Doch entschlossen, bis an's Ende zu streiten, immer in der Hoffnung auf einen unwahrscheinlichen Glückswechsel und halsstarrig in Thaten wie in Gedanken, verweigerte er es, sein Ehrenwort zu verpfänden. Wirklich gelang es ihm, zu entfliehen, und später traf man ihn wüthender als je vorher bei allen Zusammenstößen, die in dem Conflict der beiden Rassen vorkamen.
Nach der Uebergabe von Jaffa, am 6. März, gehörte er zu denen, die in den Capitulations-Bedingungen freien Abzug zugesichert erhielten. Als die gegen viertausend Mann zählenden Gefangenen, Albanesen und Arnauten, Bonaparte vorgeführt wurden, zeigte sich dieser über die Gefangennahme keineswegs erfreut, denn er fürchtete, daß die Leute sich beeilen würden, die Truppen des Pascha von Saint-Jean d'Acre zu verstärken. Hier zeigte er auch schon, daß er zu den Eroberern gehörte, die vor nichts zurückschrecken, und gab Befehl, alle zu erschießen.
Dieses Mal bot man ihnen nicht, wie früher den Gefangenen von El-Arisch, an, sie unter der Bedingung, nicht wieder ins Feld zu ziehen, zurückzuschicken, man verurtheilte sie einfach zum Tode. So erlagen sie auf dem Strande, und die, die von den Kugeln verschont geblieben waren und glaubten, daß sie begnadigt seien, fanden noch zum größten Theile den Tod, als sie der Küste zueilten.
Kamylk-Pascha sollte freilich hier und auf diese Weise nicht umkommen. Er traf auf einige Männer, Franzosen – zu ihrer Ehre sei hier daran erinnert – die sich vor diesem schauerlichen Gemetzel, wenn es im Krieg vielleicht auch nicht zu umgehen war, entsetzten. Den braven Leuten gelang es, einzelne Gefangene zu retten. Einer davon war es, ein Seemann von der Handelsflotte, der in der Nacht in der Nähe der Klippen umherirrte, auf denen sich einzelne Unglückliche versteckt halten konnten, und der Kamylk-Pascha, welcher von einer Kugel schwer verwundet war, unter seinen Schutz nahm. Er brachte ihn nach einem sichern Orte, pflegte und heilte ihn in einer Weise, daß dieser ihm den erwiesenen Liebesdienst gewiß nie vergessen konnte. Wie er ihn später und unter welchen Verhältnissen wieder fand, das bildet den Inhalt dieser merkwürdigen und wahrhaftigen Erzählung.
Kurz, drei Monate später war Kamylk-Pascha wieder auf den Füßen.
Der Feldzug Bonaparte's war vor Saint-Jean d'Acre gescheitert. Unter dem Commando Abdallah's, des Paschas von Damaskus, hatte die türkische Armee am 4. April den Jordan überschritten, und auf der andern Seite kreuzte das englische Geschwader unter Sydney Smith in den Gewässern Syriens. Obgleich Bonaparte die Division Kleber mit Junot dahin gesendet und er sich sogar persönlich nach dem Kampfplatz begeben hatte, obgleich er die Türken in der Schlacht am Berge Tabor zermalmte, war es doch zu spät, als er eintraf, Saint-Jean d'Acre auf's neue zu bedrohen. Die Festung hatte eine Verstärkung von zwölftausend Mann erhalten. Vereinzelt trat die Pest auf. Am 20. Mai entschloß sich Bonaparte, die Belagerung aufzugeben.
Kamylk-Pascha glaubte jetzt nach Syrien zurückkehren zu dürfen. Sich nach Aegypten, nach dem jener Zeit tief erschütterten Lande, zu begeben, wäre die schlimmste Unklugheit gewesen. Er mußte warten, und Kamylk Pascha wartete volle fünf Jahre. Dank seinem großen Vermögen lebte er in verschiedenen Provinzen auf großem Fuße und geschützt gegen ägyptische Habgier.
In diese Zeit fiel das Auftreten des Sohnes eines einfachen Aga, dessen hoher Muth schon in der Schlacht von Abukir 1799 aufgefallen war. Mehemet Ali erfreute sich bereits eines solchen Einflusses, daß er die Mameluken zu bestimmen vermochte, sich gegen den Gouverneur Khosrew-Pascha zu erheben, sich gegen ihren Anführer aufzulehnen, Khurschid, den Nachfolger Khosrew's abzusetzen, und daß er es schließlich wagen konnte, sich mit Zustimmung der Hohen Pforte zum Vicekönig zu erklären.
Zwei Jahre vorher war Djezzar, der Beschützer Kamylk-Paschas, gestorben. Da dieser sich jetzt im Lande allein sah, glaubte er, durch seine Rückkehr nach Kairo keine weitere Gefahr zu laufen.
Er zählte jetzt siebenundzwanzig Jahre, und neuere Erbschaften, die ihm zufielen, hatten ihn zu einem der reichsten Männer Aegyptens gemacht. Einer Eheschließung mehr abhold, von wenig mittheilsamem Charakter und geneigt zu einem möglichst zurückgezogenen Leben, hatte er nur seine lebhafte Vorliebe für den Soldatenberuf bewahrt. In der Erwartung, daß sich schon noch Gelegenheit zur Bethätigung seiner Fähigkeiten bieten werde, wollte er der natürlichen Lebhaftigkeit seines Alters durch lange und weite Reisen genug thun.
Da Kamylk-Pascha keine directen Nachkommen hatte, entstand die Frage, wem sein ungeheures Vermögen einmal zufallen sollte, und hierbei konnte nur irgend ein Seitenverwandter in Betracht kommen.
Ein gewisser Murad, geboren 1786, also sechs Jahre später als er, war sein Vetter, mit dem er aber, da die politischen Ansichten der beiden Männer nicht übereinstimmten, gar nicht zusammentraf, obwohl Beide in Kairo wohnten.
Kamylk-Pascha huldigte den Interessen der Pforte, und hatte das, wie wir wissen, schon thatsächlich bewiesen. Murad dagegen bekämpfte den ottomanischen Einfluß in Worten und Werken und wurde zum eifrigsten Berather Mehemet Ali's bei dessen Unternehmungen gegen den Sultan Mahmud.
Dieser Murad, der einzige Verwandte Kamylk-Paschas, doch eben so arm, wie der andere reich, konnte auf das Vermögen seines Vetters nur rechnen, wenn es zwischen ihnen zu einer Aussöhnung kam. Das sollte aber nicht der Fall sein. Im Gegentheil höhlte die Gereiztheit, ja der Haß mit allen seinen tollen Folgen zwischen den beiden Mitgliedern dieser Familie einen immer tieferen Abgrund aus.
Achtzehn Jahre verliefen von 1806 bis 1824, während der die Regierung Mehemet Ali's durch keine äußeren Kriege gestört wurde. Dagegen mußte dieser gegen den zunehmenden Einfluß und das bedrohliche Auftreten der Mameluken, seiner Helfershelfer, ankämpfen, denen er früher den Thron zu verdanken hatte. Ein allgemeines Gemetzel, das 1811 in Aegypten stattfand, befreite ihn von dieser lästig gewordenen Miliz.
Seitdem genossen die Unterthanen das Vicekönigs lange Jahre der Ruhe, und dessen Verhältniß zu dem Divan gestaltete sich ganz vorzüglich – wenigstens dem Anscheine nach, denn der Sultan hegte mit Recht stets ein gewisses Mißtrauen gegen seinen Vasallen.
Kamylk-Pascha war gar oft dem Uebelwollen Murad's ausgesetzt. Gestützt auf die Beweise der Gunst und Theilnahme, die er vom Vicekönig erhielt, hörte er nicht auf, seinen Herrn gegen den reichen Aegypter einzunehmen. Er erinnerte ihn unaufhörlich daran, daß dieser ein...




