E-Book, Deutsch, 448 Seiten
Veryan Regency Dreams - Ein Lord in Somerset
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96655-975-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | »Eine würdige Nachfolgerin von Regency-Queen Georgette Heyer!« (Chattanooga Times)
E-Book, Deutsch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-96655-975-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Patricia Veryan (1923-2009) ist das Pseudonym der englischen Schriftstellerin Patricia Valeria Bannister. Sie wurde in London geboren, siedelte aber nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika um. Dort lebte sie viele Jahre in Kalifornien und Washington, wo sie auch mit dem Schreiben ihrer historischen Liebesromane begann. Diese gehören heute zu Klassikern in diesem Genre und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Patricia Veryan wurde für ihr gesammeltes Werk zudem mehrfach mit dem Romantic-Times-Award und dem »Silver Loving Cup« von Liebesroman-Legende Barbara Cartland ausgezeichnet. Bei dotbooks veröffentliche Patricia Veryan ihre »Scotland Lovesong«-Reihe: »Ein Ball um Mitternacht« »Eine Reise in die Highlands« »Ein Dandy zum Verlieben« »Ein englischer Sommerball« »Einen Liebe in North Downs« »Ein unverschämter Gentleman« »Eine stürmische Reise« Sowie ihre nachfolgende »Scotland Kisses«-Reihe: »Eine bezaubernde Lady« »Eine charmante Diebin« »Ein unerhörter Skandal« »Das Geheimnis des Gentleman« »Das Lächeln einer Lady« »Eine charmante Intrige« Und ihre »Regency Dreams«-Reihe: »Ein Lord in Somerset« »Eine Lady in Sussex«
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Kapitel 1
Mai 1818
Der Tag war für die Jahreszeit ungewöhnlich kühl gewesen, und am späten Abend zogen Nebelschwaden über die Straßen, Plätze und Parks von London und dämpften die Großstadtgeräusche. In den geheiligten Hallen des White’s Club herrschte dennoch eitel Freude, denn zwei Freunde hatten sich nach langer Trennung wiedergetroffen. Ausgelassen und enthusiastisch feierten sie ihr Wiedersehen, um so mehr, als sich schließlich noch ein dritter Gentleman hinzugesellte. Manch amüsierte Blicke streiften sie, nicht ohne Bewunderung, denn sie boten ein ansehnliches Bild. Jocelyn Vaughan, der als Kavallerist unter dem unvergleichlichen Wellington in Spanien gekämpft hatte, war das Urbild eines unbeschwerten, draufgängerischen Mannes von Welt. Valentine Montclair war von zierlicherem Körperbau; seinen etwas müden, empfindsamen Gesichtszügen fehlte die strahlende Gesundheit Vaughans, doch beide galten als sehr gutaussehende Männer, dunkelhaarig und dunkeläugig, während der Dritte im Bunde blond war. Alain Devenish war ein wenig kleiner als seine Freunde, aber so attraktiv, daß die meisten Männer feindselig reagierten und die meisten Frauen ihm geneigt waren – so führte er ein bewegtes Leben, denn er war auch von recht munterem Temperament. Hocherfreut über das unerwartete Zusammentreffen und voll jugendlichen Überschwangs, vergaßen sie fast gänzlich ihre Umgebung, und ihre Stimmen wurden manchmal so laut, daß einige der Clubmitglieder die Stirn runzelten. Devenishs blaue Augen funkelten schalkhaft, als er in gespieltem Flüsterton vorschlug, sie sollten doch in seine Wohnung in der Stratton Street gehen.
»Deine Wohnung!« rief Vaughan empört. »Meine ist das, du Gauner!«
»Ach tatsächlich?«
Als sie aufbrachen, sah Montclair neugierig von einem Freund zum anderen. »Bist du umgezogen, Dev?«
»Nach Gloucestershire, alter Knabe. Ich hätte dich schon lange besuchen sollen. Bereits vor einem Jahr habe ich den Wohnsitz gewechselt.«
»Beim Zeus, wirklich? Dann hast du deine schöne Yolande geheiratet und bist nun ...« Montclair brach den Satz ab. Devenishs hübsches Gesicht war erstarrt; in Vaughans Blick lag eine Warnung.
»Könnten Sie vielleicht ein wenig ruhiger sein, Gentlemen?« Admiral Petersons buschige Augenbrauen sträubten sich über der Times.
»O weh!« zischte Vaughan zerknirscht. »Verzeihung, Sir. Wir sind im Aufbruch.«
»Das ist auch gut so«, erwiderte der Admiral unwirsch. Devenish senkte den Lockenkopf und flüsterte: »Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste ...«
Die drei Freunde grinsten wie freche Schulbuben und schlichen sich auf Zehenspitzen zur Garderobe. Sie zogen gerade ihre langen Mäntel an und nahmen Hut, Stock und Handschuhe, als Devenish von einem weiteren Bekannten begrüßt wurde. Vaughan gab ohne Umschweife zu erkennen, daß er den Neuankömmling zwar für einen braven Kerl, aber auch für eine rechte Plaudertasche hielt, und schob Montclair hastig zur Tür hinaus.
»O Gott«, knurrte er und spähte durch den Nebel. »Scheußliche Waschküche.« Da er bemerkt hatte, daß sein alter Schulkamerad gesundheitlich nicht in bester Verfassung war, erklärte er munter: »Ich rufe uns eine Droschke.« Doch ein solches Gefährt war nirgends zu sehen, und der Portier teilte ihnen mit, Droschken seien an diesem Abend kaum mit der Lupe zu finden.
»Komm schon, Joss«, sagte Montclair ungeduldig. »Gehen wir zu Fuß.«
Vaughan wies den Portier an, Mr. Devenish zu sagen, er solle ein Gefährt mieten und sie unterwegs einsteigen lassen, rief einen herumlungernden Fackeljungen herbei, und sie brachen auf.
Sie hatten sich vieles zu erzählen; und trotz der klammen Feuchtigkeit verging die Zeit rasch und fröhlich. Der Junge mit der Fackel trottete vor ihnen her und führte sie sicher den Piccadilly entlang. Auf eine Frage Vaughans erwiderte Montclair lachend, er sei ganz sicher nicht auf Freiersfüßen, während Vaughan auf die Gegenfrage hin gestand, er habe die schöne Frau nicht geheiratet, in die er so verliebt gewesen war, als sie sich zuletzt gesehen hatten. »Felicity hat Rich Saxon geheiratet«, sagte er seufzend.
»Was – den wilden Burschen?« Montclair grinste. »Armer Joss. Aber du machst nicht den Eindruck, als würdest du dir deshalb eine Kugel in den Kopf jagen. Hast du eine andere Lady?«
»Oh, jede Menge, alter Knabe. Ein ganzes Jahr lang war ich verrückt nach Alicia Wyckham. Dachte wirklich, ich hätte die Frau fürs Leben gefunden. Aber, um die Wahrheit zu sagen, langsam glaube ich, daß ich einfach keinerlei Neigung habe, ein frischgebackener Ehemann zu werden.« Er stupste Montclair ein wenig und sagte lachend: »Sie sind alle so verflixt hübsch, weißt du.«
»Ich verstehe. Und – äh, Dev? Ich fürchte, ich bin gerade in ein Fettnäpfchen getreten.«
Vaughan wurde ernst. »Ja, das bist du. Ich dachte, jeder wüßte, daß Yolande ihm den Laufpaß gegeben hat. Aber du sitzt ja wahrscheinlich das ganze Jahr über in Gloucestershire und bekommst dort nichts mit.«
»Sie hat Dev den Laufpaß gegeben? Das meinst du doch nicht ernst! Er war immer verrückt nach ihr!«
»Erstaunlich, nicht wahr? Sie hat seinen Cousin geheiratet. Irgendeinen Burschen aus Kanada.«
Überrascht rief Montclair: »Doch nicht Craig Winters? Na so etwas! Dev und Craig haben mich vor ein paar Jahren auf Longhills besucht. Winters ist ein feiner Kerl. Im Aussehen kann er natürlich nicht mit Dev mithalten, aber er hat bei Waterloo gekämpft, weißt du. Ein Major bei den schottischen Grauen. Trotzdem ... Miss Drummond und Dev waren seit Ewigkeiten verlobt. Ich vermute, Dev hat ihn gefordert?«
»Nein, hat er nicht. Armer Kerl, es hat ihn sehr mitgenommen, doch nun scheint er sich zu erholen. Aber jetzt genug von diesem Klatsch. Erzähl mir von dir. Ich ...« Sie waren in die stille, verlassene Stratton Street eingebogen. Vaughan packte Montclairs Arm, als sein Freund stolperte, und stützte ihn. Er spähte in das bleiche Gesicht und fragte ängstlich: »Alles in Ordnung, alter Knabe?«
»Vollkommen ... in Ordnung ...« erwiderte Montclair atemlos. »Muß wohl ... über einen Pflasterstein oder so etwas ... gestolpert sein.«
Vaughan blickte finster in die Dunkelheit, sagte aber nur: »Oh. Beschäftigst du dich immer noch mit deiner Musik? Vermutlich bist du mittlerweile ein guter Komponist?«
»Ein paar Sachen habe ich geschrieben. Mein Onkel schlägt natürlich die Hände über dem Kopf zusammen, wenn die Rede auf Veröffentlichung kommt.« Montclair schnaubte verächtlich. »Nicht standesgemäß, behauptet er.«
»Lieber Himmel, willst du etwa sagen, daß der alte Selby Trent noch immer bei dir herumschmarotzt? Was ist aus Lord Geoffrey geworden? Ist er immer noch nicht zurückgekehrt?«
»Nein, mein Bruder ist in Indien. Seit Waterloo war er nicht mehr in England. Ich wünschte bei Gott, er käme zurück, so daß ich Trent und seine ...« Hastig brach er ab.
»Soll das heißen«, fragte Vaughan entsetzt, »daß Geoff dich hier mit dieser Natternbrut sitzengelassen hat, während er im Ausland herumgondelt und sich auf der Jagd oder sonst irgendwie amüsiert?«
Montclair lachte leise. »Oh, Barbara ist keine Natter, Joss.« »Richtig. Aber dein Onkel ... und Lady Trent ... und Junius!« Vaughan schauderte. »Sieh zu, daß du sie los wirst, Val. Das rate ich dir. Schnellstens!«
Mit leiser, bitterer Stimme antwortete Montclair: »Glaubst du, ich hätte das nicht schon vor Jahren getan, wenn das möglich wäre? Als meine Mama Sir Selby als Nachlaßverwalter eingesetzt hat, wurde festgelegt, daß ich diesen ... Ich kann ihn nicht zwingen, Longhills zu verlassen, solange er kein Verbrechen begeht oder Geoff zurückkommt, um die Herrschaft anzutreten.«
»Aber – mein lieber Junge! Der Mann ist ein Ekel. Nein, wirklich, Val, tut mir leid, aber das ist er! Und deine Tante ängstigt mich zu Tode! Mischt sich Sir Selby bei der Verwaltung des Besitzes sehr oft ein? Ich wette, er tut es, dieser alte Geizkragen!«
»Mein verehrter Onkel«, begann Montclair grimmig, »bemüht sich nach Kräften ...« Doch er sollte diesen Satz nie beenden.
Der Fackeljunge stieß einen schrillen Pfiff aus, dann rannte er davon.
Wie Gespenster tauchten sie plötzlich aus der Dunkelheit auf. Es waren vier. Die Krempen schäbiger Hüte waren tief über die maskierten Gesichter gezogen, die dunklen Mantelkragen waren hochgestellt, und der verblassende Fackelschein glitzerte auf blauem Stahl. Ohne einen Augenblick zu zögern, stellten sich die beiden Freunde zum Kampf. Sie waren nicht bewaffnet, hatten aber beide Spazierstöcke, wie es Mode war, und schwangen sie wie Säbel. Verzweifelt wehrten sie jeden Hieb und Stoß ab, bis in der Nähe endlich Hufeklappern erklang. »Dev!« schrie Vaughan. »Hierher! Hierher!«
Eine Stimme brüllte: »Los, geben Sie ihnen die Peitsche! Da hinüber!«
Montclairs Stock traf eine große Gestalt, die daraufhin eine Verwünschung keuchte. Etwas Glitzerndes kam auf seinen Hals zu, und er wirbelte zur Seite. Rasiermesserscharfer Stahl streifte ihn an der Schulter. Seine linke Faust landete hart auf einer Nase. Der dunkle Schatten jaulte auf und wich zurück, aber sofort war ein anderer an seiner Stelle. Montclair duckte sich, als ein Knüppel nach seinem Kopf zielte. Wäre er mit voller Wucht gelandet, hätte er ihm den Schädel eingeschlagen. So verschwamm die Nacht in einem Strudel wirrer Eindrücke ...
»Ich werde umziehen!« Jocelyn Vaughan saß im Salon der Wohnung, die er von Devenish übernommen hatte, umklammerte sein Handgelenk und sah zu, wie Devenish die Wunde über...




