E-Book, Deutsch, 421 Seiten
Veryan Regency Dreams - Eine Lady in Sussex
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96655-976-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | »Der Superstar der Regency Romance!« (Library Journal)
E-Book, Deutsch, 421 Seiten
ISBN: 978-3-96655-976-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Patricia Veryan (1923-2009) ist das Pseudonym der englischen Schriftstellerin Patricia Valeria Bannister. Sie wurde in London geboren, siedelte aber nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika um. Dort lebte sie viele Jahre in Kalifornien und Washington, wo sie auch mit dem Schreiben ihrer historischen Liebesromane begann. Diese gehören heute zu Klassikern in diesem Genre und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Patricia Veryan wurde für ihr gesammeltes Werk zudem mehrfach mit dem Romantic-Times-Award und dem »Silver Loving Cup« von Liebesroman-Legende Barbara Cartland ausgezeichnet. Bei dotbooks veröffentliche Patricia Veryan ihre »Scotland Lovesong«-Reihe: »Ein Ball um Mitternacht« »Eine Reise in die Highlands« »Ein Dandy zum Verlieben« »Ein englischer Sommerball« »Einen Liebe in North Downs« »Ein unverschämter Gentleman« »Eine stürmische Reise« Sowie ihre nachfolgende »Scotland Kisses«-Reihe: »Eine bezaubernde Lady« »Eine charmante Diebin« »Ein unerhörter Skandal« »Das Geheimnis des Gentleman« »Das Lächeln einer Lady« »Eine charmante Intrige« Und ihre »Regency Dreams«-Reihe: »Ein Lord in Somerset« »Eine Lady in Sussex«
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Sussex, England
Herbst 1818
»Nein, ich hab’ nicht vergessen, was ich versprochen hab’.« Arthur Warrington spähte in die hereinbrechende Dämmerung und flüsterte: »Aber es ist noch nicht ganz dunkel. Außerdem erschreckt dich das Schloß doch nicht, Bruder, mächtiger Krieger, der du bist.«
Die beiden befanden sich auf verbotenem Territorium. Die Silhouette von Lanterns ragte düster und drohend vor ihnen auf und erstreckte sich bis zum Rand der Klippen. Arthur kletterte über eine niedrige, zerbröckelnde Mauer und hielt kurz inne, ehe er seine schmalen Schultern straffte und sein schwarzes Cape zurückwarf, um sein Schwert zu zücken. Sein Gefährte sprang auf die Mauer, und Arthur zischte: »Sie wird im Spukschloß gefangengehalten, klar doch. Und wir müssen sie befreien, verstehst du?« Sein Schwert verfing sich im Cape, und als es ihm schließlich gelang, es loszureißen, schwang er es in gewohnter Manier und befahl flüsternd: »Vorwärts!«
Bruder Tuck jedoch mißverstand diese Geste und stürzte sich statt dessen auf die herumwirbelnde Waffe. Nachdem ihm streng befohlen worden war, »nicht herumzuspielen«, setzte Bruder Tuck sich hin und schmollte.
»Komm schon«, drängte Arthur. »Du darfst mich jetzt nicht im Stich lassen, Bruder. Ich bin zwar einer der tapfersten Geächteten, ich, Robin Hood, aber die verruchten Schergen des Sheriffs sind in der Übermacht!« Er warf einen Blick auf Bruder Tuck, der sich jetzt mit anmutigen Bewegungen die Schnurrhaare putzte. »Los, beeilen wir uns, sonst kriegen wir Ärger mit Etta, und Tante Dova wird bestimmt ...«
Der Satz sollte nie beendet werden. Arthur Warrington, beinahe fünf Jahre alt, erstarrte in entsetztem Schweigen, und Bruder Tuck, ein rotbraun-weißer Kater, schoß über die Mauer, ohne einen Gedanken an die arme Maid Marion zu vergeuden.
Irgendwo in der Ruine des Spukschlosses war eine Tür geöffnet und wieder geschlossen worden. Flüchtig waren die Umrisse zweier Gestalten im Licht aufgetaucht: Männer, die jetzt eine formlose Last über die niedrige Brücke zu einer vierspännigen Kutsche trugen, die dort im Schatten wartete.
Eine tiefe Stimme sagte barsch: »Du weißt, was du zu tun hast, Mac?«
»Aye, Sir.«
»Sei vorsichtig. Es darf keine Zeugen geben.«
Der zweite Mann, der wie Hamish, ihr ehemaliger Gärtner in London, redete, sagte: »Das weiß ich wohl, Sir. Keine Sorge!«
Ein leiser Laut war zu hören. Ein Stöhnen vielleicht.
Arthurs zitternde Knie gaben unter ihm nach. Er rutschte die Mauer hinunter, blieb dort hocken und spähte dann, trotz seines wild pochenden Herzens, über den Rand.
»Ganz gleich, was passiert: Sie darf nie gefunden werden. Hast du mich verstanden?«
»Aye, Sir.«
Die beiden gespenstischen Gestalten waren jetzt mit ihrer Last bei der Kutsche angekommen, von der nur die Umrisse zu erkennen waren, da keine Laterne brannte. Arthur sah, daß ein dritter Mann die Tür öffnete und das Bündel hineingeschoben wurde.
Die schottische Stimme brummte: »Diese kalte, düstere Ruine ist kein gutes Versteck für Sie, Sir. Mir macht das Leben im Big Smoke auch keinen Spaß, aber dort wären Sie besser aufgehoben. Wenn Ti Chiu anfängt rumzuschnüffeln ...«
»London ist mir zu laut«, unterbrach die erste Stimme ungehalten. »Und Ti Chiu kann dort in der Menge untertauchen, während er und sein Herr hier sofort auffallen würden wie bunte Hunde.«
Arthur duckte sich.
Die Kutschentür wurde zugeschlagen, die Pferde schnaubten und scharrten ungeduldig mit den Hufen über die Pflastersteine, und dann wurde ein Fenster heruntergelassen.
»Aber, wie wollen Sie es schaffen ...«
»Genug! Daniel – fahr los!«
Eine Peitsche knallte. Schwere Räder knirschten, Leder knarrte, und der Hufschlag wurde zu einem regelmäßigen, sich entfernenden Trommeln.
Arthur spitzte die Ohren, konnte jedoch nicht das leiseste Geräusch von Schritten hören. Als er es wagte, wieder über die Mauer zu spähen, war der Mann, der zurückgeblieben war, nirgends zu entdecken.
Es dauerte lange, ehe er den Mut aufbrachte, aus seinem Versteck zu kriechen, und erst als er schon halbwegs den Abhang hinaufgeklettert war, folgte er dem Beispiel des feigen Bruder Tuck und rannte nach Hause.
Das Austragshaus, ein viereckiges, geräumiges Gebäude, stand in der nordwestlichen Ecke des Lanterns-Besitzes. Obwohl mehr als eine Meile landeinwärts gelegen, bot es bei gutem Wetter einen ungehinderten Blick auf den Ärmelkanal und die französische Küste, da es auf einem Hügel stand. Im Vergleich zu dem Luxus und der Eleganz von Sir Lionel Warringtons Stadthaus in London war das Haus eine sehr bescheidene Bleibe, doch Miss Marietta Warrington, Sir Lionels älteste Tochter, besaß die Gabe, aus allem das Beste zu machen, und fand, daß es die Familie hätte schlimmer treffen können.
»Ganz gleich, was du sagst, es gibt absolut keinen Grund für die häufigen Besuche der beiden Männer«, bemerkte sie jetzt, als sie durch die Küche ging und die Teekanne vorsichtig auf das Tablett stellte. Das alte silberne Teeservice war – abgesehen von seiner Schönheit – ein Relikt aus ihrem früheren Leben und mußte ehrfürchtig behandelt werden. »Was könnte für Sir Gavin Coville hier schon von Interesse sein?« redete sie mit gedämpfter Stimme weiter.
»Unser Heim ist bescheiden ...«
»Unser jetziges«, warf Fanny bedrückt ein und nahm warmes Teegebäck vom Backblech.
»... und er ist nicht der Typ Mann, der für die liebe Tante Dova ein zärtliches Interesse entwickeln könnte.«
Fanny stieß einen fröhlichen Schrei aus, schlug sich die Hand vor den Mund und sagte kichernd: »Sie ist jetzt da drin, weißt du. Und Sir Gavin gibt sich sehr höflich, aber ich kann es kaum erwarten, bis sie einen ihrer Tänze aufführt. Er hält sie ja jetzt schon für reif fürs Irrenhaus!«
Marietta, die ihre lebhafte jüngere Schwester sehr liebte, warf Fanny einen strengen Blick zu, mußte jedoch lächeln, als sie das Funkeln in den großen haselnußbraunen Augen sah. »Ihn verbinden doch bestimmt keine Gemeinsamkeiten mit unserem Vater, und er weiß sicher von Papas Verlusten an der Börse.«
»Wohl eher von seinen Verlusten an den Tischen im White’s and Watier’s«, sagte Fanny, verächtlich schnaubend. Als sie Mariettas Verärgerung über die despektierliche Bemerkung sah, fügte sie schnell hinzu: »Als nächstes behauptest du noch, unser Vermieter habe ein zärtliches Interesse an mir.«
Marietta eilte ins Eßzimmer, kam mit dem Teesieb zurück und meinte bissig, es läge ihr fern, so etwas zu behaupten, da Sir Gavin nur im Auftrag von Lord Temple and Cloud handele, der der Grundbesitzer – und somit ihr Vermieter – sei, sich jedoch nie auf Lanterns blicken ließe.
»Was er hoffentlich auch nie tun wird«, sagte Fanny. »In diesem gräßlichen alten Bau könnte er nicht wohnen und würde wahrscheinlich das Austragshaus für sich beanspruchen. Und wo bleiben wir dann?«
»Außerdem«, griff Marietta ihren Gedankengang wieder auf, »ist Sir Gavin etwa im Alter von Vater und Tante Dova und interessiert sich bestimmt nicht für eine verschrobene Witwe. Und selbst, wenn Mr. Blake Coville Gefallen an dir ...«
»Ach, hör doch auf«, sagte Fanny. »Jeder Dummkopf kann sehen, warum Sir Gavin und sein Sohn zu Besuch kommen«, sie hielt ihrer Schwester die silberne Kuchenplatte vors Gesicht, »es sei denn, er ist blind wie ein Maulwurf.« Marietta warf einen kritischen Blick auf ihr Spiegelbild in der auf Hochglanz polierten Platte. Es ist, dachte sie, ein recht hübsches, aber unauffälliges Gesicht, mit hohen, etwas zu breiten Wangenknochen und einer schmalen Nase. Der Mund? Nicht übel, mit der wohlgeformten, rosigen Unterlippe. Aber es war ein resoluter Mund, und das Kinn darunter zierte kein Grübchen, und es war ein bißchen zu stark ausgeprägt. Die grünen Augen mit den dichten schwarzen Wimpern waren zufriedenstellend, wie sie sich eingestehen mußte. Doch die krönende Zierde ist mein Haar. Die weichen, beinahe schwarzen Locken schimmerten wie Seide und betonten ihren hellen, klaren Teint.
»Hmmm«, meinte sie.
»Hmmm, also wirklich!« empörte sich Fanny, senkte den improvisierten Spiegel und legte kleine Kuchen und Kekse darauf. »Du wirst nie zugeben, daß du schön bist. Mr. Blake Covilles Augen leuchten jedesmal auf, wenn er dich sieht. Kein Wunder!«
Marietta stellte noch Tassen und Untertassen auf das Tablett. »Schönes Wunder«, widersprach sie. »Bis auf Jocelyn Vaughan und Alain Devenish, die sich aufs Land zurückgezogen haben ...«
»Wie wir«, warf Fanny mit einem Seufzer ein.
»Wie wir. Wo war ich stehengeblieben? Ach, ja – abgesehen von Vaughan und Devenish ist Blake Coville wohl der begehrteste Junggeselle von London.«
»Und sehr gutaussehend. Wer ist Jocelyn Vaughan?«
»Der Erbe von Lord Moulton und ein Cousin von Lucian St. Clair. Kannst du dich nicht daran erinnern, daß er schwer verwundet aus dem Krieg zurückkam und alle Ladies nach seiner Genesung vor Angst zitterten, er könnte Alicia Wyckham heiraten?«
Fanny füllte nur achselzuckend den Wasserkessel und stellte ihn auf den Herd.
»Ich habe kein Interesse an hochwohlgeborenen Gentlemen«, erklärte Fanny hochmütig. »Die sind alle dumm. Ich heirate einen Professor oder einen Künstler oder einen einfachen, bescheidenen Mann mit Grütze im Kopf. Aber ich mache mir deinetwegen Sorgen, Liebes. Trotz deines guten Aussehens ... hm ...«
»Ich bin vierundzwanzig und somit zu alt für einen der in Frage kommenden jungen...




